Extinction

Extinction---Cartel-TeaserSpanien/ Ungarn 2015. Regie: Miguel Angel Vivas. Darsteller: Matthew Fox, Jeffrey Donovan, Quinn McColgan, Valeria Vereau

Story: Während einer Zombie-Apokalypse gelingt es Jack, Patrick, Emma und ihrem Baby-Töchtling, mit Müh und Not, sich in ihrem Heimatort Harmony zu verbarrikadieren…

Neun Jahre später – aus recht unspezifizierten Gründen ist ein dauerhafter Winter über’s Land hereingebrochen (ich vermute stark, damit Regisseur Vivas den Gag „weather forecast – the day after tomorrow: cold!“ unterbringen konnte), die Zombies sind, davon geht man aus, an der Kälte krepiert. Emma ist gestorben, Jack und Patrick spielen seither grumpy old men und vermeiden jeden Kontakt, jeder hat sich in seinem Haus hinter Stacheldrahtzäunen verschanzt. Jack wagt sich nur zu gelegentlichen „Einkaufsausflügen“ in den Supermarkt der nächsten Stadt, um neue Konserven zu bunkern, heraus und verbietet Tochter Lu nicht nur den Umgang mit Patrick, sondern generell das Verlassen des Hauses. Patrick spielt indes haarigen Waldschrat und geht mit Skimobil und Hund auf die Jagd nach Hirschen und ähnlichem Getier, das er sich auf den Grill haut und anschließend depressiv sein Funkgerät zulabert. Mit viel gutem Zureden gelingt es Lu, Jack zu überreden, Patrick zu einer Geburtstagsfeier einzuladen. Tatsächlich scheinen die Herrschaften gewillt, die alte Feindschaft zu überwinden (die daraus resultiert, dass Patrick nach Jacks Meinung Emmas Tod verursacht hat), doch noch ehe der Abend vorbei ist, hat Jack wieder genügend Gründe gefunden, Patrick zu hassen und vor die Tür zu setzen. Dabei wäre gerade jetzt gemeinsames Handeln nötig, denn die Zombies sind wieder da, haben sich der neuen kalten Umgebung angepasst und greifen die Überlebenden wieder an. Patrick wird vom wilden Zombie gebissen, doch stellt sich heraus, dass mit der neuen Evolutionsstufe der Untoten keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. Dennoch – aufgrund der neuen Bedrohung dringt selbst bei Jack der Gedanke durch, dass Harmony nicht mehr sicher ist…

Kritik: Wieder einmal erweckt ein Trailer den nicht ganz richtigen Eindruck… das Vorschaufilmchen für „Extinction“ verspricht adrenalingetränkte Zombieaction, doch was Miguel Angel Vivas („Kidnapped“) abliefert, ist dann doch eher ein Drama, das seine Action-Einlagen sehr dosiert und geballt im durchaus intensiven Prolog der katastrophal verlaufenden Evakuierung der Bevölkerung von Harmony und dann wieder im Finale einsetzt. Dazwischen konzentriert sich Vivas auf die Dreierbeziehung zwischen Jack, Patrick und Lu, genauer gesagt, auf den Versuch Lus, zwischen den verfeindeten Erwachsenen zu vermitteln. Das ist manchmal etwas schwer verdaulich aufgrund Lus Altklugheit, aber genau so oft auch – aufgrund Quinn McColgans sehr guter Performance in der kinderrolle – trocken humorvoll.

So gesehen ist „Extinction“ das bessere Zombie-Familiendrama als „Maggie“, sofern man die drei Protagonisten als eine dysfunktionale Zwei-Väter-Familie ansieht (wobei es hier keineswegs um LGBT-Themen geht. Beide Protagonisten sind strikt hetero. Die Gay-Variante wäre aber auch mal ein interessantes Thema…). Auch die leisen dramatischen Momente funktionieren recht gut – wenn Patrick, von der Jagd heimgekehrt, vor seinem Funkgerät sitzt, verzweifelt versucht, andere Überlebende ans Rohr zu bekommen oder classic rock in den Äther pustet, ist das durchaus bewegend; ebenso, wie man mit Jack mitfühlen kann, wenn der für Lu eine Geburtstagsfeier und ein stark emotional belastetes emotionales Geschenk vorbereitet, aber bei der Übergabe dann durch Patrick ausgestochen wird, der „Happy Birthday“ über die Außenlautsprecher plärren lässt.

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Allerdings sind 110 Minuten für den letztendlich dann doch nicht sonderlich gewichtigen Plot schon eine gewaltige Strecke, und zwischendurch geht „Extinction“ schon mal die Puste aus, muss sich irgendwelche Kniffe einfallen lassen, um die Beziehung von Jack und Patrick wieder auf „Erzfeinde“ zu stellen, weil’s für’s Finale nach Vivas Meinung noch zu früh ist – und bevor das eigentliche Finale eingeläutet wird, muss Vivas, wie seinerzeit auch Ridley Scott bei „I Am Legend“, für den Schlussakt einen neuen Charakter (auch hier Weibsvolk) aus dem Hut zaubern, damit der Plot einigermaßen in Bewegung bleibt und eine neue Dynamik eingeführt wird, an der sich Jack und Patrick reiben können.

Die handwerkliche Seite ist untadelig – allein schon der Winter-Look hebt „Extinction“ wohltuend von den meisten anderen Genre-Konkurrenten ab (auch wenn, wie gesagt, das Dauer-Winter-Setting nie wirklich begründet wird und letztlich auch nicht von existentieller Bedeutung für den Plot ist. Vivas inszeniert die Nummer sehr souverän, hat ein Auge für das ein oder andere schöne Bild und versteht es auch, wenn die Action ins Spiel kommt, die ziemlich fetzig und splattrig zu gestalten.

Matthew Fox („Lost“) überzeugt schauspielerisch kurioserweise mehr, sofern er noch seinen Rübezahl-Look pflegt – sobald Bart und Mähne ab ist, ist seltsamerweise von seinem in „Lost“ durchaus sichtbarem Charisma nicht mehr viel übrig. Jeffrey Donovan („Burn Notice“) macht aus seinem „ich-bin-gegen-alles“-Charakter mehr als erwartet, eine Überraschung ist Quinn McColgan („Non-Stop“). Ich bin bekanntermaßen von Kinderdarstellern immer sehr schwer zu überzeugen, aber McColgan bringt das sowohl in ihren dramatischen als auch lustigeren Momenten auf den Punkt.

Toter Hund? Jep.

Fazit: Ein ingesamt eher ruhiges Zombie-Drama mit uniquem Look und Actionspitzen zum Auftakt und zum Finale, ordentlich, wenn auch nicht überragend gespielt und mit der ein oder anderen Länge im Mittelpart. Kuckbar, aber kein Highlight. 6/10

Doc Acula



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„wie seinerzeit auch Ridley Scott bei „I Am Legend““

Watt…?

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