07
Mrz 2016

Watching (3): Slasher, Moving Wallpaper

Themen: Film, TV & Presse, Neues |

Slasher

Die junge Sarah kehrt in das Haus ihrer Eltern zurück, die kurz vor ihrer Geburt von einem maskierten Killer massakriert wurden. Die Nachbarn sehen die Heimkehr des „Henker-Opfers“ skeptisch und in der Tat kommt es zu einer Reihe neuer blutiger Todesfälle. Sarah beschließt, sich Hilfe beim ersten „Henker“ zu suchen, der seit damals im Hochsicherheitsgefängnis sitzt.

Der Slasher gehörte nie zu den intelligentesten oder einfallsreichsten Subgenres des Horrorfilms. Als amerikanisierte und simplifizierte Dumpf-Version des deutschen Nachkriegskrimis und der italienischen Gialli wurde ihm jeder Novitätenwert in wenigen Jahren ausgetrieben, seither wird der Slasher immer wieder kopiert, neu erfunden, parodiert und zu Tode analysiert. Es ist ein untotes Subgenre, künstlich am Leben erhalten vom Versprechen billiger, blutiger Gewalt an unschuldigen Opfern, geeignet für pubertäre Allesgucker. Es ist kein Wunder, dass es vor ein paar Jahren mit „Slashers“ sogar ein (fiktionales) Crossover mit Spielshows gab – und dass ich mit „Killer in a can“ vor fast 15 Jahren ein Konzept für einen Slasher in einem Big Brother-Setting geschrieben habe. Wenn gar nichts mehr geht, geht endgültig alles.

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Die kanadische Serie „Slasher“ verdankt ihre Existenz natürlich auch den TV-Neustarts von „Scream“ und „Scream Queens“. Der Slasher ist damit endgültig – ohne jegliche Verrenkungen, um sich an das Medium anzupassen – im Fernsehen angekommen. Versuchte man es bei „Scream“, „Scream Queens“ und früheren Produktionen wie "Harper’s Island" noch mit Elementen von Soap, Satire und Crime Procedural, ist „Slasher“ die reine Lehre, das Erbe von Michael Myers und Jason Vorhees, gestreckt auf Miniserien-Format. Die Involvierung des Original-„Henkers“ gibt allenfalls noch ein wenig „Schweigen der Lämmer“-Würze dazu.

Und das funktioniert sehr gut, auch wenn ich nicht weiß, ob die genaue Mimikry des klassischen Formats mittelfristig nützlich oder hinderlich sein wird. Zumindest der Pilotfilm weiß mit sorgsamem Spannungsaufbau, guten Darstellern und häufigen Twists zu überzeugen. Vor allem aber wirkt „Slasher“ nicht fürs Fernsehen kastriert, die Splatterszenen sind knackig und der Produktionsaufwand beachtlich. Auf 90 Minuten zusammen geschnitten würde eine Kino-Version jedem Fantasy Filmfest zur Ehre gereichen.

Was ich noch nicht ganz verstanden habe: Die Serie wird als Drama-Anthologie verkauft, momentan sehe ich da aber nur eine übergreifende Handlung. Vielleicht handhabt man das wie bei "American Horror Story".

Ich selbst werde die Abenteuer des „Henkers“ vorerst weiter verfolgen:

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Moving Wallpaper

Und jetzt – weil es thematisch prima passt – noch was aus der Abteilung „re-watching“.

Vor vielen, vielen Jahren habe ich die Serie „Moving Wallpaper“ besprochen – eine Sitcom, die gleichzeitig ein Meta-Experiment in Sachen Fernseh-Fiction war, weil sie hinter den Kulissen der zeitgleich gestarteten Soap „Echo Beach“ spielte. Als „Echo Beach“ nach einer Staffel eingestellt wurde, „Moving Wallpaper“ aber eine zweite Staffel spendiert bekam, musste sich die Sitcom umorientieren. Neues Thema: Das Team von „Echo Beach“ versucht verzweifelt, mit dem Konzept für eine obskure Zombieserie namens „Renaissance“ weiterzumachen. Hilarity ensues.

Interessant ist das nicht nur konzeptionell, sondern auch im TV-historischen Kontext, weil die Versuche, eine Zombieserie zu etablieren, in der Zeit vor „Walking Dead“ und „Z Nation“ noch als hirnrissig abgetan wurden, wie dieser schöne Dialog zwischen dem Produzenten und seiner Chefautorin beweist:

„Zombies?“

„Think of it as a metaphor.“

„For what?“

„Good television!“

„ITV, home of Coronation Street and Ant & Dec are really making a show about dead people coming back to life? It’ll never work!“

„How can you say that?“

„What’s the last zombie series to work on ITV 1?“

„There haven’t been any.“

„Doesn’t that tell you anything?“

„There is a gap in the market?!“

„No, it’s because no one in their right mind would make it!“

„Fine – so that’s what we’ve become! Slaves to the audience! Trend followers instead of trend setters!“

Zeiten ändern sich…



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Pascal
Pascal
7. März, 2016 22:04

"Die junge Sarah kehrt in das Haus ihrer Eltern zurück, die kurz vor ihrer Geburt von einem maskierten Killer massakriert wurden."

Wurde die Mutter bis zur Geburt künstlich am Leben erhalten oder meinst du nicht eher nach ihrer Geburt? 😉

Martin Däniken
Martin Däniken
7. März, 2016 22:22

Der Vater kurz nach der Zeugung und die Mutter kurz nach der Niederkunft-hätte eine gewisse Logik,oder;-)

Wortvogel
Wortvogel
8. März, 2016 07:22

@ Pascal/Martin: Ihr liege beide falsch – und ich richtig. Selber anschauen!

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
8. März, 2016 11:45

Slasher im Big-Brother-Umfeld? Also "Halloween äh irgendwas" 😀

Peroy
Peroy
8. März, 2016 19:27

"Voyeur.com"…