HB POSTER FINAL_BLEED_3Neuseeland 2014. Regie: Gerard Johnstone. Darsteller: Morgana O’Reilly, Rima Te Wiata, Glen-Paul Waru, Cameron Rhodes

Offizielle Synopsis: Kylie kann das augenscheinlich verfluchte Haus ihrer Mutter leider nicht verlassen, da ein Richter sie zum Tragen einer elektronischen Fußfessel verdonnert hat. Der Grund dafür ist der misslungene Versuch, einen Geldautomaten zu knacken. Übler gestraft als mit Einzelhaft sitzt sie nun also wieder in ihrem alten Kinderzimmer fest, wird tagsüber von ihrer nörgelnden Mutter und einem schleimigen Seelenklempner traktiert, während ihr nachts unerklärliche Ereignisse den Schlaf rauben. Könnten Kylies entnervte Blicke töten, wäre hier bereits nach 20 Minuten niemand mehr am Leben.

Kritik: „Housebound“ ist ein schönes Beispiel, dass letztlich alles wiederkommt. Der Erwachsene, der widerwillig wieder bei den nervigen Eltern ins verspukte Haus einziehen muss? Hatten wir vorgestern erst in „Surburban Gothic“. Die elektronische Fußfessel, die verhindert, dass die Protagonistin vor den Geistern fliehen kann? War auch schon der Aufhänger von „100 Feet“ 2008.

Ich hatte zu „Suburban Gothic“ ja geschrieben, dass der Film sich im Zweifelsfall für softe Comedy statt für harten Terror entscheidet. „Housebound“ ist hingegen wild entschlossen, sich auf keinen Kompromiss einzulassen und beide Genres gleichwertig zu bedienen. Das ist gar nicht so einfach, denn eine überzogene Figur, über die wir lachen können, muss gleichzeitig realistisch genug sein, dass wir uns um sie Sorgen machen.

Und das gelingt. Prächtig sogar.

Schon die Ausgangssituation ist ein Highlight: Kylie hat die Rebellion der Pubertät gegen ihr spießiges Elternhaus ins Erwachsenenleben gerettet – und ist „am System“ gescheitert. Und am eigenen kriminellen Unvermögen. Hausarrest daheim ist für sie schlimmer als jeder Knast, denn der Stiefvater ist ein tumber Eigenbrötler und die Mutter eine plappernde Nervensäge. Mehr noch: Kylie muss sich mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, den Wurzeln ihres aktuellen Dilemmas. Damit sind die Grundkonflikte vorprogrammiert – und Regisseur Johnstone melkt sie, bis es im Euter nur noch trocken raschelt.

Während „Suburban Gothic“ sich damit begnügt, die Klischee des Geisterfilms abzuhaken (vergangenes Unrecht, symbolischer Gegenstand, Seelenfrieden), schläft „Housebound“ einen Haken nach dem anderen, lässt seine Protagonisten falsche Schlüsse ziehen und neue Hinweise finden. Während viele Filme auf dem FFF ihre 100+ Laufzeiten durchaus um 10 bis 20 Minute hätten rasieren können, tragen Witz und Einfallsreichtum „Housebound“ tatsächlich locker über 109.

Ganz elementar ist dabei, dass auch die Gruselatmosphäre und die Schockeffekte sitzen. Natürlich verhindert die Auflockerung durch Humor und Slapstick, dass durchgehende Spannung wie bei „Let us prey“ entsteht, aber wenn „Housebound“ die Küchenmesser auspackt, dann haben wir Angst um Kylie und ihre Mutter – und so mancher „Buh!“-Effekt funktioniert besser, als man sich eingestehen möchte.

Schön, auf der Zielgeraden des Festivals noch mal so eine Perle zu entdecken.

hochFazit: Eine außerordentlich witzige, einfallsreiche und gut gefilmte Horror-Comedy, die bei der Balance vom Gags und Grusel nie einen falschen Schritt macht und als echter Crowdpleaser zum Pflichtprogramm des FFF 2014 gehört.



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Marcus
Marcus

Schrammt nur wegen ein paar leichter Längen am Anfang an der Höchstwertung vorbei. 9/10.

Peroy
Peroy

Jeder Gag zündet, jeder Schock sitzt. Den hätte ich noch drei Stunden länger gucken können. Der beste Film, den ich dieses Jahr bislang gesehen habe…

heino
heino

Den habe ich auch mal nachgeholt, aber mich hat er trotz aller skurrilen Ideen nicht wirklich gepackt. Begründen kann ich das nicht wirklich, der hat mich einfach nicht mitgerissen. 6/10

Peroy
Peroy

Aha… zum Glück wurscht… 🙂