Brasilien 2018. Regie: Guto Parente. Darsteller: Ana Luiza Rios, Tavinho Teixeira, Zé Maria, Pedro Domingues, Rodrigo Fernandes

Offizielle Synopsis: Eine alte Weisheit sagt: Die Reichen fressen die Armen. Das wohlsituierte Pärchen Otavio und Gilda nimmt das wörtlich und verspeist am liebsten arme Schlucker zum Abendessen. Oder als Snack für zwischendurch am Swimmingpool. Oder als besondere Würze für ihr extravagantes Sexleben. Furcht, dass ihr dekadenter Spleen auffliegt, braucht das Pärchen nicht zu haben. Ihre Villa liegt abgelegen und die Kontakte in die höchsten Kreise sind erstklassig. Bis sich der Spieß umdreht.

Kritik: Die Inhaltsangabe fasst den Film schon ganz gut zusammen – ein moralisch enthemmtes Pärchen mit ausgeprägtem Selbsthass veraxtet arme Schlucker beim Geschlechtsverkehr (ein schöner Tod), um sie dann medium rare beim gepflegten Abendessen zu verspeisen. Als Gilda den Fehler macht, aus einer Transgression von Octavios Chef Kapital schlagen zu wollen, ist allerdings schnell Schicht im Schacht und die Axt wendet sich.

Mehr ist da auch nicht drin. „The Cannibal Club“ ist völlig zufrieden damit, Octavio und Gilda ausgiebig beim amoralischen Treiben zu präsentieren, genießt sichtlich die Zeigefreudigkeit der Hauptdarstellerin und schreckt auch nicht vor ein paar Tropfen Sperma zurück, was in der nördlichen Halbkugel cineastisch jenseits von Pornhub ja eher verpönt ist. Alles mit leichter Hand und wenig echtem Schrecken – die Macher wollen augenscheinlich nur spielen.

Ist das unterhaltsam, frech sogar? Zweifellos. Aber es ist auch inhaltlich sehr dünn, weil über die Eskapaden der Figuren hinaus kein wirklicher Plot aufgebaut wird. Jonas, der erst im dritten Akt dazu stößt, könnte Zentrum einer „echten“ Handlung werden – aber da kommt auch schon der Nachspann und er war doch nur wieder Nebenfigur.

Wenn man Äxte in Köpfen mag und begeistert hüpfende nackte Frauen, die in Blut gebadet werden, bekommt man hier den dicken Burger. Sucht man einen Film mit Handlung, Wandlung und Auflösung, dann liegen hier nur Salatblätter auf dem Teller.

Ich muss gestehen, dass mir der erotische Gehalt des Film ein wenig dadurch vergällt wurde, dass Octavio aussieht wie Hartmut Mehdorn.

Fazit: Erfreulich schamloser und arschiger Streifen über die totale Unmenschlichkeit der brasilianischen Oberschicht, dem es leider an Story und Figuren mangelt. 5 von 10 Punkten, Veganer dürfen zwei abziehen.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Das Leben der Oberschicht überspitzt dargestellt. Dabei mit einigen ungewohnten Bildern. Gefällt.“

 



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Goran
Goran

Argentinische Oberschicht? Ausser dem Fall ich hab da was nicht mitgekriegt, spielt dieser brasilianische Film auch dort.

mm

Ist korrigiert – hätte ich die Zeit, die Reviews vor der Veröffentlichung auch nur eine halbe Stunde liegen zu lassen, würde sowas nicht passieren.