USA 2019. Regie: Keola Racela. Darsteller: Evan Daves, Larry Saperstein, Jillian Mueller, Glenn Stott, Robbie Tann, Bill Phillips, Katelyn Pearce, Peter Reznikoff

Offizielle Synopsis: Eine Gruppe bibeltreuer Teenager arbeitet in einem Kleinstadtkino und entdeckt nach Schichtende eine angestaubte Filmrolle, auf der eine bizarre Mischung aus Pornofilm und satanischem Ritual zu sehen ist. Nichtsahnend entfesseln die Freunde einen weiblichen Sukkubus vom Zelluloid, der sich fortan verzückt daran macht, die Kids zu verführen und zu terrorisieren.

Kritik: Kann mal jemand ein Filmfestival veranstalten, das nur Filme zeigt, die im und ums Kino spielen? Matinee, Popcorn, Drive-In Massacre, Demons, etc.? Danke.

PORNO ist ein irreführender Titel. Die ersten 15 Minuten von PORNO sind irreführend. Unter dem verheißungsvollen Filmtitel wird nämlich erstmal eine Gruselmär erzählt, wie sie auch von Spielberg, Landis oder Dante hätte kommen können. Teenager einer Kleinstadt arbeiten im Kino, finden einen verlassenen Saal unter dem Hauptsaal, eine mystische Filmrolle wird eingelegt, das Böse wird befreit. Und nebenher muss Chastity noch klären, warum Rick nichts mehr von ihr will und Abe versichert Todd, auf ewig sein bester Freund zu sein.

Aber von der ersten Minute an spielt PORNO auch mit Brüchen dieser harmlosen Narrative. So sind der Besitzer und die Angestellten des Kino seltsam frömmelig, reden permanent von Sünde und Sittenverfall. Das „andere Kino“ ist so schlecht getarnt, dass es eigentlich längst hätte entdeckt werden müssen. Und die Begeisterung, mit der die Kids den „Satansfilm“ sehen wollen, ist auch verdächtig.

Und so verlässt PORNO nach dem ersten Akt das harmlose Konstrukt der spielbergschen Wunderwelt und taucht ganz tief ein in Sexy-Splatter – und das ist in diesem Fall wörtlich zu nehmen: Boobies, Genitalbehaarung, geplatzte Hoden und abgeschnittene Schwänze machen Buttgereit Konkurrenz, es wird draufgehalten, wo andere Filmemacher verschämt wegblenden.

Das heißt nicht, dass PORNO in Splattergefilde abdriftet – er bleibt eine Teenager-Komödie, was den Impact der gezeigten Ekelhaftigkeiten reduziert. Es ist der Kontrast von heiler Welt und hartem Schmodder, der den Zuschauer aus seiner Blase reißt.

Leider hat der Film aber außer der Idee, für eine Horrorkomödie unüblich krasse Bilder zu finden, wenig zu bieten. Ist das Setup erstmal erklärt und das Satanisten-Zelluloid im Projektor, geht PORNO total die Luft aus. Der Film weiß nicht, wie er seine Figuren logisch trennen soll, was sie tun müssen. Es wird viel rumgestanden und geredet, Dinge passieren mehr, als dass sie sich zwingend ergeben. Und die Rettung des Abends wird den Helden dann auch eher in den Schoß gelegt.

Schade eigentlich. Für eine Horrorhommage im Stil von Joe Dante, aber mit tonnenweise Hardcore-Splatter wäre ich durchaus zu haben gewesen. PORNO fängt als das eine an, um in das andere zu wechseln. Das funktioniert dann nur eher so mittel.

Immerhin hat mir der Streifen geholfen, einem Ko-Zuschauer den Unterschied zwischen subjektiver und objektiver Filmbewertung präzise zu erklären: „Der hatte Boobies – das macht den Film für mich besser. Aber es macht den Film nicht besser.“

Fazit: Sympathische Horror-Hommage an die 90er, die im zweiten Akt leider massiv Dampf verliert und die nur der Mut zum Genitalsplatter noch mal über die 5 hievt. 6 von 10 Punkten unter Vorbehalt.

Philipp sagt: „Bringt Schauwerte und eine gute Idee, macht aber zu wenig daraus.“

P.S.: Hübsches Detail für Leute, die auf sowas achten: Offensichtlich bekamen die Macher nicht die Rechte, die im Kino laufenden Filme ENCINO MAN und A LEAGUE OF THEIR OWN mit offiziellem Material zu bebildern. Darum mussten Fake-Poster gebaut werden, die keinen der Stars zeigen.



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