Terra Formars

terra-formars-posterJapan 2016. Regie: Takashi Miike. Darsteller: Hideaki Itou, Emi Takei, Tomohisa Yamashita, Takayuki Yamada, Shun Oguri, Kane Kosugi, Rinko Kikuchi

Offizielle Synopsis: Wir schreiben das Jahr 2599. Fünfhundert Jahre ist es her seit im Rahmen eines Experiments Kakerlaken auf dem Mars ausgesetzt wurden, um den roten Planeten bewohnbar zu machen. Nun ist die Zeit gekommen, um sich ein Bild vom Ergebnis dieser langen Vorbereitung zu machen. Doch als das erste Erkundungsteam nicht zur Erde zurückkehrt, entsendet ein zwielichtiger Wissenschaftler die Mission BUG 2: eine Truppe aus Verlierern, Verbrechern und anderen entbehrlichen Gestalten. Kaum auf dem Mars angekommen, müssen die fünfzehn Underdogs feststellen, dass aus den harmlosen Krabblern im Laufe eines halben Jahrtausends monströse und ausgesprochen blutrünstige Kreaturen geworden sind, die Menschen in Windeseile in kleinste Teilchen zerlegen können. Ein ungleicher und gnadenloser Kampf um die Vorherrschaft auf dem Mars entbrennt.

Kritik: Oh Miike, was tust du mir an? Ich würde dich so gerne zu einem meiner „guilty pleasures“ ernennen, weil du mich mit Filmen wie „Ace Attorney“ und „Like a Dragon“ begeisterst. Aber dann drehst du wieder Kappes wie „Sukiyaki Western Django“ und „Terra Formars“ und machst alles wieder kaputt. Damn you – damn you to hell!

Das ist natürlich arg vereinfacht ausgedrückt. Bei dem Output von Miike sind zwangsweise ein paar Rohrkrepierer zu erwarten und selbst die schlechtesten Miike-Filme sind meistens noch erheiternd crazy. Und darum freue ich mich darüber, dass „Terra Formars“ zumindest in dieser Beziehung liefert. Er ist crazy. Wie eine Scheißhausratte.

Gehässigerweise fängt der Film verführerisch straight an – in einer „Blade Runner“-Zukunft werden auf der übervölkerten Erde Rekruten gesucht, die den terraformten Mars wieder von den Lebensformen bereinigen, die man einst zum Terraforming dort ausgesetzt hatte: Kakerlaken.

Das ist sauber getrickst, gut gespielt, führt eine Handvoll Charaktere ordentlich ein und lässt auf ein Weltraum-Actionabenteuer im „Captain Future“-Stil hoffen (die Kostüme könnte man auch problemlos für eine Adaption desselben recyceln). Miike auf dem Weg in dem Mainstream, eine Eintrittskarte nach Hollywood vielleicht?

Drauf geschissen. Es stellt sich nämlich heraus, dass die Kakerlaken schnell mutiert sind – zu zwei Meter großen, muskelbepackten, keulenschwingenden Kakerlaken-Menschen. Und die wollen „ihren“ Planeten nicht freiwillig hergeben. Wie gut, dass unsere Helden per Operation mit Insekten-DNA ausgestattet wurden und sich durch eine Droge in Käfer-Hybriden mit Superkräften verwandeln können. FIGHT!

terra formars

Es ist okay. Lest den letzten Absatz ruhig noch einmal. Ihr habt das nicht falsch verstanden. Kakerlaken-Bodybuilder und Käfer-Astronauten mit Superkräften. Doch doch.

Ab der Landung auf dem Mars dreht „Terra Formars“ ab  – und auf. Der Film devolutioniert zu einer Ansammlung von CGI-Schlägereien im Stil von „Power Rangers“, nur viel, viel brutaler. Man möchte um das verschenkte Potenzial des Konzept weinen, kommt aber vor Lachen nicht dazu. WHAT THE HELL???

Ich kann nicht behaupten, dass „Terra Formars“ ein guter Film ist. Ich würde sogar bestreiten, dass die zweite Hälfte überhaupt ein Film ist. Ich kann aber auch nicht behaupten, dass ich mich nicht amüsiert habe. Weniger über den Film, mehr über den offen zur Schau getragenen Wahnwitz der Macher.

Wenn man’s genau betrachtet, ist „Terra Formars“ konzeptionell eine Variation des „Suicide Squad“-Themas. Und ich bezweifle, dass „Suicide Squad“ besser ist.

Fazit: Ein Film-Comic, das „Starship Troopers“ und „Power Rangers“ in einem Beat ‚em up-Videospielszenario vereint und die Möglichkeit eines interessanten japanischen SF-Films zu Gunsten totaler Albernheit verschenkt. Miike darf das. Ich kann hier echt keine Ampel vergeben, das wäre zu spießig.

Philipp meint: Spannend, voller abgefahrener Ideen und bei aller Phantastik doch irgendwie „realistisch“ genug, um zu überzeugen.



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Goran
Goran

Schön, dass Dich der Film erstmal in Science Fiction Ruhe gewiegt hat, denn das Filmposter nimmt hier viel vorweg, wenn man Japanisch kann.

„Ore ga yaru“ ist eine von Machismo triefende Formulierung, die man vieleicht mit „Der Boss (ich) macht das/haut die tot“ übersetzen könnte.

Und dann wird noch damit geworben, dass hier völlig unbegreifliche Wesen zu sehen seien.

Jup, scheint ja durchgezogen zu sein. Freu mich drauf.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Liest sich total geil XD

Will Tippin
Will Tippin

Ich fand die Mangavorlage schon sehr abgedreht, als auf einer Doppelseite plötzlich die Muskel-Kakerlakenmenschen vorgestellt wurden. Und den Helden später Fühler aus den Schädeln schossen. Sieht seeehr werksgetreu verfilmt aus.

heino
heino

„Suicide Squad“ ist definitiv der bessere Film. TF fängt gut an, hat mich aber ziemlich bald nur noch genervt und gelangweilt, weil keine der Figuren auch nur ansatzweise sympathisch ist, die ganzen Backstorys recht störend eingefügt wurden und viel zu kitschig sind und die Schlägereien sehr repetitiv geraten und die Kakerlaken einfach nur eine tumbe Masse gleich und dabei extrem albern aussehender Monstrositäten sind.

Marcus
Marcus

Zu lang, zu hyperaktiv, zu gaga, zu viel Gepose. Meine 6/10 sind als rein subjektives Abwinken zu verstehen, andere mögen hier durchaus mehr Spaß haben.

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