PARAGRAPH 78 (Russland 2007, 130 min, russ. OmeU)

REGIE: Mikhail Khleborodov
DARSTELLER: Gosha Kutsenko, Vladimir Vdovichenkov, Anastasiya Slanevskaya,
Aziz Beishenaliyev, Grigory Siyatwinda, Stanislav Duzhnikov
DREHBUCH: Mikhail Khleborodo, Ivan Okhlobystin (Buchvorlage)
Paragraph 78Story (Vorsicht: MASSIVE SPOILER):
In der nahen Zukunft: Die Welt hat sich mehr oder weniger in Frieden geeinigt, durch gegenseitige Abrüstungsverträge sind alle Großwaffen-Systeme abgeschafft. Weil man sich natürlich trotzdem nicht zu 100 Prozent traut, gibt es noch ein paar Forschungslabors aus alter Zeit, in denen illegal weiter gearbeitet wird. Eines dieser unterirdischen Labors funkt plötzlich für alle Welt hörbar ein Notsignal. Die russische Regierung gerät unter Druck: Wen kann man losschicken, um ein offiziell nicht existentes Geheimwaffen-Labor in der Pampa zu prüfen? Die Antwort: Ein offiziell nicht existentes Team. Und darum ruft man die Leute um Commander „Goodwin“ wieder zusammen – „Pie“, „Festival“, „Scythian“, „Lubya“, und „Lisa“. Zusammen mit einem Arzt macht sich das Team auf den Weg – und findet die Forscher tot vor. Schlimmer noch: Was immer hier entwickelt wurde, es hat die Soldaten bereits infiziert. Mit dem sicheren Tod vor Augen kommen die Kommandos auf eine „ehrenvolle“ Idee, ihr Leben zu beenden: In ausgelosten Zweikämpfen treten sie in den unterirdischen Laborgängen gegeneinander an. Der Letzte macht das Licht aus…

Kritik:
Jau, die Story klingt hinreichend beknackt, das gebe ich zu. Statt gegen einen allmächtigen Feind zu kämpfen (z.B. das Killervirus, das im Labor umgeht), beschließen die russischen Stiernacken, sich gegenseitig platt zu machen. Aber es gelingt „Paragraph 78“ erstaunlich gut, die Lebenseinstellung hinter dieser Idee zu verdeutlichen: Keiner dieser Männer hat je mehr vorzuweisen gehabt als die Mitgliedschaft in der Einheit, und die Soldatenehre ist das letzte bißchen Würde, das sie haben. Nach ca. einer Stunde mit diesen Jungs kann man nachvollziehen, was sie antreibt (außer großen Mengen Wodkas). Und es ist allemal erfreulich, einen Film zu sehen, dessen Showdown nicht auf „wir gegen die Monster“ reduziert ist. Bei den Zweikämpfen der Soldaten werden immer wieder persönliche Animositäten, emotionale Twists, und überraschende Geständnisse eingestreut. Das ist kein „Last Man Standing“-Turnier à la „Bloodsport“.

Bis es zum Finale kommt, läßt sich „Paragraph 78“ allerdings SEHR viel Zeit, die Figuren einzuführen, sie zum Ort der Handlung zu bringen, und dort erstmal rumstochern zu lassen. Es wäre durchaus hilfreich gewesen, hier ein wenig mehr Tempo in die Handlung zu bringen. Man ist auch die ganze Zeit unsicher, was einen wirklich erwartet: Militärthriller à la Clancy? Monsterhatz à la „Doom“? Futuristisches Geballer à la „Aliens“? Diese Unsicherheit wird durch die Hauptlocation verstärkt: Das unteridische Forschungszentrum sieht mit seinen langen gekachelten Wänden aus wie für einen Ego-Shooter gebastelt, und die mit Munition und Waffen vollgepackten Kampfanzüge der Hauptfiguren legen noch einen obendrauf. Aber wie schon bei der Inhaltsangabe erwähnt: es kommt doch anders…

Und dieses „anders“ ist es auch, das den Film dann nochmal richtig anziehen läßt: Die Kämpfe der Soldaten sind knallhart, exzellent choreographiert, meist nicht gedoubelt, und lassen nach langer Zeit mal wieder Spass an körperlicher Gewalt aufkommen. Jeder von diesen Soldaten könnte van Damme lässig in der Mitte auseinander brechen. Selbst die Frau im Team ist ein härterer Kerl als alles, was sich im örtlichen Bodybuildingstudio tummelt.paragraf_78.jpg

Insgesamt braucht es also ein bißchen Geduld, um bei „Paragraph 78“ zu den „leckeren Sachen“ zu kommen, aber das lohnt sich. Wer für sich selber nicht den Titel „Filmfan“ in Anspruch nimmt, kann natürlich einfach bei der DVD vorspulen.

Letztlich ist „Paragraph 78“ nur bedingt Science Fiction oder Horror – es ist ein brutales Soldaten-Kammerspiel mit exzellent inszenierter Action. Wer für sowas keine Ader hat, sollte hier abwinken.

Dringlichkeit: Wer nach der Kritik oben auf den Geschmack gekommen ist, sollte auf dem Festival hingehen – DVD reicht aber auch.

Positiv:
Die Darsteller, die Kampfszenen, der unorthodoxe Storyaufbau

Negativ:
Zu ruhige Erzählweise, miese Untertitel, aufgesetztes Happy End

4belas.jpgHört nicht auf mich:
“Leave it to the Russians to make a perfect science fiction martial arts flick, complete with logic-defying action sequences and beautifully choreographed mayhem. Throw in a love triangle and a rather hostile group of former best friends within a special elite army unit and what you get is New Russian Cinema at its best.” – Fantasy Filmfest Programm



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