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Okt 2021

Fantasy Filmfest 2021 Tag 7, Film 3: THE SADNESS

Themen: Fantasy Filmf. 21, Film, TV & Presse, Neues |

Taiwan 2021. Regie; Rob Jabbaz. Darsteller: Regina Lei, Tzu-Chiang Wang, Berant Zhu

Offizielle Synopsis: In Taiwan breitet sich eine Mutation des neuartigen Alvin-Virus aus, doch das Land ist gespalten, die Regierung spielt die Lage herunter und viele nehmen die Pandemie nicht mehr ernst. Bis sich die Infizierten in sadistische, sexuell enthemmte Monster verwandeln und die Straßen in ein Blutbad. Mord, Folter und Vergewaltigung greifen um sich. Inmitten des Gemetzels setzt der junge Junzhe alles daran, seine Freundin Kai Ting zu finden, die er am Morgen noch am anderen Ende Taipehs abgesetzt hat. Auf der Suche nacheinander müssen sie zum Äußersten gehen, um zu überleben.

Kritik: Ein paar Infos vorab: der hier sieht natürlich nach einem Asia-Zombiekracher aus, aber der Filmemacher ist tatsächlich ein Kanadier, der primär in Taipei arbeitet. THE SADNESS (ein Titel, der sich mir nicht erschließt) ist sein Erstling und in einer Videobotschaft kündigte Jabbaz vorab an, er habe einen ernsten, ernsthaften und nicht zynischen Film drehen wollen. Außerdem wurde der Streifen am gestrigen Tag wegen seiner monströsen Splatterszenen von der deutschen FSK nicht freigegeben – der Verleiher will sich dagegen wehren.

Verwirrt? Kein Wunder.

Ja, oberflächlich beackert der hier TRAIN TO BUSAN-Territorium, lässt einem frühen Ausbruch der Seuche schnelle Anarchie folgen und schickt die Protagonisten dann durch eine Hölle aus lebenden Toten. Er macht es nur nicht besonders gut.

THE SADNESS entwickelt an keiner Stelle einen echten Vorwärtsdrang, die Figuren haben kein Ziel, es gibt keine Entwicklung der Handlung auf irgendeiner Ebene. Selbst Junzhes Versprechen, Kai Ting zu finden, ist eine eher lose Verpflichtung, der er ohne nennenswerten Druck nachkommt. Trotz permanenter Szenen von Zombie-Massakern und Verfolgungsjagden ist THE SADNESS erstaunlich träge und… langweilig. Es geht um nichts und mangels ordentlicher Charakterisierung auch um niemanden.

Bemerkenswert sind allenfalls ein paar Details zu den "Zombies", die genau genommen nicht tot und damit eher "rage psychos" sind. Im Gegensatz zu den Tropen des Genres verlieren sie nicht ihren Verstand. Sie können sprechen, Werkzeuge und Waffen einsetzen, Pläne schmieden – und sie wollen ficken. Ich sag’s so hart, weil’s so hart präsentiert wird: das hier sind "rape zombies", deren primärer Antrieb die geschlechtliche Befriedigung ist. Klingt auf dem Papier komisch, ist es im Film leider gar nicht. Es ist genau das, was Regisseur Jabbaz laut seiner Videobotschaft explizit vermeiden wollte: massiv zynisch.

So wird der eine oder andere Zuschauer begeistert quieken angesichts der präsentierten Ekelhaftigkeiten (gerade nach einer filmischen Trantüte wie JOHN AND THE HOLE), aber dem tatsächlich an filmischen Qualitäten interessierten Zuschauer bietet sich nur THE ÖDNIS.

Wenn Olaf Ittenbach TRAIN TO BUSAN gedreht hätte…

Fazit: Ein kräftig schmaddernder Gore-Zombieheuler, der mangelnde Dynamik und fehlende interessante Figuren durch schiere Exzesse und Übertreibung auszugleichen versucht – was eher so mittel gelingt. 5 von 10 Punkten, Freunde von Blut und Gedärm werden sicher zwei drauflegen.

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Dirk-Martin Scheel
Dirk-Martin Scheel
24. Oktober, 2021 15:46

Klingt so, als ob hier jemand das Comic Crossed verfilmt hat… gleiches Setup mit immer neuen Ideen der Geschmacklosigkeit.

Martzell
25. Oktober, 2021 08:31

Gewalt verbunden mit Sex mag die FSK nicht. Sogar wenn für die Handlung sinnvoll wie bei High Tension.

S-Man
S-Man
25. Oktober, 2021 09:28

Aus meiner Sicht wollte hier der Regisseur seine teils sehr krassen Gewaltfantasien ausleben und damit das nicht ganz so auffällt, schreibt er noch schnell "Zombiefilm" drüber…

Gewalt nicht als Stilmittel sondern als Selbstzweck. Da bin ich raus.

Christian Siegel
22. November, 2021 12:15

Amen