The Devil’s Candy

Devils-Candy-Movie-PosterUSA 2015. Regie: Sean Byrne. Darsteller: Ethan Embry, Shiri Appleby, Pruitt Taylor Vince, Kiara Glasco

Offizielle Synopsis: Mit neuen Eigenheimen ist das ja so eine Sache. Kaum sind die Räumlichkeiten aufgeteilt und die Kisten ausgepackt, steht der Freak im Hausflur, der einst genau hier seine Familie massakrierte. Hier heißt der Übeltäter Ray Smilie, ist mit dem Teufel im Bunde und donnert nächtens schwermetallische Gitarrenriffs in Überlautstärke durch die Boxen. Die satanischen Mächte ergreifen schon bald den frisch eingezogenen Familienvater und Künstler Jesse Hellman. Zusehends manifestieren sich auf seinen Gemälden die abscheulichen Schreckenstaten Smilies. Und die sind erst der Anfang.

Kritik: Der Mitarbeiter der Festival-Veranstalter freute sich sichtlich, dieses Jahr (nach dem Erfolg von „Deathgasm“ 2015) gleich zwei „Metal-Horrorfilme“ präsentieren zu können. Man sieht offensichtliche Parallelen in den Zielgruppen – für mich kann ich zumindest konstatieren, dass sie da falsch liegen. Ich bevorzuge die Stücke von Brahms, bei denen die Nazis in „Imperium“ entspannen.

Die Geschichte, die „Devil’s Candy“ erzählt, ist wahrlich nicht neu – muss sie ja auch nicht sein. Es wundert mich immer, wenn Schreiberlinge meinen, der Horror müsse sich ständig neu erfinden. Niemand erwartet das vom Western, vom Krimi, von der romantischen Komödie – aber der Horror, der darf sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen, auf seinen erarbeiteten und erprobten Strukturen. Ihr mich auch.

Es ist also wieder einmal eine junge Familie, die in ein großes Haus umzieht, das eine böse Vergangenheit besitzt. In diesem Fall ist der okkulte Antagonist allerdings kein Geist, sondern ein fetter, verwirrter Mann, dem Stimmen befehlen, dem Teufel Kinder zu opfern.

An diesem schmalen roten Faden entwickelt der Film seine Geschichte und seine Figuren und ist dabei deutlich besser als „Abattoir“, weil sich die Dramaturgie nicht der Oberfläche unterwirft. „Devil’s Candy“ ist nicht schick, um schick zu sein. Er interessiert sich für seine Figuren, die ich einzeln und als Familie plausibel finde, deren Verhalten ich nachvollziehen kann. Insbesondere die Affenliebe von Jesse und seiner bezaubernden Metal-Tochter Zooey ist von einer Herzenswärme durchdrungen, die uns in den Film zieht, die uns tatsächlich mitfiebern lässt – während mir das Schicksal der Protagonistin von „Abattoir“ ja bekanntermaßen völlig schnurz war.

devils candy

„Devil’s Candy“ ist auch auffällig in seiner Spannungsregie. Es gibt diverse Sequenzen, bei denen man die Hände in die Armlehne krallt – nicht wegen der gezeigten Gewalt, sondern wegen der fiesen Suspense. Sean Byrne macht nicht Buh – Sean Byrne macht das Licht aus…

Ist es ein „Metal-Horrorfilm“? Nein. Metal ist auch hier nur Dekoration, die sich ohne Schmerzen aus dem Film subtrahieren ließe. Aber wem’s gefällt, der darf sich ruhig am Lärm auf dem Soundtrack erfreuen. Ist „Devil’s Candy“ perfekt auserzählt? Nein. Diverse Elemente werden eingeführt, aber dann fallen gelassen (z.B. der ominöse Galerist, der Jesse Werke kaufen will). Der Bösewicht ist auch mangels okkulter Kräfte nicht ganz so überzeugend. Aber bei einem Film, dem es gelingt, sympathische Figuren ohne Sadismus durch einen traditionellen Gruselplot ohne Brutalität zu scheuchen, ist mir das auch völlig egal.

„Devil’s Candy“ funktioniert als Kino, nicht als Achterbahn. Respekt.

gruenFazit: Klassische Spukhaus/Besessenheits-Motive, die mit ein bisschen Hardrock zum Metal-Horror aufgeplustert werden. Die effektive Regie und die exzellenten Darsteller heben den Film trotz kleiner Schwächen über das Niveau leerer Hochglanzproduktionen wie „Abattoir„. Ich fordere aber jetzt zur Abwechslung mal „Kuschelrock-Zombies“.

Philipp meint: Sehr sympathische Darstellung der kleinen Familie. Insbesondere die Tochter ist klasse gespielt. Und der Gegner ist gerade durch seine Unbeholfenheit interessant. Im Rückblick besser als im Spontaneindruck.

Leider nur ein russischer Trailer:



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