Imperium

imperium-poster-galleryUSA 2016. Regie: Daniel Ragussis. Darsteller: Daniel Radcliffe, Toni Collette, Burn Gorman, Nestor Carbonell, Seth Numrich, Sam Trammell, Chris Sullivan

Offizielle Synopsis: Nate Foster ist trotz seines jungen Alters ein gerissener FBI-Agent. Einer der besten, wie seine Chefin Angela behauptet. Doch sein neuer Auftrag entpuppt sich als höllisch gefährlicher Drahtseilakt. Kahlrasiert und mit irrem Funkeln in den Augen taucht der Jungspund in die Gefilde einer ultrarechten Neonazi-Organisation ab, um einen drohenden Anschlag mit einer schmutzigen Bombe zu verhindern. Allein unter tollwütigen Wölfen, bleibt Nate nichts anderes übrig, als mit dem Rudel zu heulen. Dabei gerät er bald in einen mörderischen Sog aus Gewalt und Verbrechen. Nur Angela kennt seine wahre Identität und versucht verzweifelt, ihren Schützling am Leben zu halten, bis sein Auftrag erfüllt ist.

Kritik: Ahhh, da kribbelt’s. Nazis, Skinheads, Hooligans, Rassisten – eine um des Schockwerts in Mode gekommene Schurkenschablone, die uns einige wirklich bemerkenswerte Filme beschert hat: „Romper Stomper“, „American History X“, „Green Street Hooligans“, und gerade dieses Jahr erst „Green Room„. Der Trick dabei ist, uns Einblick in ein „verbotenes“ Milieu zu geben, uns bei den Rechtsextremen durchs Schlüsselloch spähen zu lassen – die Erkenntnis eigentlich immer: Das sind auch Menschen. Verblendete, ungebildete, gewalttätige, ekelhafte Menschen. Aber Menschen.

Das ist nicht der Ansatz von „Imperium“. Er möchte leider nicht mehr sein als ein schnittiger Agententhriller über einen gefährlichen Undercover-Einsatz, bei dem die Antagonisten letztlich austauschbar sind. Für diesen Ansatz ist es sogar notwendig, dass es keine Ambivalenzen gibt: Die Nazis entsprechen exakt den Klischees, die wir aus der Boulevardpresse kennen und teilen sich letztlich in simple Gruppen auf: Die intellektuellen Bürgerlichen, die sich in den Vorstädten bei freundlichen Grillpartys verstecken. Die tumben Skins, die primär saufen und prügeln wollen. Die Arier, die an eine höhere Mission ihrer Rasse glauben. Die Opportunisten, die im rechten Rand einen Markt sehen, den es abzugrasen gilt.

imperium

„Imperium“ stellt diese Klischees einfach als Fakt hin. Es gibt keinerlei Auseinandersetzung mit der Frage, was diese Subkultur für viele Menschen so reizvoll macht, an welchen Stellen die eigene Biographie gebrochen sein muss, um das Heil in der hassenden Masse zu suchen.

Was noch schlimmer ist: Auch unser Held stellt sich nicht in Frage. Er taucht als Weichei in die Welt der Skins ein, ohne irgendwelche Schäden zu nehmen, ohne auch nur in die Nähe der eigenen Verführung zu kommen, ohne zwischen den Wahrheiten festzustecken. Die Nazis sind böse, er ist der gute FBI-Mann, der sie überführen wird. Und genau so kommt es dann auch.

„Imperium“ ist technisch ein Farbfilm, inhaltlich aber schwarzweiß wie die Frühwestern von John Wayne. Er setzt sich mit nichts auseinander, stellt keine Fragen, ist weder an Lösungen noch an Antworten interessiert.

Und können wir auch noch mal über die Texte um Programmheft sprechen (siehe Inhalt oben)? Daran ist so viel falsch, dass es schon nicht mehr feierlich. Weder ist Nate ein „gerissener FBI-Agent“, noch ist Angela seine Chefin. Und sie verbringt auch keine Minute Laufzeit damit, „ihren Schützling am Leben zu halten, bis sein Auftrag erfüllt ist“. Schmarrn.

gelbFazit: Ein zu sehr am Mainstream orientierter Thriller, der es sich bei der Einteilung von Gut und Böse sehr einfach macht und seine Hauptfigur niemals in einen emotionalen Konflikt stürzt. Bequemes „Nazis sind scheiße“-Kino ohne Eier oder Erkenntnis. Da helfen auch die solide Regie und die wirklich exzellenten Darsteller nicht.

Philipp meint: Sehr glatt erzählt und bringt nicht wirklich etwas Neues. Dass es unter den Rechtsextremen auch kultivierte, intelligente Menschen gibt und diese besonders gefährlich sein können, sollte sich rumgesprochen haben.



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“ Er möchte leider nicht mehr sein als ein schnittiger Agententhriller über einen gefährlichen Undercover-Einsatz“

Du sagst das so, als sei das was Schlimmes. 7/10.

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