Gestern hatten wir eine launige neue Zombie-Comedy, heute waten wir noch weiter in die Untiefen der Untoten-Spinoffs: eine REALITY SHOW mit Zombies. Und bevor jetzt jemand sagt „das ist doch bullshit, weil Zombies nicht wirklich existieren und deshalb nicht im Reality-TV vorkommen können“, gebe ich zu bedenken: das ist bullshit, weil Zombies nicht wirklich existieren und deshalb nicht im Reality-TV vorkommen können.

Sorry, aber ich wollte es zuerst sagen.

ZOMBODY SAVE ME! ist eine Produktion des internationalen Reality-Giganten Banijay, dem in Deutschland u.a. Brainpool gehört – angesichts des Themas sehr passend. So weit ich das beurteilen kann, ist die erste Staffel ZOMBODY SAVE ME! so eine Art Testballon, ob das Konzept funktioniert. Darum läuft die Sendung auch in Neuseeland, wo es kaum jemand mitbekommt.

Grundsätzlich ist ZOMBODY dem Survival-TV artverwandt: Eine Gruppe von Kandidaten muss im Wald überleben, Aufgaben erfüllen und immer mal wieder jemanden rauswählen. Größter Stolperstein ist hier nicht das Wetter oder das Wildleben, sondern – ihr ahnt es – eine Schar von Zombies, die sich im Wald rumtreiben. Jeder Kandidat, der auch nur einen Tropfen „infiziertes“ Zombie-Blut abbekommt, ist „tot“.

Lacht nur. Klar ist das totaler Kappes. Aber ich bin Kritiker und als solcher muss ich neuen Ideen offen sein. Die Tatsache, dass etwas im ersten Augenblick doof klingt, heißt nicht, dass es in der Ausführung nicht durchaus überzeugen kann. Und selbst WENN es so doof ist, wie es klingt, kann es immer noch super erfolgreich sein. Die gesamte Karriere von Dieter Bohlen ist das beste Beispiel. Mäßigung ist demnach angebracht und eine faire Beurteilung nicht dessen, was angekündigt wird, sondern dessen, was ist.

Und bei Gott, ist das scheiße.

ZOMBODY SAVE ME! ist nicht nur als Zombie-Kirmes erbärmlich, sondern selbst im begrenzten Rahmen des Reality-Universums. Billig hingerotzter Dreck, an keiner Stelle plausibel, interessant oder auch nur milde erträglich. Es ist in jeder Sekunde offensichtlich, dass die Macher über die Idee „Survival-TV mit Zombies“ keinerlei Ahnung hatten, wie sich das Konzept faktisch umsetzen lassen soll. Das Scheitern ist so spektakulär und allumfänglich, dass die Show nie über einen Piloten hätte hinauskommen dürfen. Die Neuseeländer sind gestraft.

Wie sehr Banijay dieses TV-Experiment zu deckeln versucht, sieht man auch daran, dass es online nicht mal Trailer oder brauchbare Ausschnitte gibt – nur diesen kurzen Clip auf der Facebook-Seite der Show:

Zombody Save Me!

"This is my worst nightmare…" 😧😨A group of brave Kiwis test their survival skills in Zombody Save Me! Streaming now → bit.ly/ZSM-OD

Gepostet von TVNZ OnDemand am Sonntag, 30. Juni 2019

Hier stimmt wirklich NIX: Die Kandidaten im Camp müssen sich Gegenstände wie Nahrung und Schlafsäcke erkämpfen, ohne dass je ersichtlich ist, wie lange sie vor Ort bleiben oder bleiben sollen. Es gibt keinerlei „sense of time and space“, aus dem für den Zuschauer ein Verständnis wachsen könnte, was die Gefahren und Möglichkeiten sind. Die gesamte Dynamik der Kandidaten hat mit den Zombies ebenso wenig zu tun wie die „Aufgaben“, die zu erfüllen sind und sich meistens auf künstlich hochgepeitschtes Rumlaufen mit einer wackeligen Helmkamera beschränken.

Die Zombies, die eigentlich das Salz in der Suppe sein sollen, sind tatsächlich das größte Manko: statt sie permanent präsent und gefährlich zu halten, wirkt die Show mitunter, als habe man sich wegen der Langeweile der Spiele erst im Nachhinein entschieden, die Untoten mühsam in die Narrative zu pressen. Ich tue mich schwer, auch nur eine Szene in der ersten Folge zu nennen, in der die Kandidaten und die Zombies auch nur in der gleichen Kamera-Einstellung zu sehen sind. Generische Nahaufnahmen von Zombie-Gesichtern und ein paar schlurfende Gestalten im Wald werden eher mechanisch eingestreut und haben NICHTS mit dem tatsächlichen Geschehen zu tun.

Vor allem aber: der ganze Budenzauber KANN nicht funktionieren, weil die Kandidaten natürlich wissen, dass die Zombies nicht echt sind und sie deshalb auch keine echte Furcht entwickeln können. Die Zombies haben den gleichen Effekt wie ein paar Produktionsassistenten, die man mit einem Pinsel in der Hand losschickt: „Wer von euch mit Farbe bekleckert wird, ist raus.“

Es ist sehr auffällig, dass alle Beteiligten sich der Charade bewusst sind. In den atemlosen Zitaten der Kandidaten ist nur von Adrenalin die Rede, von Hektik, von Dunkelheit – nie von einer tatsächlichen Furcht vor den Zombies. Und die Moderatorin wirkt in einem Maße gelangweilt und zynisch, dass sie der Kamera auch gleich den Stinkefinger zeigen könnte. Niemand hier glaubt an das Konzept. Niemand.

Ich habe selten ein so totales Debakel gesehen – weshalb ich nicht ausschließe, dass RTL2 eine deutsche Version im Anschluss an die nächste WALKING DEAD-Staffel ausstrahlt. Audience flow, yay!

Fazit: Lieblos hingestümperter Versuch, dem toten Genre Survival-TV durch Untote nochmal Leben einzuhauchen – was genauso erfolgreich ist, wie es klingt.



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Martin Dänikennoyse Recent comment authors
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noyse
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Mit „dead set“ hat man vermutlich eh schon alles gesagt was einem zum thema reality tv und Zombies einfallen würde 🙂

Martin Däniken
Martin Däniken

Auf gut Deutsch spiegelt die Show die momentane Parteiensituation wieder…
Sowohl in der Darstellung wie auch in Drehbuch? undProduktion