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Sep 2020

Fantasy Filmfest 2020 (12): BREAKING SURFACE

Themen: Fantasy Filmf. 20, Film, TV & Presse, Neues |

Norwegen/Schweden/Belgien 2020. Regie: Joachim Heddén. Darsteller: Moa Gammel, Madeleine Martin, Trine Wiggen, Irma Hallberg

Offizielle Synopsis: Als Ida ihre Mutter Anne und Schwester Tuve im heimatlichen Norwegen besucht, steht trotz der Eiseskälte ein Tauchgang auf dem Programm. Ein gemeinsames Hobby seit Kindheitstagen, die jüngere Tuve hat es sogar zum Beruf gemacht. Ganz unproblematisch scheint das familiäre Miteinander aber nicht. Spannungen schwingen von Anfang an mit, als Ida und Tuve an dem abgelegenen Tauchplatz ankommen und in die Dunkelheit des Wassers hinabsteigen. Dennoch, die Schönheit und Stille der Unterwasserwelt sind unglaublich, alle Befindlichkeiten weggewischt – da wird Tuve aus dem Nichts von einem herabstürzenden Felsen erfasst und auf dem Meeresboden begraben. Eingeklemmt beginnt sie der panischen Schwester Anweisungen für ihre Rettung zu erteilen. Doch die Aufgabe scheint übermenschlich und niemand weiß, wo die zwei überhaupt sind. Ein nervenzerfetzender Wettlauf gegen die schwindenden Sauerstoffreserven entspinnt sich.

Kritik: Zum Einstieg in den vierten Tag des Festivals endlich mal wieder ein radikaler Orts- und Themenwechsel: weg von den kanadischen Geisterhäusern, hinein in die eiskalten norwegischen Fjorde. BREAKING SURFACE ist ein Tauchthriller, ein Zwei Personen-Drama und bisher das Spannendste, was ich auf dem Festival gesehen habe. There, I said it.

Wo ich eigentlich eine gewisse skandinavische Zurückhaltung erwartet habe, geht der Film fast augenblicklich in die Vollen: nach wenigen Minuten sind die Charaktere und ihre Konflikte gesetzt und schon vor dem schicksalhaften Tauchgang haben wir zwei kurze Action-Vignetten zum Thema gesehen. Viele, sehr viele andere Autoren könnten hier mal schauen, wie es richtig gemacht wird.

Haben die Schwestern dann ihr Tauchziel erreicht, geht es ratzfatz weiter und die Stunde, die Ida vielleicht noch bleibt, erleben wir fast in nervenzerfetzender Echtzeit. Ich hatte wirklich erwartet, dass sich der Film schwertun würde, den Protagonistinnen Möglichkeiten an die Hand zu geben, aus dem Drama auszubrechen – Ida ist schließlich am fucking Meeresboden unter einem Felsblock eingeklemmt. Aber tatsächlich gibt es IMMER eine Idee – und wenn diese scheitert, gibt es IMMER eine neue Idee. Nach einer Stunde Laufzeit ist man fast ehrfürchtig, was den Einfallsreichtum der Schwestern unter Druck und akuter Lebensgefahr angeht.

Als jemand, der selber einen Tauchschein besitzt, kann ich nicht nur bestätigen, wie real und tödlich die Gefahren in BREAKING SURFACE sind, sondern auch, dass die versuchten Gegenmaßnahmen (mit Abstrichen um des Dramas willen) durchaus stimmig erscheinen. Sie werden auch nicht aus dem Hut gezogen, sondern immer wieder logisch aus der Situation entwickelt.

Hinzu kommen fantastische Bilder von der endlosen norwegischen Weite und kristallklare Unterwasser-Aufnahmen, die den Zuschauer nie desorientiert zurücklassen – es sei denn, es ist gewollt. IN BREAKING SURFACE spürt man bei jedem Motiv die Kälte, die Nässe, und man möchte tief einatmen, um diese Gefühle mitzunehmen. Es ist ein sehr sinnlicher Film.

Fazit: Ein Festival-Highlight aus einer völlig unerwarteten Ecke – nämlich der des „realistischen Taucherdramas“. Auch ohne Sex, Drogen und Rock’n’Roll, dafür mit Untertiteln, einer der „must see“-Movies des Jahres und daher auch 9 von 10 Punkten.

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Christian Siegel
20. September, 2020 13:30

Ganz so begeistert wie du war ich zwar nicht, aber er war schon ganz gut. Zweifellos sehr spannend, und vor allem mit dem aus meiner Sicht einzig richtigen Ende. Da und dort hätte ich halt anders gehandelt, und die eine oder andere – wenn auch in der Panik dieser Situation durchaus verständliche – Unachtsamkeit ließ mich die Hände vors Gesicht schlagen, grundsätzlich aber ein gelungener Survival-Thriller.