11
Nov 2020

Wortvogels Weltschau (2):
Kleiner kranker Kater

Themen: Neues |

Rufus ist sechseinhalb Jahre alt und hat sich im Gegensatz zu seiner Schwester ordentlich Zahnstein angefressen. Es war seit 2019 geplant, ihn deshalb mal unter Narkose zu legen, zu röntgen und in dem Aufwasch auch gleich nach FORL zu suchen, falls befallene Zähne ad hoc gezogen werden müssen. Eine Woche vor dem Termin entdeckte ich bei unserem kleinen Racker einen Knubbel auf der rechten Seite. Knapp erbsengroß. In der Klinik hieß es, das könne man gleich rausschneiden, falls es sich um ein Geschwür oder einen Tumor handelt. Tumor – da wurde uns natürlich schon sehr mulmig.

Wir waren nicht glücklich damit, dass uns keine Möglichkeit gegeben werden sollte, während der Narkose selber zu entscheiden, wie wir im Falle von FORL oder Tumor vorgehen wollten. Letztlich ist man dann der Augenblicks-Entscheidung der Ärzte auf Gedeih und Verderb ausgesetzt. Also fuhren wir mit Rufus zum Tierarzt unseres ersten Engels Abby für eine zweite Meinung. Er befürwortete die Narkose und die Röntgenaufnahmen zwar grundsätzlich, vermutete aber weder FORL noch einen Tumor und riet uns zu genau dem, was wir uns auch schon gedacht hatten – Narkose, röntgen, aber dann nur genaue Untersuchungen und KEINE ad hoc-Eingriffe ohne Rücksprache. Im Zweifelsfall müsste Rufus dann später noch einmal unters Messer. Aber wenigstens war uns so ein Mitspracherecht gesichert.

Ergebnis direkt nach der Untersuchung unter Narkose: Zahnstein super entfernt, es müssen weder Ernährung umgestellt noch Dentalpflege intensiviert werden. Kein FORL. Und gestern kam der Laborbericht zur Gewebeentnahme aus dem Knubbel an der Seite:

Entwarnung. Eine Fettablagerung. Alles in Ordnung. Keine OP nötig.

Nachwirkungen hatte der "Spaß" (außer einer satten Rechnung) allerdings doch: Rufus hatte sich bei der Narkose derart gegen die Kanüle gewehrt, dass man ihn an beiden Beinen anstechen musste. Er wird halt nicht gerne festgehalten – das kennt er nicht, da spielt er nicht mit. Und nach seiner Heimkehr hat seine Schwester ihn zwei Tage lang angefaucht. Das ist wohl nicht ungewöhnlich – die Stresshormone im Schweiss und die fremden Gerüche haben Becky nachhaltig verwirrt. Mittlerweile herrscht aber wieder eitel Sonnenschein:

Ach ja: Vor ein paar Monaten hatte ich den Kleinen einen Noppenhandschuh zur Fellpflege gekauft – dieser hat allerdings den ersten Waschversuch in der Maschine nicht überlebt, weil die Noppen entweder hitzeempfindlich oder mechanisch instabil sind:

Für den kalten Herbst habe ich nun Ersatz gekauft, allerdings in der etwas aufwändigeren Profi-Version – die halten eine erstaunliche Menge an Katzenhaaren von unserem Parkett fern und werden sehr genossen:

Falls jemand im industriellen Maßstab Filztiere aus echten Katzenhaaren herstellen will – wir könnten den Rohstoff liefern.



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Zeddi
Zeddi
11. November, 2020 18:38

Mein Hundetierchen hat gerade Fellwechsel, villeicht könnte man eine Kooperation machen 🙂 🙂 🙂

Dietmar
12. November, 2020 06:49
Reply to  Zeddi

Stetson stellt seine Hüte, die wertvollen, aus Kaninchenhaar-Filz her. Vielleicht sind die ja interessiert an einer Abnahme? 🙂

Last edited 21 Tage zuvor by Dietmar
Matts
Matts
11. November, 2020 19:45

Ah, es ist erleichternd, dass alles nicht so schlimm war wie befrüchtet.
Es ist schon eine ganze Weile her, dass wir unseren Robin an Krebs verloren haben. Aber er war auch schon im Greisenalter – da passiert sowas einfach.
Ich wünsche Rufus and Becky weiterhin beste Gesundheit!

Dietmar
12. November, 2020 06:48

Wenn man Tiere hat, kann so etwas echt belastend sein. Wir haben zwei Wellensittiche, die wir zuerst nur in Pflege nahmen, als die Besitzerin krank wurde. Sie starb, jetzt sind sie bei uns. Und haben es besser bei uns, weil die Vorbesitzerin psychisch instabil war und die Tierchen völlig verängstigt waren.

Dann bekam der Hahn ein Geschwür am Schnabel. Wegoperiert. Das kleine Wesen quälte sich, ließ sich aber vertrauensvoll pflegen. Nach ein paar Wochen war das Geschwür wieder da! Die Ärztin sagte, ein mal könne sie noch operieren, wenn das Ding dann wieder käme, müsse man ihn einschläfern. Das ist nur ein kleiner Vogel. Aber es ist der, den man "kennt". Bei uns war einige Zeit gedrückte Stimmung wegen des Tierchens.

Zweite OP erfolgreich, Geschwür kam nicht wieder, der kleine Kumpel ist lustig wie eh und je.

Last edited 21 Tage zuvor by Dietmar
S-Man
S-Man
12. November, 2020 12:27

Spannend, das gleiche haben wir jetzt auch bei unserem:

Der Dicke hatte so ein Knubbel im Gesicht, direkt am Maul. Im Januar hieß es noch: Nix machen, abwarten.

Der wurde aber immer größer, so dass wir bei der TÄ vorstellig wurden. Sie hatte dann gesagt: Wird vermutlich Fett sein, kann Tumor aber nicht ausschließen. Ja, da geht einem die Muffe. Problem: Meiner kratzt sich am Kopf oft… Gern mal bis es blutet. Die TÄ riet dann zum abmachen, damit er sich das Ding nicht aufkratzt.

Er rennt gerade noch mit Kragen rum und ist ein bissel sauer auf uns, aber die Fäden sind seit gestern raus, jetzt muss die Wunde noch ein bissel besser heilen, damit der erste Anschlag mit den Krallen nicht gleich wieder alles aufreißt.

S-Man
S-Man
12. November, 2020 13:44
Reply to  Torsten Dewi

Die TÄ meinte: Es war ziemlich eindeutig Talg. Wir hätten es wohl einschicken lassen können, aber da haben wir uns auf die Aussage der TÄ verlassen.

S-Man
S-Man
12. November, 2020 21:40
Reply to  Torsten Dewi

Eurem auch!

comicfreak
comicfreak
12. November, 2020 14:58

PS: sechseinhalb Jahre??
Das kann doch gar nicht sein, das war doch erst vor ganz kurzem, dass ihr die zwei geholt habt..

(Oh Gott, ich bin alt)

Trantor
Trantor
13. November, 2020 12:28
Reply to  comicfreak

Genau das gleiche dachte ich auch gerade…

Jake
Jake
13. November, 2020 14:35

 Und nach seiner Heimkehr hat seine Schwester ihn zwei Tage lang angefaucht. Das ist wohl nicht ungewöhnlich – die Stresshormone im Schweiss und die fremden Gerüche haben Becky nachhaltig verwirrt.

Wieder was gelernt. Eine Freundin hat zwei Katzen, eine davon wurde vor ein paar Wochen angeschossen und schwer verletzt. Da das Projektil nahe der Wirbelsäule stecken blieb und diese offenbar in Mitleidenschaft zog, hatte das Tier zunächst schwere Lähmungserscheinungen an den Hinterbeinen und keine Kontrolle mehr über seine Ausscheidungen. In der Zeit verhielt sich die andere Katze dem Patienten gegenüber ziemlich feindselig, was mich gewundert hat. Auf die Idee, dass das mit Stresshormonen im Schweiss zu tun haben könnte, wäre ich nicht gekommen.