So, Tag 2 des Basterds-Festivals. Den Morgen brachte ich damit rum, die Reviews vom Vortag zu schreiben (waren ja nur zwei) und mein Haus in München bei ImmoScout einzustellen (es wird wieder ein zuverlässiger Mieter gesucht). Danach füllte ich noch meinen Festival-Bag mit diversen Naschereien und machte mich auf den Weg.

Doc Acula selbst war zum ersten Film gar nicht da – Lohnarbeit verlangte seine Gegenwart anderswo. Also übernahm Kumpel Reini spontan die Anmoderation des ersten Films. Und scheiterte. Denn entgegen seiner Vermutung handelt es sich bei „Kalimán“ gar nicht um einen Luchador-Film, also mit mexikanischem Wrestling im Mittelpunkt. Es ist vielmehr ein „maskierter Held“-Streifen in der Tradition der Fumetti. Die Figur Kalimán gibt es südlich der USA schon sehr lange, sie wurde in Dutzenden von Comics und Radio-Hörspielen aufbereitet. Jeff Cooper spielte den Helden in den beiden Verfilmungen und ich dachte zuerst, es handele sich dabei um einen Mexikaner / Spanier / Italiener hinter Pseudonym, bis eine Nahaufnahme mir klar machte: das ist tatsächlich Jeff Cooper. Also DER Jeff Cooper:

Nun gehört „Circle of Iron“ zu den psychedelischsten Martial Arts-Filmen, die je produziert wurden und Jeff Cooper war das Charisma-Loch in der Mitte des Eisenkreises – das versprach vielleicht nicht gut, aber interessant zu werden…


Kalimán en el siniestro mundo de Humanón

Kalimán ist ein Gelehrter in Sachen Parapsychologie und außerdem Superheld mit diversen telepathischen Kräften – warum und wieso, wird nicht genau erklärt, schließlich ist das hier der zweite Film und in Mexiko weiß wohl jedes Kind um den Background der Figur (die Batman-Produzenten möchten sich das vielleicht notieren). Er reist mit seinem Adoptivsohn (?) Solin nach Rio de Janeiro, um an einem Parapsychologie-Kongress teilzunehmen, den die Untertitel durchgehend zu einem Psychologie-Kongress verfälschen (überhaupt sind die Untertitel fehlerhaft, unvollständig und inkonsistent). Leider werden ständig irgendwelche Wissenschaftler entführt und Kalimán muss feststellen, dass böser Bös-Bösewicht des Bösen diese… ja, was genau? Es bleibt ein roter Faden des Festivals, dass wir nie genau verstehen, was die Antagonisten eigentlich wollen.

Man merkt dem Plot schon an: das große Rad wird hier nicht gedreht, es werden nur die Standards kostümierter Albern-Filme wie „Drei Supermänner räumen auf“ und „Argoman“ dekliniert. Kalimán ist per se keine uninteressante Figur, aber der Streifen leidet sehr darunter, dass für tatsächliche Effekte und Action kein Geld vorhanden war und die Spannung wegen der rotznäsigen Zielgruppe auch nie zu hoch gefahren werden durfte – besonders Sidekick Solin, die Identifikationsfigur für die Dreikäsehochs im Kinosaal, ist ein echter Wesley mit der einzigen Funktion, sich von Kalimán belehren oder retten zu lassen. Grundsätzlich wird viel geredet, viel gefahren und ein wenig Sightseeing in Rio betrieben. Das ist doch deutlich zu wenig.

Als Erwachsener hangelt man sich an den präsentierten Absurditäten durch den Film, wie es sich bei einem solchen Murks gehört.

Auch diesen Film könnt ihr euch komplett auf YouTube anschauen, allerdings ohne die Untertitel:


Ein Supertruck auf Gangsterjagd

Bill Rebane hat dem Trashfilm-Publikum einige wirkliche „Perlen“ geschenkt: den Froschmonster-Heuler „Rana – Hüter des blutigen Schatzes“, den Arachniden-Ausfall „Angriff der Riesenspinne“ und das spukende Piano in „Das Grauen von Ludlow“. Eigentlich genau der Mann, der das Festival auf Touren bringen kann. Was kann bei einem Titel wie „Ein Supertruck auf Gangsterjagd“ schon schiefgehen?

So ziemlich alles.

Trotz des fetzigen Titels ist „Supertruck“ ein echter Schnarcher, der seine Existenz der Tatsache verdankt, dass Rebane für ein paar Tage Zugriff auf das titelgebende Gefährt hatte und einen Film darum stricken wollte. Die Bewohner seiner Heimatstadt in Wisconsin halfen begeistert mit, Rebane bekam sogar einen Panzer gestellt und durfte bei einer Parade filmen – aber er hatte eben nicht wirklich eine Story und den Truck ernsthaft in Stunts einzubinden kam auch nicht in Frage.

Und so ist das Ergebnis ein müdes Gewusel von drei depperten Gaunern, die erst einen Truck, dann einen Computer und schließlich die Braut des Helden klauen, um… ihr ahnt es: … aus Gründen. Alles, was Handlung ist, wird frech behauptet und bleibt im Hintergrund, in elend langen Fahrszenen wird versucht, durch Voiceover etwas Ablauf zu schaffen, was aber komplett misslingt. Stimmigkeit, Logik oder auch nur ein Erzählfaden von A nach B glänzen mit Abwesenheit. Der Film sieht seiner Entstehung entsprechend aus wie das Abfallprodukt von ein paar Tagen Amateurfilm-Spaß am Rande amerikanischer Kleinstadt-Festivitäten. „Wenn auch nur ein Kratzer an meinen Truck kommt, reiße ich dir den Arsch auf!“

Ein freud- und actionloser Hobel im Stile der Trucker-Movies der 70er und damit satte zehn Jahre zu spät produziert. Der letzte fertig gestellte und veröffentlichte Film von Rebane – man bringt kein Mitleid auf.

Ihr wollt diesen Schrabbel trotzdem sehen? Here you go:


Danach war lange Pause und dann kam Kessler.

Christian Kessler kommt ja immer wieder nach Nürnberg, um seine jeweils aktuellen Werke vorzustellen und launig über seine filmische Werdung zu dozieren. Diesmal hatte er den Hardcover-Band „Endstation Gänsehaut“ im Gepäck, der nicht nur seine persönliche Reise ins Horrorkino aufarbeitet, sondern auch die Geschichte verschiedener Eckpfeiler des Genres (Geister, Zombies, Mumien, etc.). Üppig bebildert und sowohl von Sachverstand als auch von Wortwitz getragen, kann man das Buch wirklich jedem ans Herz legen, der noch die Liebe zum klassischen Horror pflegt.

Kessler redete sehr lange, aber trotzdem nicht lange genug. Nach drei Stunden gab er dann erschöpft das Mikro ab und signierte fleißig, was für mich das Signal zum Aufbruch war – Mitternacht hatten wir hinter uns gelassen und den folgenden „John dies at the end“ kannte ich nicht nur, den hatte ich auch 2013 schon für euch besprochen. Da muss ich mich nicht wiederholen:

„Ein extrem charmantes Puzzlespiel, dessen Teile allerdings von verschiedenen Puzzles stammen und die am Ende kein komplettes Bild ergeben. Sympathisch und kurzweilig, aber nicht ganz so kultig, wie sich Macher und Zuschauer das vielleicht erhofft haben.

Tag 2 geschafft. Wortvogel geschafft. Zeit fürs Hotelbett.



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Markus

„Die Batman-Produzenten möchten sich das vielleicht notieren.“ Großartig!