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Sep 2020

Fantasy Filmfest 2020 (11): PG: PSYCHO GOREMAN

Themen: Fantasy Filmf. 20, Film, TV & Presse, Neues |

Kanada 2020. Regie: Steven Kostanski. Darsteller: Nita-Josée Hanna, Owen Myre, Adam Brooks, Alexis Hancey, Matthew Ninaber, Kristen MacCulloch

Offizielle Synopsis: Als die Geschwister Mimi und Luke beim Spielen einen uralten, außerirdischen Herrscher aus seinem Grab befreien, hätte das böse enden können. Glücklicherweise kriegt die gewiefte Mimi aber auch den magischen Edelstein in ihre Finger, mit dessen Hilfe sich der brutale Warlord kontrollieren lässt. Nunmehr PSYCHO GOREMAN, oder kurz „PG“ getauft, muss der finstere Fürst – anstatt seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen, sämtliche Lebewesen um ihn herum in Gebein und Gedärm zu zerlegen – Mimis Befehle befolgen und schäumt deshalb vor Wut. Das kuriose Gespann bringt mächtig Wirbel in das Provinznest und sorgt für einige Kollateralschäden. So wird Mimi und Lukes bester Freund Alister z.B. in eine Art Spongebob mit Tentakeln verwandelt. Als dann noch die restlichen Anführer des Universums mitkriegen, wer da zu neuem Leben erwacht ist, ist die Kacke vollends am Dampfen! Die extraterrestrischen Besucher liefern sich auf der Erde den ultimativen Kampf der Galaxien.

Kritik: Der hier ist fast unbewertbar. Nicht, weil er nicht unterhaltsam ist – er ist monströs unterhaltsam. Er bietet wirklich alles, was man von einem farbsatten, lauten und hemmungslosen B-Movie erwartet: Monster, Splatter, fremde Welten und abgerissene Köpfe. Hier prügeln bizarre, äonenalte Wesen aufeinander ein, hier werden kleine Jungs in riesige Gehirne verwandelt, hier tragen engelsgleiche Tempelritter Metall-BH und Energieschwert. What’s not to like?!

Das Problem – und ich tue mich schwer damit, es ein Problem zu nennen -: PSYCHO GOREMAN präsentiert all das mit der Phantasie, der Energie und der technischen Kompetenz eines vernachlässigten 12jährigen, der seit Jahren nur auf Red Bull, Playstation und schlechten Comics läuft. Er ist der Fiebertraum eines ganzen Nerduniversums, in dem die Welten aus Dungeon & Dragons nur eine Gehirnerschütterung weit entfernt sind. Ein Film mit dicken Eiern, der noch nicht alt genug ist, um mit ihnen etwas anfangen zu können.

Wenn es je einen pubertären Film auf dem FFF gab, dann ist es dieser hier. Nicht TURBO KID oder RIOT GIRLS, denn die präsentierten einen erwachsenen Blick auf eine kindliche Welt. PSYCHO GORMAN ist von Rotznasen, mit Rotznasen, für Rotznasen. Ein Film, der nervt wie die kleine Schwester, die hier die Hauptfigur stellt – und den man dennoch nicht hauen darf, weil man seine kleine Schwester nicht hauen darf.

Man kann sich zurücklehnen und das kalorienreiche Chaos mit all seinen dem Budget geschuldeten Mängeln genießen, wie es sich für ein echtes Midnight Movie Massacre gehört – genug Humor und einen Mangel an Anspruch vorausgesetzt. Aber letztlich kommt es darauf an, ob man sich drauf einlässt und die Rotzgöre Mimi ertragen kann, einen hyperaktiven Alptraum mit Zöpfen, der Pipi Langstrumpf konservativ und introvertiert wirken lässt. Ich fand sie im sekündlichen Wechsel hysterisch komisch und dann wieder verdammenswert – es ist ein Wechselbad der Gefühle.

Fazit: Ein Cartoon ohne Story und Erkenntnis, ein durch den Mixer gedrehtes YPS-Heft – mit einem äonenalten Weltenvernichter als Gimmick. TKKG auf LSD. Und weil er nach RELIC und AMULET kam: 8 von 10 Punkten.

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Markus
19. September, 2020 15:40

"… ein durch den Mixer gedrehtes YPS-Heft…" Für solche Sätze bin ich hier. 😊

Sebastian Felzmann
Sebastian Felzmann
19. September, 2020 16:17
Reply to  Markus

Ich auch!

Christian Siegel
20. September, 2020 12:46

Hab ihn zwar ein bisschen schlechter bewertet (7/10), schon allein, um einen Respektabstand zum von dir eh auch erwähnten "Turbo Kid" zu wahren, ansonsten bin ich aber voll und ganz bei dir. Der hat echt Spaß gemacht!

Nummer Neun
21. September, 2020 11:11

Der hat Spaß gemacht, der Crew beim Dreh mit Sicherheit auch! Und mir sind ja die altmodischen Ganzkörper-Kostüme und Puppen lieber als schlechte CGI-Effekte.