USA 2018. Regie: Matt Mercer, Mike Testin. Darsteller: Matt Mercer, Graham Skipper, Stacy Snyder, Najarra Townsend, Teya Wolvington, Suzanne Voss

Offizielle Synopsis: Ex-Knacki Wendell landet als Aushilfshandwerker im Haus der dementen Witwe Suzanne. Klingt nach einem leichten Job! Zumal die Dame mit Dollarscheinen nicht geizt. Dumm nur, dass sich die Alte im Minutentakt weder an ihn noch an ihre Taten erinnern kann. So ist Wendell bald Spielball in einer Geriatrie-Orgie, bei dem die Körpersäfte nur so aus allen Poren spritzen.

Kritik: Da „Dementia“ nur eine Laufzeit von 66 Minuten hat, wurde er mit einem Vorfilm namens „Frenchie“ vom gleichen Team gepaart. Da geht’s um einen „young white male“, der Probleme mit den Neunankömmlingen in der Apartmentanlage hat: eine Familie von anthropomorphen Möpsen. Wenn David Lynch in den späten 70ern Kurzfilme gegen Fremdenfeindlichkeit gedreht hätte – sowas wäre dabei rausgekommen. Verkopfter und verkünstelter Quatsch, der auf so ziemlich jeder Ebene eher zum Fremdschämen einlädt und dessen Gimmicks und Botschaft klar dem studentischen Sendungsbewußtsein entsprungen sind. Was man halt so für Anspruch hält, wenn man zu jung ist, um es besser zu wissen.

„Dementia: Part II“ (keine Ahnung, wo Part I geblieben ist) ist da schon ein deutlicher Schritt nach vorne – eine in schwarzweiß gedrehte Farce, die den Kampf eines Handwerkers gegen eine demente (aber bewaffnete) alte Dame zeigt. Das ist durchaus ansprechend konstruiert, erklärt plausibel, warum Wendell nicht einfach abhaut, und führt im zweiten Akt eine neue Figur ein, um den Drive nicht zu verlieren.

Aber es ist halt auch ein Film ohne Grund, eine Fingerübung ohne Aussage. Viele Szenen sind etwas amateurhaft inszeniert und bei diversen „Gags“ kann man prima sehen, wie sich die Macher im Schneideraum begeistert high fived haben – die Brillanz ist aber oft genug nur behauptet und das Ergebnis milde lustig. Der Film hat weder die Charaktere noch das erzählerische Fleisch für einen Langfilm. Dafür bleibt Wendell auch zu vage definiert.

Ich bin jetzt ein wenig hin- und hergerissen: Offensichtlich sollte man eine Nachwuchsproduktion nicht mit dem gleichen Maßstab messen wie einen Studiofilm. Habe ich ja z.B. bei „Luz“ auch nicht. Andererseits muss sich die Wertung natürlich an dem orientieren, was hinten dabei rauskommt. Und das ist dann doch etwas dünn.

Fazit: Studentische Farce, bemüht skurril in der Tradition von Raimi und Lynch, die sich für deutlich witziger hält, als sie ist. Die knappe Laufzeit und die sympathischen Darsteller reißen alles gerade so ins Mittelmaß: 5 von 10 Punkten.

Edgar, das Ekel-Emoji meint:

Kein Trailer

Philipps zweite Meinung:

„Durchschnittsware. Nicht schlecht, aber eben auch nichts besonderes. Dass ich einen Tag später schon kaum noch Erinnerungen an den Film habe, sagt einiges.“



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Marcus
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„(keine Ahnung, wo Part I geblieben ist)“

Das weiß sogar ich, und ich hab den nicht gesehen. Ich zitiere das Programmheft.

„Dabei steigert sich die Demenz-Groteske konsequent in immer größere Absurditäten. Angefangen damit, dass DEMENTIA PART I gar nicht existiert.“

Was von diesem Aspekt zu halten ist: siehe oben, re: „Macher highfiven sich selber ob ihres geistreichen Gags“. Ich passe.

Marcel
Marcel

Aber IMDB hat doch das hier vom selben Regisseur: https://www.imdb.com/title/tt3611002