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Dez 2021

Kino Kritik: THE MATRIX RESURRECTIONS (spoilerfrei)

Themen: Film, TV & Presse |

USA 2021. Regie: Lana Wachowski. Darsteller: Keanu Reeves, Carrie-Anne Moss, Priyanka Chopra, Jessica Henwick, Jonathan Groff, Yahya Abdul Mateen II, Neil Patrick Harris, Jada Pinkett Smith u.a.

Story: Thomas Anderson ist so etwas wie eine Legnde – als Programmierer war er vor Jahren für die Kult-Videospiele MATRIX 1-3 verantwortlich. Nun soll er für Warner Bros. auf Druck der Marketing-Abteilung eine Fortsetzung produzieren.  Aber nicht erst seit einem Selbstmordversuch fühlt sich Anderson seltsam deplatziert in der Welt und auch sein Therapeut kann ihm nicht helfen. Als er ein uraltes Szenario in seine neue Game Engine einspeist, setzt er damit eine Kette von Ereignissen in Gang, die seine Existenz und die der Realität in Frage stellt.

Kritik: 1999 sah ich so aus (Mitte):

Ich arbeitete noch bei ProSieben, hatte noch keine Romane oder Drehbücher geschrieben und lebte in einem 1 1/2-Apartment mit Garten in Schwabing. Florian Breitsameter von SF-Fan.de war ein guter Kumpel und als mal wieder die Einladung zu der Pressevorführung eines neuen Science Fiction-Films reinflatterte, melde ich ihn kurzerhand mit an. Da ich jeden Mailverkehr archiviere, kann ich es genau datieren: am 21.4.1999 (einen Tag nach Hitlers 110. Geburtstag für die History-Nerds) sahen wir im Neuen Gabriel – knapp zwei Monate vor dem offiziellen Kinostart – THE MATRIX.

Als wir rauskamen, war uns bewusst, dass wir gerade einen "game changer" erlebt hatten. MATRIX war so unfassbar frisch in der Optik und der Action, so selbstbewusst in seiner Eleganz und Geschwindigkeit, dass er das gesamte Genre aus den Fängen des schal gewordenen Blockbuster-Kinos rausriss und wieder zum feuchten Nerd-Traum machte. MATRIX war der perfekte Film für die expandierende Internet-Gesellschaft, für die Generation Social Network, X-Box und Second Life.

Klar, die Sequels waren unfassbar scheiße, auch wenn ich glaube, dass der Grund dafür oft missverstanden wird: Die Wachowskis haben einfach die falsche Geschichte fortgesetzt, nämlich die der titelgebenden Matrix. Erheblich logischer (und von den Zuschauern erwartet) wäre gewesen, Neos Kampf gegen die Aliens (?) in der realen Welt zu verfolgen. Aber da steckten den Wachowskis vermutlich nicht genug verquaste pseudo-intellektuelle Gedankensprünge drin. Ich kenne kaum einen großartigen Film – mit Ausnahme von HIGHLANDER -, der von seinen Sequels derart demontiert wurde.

Darum gehört THE MATRIX RESURRECTIONS für mich auch zu den Sequels, auf die niemand gewartet hat. Aber wie bei Emmerich und INDEPENDENCE DAY 2 mussten die Wachowskis nach einer Reihe teurer Flops dringlich mal wieder ihren Marktwert zementieren. Machen wir uns nichts vor: hier stand nicht die Idee, sondern der Scheck Pate.

Und so stand ich heute – 22 Jahre später – wieder vor dem Kino. 22 Jahre, da ist der Abstand von ZARDOZ zu INDEPENDENCE DAY. Ich wünschte, ich wäre so wenig gealtert wie Keanu Reeves:

Es ist ebenfalls den sich ändernden Zeiten anzurechnen, dass ich dem Release des Films diesmal nur noch zwei Tage voraus bin.

Florian Breitsameter hatte übrigens wieder mitkommen wollen, war aber kurzfristig verhindert. Schade, das wäre ein echter nostalgischer Kick gewesen.

Und damit endlich zum Film, der mit 2 1/2 Stunden bei der Laufzeit mal wieder nicht schludert in einem Jahr, dem es an überlangen Blockbustern wahrlich nicht mangelt.

Vorab: MATRIX RESURRECTIONS macht viel richtig. Weil man sich nur einmal das erste Mal verlieben kann, versucht und verhebt er sich nicht daran, den Wow-Effekt der Bullet Time oder der Hyper-Zeitlupen zu strapazieren. In seiner dauernden Action ist der Film erheblich traditioneller und weniger angeberisch. Lana Wachowski hat in den letzten 20 Jahren gelernt, ihrem Drehbuch und ihren Darstellern mehr zu vertrauen als der Optik.

Die Idee, die Original-Geschichte unter veränderten Vorzeichen nochmal neu zu erzählen und gleichzeitig fortzuführen, ist besonders in der ersten Hälfte erfrischend, auch wenn sie einer näheren Betrachtung angesichts der letzten beiden Filme nicht standhält. Aber MATRIX ist da wie HALLOWEEN oder TERMINATOR – man ignoriert im Nachhinein einfach die Sachen, die doch irgendwie Schrott waren.

Ich bin auch ziemlich beeindruckt, wie kompakt MATRIX RESURRECTIONS erzählt wird – er bringt ungefähr so viel Handlung unter wie die gesamte erste Trilogie, ohne sich dabei zu überheben.

Damit kommen wir allerdings schon zu den "abers". Je länger MR läuft, desto klarer wird, dass Lana Wachowski und ihren Autorenkollegen die Karten nur noch mal neu gemischt haben – es ist kein neues Spiel, das hier gespielt wird. Als Titel wäre MATRIX REMIX vermutlich besser gewesen. Wir sehen sehr viel, das die ersten drei Filme direkt referenziert – und wenn es das nicht tut, ist es eine Variation früherer Elemente. Nichts steht für sich selbst, alles fußt immer noch auf dem kruden und weitgehend undurchdringlichen MATRIX-Universum, das sich bis heute nicht die Mühe gemacht hat, auch nur Herkunft oder Motivation der Maschinenwesen zu präzisieren, oder die Hardware-Seite der Matrix-Simulationen.

Und so wird Neo erneut von unzähligen Agenten durch wechselnde Szenarien gehetzt, erwacht in einem Pod, trifft "weise Menschen" mit unverständlichen Ratschlägen und Kalendersprüchen, sinniert über Sein und Nicht-Sein in einer Welt, die dem Zuschauer völlig verschlossen bleibt, weil die Wachowskis die Spielregeln immer wieder so auslegen, wie sie es gerade brauchen. Eine irgendwie nachvollziehbare innere Logik gibt es nicht. Das wird selbst in Szenen deutlich, in denen Figuren sich in die Matrix versetzen lassen und ein Techniker völlig aus der Nase gezogen sagt "wenn ich dich reinbringe, kann ich dich vermutlich nicht wieder rausholen". Das soll die Spannung steigern, hat aber keinerlei plausible Begründung. Dieses "Wir müssen nach links! Warum? Isso!"-Gehetze war für mich immer ein Problem – für die Heerscharen von MATRIX-Fans anscheinend nicht. You mileage may vary.

So ist am Ende nichts gewonnen, nichts aufgelöst und angesichts der Undurchschaubarkeit dieses Universum können beliebige weitere Sequels drangetackert werden. Irgendwie erinnert MATRIX damit an ein pseudo-religiöses Cyberpunk-FAST & FURIOUS.

Aber wie gesagt: so überblasen, übertrieben und eierschaukelnd er auch sein mag, für die gesamte Laufzeit bietet MATRIX RESURRECTIONS ordentlich Kino fürs Geld. Man darf nur nicht drüber nachdenken. Das gibt Kopfschmerzen.

Kein schlechter Film – aber wahrlich kein "game changer". Wie auch?

Ich unterschreibe übrigens jede Petition, dass Keanu Reeves endlich mal wieder diesen Obdachlosen-Look ad acta legen sollte.

Und schließlich sei noch erwähnt, dass ich MATRIX RESURRECTIONS für genau den falschen Film während einer globalen Pandemie halte, denn letztlich lautet seine Aussage: unsere Welt ist von Schlafschafen bevölkert, und es ist "aufgewachten" Revoluzzern aufgetragen, sie nach ihrem Gusto neu zu gestalten. Ich stelle schon mal die Eieruhr, wann die falschen Leute daraus die falschen Schlüsse ziehen…

Fazit: Ein technisch auf der Höhe der Zeit spielender Versuch, die MATRIX-Franchise gleichzeitig als Reboot, Remake und Fortsetzung fortzuschreiben. Der Unterhaltungswert ist allerdings massiv davon abhängig, wie sehr man dem üblichen MATRIX-Humbug mit seinen willkürlichen Logik, Szenen-, und Plotsprüngen folgen mag.

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Mollari
Mollari
21. Dezember, 2021 17:38

Aliens? Die Bedrohung war doch stets menschengemacht, oder ändert sich hier was?

Marko
21. Dezember, 2021 17:43

Aliens? Wann? Wo?

Und "Obdachlosen-Look"… pfff. Reeves weiß inzwischen einfach, wie man(n) auszusehen hat…

Marcel
Marcel
21. Dezember, 2021 18:00

Die Genesis der Maschinen-Herrscher wird in der Animatrix gezeigt (The Second Renaissance Part I & II). Kurz gefasst: Roboter-Aufstand, Flucht ins Exil, Weiterentwicklung zur Maschinen-Nation, Angriff der Menschen, Krieg, Sieg über die Menschen

Dummvogel
Dummvogel
21. Dezember, 2021 19:16
Reply to  Marcel

Morpheus erklärt es doch sogar im ersten Teil. Man muss nicht mal zusätzliche Medien konsumieren.

Heino
Heino
21. Dezember, 2021 18:09

Also derselbe Käse wie schon vorher. Muss ich nicht haben

Marcus
Marcus
21. Dezember, 2021 18:20

Ich schließe mich meinen Vorrednern an: was für Aliens? Es ist echt lange her bei mir, dass ich den Kram gesehen habe, aber ich könnte schwören, dass es da keine Aliens gab.

AlphaOrange
AlphaOrange
21. Dezember, 2021 19:59

"Die Wachowskis haben einfach die falsche Geschichte fortgesetzt, nämlich die der titelgebenden Matrix. Erheblich logischer (und von den Zuschauern erwartet) wäre gewesen, Neos Kampf gegen die Aliens in der realen Welt zu verfolgen."

Mal von dem kleinen Missverständnis mit den Aliens abgesehen: Das sehe zumindest ich anders. Für mich war "Matrix" immer _die_ Matrix. Die Welt außerhalb der Matrix hat mich null interessiert. Die Matrix war ein faszinierendes Universum voller neuer Möglichkeiten. Die Außenwelt war halt SciFi-Action. Daran krankte für mich Matrix 3 nochmal besonders (das war doch der, der maßgeblich außerhalb der Matrix spielte?) – neben allen anderen Mängeln.

Mencken
Mencken
21. Dezember, 2021 22:15
Reply to  AlphaOrange

Ging mir auch so. Ich denke, dass Problem lag eher darin,dass die Geschichte mit dem ersten Film auserzählt war.

S-Man
S-Man
22. Dezember, 2021 10:17
Reply to  AlphaOrange

Genau das. Wenn man gesagt hätte: Hier schau, neuer Sci-Fi-Film mit Keanu Reeves, ohne "Matrix" dranzuschreiben, wäre ich jedenfalls besser damit klargekommen. Aber eben das ganze 08/15 Sci-Fi-Gedöns, obwohl man die Matrix erwartete, die nur noch eine nichtige Nebenrolle spiele, hat es für mich kaputt gemacht.

Gleiches habe ich auch mit Star Wars Episode I: Wenn die nicht "Star Wars" rangeschrieben hätten, wäre es, mit einigen minimalen Änderungen, durchaus ein akzeptabler, eigenständiger Sci-Fi-Film gewesen… Ich schweife ab.

Goran
Goran
22. Dezember, 2021 00:18

Ist das mit den Aliens jetzt ein unabsichtlicher Spoiler? Haben wir Alarmstufe Crystal Skull? Vermutlich eher nicht.

Leider keine Überraschung in der Kritik, genau so sah der Tailer ja auch aus.

Ich hatte irgendwie auf mehr Qualitätsausfall gehofft, gut konnte der bei dem Aufgewärmtes-wiederservieren-Konzept ja kaum werden.

Aber so reicht die Restneugier wie das jetzt so wirklich abläuft, zwar zum "Ich habe Fragen!", aber wohl nicht ins Kino.

Schade ist’s; No way Home im Kino war eine schöne Erinnerung an das, was ich am Kinogehen mag.

Last edited 28 Tage zuvor by Goran
marsel
marsel
22. Dezember, 2021 04:31

"Ich stelle schon mal die Eieruhr, wann die falschen Leute daraus die falschen Schlüsse ziehen…"
Du meinst: "Die Impfung ist die blaue Pille!"? Eine Frage der Zeit.

S-Man
S-Man
22. Dezember, 2021 10:03

"(einen Tag nach Hitlers 110. Geburtstag für die History-Nerds)"

Das finde ich irgendwie sehr verstörend…

Jake
Jake
22. Dezember, 2021 11:40

Aber wie gesagt: so überblasen, übertrieben und eierschaukelnd er auch sein mag, für die gesamte Laufzeit bietet MATRIX RESURRECTIONS ordentlich Kino fürs Geld.

Das reicht mir zur Rechtfertigung eines Kinobesuchs. Einfach aus Nostalgiegründen. Mit einem großen Wurf habe ich ohnehin nicht gerechnet. Danke für die Kritik.

jimmy1138
jimmy1138
22. Dezember, 2021 12:49

Ich finde, daß es gerade eine Stärke des ersten Films war, daß er nerbulös genug war, ohne die "suspension of disbelief" zu gefährden. Wenn man zuviel erklärt oder zeigt, läuft man mMn immer in Gefahr, daß Dinge nicht stimmig sind. Überläßt man das Füllen der Lücken dem Publikum ist das in meinen Augen oft viel ungefährlicher.
Daran sind die Nachfolger mMn gescheitert. Ein Film kann immer nur so clever sein, wie der, der das Drehbuch schreibt. Die Warchowskis waren da mMn nicht clever genug – man kann ja auch darüber streiten, wie ungerechtfertigt es ist, daß den Wachowskis seit 20 Jahren vorgeworfen wird, sie hätten bei Matrix alles nur kopiert (Ghost in the Shell, Dark City,..)
Außerdem endet der erste Film damit, daß Neo quasi "god level" erreicht und praktisch zu Superman wird. Dieses power level ist immer ein Problem, weil man entweder den Helden runterziehen oder irgendwelche ähnlich starken Gegner einführen muß – ich war kein Fan der unendlichen Agents Smith. Der erste Film schließt eigentlich perfekt ab, da braucht es nachher nichts mehr.
Und ja, Highlander ist das perfekte Beispiel was passiert, wenn man einen Standalone Film mit rundem Abschluß in eine Franchise verwursten möchte. Die Schwierigkeiten, die Terminator seit 3-4 Teilen hat, lassen mich auch vermuten, daß es schon ein mittleres Wunder war, daß Teil 2 so gut war und der Stoff keine Franchise hergibt…

Will Tippin
Will Tippin
22. Dezember, 2021 23:03

"Ich stelle schon mal die Eieruhr, wann die falschen Leute daraus die falschen Schlüsse ziehen…"

Der wirklich allererste (hochbewertete) Eintrag in den Kommentarspalten, den ich zur Filmankündigung vor ein paar Tagen gelesen habe, war "Die, für die der Film gemacht ist, dürfen gar nicht ins Kino!". (ergänze: weil ungeimpft)

Martzell
23. Dezember, 2021 07:08

Dass Matrix Verschwörungstheoretiker – also Menschen die mehr oder weniger unter einer paranoiden Persönlichkeitsstörung leiden – bedient ist mir damals schon aufgefallen. Wortwörtlich spricht Morpheus über das Gefühl alles sei unecht. Tatsächlich eine pathologische psychische Störung. Die Maschinenwesen wurden wie Aliens inszeniert, auch wie im Weltall die Schwebeschiffe.

Morpheus erklärte bereits im ersten Film dass die Menschen den Himmel verdunkelt haben. In AniMatrix wurden die Maschinenwesen 1:1 wie ägyptische Arbeitssklaven dargestellt die aufbegehren und nur in Freiheit und Frieden leben wollen. Die Menschen fingen den Krieg an. Auch weil große Reiche schon immer gerne technologisch-kulturell überlegene Völker angegriffen und sich einverleibt haben. War dann aber auch nicht nett dass die Maschinenwesen einen Selbstmordattentäter mit Atombombe die Regierungen der Welt beim Treffen der Vereinten Nationen und ganz New York City ausgelöscht haben.

Nach dem ersten Film war die Geschichte erzählt, wie bei Highlander. Die reale Welt war grau und interessierte wirklich niemanden. Aber stimmt, die logische Fortsetzung wäre gewesen massenhaft aus der Matrix befreite, zahlenmäßige Überlegenheit und erstmals eine Chance gegen die Maschinen weil denen die Energiequelle schwindet. Stattdessen übernahm / tötete Mr. Smith als Virus alle Menschen in der Matrix, Zion und Neo als Auserwählter waren nur eine bereits oft wiederholte Kontrollstruktur um die unzufriedenen Aufrührer aus der Matrix zu entfernen und an einem Ort zusammen zu haben um fast alle umzubringen, worauf Zion von vorne beginnt. Waffenstillstand mit den Maschine, gemeinsam mit diesen Mr. Smith besiegt und Neustart der Matrix war das Ende. Neo und Trinity starben dabei.

Ungeklärt blieb wieso Neo außerhalb der Matrix Superkräfte hatte. Simulation in der Simulation und immer noch keine Realität blieb ungeklärt.

Thies
Thies
25. Dezember, 2021 22:54
Reply to  Martzell

Das war eigentlich die Antwort, die ich vom dritten Teil erwartet hatte. Stattdessen sagte das Orakel dann sowas wie "Du bist was Du bist, weil Du der Auserwählte bist." Die ganze Action lief also auf eine Reihe von Glückskeks-Sprüchen hinaus. Dabei rissen die Wachovskis mit dem Arsch ein, was sie mit ihren Köpfen aufgebaut hatten. Morpheus wurde von dem mystischen und endlos coolen Anführer zu einem aufgeschwemmten Teddybär der als Fußsoldat seiner alten Flamme hinterher schmachtet, Die Story verlor sich in aufgeblähten Action-Setpieces. Am Ende blieb bei mir absolute Fassungslosigkeit darüber, was für ein Haufen heisser Luft "Revolutions" war.

Andererseits machte diese Erinnerung es leichter mich auf "Resurrections" einzulassen. Ich hatte so geringe Erwartungen, dass der Film fast nur gewinnen konnte. Und in der ersten Hälfte, wirkte das Spiel mit den Motiven und Figuren so frisch wie es eine Fortsetzung nur sein konnte. Ein wenig wie in "Zurück in die Zukunft 2". Szenen aus den Originalen werden variiert oder aus veränderter Perspektive mit neuer Bedeutung aufgeladen. Dann folgt ein etwas dröger Mittelteil, der die SF-Geschichte fortführt und irgendwie steril und leblos wirkt. Das Finale pumpt dann nochmal alles raus, was es an Munition in den Läufen hat, was nicht wenig ist. Das hat dann zwar auch was von Spektakel um des Spektakels willen, aber doch mit dem gewissen Twist, der mich das Geschehen goutieren ließ.

Martzell
23. Dezember, 2021 07:10

Hoffentlich die MetaMatrix die ich erwarte.

Schwarze8
Schwarze8
31. Dezember, 2021 16:08

Das der erste Teil nicht übertroffen werden kann, weil er technisch Maßstäbe setzte und diverse philosophische/systemtheoretische Ideen in einer Geschichte erzählte. Gerade die Story kann schlecht noch einmal neu erfunden werden, wozu die gegenwärtige Technik im Stande ist, wurde hingegen wieder gut eingewoben. Insofern bin ich – und da bin ich dann tatsächlich zu sehr Fanboy – trotz der fehlenden Exploration (wenn man nur die drei Filme und nicht die Animatrix gesehen hat) angenehm überrascht. Meiner Meinung nach wird auch die "Am Ende des ersten Teils hat Neo in der Matrix gottgleiche Gestaltungsmacht"-Situation im neuen Film gut aufgelöst, da es eine nachvollziehbare Erklärung für die gezeigten Lebensrealitäten in der Simulation gibt, in der Neo diese nicht entfaltet (inklusive des einen Moment, in dem das komplette Kino amüsiert gelacht hat). Ich war und bin gut unterhalten und werde mir den Film auch noch ein zweites Mal mit Freunden zusammen im Kino ansehen. Ich bin nach Teil 2 & 3 wieder glücklich, dass Matrix nicht mit Teil 3 ein unwürdiges Ende gefunden hat.
Tatsächlicher Wermutstropfen: Auch ich tue mich unglaublich schwer, Neo in Keanu Reeves' gegenwärtigem Look zu sehen, aber das lag, wenn ich mich nicht irre, an den zeitgleichen Dreharbeiten zu John Wick 4 – und da passt der Look wieder (wie auch in Cyberpunk 2077).