Kino Kritik: BRIDE! – ES LEBE DIE BRAUT
Themen: Film, TV & Presse |
Story: Chicago in den 30er Jahren. Immer noch zieht das Monster von Viktor Frankenstein durch die Welt, zusammen gestückelt aus Leichenteilen, unsterblich und unendlich einsam. Die Kreatur bittet die Wissenschaftlerin Doktor Euphronious, ihr aus einer Leiche eine Gefährtin zu schaffen. Doch kaum lebt "Ida" wieder, wird allen Beteiligten klar, dass diese "Braut" nicht nur ganz eigene Vorstellungen von ihrem "zweiten Leben", sondern auch einige Rechnungen zu begleichen hat…
Kritik: Wisst ihr, was Magie ist? Magie ist, wenn ein Film wie BRIDE! unendlich viele Dinge zeigt, die man kritisieren kann. Wenn seine Dramaturgie so sehr humpelt wie seine Protagonisten, wenn die Story aus gänzlich unpassenden Teilen zu einem wütenden, monströsen Homunkulus zusammen genäht wird. Wenn er zu laut wird und zu schrill, zu albern und zu eitel. Magie ist, wenn all das passiert – und sich doch zu einer faszinierenden Erfahrung zusammen findet, wie sie nur das Kino bieten kann. BRIDE! ist ein Film, den Netflix nie produzieren würde.
Maggie Gyllenhaals dritte Regiearbeit ist der in meinen Augen gelungenste Versuch, das "Dark Universe" von Universal mit neuem Leben zu erfüllen, weil er FRANKENSTEIN fortsetzt, ohne die Vorlage zu imitieren oder sich arrogant von ihr zu distanzieren. Stattdessen tilgt er vor allem den größten Fehler von James Whales BRIDE OF FRANKENSTEIN, in dem er die namensgebende Figur endlich mehr sein lässt als einen Katalysator für die emotionale Entwicklung des Monsters. Wo BRIDE! drauf steht, ist endlich auch Bride drin.
Und was für eine Braut das ist!
Jessie Buckley spielt das zuerst namenlose Society-Mäuschen mit einer erregenden Furchtlosigkeit in einer Welt, die Frauen keine Macht zugesteht. Als "Ida" bekommt sie die Gelegenheit, nicht nur die ihr zugestandene Rolle, sondern auch jede aufgezwängte Moral abzulegen. Sie ist nicht nur der Alptraum ihrer Schöpfer – sie ist der Alptraum des Patriarchats, für die Herrschenden dieser Gesellschaft im wahrsten Sinne ein feministisches Monster.
Das ist … viel. Maggie Gyllenhaal ist nicht damit zufrieden, BRIDE! als "female empowerment"-Variante der Geschichte zu erzählen. Sie erschafft eine seltsame Zwischenwelt, die das New York der Fred Astaire-Filme ebenso referenziert wie das Kino der Weimarer Republik. BRIDE! ist CABARET, BONNIE AND CLYDE, die UNTOUCHABLES und THE SHADOW. Das Leben zwischen den Häuserschluchten ist grausam und geil, und bevor man draufgeht, sollte man auf jeden Fall tanzen.
BRIDE! gelingt das seltene Kunststück, dass man ihn großartig und visionär finden kann – und mit den gleichen Argumenten selbstbesoffen und überheblich. Man kann angesichts der cineastischen Exzesse "muss das alles sein?" murmeln und sich dann selber die Antwort geben "ja, warum denn NICHT?!". Warum nicht mal mehr als üblich vom Büffet der Traumfabrik auf den Teller schaufeln, warum nicht mal jede Szene wie im Rausch filmen und dem Zuschauer das Gefühl geben, er sei selber betrunken?
Ich könnte viele Sachen listen, die man an BRIDE! kritisieren kann, nicht zuletzt die bizarre erzählerische Klammer, die aufgesetzt und völlig unnötig wirkt. Aber das wäre wie die Frage, ob bei einer großartigen Party mit Koks und Nutten die Musik vielleicht ein bisschen zu laut ist.
Love it or hate it – BRIDE! ist Kino. Da gehört er hin, da müsst ihr rein.
Fazit: Äquivalent zum Thema ein Monster von einem Film, wild, ungezähmt, ungeschlacht, wütend und unberechenbar. Ein Film, an dem sich die Geister scheiden werden – und genau so soll das auch sein.
Toll, jetzt seziere ich beim Lesen jede deiner Kritiken und suche nach Hinweisen, aus denen ich ableiten kann, ob der Text von dir oder von einer KI kommt…
Same here.
Plus die Suche nach dem Essens-Vergleich.
"mehr als üblich vom Büffet der Traumfabrik auf den Teller schaufeln"
KI oder Dewi?
Ohne den Film gesehen zu haben: Nach allem, was ich gelesen habe, scheint die erzählerische Klammer eine direkte Übernahme aus dem Ur-"Bride of Frankenstein" zu sein – inklusive des Gimmicks,
Ist wahrscheinlich als Hommage gedacht, muss aber natürlich trotzdem keine gute Idee sein.
Es trägt halt null zur Handlung bei und impliziert eine Entwicklung, die vom Film nicht gedeckt ist. Ich fand es auch inszenatorisch und von den Monologen her albern.
Eben gesehen und ich kann nur zustimmen. Man könnte etliche Dinge völlig zurecht scheiße finden, aber der Film ist dermaßen wild und unterhaltsam, dass man da einfach drüber hinweg sieht. Außerdem sieht er fantastisch aus und ist eine wahre Ausstattungsorgie
Großartiger Film. Mich überraschen daran 2 Dinge:
Der Film hat definitiv seine Ecken und Kanten, an denen ich mich auch etwas gestossen habe – aber ich hatte trotzdem eine gute Zeit! Maggie Gyllenhall beherrscht sichtlich ihr Handwerk, und Christian Bale ist einer dieser Darsteller, die dermaßen in ihrer Rolle verschwinden können, dass ich komplett vergesse, dass ich hier einem Schauspieler zusehe, der einen Charakter verkörpert.
Und Jessie Buckley hat mit dem hier und HAMNET grade echt einen Lauf. Mal sehen, ob sie sogar den Oskar mit nach Hause nimmt…