Ich erinnere mich gut, als ich in einem Verleihprospekt von Alliance Atlantis das erste Mal von STARHUNTER las – das muss 1998 oder 1999 gewesen sein. SF-Abenteuer mit einer kleinen Besatzung waren damals gerade nicht en vogue, da nimmt man, was man kriegen kann. Außerdem: Michael Paré aus MOON 44 und STRASSEN IN FLAMMEN!

Ich kontaktierte also Alliance Atlantis in Kanada und versuchte denen vorab ein paar Screener aus dem Kreuz zu leiern. Die Antwort war mehr eine Abfuhr: STARHUNTER sei von minderer Wichtigkeit, man konzentriere sich aktuell darauf, die neue Hochglanz-Serie CSI zu promoten. Retrospektiv gesehen sicher keine falsche Entscheidung, brachte es CSI in 15 Jahren doch auf unfassbare 335 Episoden und diverse ebenso erfolgreiche Spinoff-Serien, während STARHUNTER nach einer Staffel komplett umgekrempelt und nach einer weiteren eingestellt wurde.

Ich wollte aber STARHUNTER!

In den folgenden Jahren liefen mir dann doch ein paar Episoden über den Weg – und ich war massiv unterwältigt: die Serie wirkt erschütternd billig, die Skripts sind bestenfalls krude, Michael Paré sichtlich gelangweilt und an keiner Stelle kommt ein Sense of Wonder auf. Die neu gestaltete zweite Staffel ist so übel, dass ich nach einer Folge aufgegeben habe.

Es mag sein, dass meine Abneigung gegen die Serie auch damit zusammen hängt, dass ich seit jeher die schrägen Filme und Serien des Teams Daniel D’Or und Philip Jackson nicht leiden kann: von CARVER’S GATE über DARK OCEAN bis BATTLE QUEEN 2020 – alles schrabbelige Ausschussware:

Es gibt allerdings zwei bemerkenswerte Details in STARHUNTER: Zuerst beginnt jede Episode mit Dante Montanas Auftraggeber McDuff in einer bizarren Videoeinspielung, die oft genug willkürlich und losgelöst vom Plot der Episode erscheint. Ich würde Geld wetten, dass die Macher damit die Folgen preiswert auf über 45 Minuten strecken mussten, um internationalen Längenvorgaben gerecht zu werden (in den USA reichen ja mittlerweile 42 Minuten, die mit Werbespots zur Stunde gestreckt werden).

Außerdem hat STARHUNTER für eine Serie seiner Preisklasse erstaunlich gute CGI aufzubieten, besonders bei den Raumschiff-Szenen – und die kamen aus Deutschland: Ähnlich wie bei meinem Film SUMURU  versuchte Das Werk, sich international einen Namen zu machen. Dafür lieferte man Profi-Qualität deutlich unter Marktpreis.

Viel geholfen hat es allerdings nicht.

In Deutschland lief die Serie erst 2007 auf RTL2. So blieb STARHUNTER eine Fußnote im SF-Genre, die selbst beinharte Allesgucker oft nur vom Hörensagen kennen.

The End?

In den letzten Jahren hat der Markt durch Streaming-Dienste und neue Kleinsender einen unheimlichen Content-Hunger entwickelt. Was irgendwie noch präsentabel scheint, wird ausgebuddelt und abgestaubt. Viele Serien bekommen  – zumindest in größeren Paketen mit neuen Produktionen – eine zweite Chance, ein zweites Leben in der digitalen Programmvielfalt.

Dazu müssen sie allerdings ein paar Eigenschaften mitbringen: Anders als vor 20 Jahren sollte es schon HD sein, im 16:9-Format, und mit halbwegs akzeptablen Effekten aufwarten können. Und siehe, da rochen Daniel D’Or und Philip Jackson Morgenluft: STARHUNTER hatte zwar nichts von alledem – aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Um 2015 herum trommelte man auf Filmmessen, dass es zu einem großen STARHUNTER-Revival kommen würde: alle 44 Folgen brandneu remastered – und eine exklusive dritte  Staffel mit dem Titel STARHUNTER TRANSFORMATIONS obendrauf!

Das limitierte Interesse an diesem Vorhaben lässt sich allerdings schon sehr schön an einem Leserbrief und der redaktionellen Reaktion im Mai 2016 in der SFX ablesen:

Nichtsdestotrotz war man in Kanada entschlossen, STARHUNTER zu reanimieren. Dafür buddelte man die alten Negative raus, tastete sie neu ab, formatierte sie um, und arbeitete alle 44 Folgen nochmal durch: neue CGI, schnittigere Action, ein paar neue Szenen, um den Flow zu verbessern. Außerdem holte man einige Darsteller ins Studio, um die etwas holperige Produktion mit der Gnade der Rückschau zu streamlinen. Defizite, die den Zwängen von Zeit und Geld geschuldet waren, wurden geglättet, man drehte sogar alle Szenen mit dem Hologramm Caravaggio für die zweite Staffel neu. Insgesamt war angepeilt, die 44 Folgen mehr wie aus einem Guss wirken zu lassen.

Erfreulicherweise haben die Macher dazu ein schönes Making Of online gestellt:

Man merkt, dass hier mit Leidenschaft, nicht aber mit hohem Budget gearbeitet wurde. Ich habe großen Respekt vor der Detailverliebtheit der Produzenten, die auch da nachgebessert haben, wo genau genommen nix falsch war – nur ein wenig fad.

Wie sehr die Änderungen von den kleinsten Details bis zu den großen Szenen reichen, habe ich euch hier mal anhand von vorher/nachher-Screenshots zusammen gestellt:

Aber gerade dann, wenn man die Effekte mal kombiniert und isoliert, wird klar, dass HD nicht immer der Freund preiswerter CGI ist, denn auch die Schwächen in den Texturen und Animationen werden kristallklar und unerbittlich dargestellt:

Im Endeffekt spielt STARHUNTER mit DIESEN Effekten ebenso wenig in der aktuellen SF-Oberliga wie das Original anno 2000. Aber es ist trotzdem bemerkenswert, wieviel anschaubarer die Serie wird, wenn dieser niedrig aufgelöste Grauschleier des analogen Fernsehens entfernt ist und farbgesättigte CGI den Bildschirm belebt.

Das ist ein durchaus stimmiges Upgrade, finde ich.

Alle 44 Folgen der Redux-Fassung kann man sich mittlerweile auf Amazon Prime (zumindest in den USA) anschauen. Ich denke, dass die Serie hier und in dieser Form ein zumindest wohlwollendes Publikum finden wird.

Aber was ist denn nun mit STARHUNTER TRANFORMATIONS, der neuen Staffel?

Tja, das ist eine ganz andere Geschichte. Basierend auf meinen Erfahrungen, was internationale Koproduktionen, Presales und Vertriebsgeschäfte angeht, würde ich mal vermuten, dass die Trommelei von Daniel D’Or und Philip Jackson ab 2015 nicht das gewünschte Echo, vor allem aber nicht die gewünschten Vorabverkäufe gebracht hat. Die versprochenen 22 Folgen wurden zuerst einmal auf eine dreiteilige Miniserie eingedampft – die erst von 2016 auf 2017 verschoben wurde, aber trotz eines dementsprechenden Eintrags in der IMDB nie tatsächlich ausgestrahlt wurde.

Wurde die dreiteilige Miniserie überhaupt gedreht? Es gibt Anzeichen, dass „irgendwas“ gedreht wurde. Mit Michael Paré, Heidi von Palleske und Tanya Allen waren die Schlüssel-Darsteller auch wieder dabei. Aber einen Trailer oder gar einen kompletten Release bleiben die Produzenten bis heute schuldig – drei Jahre nach Ende der vermeintlichen Dreharbeiten.

Es lässt keine positiven Rückschlüsse zu, dass die Website der Produktionsfirma Starfield Indie mittlerweile brachliegt und diverse Support-Sites ebenfalls verwaist sind.

Meine Urteil? Es war ein nobler Anspruch, den 44 Alt-Episoden von STARHUNTER nochmal Leben einzuhauchen und zu hoffen, damit eine neue Franchise zu erschaffen. Es lag auch nicht am mangelnden Einsatz der Beteiligten. Aber am Ende hat es nicht gereicht. Man hat gemacht, was mit vertretbarem Aufwand gemacht werden konnte – der wirkliche Sprung auf das nächste Level mit neuen Episoden war dann doch zu schwer.

Vielleicht hatte STARHUNTER auch nur zu wenig Biss, zu wenig Kult, um eine Reanimation im größeren Stil zu rechtfertigen. Vom angekündigten Videospiel und der Comicserie hat man ja auch nie wieder was gehört.

Zumindest können diejenigen, die der Serie wohlgesonnen waren und sind, sie nun in einer schicken Redux-Version genießen, die im Gegensatz zu den Special Editions anderer Projekte (*hust*starwars*hust*) einen tatsächlichen Mehrwert bringt. STARHUNTER sah nie besser aus, wurde nie flüssiger erzählt. For what it’s worth…

Und damit: Goodbye, Dante Montana.



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mmRudi RatlosJakeDietmarAlexander Freickmann Recent comment authors
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Dietmar

Jetzt frage ich mich doch, ob irgendwann Babylon 5 oder TNG auch aufpoliert werden wird.

Alexander Freickmann
Alexander Freickmann

TNG wurde doch aufpoliert und komplett auf HD abgetastet. Selbst die Effekte wurden komplett und sehr kompetent neu gemacht. Das ging noch, weil TNG wohl noch direkt auf Film bearbeitet wurde, DS9 und Voyager wurde dann aber wohl nur noch auf Video finalisiert (zB alle Effekte) und ist deswegen nochmal ein Stück schwerer aufzubereiten. Nicht unmöglich, aber schwieriger und teurer. In der kürzlich erschienenen Doku „What we left behind“ wurden einige Szenen von DS9 zB aufwendig in HD aufbereitet.
Da CBS/Paramount allerdings als Min/Max Spezialist bekannt ist (zB Verkauf einer Staffel TNG zum Preis der gesamten Babylon 5 Serie), waren die sehr enttäuscht vom Abverkauf der TNG remaster. Allerdings haben die ja jetzt ihren eigenen On Demand Service und vielleicht werkeln sie ja doch langfristig am remastern der anderen Serien, der Qualitätsunterschied zwischen TNG und DS9 ist wirklich exorbitant.

Babylon 5 hat anscheinend eher das Problem, dass es immer hatte – die des Außenseiter. Und für die gibt es selten Geld für Remaster. Allerdings hat JMS erst vor kurzem gesagt, dass anscheiend Warner jede Folge der Serie in ihr Archiv aufgenommen hat – auf Filmmaterial. Falls sich diese auftreiben lassen, wäre das relativ optimal, da es die bestmögliche Fassung der Serie von damals darstellt. Und da Warner ja mit HBO max an den Start geht, müssen die ihr Angebot ja auch erweitern und dazu würde sich ein Gang ins Archiv ja vielleicht lohnen.

Dietmar

TNG wurde doch aufpoliert und komplett auf HD abgetastet.

Das wusste ich nicht, danke!

Jake
Jake

Hier findest Du Bildervergleiche zwischen Original und Remaster zu den ersten drei Staffeln:

https://www.schnittberichte.com/svds.php?Page=Titel&ID=2032

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

„(in den USA reichen ja mittlerweile 42 Minuten, die mit Werbespots zur Stunde gestreckt werden).“

Inzwischen sind wir sogar bei unter 40 Minuten – in der aktuellen Staffel von „American Horror Story“ gibt es einige Episoden, die sogar nur 37 – 39 Minuten lang sind oO*