Ibiza gibt mir die Gelegenheit, viele Filme und Serien und Dokus nachzuholen – und manchmal auch die Reviews dazu. Weil ich nicht vorhabe, meinen Urlaub im dunklen Kämmerlein zu verbringen, gibt es dazu „nur“ Kurzkritiken – ich unterstelle in vielen Fällen auch, dass ihr mir längst voraus seid und die Produktionen eh schon kennt.

Den Anfang machen drei Franchises, die aus den 70er und 90er Jahren stammen und aktuell neu aufgelegt werden. Nun bin ich kein Fan von der Idee, Projekte für jede Generation neu hochzuwürgen, andererseits habe ich aber auch kein wirklich plausibles Argument dagegen – schon gar nicht bei diesen konkreten Beispielen.

Westworld 2016

Angesichts diverser Produktionsprobleme und verhaltener Online-Kritiken hatte ich eigentlich vor, die Serien-Neufassung von Michael Crichtons „Westworld“ auszulassen. Aber dann wollte ich mir wenigstens den Pilotfilm mal ansehen – und war augenblicklich „hooked“. Die Serie ist eine grandiose, komplexe, so schmerzhafte wie unterhaltsame Betrachtung der „human condition“ – sowohl von der Seite der Menschen als auch von der Seite der Roboter. Sie geht weiter über die Narrative des Films hinaus, der den Robotern an keiner Stelle so etwas wie Menschlichkeit zugestehen wollte.

Die Laufzeit wird sorgsam genutzt, um ein feines Netz aus Figuren und Plots zu weben, in dem immer wieder die Strippenzieher selber an Fäden hängen. Das ist nicht immer rasant und schon gar nicht auf das Spektakel hin inszeniert, aber was hier an Effekten, Production Design und Darstellern aufgeboten wird, hat Kinocharakter. Und das ist ausnahmsweise mal keine Floskel. „Westworld“ ist eine Serie, wie es sie vor 10 Jahren nicht hätte geben können, eine intellektuelle und zeitliche Investition, die sich lohnt. Ein absolutes Highlight des neuen Goldenen Zeitalters.

Nicht unerwähnt sollte an dieser Stelle die erste TV-Serie zur „Westworld“ bleiben, gerade weil sie gerne vergessen wird – „Beyond Westworld“ ist ein perfektes Beispiel für generische 70er Actionpampe ohne Ecken und Kanten. We’ve come a long way, baby:

Ducktales 2017

Ich hatte eine ältliche, sauertöpfische Kollegin beim GONG, die “Duck Tales” in den 90ern als “den zweiten Sündenfall der ARD nach dem Disney-Club” bezeichnete. Amerikanische Kinderunterhaltung war ihr ein Greuel, da fehlte der pädagogische Ansatz und die politisch korrekte Einstellung. Mumpitz. „Duck Tales“ war natürlich genial und eines der besten Beispiele für eine goldene Ära von Zeichentrickserien, die uns auch „Batman“, „Ren & Stimpy“, „Animaniacs“ und die „X-Men“ beschert hat.

Dass Disney nun die „Duck Tales“ neu auflegt, ist nicht verwunderlich, hat die Serie doch absoluten Kultstatus. Überraschend ist allerdings die Perfektion, mit der das Haus der Maus nicht nur die alten Qualitäten reproduziert, sondern sie in einen angemessenen Rahmen für das neue Jahrtausend setzt. Der visuelle Stil ist phantastisch, man möchte Standbilder ausdrucken und an die Wand hängen. Trotz hohen Tempos und vieler Actionszenen wirken die Episoden nie überladen oder hektisch. Haufenweise kleine Insider-Gags oder sarkastische Randbemerkungen machen die „Duck Tales“ auch für Geeks zum Genuss – zumal das Voice Acting von David Tennant als Dagobert Duck sowieso ein Knaller ist. Meine einzige Kritik ist, dass Donalds hysterisches Gequake angesichts der normalen Sprache aller anderen Figuren etwas nervt – und dass Pilot Quack praktisch keinerlei Daseinsberechtigung hat, wenn Donald mit an Bord ist.

Glücklich die Generation, die mit solchem Zeichentrick aufwachsen darf. Und was die Kollegin vom Gong angeht: blöde Kuh.

The Gong Show 2017

Wo wir gerade beim Gong sind – dort hing in der Redaktion ein gerahmtes Plakat des Films “Gong Show Movie” (all the stuff Chuck Barris had to keep under his hat until now). Ich brauchte eine Weile, bis ich recherchiert hatte, dass es dabei um die Kino-Version einer amerikanischen Trash-Gameshow handelte. Diese lief eingedeutscht kurz mal 1981 im NDR (mit Paul Kuhn als Moderator), dann 1992 auf RTL (mit Götz Alsmann), und schließlich nochmal 2003 (mit Marco Stöhlein).

Hier wurden bewusst katastrophale Darbietungen untalentierter Schwachmaten so lange geduldet, bis die Juroren sie „raus-gongten“. Also quasi die umgedrehte Variante von „Das Supertalent“. Schaut man sich mal alte Folgen an, dann wir schnell deutlich, dass es hier sehr sarkastisch und anarchisch zuging, das Chaos Methode hatte und die Prinzipien von Talentshows sehr bewusst durch den Kakao gezogen wurden.

Mittlerweile gibt in den USA eine aufwändige Neuauflage, der es durchaus gelingt, den anarchischen Spirit des Originals einzufangen, auch wenn sie etwas zu poliert aussieht. In der Jury sitzen abwechselnd Will Arnett, Zach Galifianakis, Alison Brie, Andy Samberg, Elizabeth Banks, Joel McHale, Courteney Cox, Dana Carvey, Will Forte, Jack Black, Jennifer Aniston, Ken Jeong und Fred Armisen. Bemerkenswert ist allerdings primär der affektierte Moderator und britische Comedian Tommy Maitland. Man braucht nicht lange, um zu erkennen, dass es sich dabei um Mike Myers hinter aufwändigem Makeup handelt. It’s a long way down from „Austin Powers“, I guess.

Ob man die Show mag, ist sicher sehr davon abhängig, wie sehr man in den Untiefen obskurer TV-Unterhaltung steckt.

In den nächsten Tagen werde ich (eingestreut zwischen die Gastbeiträge) noch ein paar spannende Dokumentationen und neue Filme vorstellen.



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