DEAD SILENCE (USA 2007, 90 min, englische OV)

REGIE: James Wan
DARSTELLER: Ryan Kwanten, Donnie Wahlberg, Amber Valletta, Michael Fairman, Joan Heney, Bob Gunton
DREHBUCH: Leigh Whannell, James Wan
WEBSITE

Dead SilenceStory:
Jamie Ashens schwangere Frau wird von einer per Post empfangenen Bauchredner- Puppe übel gemeuchelt. Überraschenderweise will das niemand glauben, und noch überraschenderweise läßt man Jamie trotz aller Verdachtsmomente ziehen. Und wohin zieht es ihn? In das aussterbende Städtchen Ravens Fair, aus dem seine Familie stammt. Hier stößt er auf die Legende von Mary Shaw, einer Bauchrednerin, deren Blut an den Händen der Bewohner klebt. Und Mary Shaw hat gleich einen ganzen Friedhof an Bauchredner-Puppen auf ihrer Seite, wenn es um Rache geht…

Kritik:
„Dead Silence“ ist der Versuch des „Saw“-Regisseurs James Wan, sich jenseits von „torture porn“-Horror zu beweisen. Die Kritiker beschreiben den Stil von „Dead Silence“ denn auch gerne als „klassischer Grusel“. Dem kann ich leider nicht zustimmen. Was Wan für „klassisch“ hält, sind die abgegriffensten Klischees aus der untersten Schublade. Das hat schon zu den Zeiten von Hammer Films nicht mehr funktioniert. Der eigentlich prinzipiell psychologische Terror einer Bauchredner-Puppe (schön ausgespielt in Filmen wie „Magic“ oder „Devil’s Doll“) wird hier Chucky-esk in Richtung Splatter gezerrt, was so gar nicht geht (konsequenterweise verkneift sich Wan auch jeden Hinweis darauf, WIE die Puppe angreift).

Die Mytholgie, die „Dead Silence“ um Mary Shaw und ihre Puppen aufbauen möchte, ist schnarchig ohne Ende, und bis ins Detail bei Freddy Krueger geklaut (inklusive altem Kinderlied mit Hinweisen auf „do’s and don’ts“).

Einen Film mit „richtiger“ Handlung zu machen ist schon was anderes, gelle, Mr. Wan?

Was „Dead Silence“ aber wirklich versenkt, ist der toastbrotigste Hauptdarsteller diesseits von David Schwimmer: Ryan Kwanten ist ein Totalausfall, der keine Sympathien verdient hätte, selbst wenn das Drehbuch ihm so etwas wie einen Charakter zugestanden hätte. Und Donnie Wahlberg (also der Ex-New Kid, nicht Marky Mark) spielt keinen runtergekommenen Cop – er äfft einen nach, als hätte er zu oft Nick Nolte in „Q & A“ gesehen.

dead-silence-2.jpg

Insgesamt finde ich das ziemlich schade, denn der Film sieht spektakulär gut aus. Klar hat man wieder alle Farben bis auf blau und grau aus den Bildern rausgedreht, aber in Komposition und Setbau kann „Dead Silence“ mit Großproduktionen mithalten. Hier wurde Liebe zum Detail investiert, die der Film inhaltlich nicht erwidert.

Dringlichkeit: Kann man im Spätprogramm eines Privatsenders gucken.

2belas.jpgPositiv:
Die Kamerarbeit, das Produktionsdesign, der Sound.

Negativ:
Die Darsteller, der abgelutschte „Mythos“, jedes verfügbare Klischee.

Hört nicht auf mich:
“From its vintage, ‘40s era Universal Studios into to its old-fashioned ghost story and elegant visual style, Dead Silence displays a retro quality that’s rather unexpected coming from the director-screenwriter of SAW. … Wan demonstrates that he’s equally effective working in a more classical vein, especially with his skillful use of chilling low-key sound effects and silence in several scary sequences.” – Hollywood Reporter



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Peroy
Peroy

Einer der Filme des diesjährigen Line Ups, auf die ich mich am meisten freue. Und wenn der „Saw“-Typ den gemacht hat, KANN der garnicht schlecht sein…

(Ich glaub‘, man muss die Bela-Skala doch von rechts nach links lesen, was…?)

Peroy
Peroy

Nee, meine Kommentare sind eben nur das. Kommentare. Ich erhebe da keinen Wahrheits-Anspruch bei Zeugs, das ich nicht gesehen habe. Gut möglich, dass ich vollkommen danebenliege. Aber man kann ja Vermutungen anstellen und Rückschlüsse vom bisherigen Output der Regisseure schließen…

Wenn ich die Wahl zwischen „The Gravedancers“ und „Dead Silence“ hätte, wüsste ich jedenfalls, für welchen der beiden ich Kohle an der Kinokasse lassen würde. Trotz den Belas… 😉

Und ja, im Klugscheissen bin ich Weltmeister. Ich kann ja sonst nix… 8)

Peroy
Peroy

„Ich gehe immer bewusst vorurteilsfrei in Filme, um nicht Sachen zu verpassen, nur weil mir der Regisseur/Autor früher mal auf den Schuh gepisst hat…“

Gebranntes Kind scheut das Feuer…

comicfreak
comicfreak

@ Peroy

..wenn du den Film endlich gesehen hast, gib doch hier bitte ´ne kurze Stellungname, ja?

*bettel(TM)*

*g*

Peroy
Peroy

“ Gerade das Filmfest bietet im Gegensatz zum “regulären” Kinobesuch die perfekte Gelegenheit, auch mal den eigenen Horizont zu erweitern.“

Nichts, was auf dem FFF gezeigt wird, erweitert meinen Horizont… da müssten schon amerikanische RomComs oder sowas laufen…

Na gut, der Bollywood-Mist vielleicht… auch ich hab‘ meine Grenzen…

Peroy
Peroy

„“auch ich hab’ meine Grenzen…” – was ja eigentlich genau mit “Horizont erweitern” gemeint ist…“

Meinetwegen, aber ich finde meinen Horizont genau da gut, wo er ist… 8)

comicfreak
comicfreak

*rofl*

..gerade fiel im Chat der Satz

„Stell dir vor, du erreichst deinen Horizont, und er ist aus Holz!“

Ich ging spontan von ´ner Anspielung auf die „Trueman-Show“ aus, aber meine Gesprächsnachbarin spielte nur auf das sprichwörtliche „Brett vor´m Kopf“ an..

;o)

Peroy
Peroy

Knorkator haben ausgerechnet, dass es bis zum Horizont 4650 Meter sind… das ist weit genug… 8)

susi
susi

ich fand den film zum in die hose scheissen ôo

aber das ist nur so weil ich angst vor puppen habe 😀

xDDDD

trotzdem coole film 😀

Kusziiii eure susii 😀

SUSIKUSSI@hotmail.de haha ^^

a.death.experience

FAand ihn gnz OK…vor allem die Musik von Charlie Clouser ist grandios. Aber auf die Dauer nerven die Puppen und die Stille…net sooo dolle, aber OK eben.

a.death.experience

P.S.:

Die SAW – Puppe spielt mit ;o)

Liegt ziemlich am Ende auf dem Dachboden, wo die ganzen anderen Puppen in der Vitrine sind in ner Ecke rum :o)

Peroy
Peroy

Hab‘ mir viel von dem Film erhofft… und wurde nicht enttäuscht. Klar fungiert der Streifen als Klischee-Auffangbecken, aber die Klischees, die Einzug gefunden haben, gehören ja auch zu den guten, die man immer wieder gerne sieht. Als Fan erkennt man da Anleihen von „Nightmare on Elm Street“ bis „Candyman“ und „Child’s Play“, was nur bedeutet, dass die Macher bei den Klassikern abgekupfert und damit Geschmack bewiesen haben. Glücklicherweise hat „Dead Silence“ keine überflüssigen, nicht funktionierenden Scheiß-Szenen, mit denen Sachen wie „Gravedancers“ (alle Geister-Auftritte, sämtliche Momente mit der bebrillten Assistentin), „Ferryman“ (alle Auftritte der blonden Dumm-Trulla, „Death by Masturbation“, die Besessenen, die sich unterschiedlich verhalten) und „Unrest“ (die BH-Show, 60 Minuten ohne erkennbaren roten Faden) geradezu gespickt sind. Hier ist alles effizient, fies, gemein, scary und läuft wie geschmiert, und das nicht über Gebühr. Die Fotografie von John R. Leonetti ist großartig, einige Szenen-Übergänge sind brillant und dank der Puppen ist der Film permanent scheiss-creepy, ohne dass irgendwas gesteigert gruseliges passieren müsste (was es zum Schluss hin dann aber doch tut… und zwar massiv). Der war so gut, dass ich nicht bereue, 18€ für die DVD gelöhnt zu haben. James Wan dürfte sich damit als Hoffnungsträger des Genres etabliert haben, wenn sein „Death Sentence“ (den ich leider im Kino verpasst hab‘, Schande über mich) nicht großartig abfällt, wird man jeden weiteren Film von dem blind gucken können…

Fünf Belas, den letzten gibt’s nicht, weil Wan sich an seinem eigenen „Saw“ messen lassen muss. Und ich bekrittel‘, dass man die alternativen Anfang- und End-Sequenzen der DVD-Extras nicht in den Film integriert hat. Trotzdem ein heißer Tipp für ’nen gelungenen DVD-Abend, Daumen hoch.

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