In den 80ern gab es ein beliebtes Sponti-Plakat, auf dem unter den Köpfen von Marx, Lenin und Engels der Spruch stand: Alle reden vom Wetter – wir nicht.

Ich halte es gerne ähnlich: alle reden von WATCHMEN, GAME OF THRONES und WALKING DEAD – ich nicht. Ich suche mir lieber die kleineren, obskuren Serien, über die außer den Fleißschreibern von Serienjunkies sonst kaum einer berichtet.

Und so stelle ich zu Beginn der zweiten „Staffel“ meiner First Look-Reviews auch eine Zombie-Comedy im Stil von SHAUN OF THE DEAD vor, deren überschaubare Produktionskosten sich ITV (England) und Hulu (Amerika) geteilt haben. Sechs Episoden, die sich auch locker an einem Abend wegschauen lassen.

Worum geht’s? Kat und Jo fristen ein ziemlich überraschungsfreies Leben im unspektakulären Birmingham – bis die Zombie-Apokalypse so unangemeldet wie unberechenbar ausbricht. Zuflucht finden die Schwestern auf einem Hausboot – denn Zombies können nicht schwimmen. Nicht weniger nervig als die Zombies ist allerdings die Tatsache dass, Kat und Jo das Boot bald mit den Kumpels Amar und Sunny teilen müssen, die ebenfalls keine Lust haben, sich den Rängen der Untoten anzuschließen.

Mit „SHAUN OF THE DEAD-Variante“ ist ZOMBOAT! fast schon ausreichend beschrieben. Arbeiterklasse-Helden, die oft genug durch schieren Dusel überleben, absurde Konfrontationen und immer wieder der Bruch mit den Genre-Konventionen – das ist nicht mehr wirklich frisch, aber allemal unterhaltsam, wenn es so gut präsentiert wird wie hier. Allein die Tatsache, dass die Protagonisten nicht mit schnittigen Sportwagen oder gepanzerten Trucks durch das Zombie Wasteland tuckern, sondern in Kriechgeschwindigkeit mit einem Hausboot, sorgt für Erheiterung (die Zombies latschen wie ein Schwarm Möven am Ufer einfach mit).

Die Macher mühen sich auch sichtlich, den Figuren eine gewisse Tiefe jenseits der reinen Survival-Routine zu geben: Kat ist immer ein wenig neidisch auf die nicht ganz so schlaue, aber deutlich attraktivere Jo – und dass aus der Kombi 2 Männer/2 Frauen auch romantische Verwicklungen entstehen, dürfte niemanden wundern. Das ist aber sehr ordentlich in den (zugegebenermaßen dünnen) Gesamtplot eingewoben.

Die Schauspieler überzeugen und das bisschen, was ZOMBOAT! an Effekten und Action braucht, wird dem Anspruch angemessen geliefert. Vor allem aber: der Humor sitzt.

Fazit: Unterhaltsame Underdog-Horror-Comedy, die vielleicht keine Bäume ausreißt, aber locker 90 Prozent dessen schlägt, was beim Fantasy Film Fest so alles als kultiges „Midnight Movie“ angepriesen wird.



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Rudi RatlosMarselOibertSeb Recent comment authors
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Seb

Erinnert mich ein wenig an eine Art „Cockneys vs Zombies“ Spinoff. Wird unabhängig davon auf jeden Fall mal angeschaut, danke für den Tipp!

Oibert
Oibert

Fand ich tatsächlich auch sehr unterhaltsam

Marsel
Marsel

Hat wirklich großen Spaß gemacht, und hätte ich damals schon gewusst, dass es nur 6 Folgen gibt, hätte ich noch eine abgewartet und statt nur 5 gleich alle 6 am Stück geschaut.

Übrigens hat die Serie auch noch einen sehr netten Titelsong zu bieten.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Der Trailer war eher lahm, der wohlwollende Text und die Kommentare machen aber tatsächlich Lust drauf.