FILM NOIR (USA 2006, 97 min, englische OV)

REGIE: D. Jud Jones, Risto Topaloski

Story:
Ein Mann wacht am „Hollywood“-Schild in den Hügeln von LA auf – kein Gedächtnis, aber dafür einen toten Cop neben sich. Er macht sich auf die Suche nach seiner Identität, scheint gleichzeitig der Privatdetektiv Sam Ruben und der miese Drecksack David Hudson zu sein. Bald ist ihm die Polizei auf den Fersen, und Gangster unbekannter Herkunft greifen ihn mit Helikoptern und Bazookas an. Die Recherche hat aber auch ihre gute Seiten: Sam/David vögelt nacheinander seine Nachbarin, eine heroinsüchtige High Society-Lady, und eine Stripperin. Langsam findet er heraus, dass es keine gute Idee sein kann, das Gedächtnis von „David Hudson“ zurück zu bekommen…

Kritik:
Titel und Story plärren es heraus – „Film Noir“ ist eine Hommage an den Film Noir. Von Meisterwerken wie „LA Confidential“ und „Chinatown“ ist er allerdings meilenweit entfernt, auch wenn es ihm bisweilen perfekt gelingt, deren Stil zu imitieren.

Das Hauptproblem: Der Zeichentrick-Stil von „Film Noir“ ist potthässlich und unbeholfen. Die Hintergründe sind meistens Realaufnahmen, die digital prozessiert wurden, während die Figuren eher nach rotoskopierter Hand-Animation aussehen. Die Gesichter sind maskenhaft und die Stimmen asynchron, die Bewegungen der Figuren an keiner Stelle überzeugend. Technisch sieht „Film Noir“ geradezu armselig aus. Der PC-Shooter „XIII“, der einen ähnlichen Look hat, machte das vor Jahren schon deutlich besser.

„Film Noir“ nutzt auch die Möglichkeiten des Trickfilms an keiner Stelle. Die Erzählweise ist extrem konservativ, und auch visuell wird nichts herausgekitzelt, was man nicht auch hätte real verfilmen können. Das führt allerdings das ganze Vorhaben ad absurdum – wozu Trickfilm, wenn man dann doch lediglich auf die Mechanismen des Realfilms zurückgreift?

Natürlich provoziert der Film den Vergleich mit dem letztjährigen „Renaissance“ – und sieht dabei ganz alt aus. „Renaissance“ war technisch ein Meisterwerk, mit einer vielschichten Story, und visuellen Einfällen, die der Technik gerecht wurden. Zwischen den beiden Streifen liegen Welten.

Warum „Film Noir“ trotzdem noch eine Wertung am Mittelmaß erhält? Nun, er mag zwar konservativ und einfallslos erzählt sein – die Story selbst stimmt aber. Wer die alten „hardboiled“-Romane mag, bekommt hier eine coole Ladung rauer Kerle, geiler Weiber, und perverser Plottwists. Die Autoren haben die Vorlagen genau studiert, und unterhaltsam umgesetzt. Dazu trägt nicht zuletzt Mark Kellers exzellenter Jazz-Score bei, den man durchaus gerne auf CD hätte. Als Realfilm hätte „Film Noir“ mit ensprechenden Darstellern mindestens vier, vielleicht sogar fünf Belas ergattert.

Dringlichkeit: Wer den Film überhaupt sehen will, sollte lässig bis zur TV-Ausstrahlung warten

Positiv:
Die klassische Story, die Musik, einzelne Backgrounds

Negativ:
Schwache Animation, schlechtes Voice Acting, Klischees

3belas.jpg

Hört nicht auf mich:
“I was into the story from the moment it began…not an easy accomplishment for an animated film. It manages to do the LA police/detective/murder story without lapsing into clichés. In fact, complex twists and turns in the plot keep you involved. Just when you think you have it figured out, you’re hit with another sharp left turn. Loved the mix of murky film with animation. I recognized classic Hollywood landmarks. The art direction never gets dull. Angles are unexpected and animated effects are great. Great music by Keller, his first attempt at scoring a picture. He also is the voice of the main character. And the sex scenes…..animation is able to leave just enough to the imagination…it’s better than a lot of filmed sex.” – IMDB



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[…] Visuell so pompös wie verstörend, mit intelligent inszenierter Action und faszinierenden Blickwinkeln, die keine echte Kamera der Welt liefern könnte – weit besser als der im folgenden Jahr gelaufene, ähnlich gelagerte “Film noir“. […]

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