19
Sep 2020

Fantasy Filmfest 2020 (13): DANIEL ISN’T REAL

Themen: Fantasy Filmf. 20, Film, TV & Presse, Neues |

USA 2019. Regie: Adam Egypt Mortimer. Darsteller: Miles Robbins, Patrick Schwarzenegger, Sasha Lane, Mary Stuart Masterson, Hannah Marks

Offizielle Synopsis: Als seine Mom und Dad erbittert streiten, flüchtet der 8-jährige Luke mit seinem Teddy auf die Straße und wird dort zufällig Zeuge einer blutigen Schießerei. Völlig überfordert von der bedrohlichen Situation, holt sich Lukes Fantasie einen imaginären Freund zu Hilfe. Daniel und er sind von nun an unzertrennlich. Als der eifersüchtige Daniel aber immer übergriffiger wird und Lukes ohnehin schon labile Mutter mit einer Überdosis Pillen beinahe tötet, wird der böse Doppelgänger kurzerhand weggesperrt. So erstaunlich funktioniert Einbildungskraft! Jahre später ist aus Luke ein junger Mann und Freshman am College geworden. Aber die Dämonen seiner Vergangenheit, vor allem seine depressive Mutter, beschäftigen ihn noch immer. Da taucht Daniel plötzlich wieder auf der Bildfläche auf, verführerisch, mächtig und böse wie nie zuvor.

Kritik: Vor ein paar Wochen sah ich ein Bild des Schwarzenegger-Sohnes Patrick und sagte zu meiner Frau: „Der wird in den nächsten zwei Jahren anfangen, Filme zu drehen“. Ich lag falsch: hatte er zu dem Zeitpunkt schon längst. Soll mir recht sein. Und weil die Frage damit natürlich im Raum steht: er ist gut. Richtig gut. Zumindest den Psychopathen kann er. Und bei dem Gesicht bin ich zudem sicher, dass sich eine Vaterschaft der steirischen Eiche nie hätte leugnen lassen – Patrick Schwarzenegger sieht aus wie die Dressman-Version seines Vaters. Nicht so ungeschlacht, nicht so aufgepumpt, aber mit dem Gesicht, den Augen, dem Lächeln des Terminators. Mit seinen zurück gegeelten Haaren sieht er in DANIEL ISN’T REAL teilweise wie eine Teenager-Version des CITY-HAI aus.

Als Referenz:

Und weil damit der Elefant des Raums verwiesen ist, können wir uns dem Film widmen, der sich am ehesten als Mischung aus FIGHT CLUB und TODFREUNDE beschreiben lässt. Luke hat einen imaginären Freund, der ihm durch die Probleme im Elternhaus hilft, aber zunehmend übergriffig wird. Als Luke erwachsen ist, taucht "Daniel" erneut auf und es mehren sich die Anzeichen, dass er weit mehr ist als nur der imaginäre Freund eines unsicheren Charakters.

Das ist schick inszeniert und clever im Aufbau – die Wandlung Daniels from Freund zum Dämon ist verführerisch smooth, und mit der Wandlung ist die ganze Wahrheit noch lange nicht enthüllt. Regisseur Mortimer gelingt es, immer wieder neue Ebenen aufzumachen, den schon bekannten Fakten durch neue Erkenntnisse einen weiteren Kontext zu geben.

Ich habe vielen Filmen auf dem Festival vorgeworfen, dass sie zu unkonkret sind, dass sie ihren Mythos oder ihr okkultes Konstrukt nicht ausreichend formulieren und damit am Ende mehr Verwirrung als Aufklärung stiften. Schizophrenerweise ist der einzige echte Vorwurf, den ich DANIEL ISN’T REAL machen kann, das genaue Gegenteil: er ist zu konkret, zu wortwörtlich. Das Innenleben der Personen wird in leicht verdaubare Bilder umgesetzt, jede Emotion wird auch ausgesprochen, die Figuren behalten nichts für sich. Dem Narrativ ist so einfach zu folgen, dass es fast schon weniger Spaß macht, weil man sich nichts selber zusammenreimen muss. Regisseur Mortimer könnte ruhig mal etwas mehr seinem Publikum trauen, ihm vom Konsumenten zum Komplizen machen, der auch mal selber zwei und zwei zusammenzählen kann.

Trotzdem addieren sich alle Elemente zu einem durchweg spannenden, attraktiven und überraschenden Film, der endlich mal das Banner des Fantasy Filmfest mit Stolz tragen kann. DANIEL ISN’T REAL ist ein bemerkenswert erwachsenes Werk, sowohl für den Regisseur wie auch für die Darsteller. Ich würde mich freuen, mehr von ihnen zu sehen – bei Schwarzenegger bin ich mir da zudem sehr sicher. He’ll be back.

Parade der fast vergessenen 80er-Jungdarstellerinnen, Teil 2: Mary Stuart Masterson spielt Lukes Mutter. Im Gegensatz zu Jennifer Jason Leigh erkennt man sie allerdings sofort.

Fazit: Ein fast schon zu stringentes Psychodrama, das in der zweiten Hälfte in einen Okkultthriller dreht und perfektes Festivalfutter darstellt. Auf die Beteiligten wird man ein Auge haben müssen. 8 von 10 Punkten.

P.S.: Props an den Regisseur, der den ersten Videogruß zum Festival geschickt hat, dem ich einen tatsächlichen Mehrwert abgewinnen konnte, weil er sehr schön und knapp in die Motive des Films einführt. Außerdem hat der Mann eine schwarze Katze namens „Dr. Mabuse“ auf dem Schoß.

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