Untitled (mm2013 copy)

John-Dies-at-the-End-Movie-Poster-LargeUSA 2012 / 99 MIN / ENGLISCHE OV REGIE Don Coscarelli DARSTELLER Chase Williamson / Paul Giamatti / Rob Mayes / Clancy Brown / Glynn Turman / Doug Jones / Angus Scrimm

Offizielle Synopsis: Davids Wongs bester Freund John hat auf einer Studentenparty die neue Wunderdroge „Sojasoße“ ausprobiert – oder besser gesagt: sie ihn. Dumm nur, dass die hervorgerufenen Wahnvorstellungen gar keine sind! Fortan kämpfen die beiden einen höchst (sur)realen Kampf ums Universum. Darin involviert sind der Showzauberer Marconi, ein schmieriger Autor, ein verblüffend smarter Hund und ein Mädchen mit Gummihand.

Kritik: Ahhh, Don Coscarelli. „Phantasm“. The Tall Man. Da werden Erinnerungen an die Jugend wach. Das Plakat zu „Das Böse“ (also dem ersten „Phantasm“) hing bei uns allen Ernstes in der Schuldruckerei an der Wand. Coscarelli ist ein Guter. Der hat sich nie verkauft, aber auch nie in der Gosse gesuhlt. Die „Phantasm“-Filme sind eine charmant unperfekte, aber höchst nerdige B-Reihe, die tatsächlich das Kultlabel zu Recht trägt. Und „Bubba Ho-Tep“ zeigte, dass Coscarelli sich nicht damit zufrieden gibt, den Horrorfans einfach nur ein paar Brocken Fleisch hinzuwerfen. Der Mann hat Humor, gute Einfälle und ein Händchen dafür, aus wenig Geld viel raus zu holen.

Alle diese Eigenschaften bringt denn auch „John dies at the end“ mit, ein comicesker Trip durch „Bill & Ted“, „Supernatural“, „Nightmare on Elm Street“, „Matrix“, mit Augenzwinkern in Richtung Cronenberg und Lovecraft. Das Absurde wird zum Prinzip erklärt, Zeit, Raum und Gestalt verlieren an Bedeutung im Rausch der Droge, die irgendwas mit einer Alien-Invasion zu tun haben könnte – oder auch nicht. Wer eine stringent erzählte Story sucht, ist hier falsch. „John dies at the end“ ist eher eine Reise mit Mario und Luigi durch die Level von Castlevania. Wenn ihr das kapiert, Gratulation und willkommen in der Zielgruppe.

john-dies-at-the-end-2

Das Budget kann nicht sehr hoch gewesen sein – man merkt es an einigen Stellen. Trotzdem lässt Coscarelli auch bei den Effekten nichts aus: Greenscreen, CGI, Zeichentrick (you heard me), Stunts, Prosthetics und Splätter erfreuen das Auge launige 100 Minuten lang. Er reduziert seine Vision nicht auf das Budget herunter, sondern streckt das Budget so lange, bis es seiner Vision gerecht wird. Beeindruckend.

Für Nerds ist „John dies at the end“ eine echte Fundgrube, nicht nur an Querverweisen und In-Jokes, sondern auch an Interpretationsmöglichkeiten. So viele Diagramme, wie man bräuchte, um alle Ebenen und Zusammenhänge aufzudröseln, kann man gar nicht an die Wand kleistern. Der Film ist prädestiniert dafür, auf eigens eingerichteten Webseiten und in Foren ad infinitum analysiert zu werden.

Auch bei den Schwächen ist auf Coscarellis Masche Verlass: bei aller technischen und inhaltlichen Finesse gelingt es ihm nicht in ausreichendem Maß, die Figuren authentisch zu halten und echtes Drama zu generieren. „John dies at the end“ ist penetrant hip und lässig, gönnt sich keine wirklichen Emotionen und funktioniert nur als Oberfläche. Die Figuren schlafwandeln durch ihr Universum, prallen aneinander ab wie Billardkugeln. Echte Liebe, echtes Leid, echte Wut sucht man vergebens. So macht der Film deutlich mehr Laune als Eindruck.

Es bleibt ein spassiger Streifen, der sein Geld wert ist und zur Diskussion einlädt, aber als Offenbarung für beinharte Filmfans, die nicht nur von Internet und ComicCon sozialisiert sind, frustrierend dünn wirkt.

Fazit: Ein extrem charmantes Puzzlespiel, dessen Teile allerdings von verschiedenen Puzzles stammen und die am Ende kein komplettes Bild ergeben. Sympathisch und kurzweilig, aber nicht ganz so kultig, wie sich Macher und Zuschauer das vielleicht erhofft haben.



Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz