In darkness we fallSpanien 2014. Regie: Alfredo Montero. Darsteller: Eva Garcia-Vacas, Jorge Paez, Marcos Ortiz, Marta Castellote, Xoel Fernandez

Offizielle Synopsis: „Das hier wäre perfekt für einen Film. Fünf Leute gehen irgendwo rein und keiner kommt lebend wieder raus“, lacht einer aus der Gruppe junger Urlauber noch, bevor er und seine Freunde sich in der dunklen Höhle verlaufen, die sie eines Morgens neben ihrem Zeltplatz entdecken. Dass er damit genau ins Schwarze getroffen hat, ist schon nach der gelungenen Eröffnungssequenz klar. Spätestens aber, wenn die Gruppe immer tiefer in die klaustrophobische Enge der Höhle kriecht, Angst und Anspannung den Abenteuerausflug zum Alptraum werden lassen. Dehydriert und entkräftet sieht sich die Gruppe bald den Grenzen der eigenen Kraft und Moral ausgesetzt.

Kritik: 80 Minuten in einer Höhle auf Formentera – und nun ist mir schlecht. So richtig. Nicht, weil der Film nichts taugte. Ich kann nur halt nicht auf die Wackelkamera. Hatte ich ja bei „Taped“ schon erwähnt. Körniges Geschwenke auf der großen Leinwand treibt mir den Kaffee wieder die Speiseröhre hoch. Nicht angenehm. Glücklicherweise habe ich eine halbe Stunde bis zum nächsten Film, um durchzuatmen.

Es ist Segen und Fluch zugleich, wenn man vorher absichtlich das Programmheft nicht liest. Dadurch erlebt man positive Überraschungen, aber eben auch ein paar Rohrkrepierer. Hättte ich gewusst, dass „In Darkness we Fall“ wieder nur einer dieser „Gruppe mit Videokamera gerät in der Pampa in Lebensgefahr“-Filme ist, hätte ich ihn vermutlich ausgelassen.

Nun klingt das bis hierher eher nach Rohrkrepierer, aber mitnichten: Auch wenn „In Darkness we fall“ sicher keine großen Ambitionen hat und der Videolook für die Leinwand absolut ungeeignet ist, kann Regisseur Montero zumindest mit einer soliden Spannungskurve überzeugen und mit einem guten Verständnis für die Mechanismen, denen eine Gruppe in einer Extremsituation unterliegt. Er zeigt, wie leicht man in so eine Situation kommt, wie schnell die Stimmung umschlägt – und wie zerbrechlich der menschliche Körper, der menschliche Geist und die menschliche Moral sind, wenn es mal ans Eingemachte geht.

Obwohl der Film aus wenig mehr als zunehmend hysterischem Gerenne und Gekrieche in dreckigen Gängen besteht, drückt er allemal die richtigen Knöpfe.

Kurzum: Im Rahmen seiner begrenzten Möglichkeiten funktioniert „In Darkness we fall“. Und ich nerve euch wieder mal mit der häufig gestellten Frage, warum der deutsche Genrefilm nicht mal DAS schafft: Fünf Leute, eine Digi-Camera und Pauschalurlaub auf Ibiza wären alles, was es braucht. Zuviel verlangt?

mitteFazit: Ein No Budget „Found Footage“-Film, der zwar keine bahnbrechend neue Story erzählt oder neue Ideen aufbereittet, aber den „kleinen Terror“ des misslungenen Höhlenausflugs emotional und dramaturgisch folgerichtig einfängt.



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sergej
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„…warum der deutsche Genrefilm nicht mal DAS schafft: Fünf Leute, eine Digi-Camera und Pauschalurlaub auf Ibiza wären alles, was es braucht. Zuviel verlangt?“
Wenn auch Dänemark reicht: „FOG² – REVENGE OF THE EXECUTED“

Eine Idee, die einen ganzen Film tragen kann, wäre auch schön. Kritisierst du doch gerne, wenn so etwas fehlt.

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[…] House ♣ Extraterrestrial ♦ Faults ♦ Go Goa Gone ♥ Honeymoon ♥ Housebound ♦ In Darkness we fall ♥ iNumber Number ♥ It follows ♣ JamieMarks is dead ♥ Let us prey ♦ Life after Beth […]

Marcus
Marcus

Viel zu nett, Torsten.

Fünf nervige Idioten krabbeln in eine Höhle und, Überraschung, finden nicht wieder raus. Plus Pissetrinken, Kannibalismus und seekrankheitserzeugende Wackelkamera.
Und wieso hat der Idiot hinter der Kamera (der natürlich nie aufhört zu filmen, egal wie unpraktikabel oder schlicht dämlich das ist) ein Gerät, dass jeden Sturz übersteht, sogar bei Wellengang unter Wasser (wohlgemerkt, im Salzwasser) funktioniert, und trotzdem so schissige Bildqualität liefert?

Bloody useless. 4/10.