11
Nov 2020

Wortvogels Weltschau (1):
US-Wahlsinn

Themen: Film, TV & Presse |

Ich bin in den letzten Tagen etwas still gewesen. Die Gründe sind banal: anderweitige Arbeit, Konzentration auf die US-Wahl, Klinikbesuche mit dem Kater. Aber es liegt einiges an, über das es zu schreiben gibt, darum arbeite ich die Versäumnisse in Form von fast einem Dutzend Kurzbeiträgen auf, von denen ich zwei pro Tag online stelle.

Fangen wir mit der US-Wahl an, die ich nachts um vier Uhr abgebrochen habe, weil es unerträglich wurde.

Ich kann nichts sagen, was nicht schon gesagt wurde. Ich habe keine neuen Erkenntnisse. In kurz: Gottseidank ist es vorbei und die Abwahl ist (auch historisch statistisch) für Trump eine Blamage. Nun will er maximales Chaos hinterlassen, um die Biden-Regierung vom Start weg zu stören. Stephen Colbert hat mir aus dem Herzen gesprochen:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Im Gegensatz zu Trump sind seine Anhänger nicht abgewählt worden – Amerika muss sich damit auseinander setzen, dass immer noch mehr als 70 Millionen dieses egoistische, dumme, zynische und narzisstische Monster gewählt haben und dass die republikanische Partei ihn gegen alle Werte gestützt hat. Das wird den gesellschaftlichen Diskurs noch lange beschädigen und beschäftigen. America is still broken. Ich hoffe allerdings, dass sich der Furor der Rechten als Ballon erweist, dem ohne Trump die Luft ausgeht.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Joe Biden und Kamala Harris haben viel zu tun. Good luck.

Was sich nicht ändern wird: das depperte Wahlsystem der USA und die Regentschaft zweier überalterter Parteien, die jede für sich einen ungesunden Machtanspruch repräsentieren. Amerika ist sicher das Land mit der überlebtesten Demokratie und der Beweis, dass auch gute Systeme verharzen und irgendwann reformunfähig werden können.

Meine größte Sorge? Dass Trump trotz der Niederlage langfristig in der Lage sein könnte, seine widerliche Familie als ordinäre Kapitalisten-Schweinepriester-Version der Kennedys zu installieren und damit die amerikanische Politik auf Generationen zu prägen/entseelen.

Aber vorerst heißt es:

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden



Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
4 Comments
Oldest
Newest
Inline Feedbacks
View all comments
AlphaOrange
AlphaOrange
11. November, 2020 14:20

loser.com

(eigentlich soll das der ganze Kommentar sein, aber ich fürchte deinen Spamfilter – ich könnte jetzt vieles sinnhaftes schreiben, was schon drei dutzend mal diskutiert wurde, oder einfach still denjenigen feiern, der dieses neun Zeichen lange Meisterwerk installiert hat)

Matts
Matts
11. November, 2020 17:40

Oh Mann, was feiere ich den "Bye Bye Donny"-Song!

Aber die Einschätzung, dass das Land nicht weniger kaputt ist, ist, fürchte ich, absolut korrekt. Wie ich es heute in einem anderen Video zum Thema gehört habe: Das Best-Case-Szenario ist, dass Millionen von Amerikanern für den Rest ihres natürlichen Lebens überzeugt sein werden, dass ihre Stimme gestohlen wurde und ihre Demokratie eine Lüge ist. Und das sind die Leute mit den meisten Waffen…

Dietmar
11. November, 2020 20:04
Reply to  Matts

Nagel – Hammer – Kopf – Volltreffer.

Dietmar
11. November, 2020 20:03

Ich bin da deutlich pessimistischer: Trump ist immer noch dabei, mit aller Kraft an der Macht zu bleiben. Dass sein Außenminister einen "sanften Übergang in die neue Trump-Regierungszeit" verspricht, ist mehr als eine Frechheit. Das deutet auf Staatsstreich der Trump-Loyalisten. Dafür spricht auch die Entlassung von Pentagon-Führungskräften.

Mit Mitch McConnell ist der Mann wiedergewählt worden, der Obama ineffizient werden ließ und dafür sorgte, dass erzkonservative Richter am Obersten Gerichtshof sitzen, die als, seine Worte, "politischer Aktivposten" eingesetzt werden sollen. Die Gewaltenteilung wird also gezielt unterlaufen; so der Plan.

Dazu kommt der Fehler der Demokraten, Trump niemals kraftvoll entgegen getreten zu sein. Deshalb ist das denkbar Schlimmste eingetreten, neben der schönen Schadenfreude gegenüber dem orangen Utan: Der Senat ist republikanisch. Das heißt, dass Biden die ersten zwei Jahre eine lame Duck ist. Dazu kommt seine Wahnvorstellung, dass er über die Parteigrenzen hinweg Politik mit den Republikanern machen könne. Kann er nicht, weil sie das nicht zulassen. Der wird zerlegt.

Das, was in den USA notwendig wäre, hat er zum größten Teil sowieso nicht vor anzupacken. Dazu kommt noch der stochastische Terror, den Trump und sein Trupp inkompetenter Wahnsinniger entfachen.

Die Kuh ist alles andere als vom Eis.