It followsUSA 2014. Regie: Regie: David Robert Michell. Darsteller: Maika Monroe, Olivia Luccardi, Christopher Hohman, Daniel Zovatto, Debbie Williams u.a.

Offizielle Synopsis: Das nette Mädchen von nebenan – Jay – geht mit dem Kerl, in den sie verknallt ist, ins Kino und danach mit ihm ins Bett. Und erlebt blankes Entsetzen: Denn der Junge gibt ihr durch die Entjungferung einen Fluch weiter, der sie daraufhin unaufhaltbar und untötbar verfolgt. Und zwar wirklich verfolgt. Es soll nur einen Weg geben, das namenlose Grauen wieder loszuwerden. Doch diesen Preis ist Jay nicht bereit zu zahlen …

Kritik: Das ist einer der Filme, die nach der Vorführung wirklich Diskussionen auslösten – weil wir uns nicht einig waren, was genau hier respektvoll nachgeahmt wird. John meinte, „It follows“ sei eine Hommage an die Slasher à la „Freitag der 13.“, der das „Sex haben und sterben“ zu „Sex haben oder sterben“ umdreht. Das ist durchaus nachvollziehbar, aber in meinen Augen nur die halbe Wahrheit. Ein Typ vor der Tür lamentierte lautstark, hier werde ein Neo-Carpenter versucht. Das sehe ich zwar in der elektronischen Musik angedeutet, halte es aber letztlich auch nicht für die korrekte Antwort.

Ich selbst sehe in „It follows“ eine Art Seelenverwandten vom ersten „A nightmare on Elm Street“. Eine Gruppe Teenager wird mit einer übernatürlichen Macht konfrontiert, die ihr ans Leben will. An die Eltern können sie sich nicht wenden, in der Gruppe versuchen sie daher, die Mechanismen der Gefahr selbst heraus zu finden und eine Gegenstrategie zu entwickeln. Das „du darfst nicht schlafen“ wird bei „It follows“ zu einem „du darfst nie lange an einem Ort bleiben“.

Betont wird die Verwandtschaft mit Cravens Klassiker darüber hinaus durch eine dezente, nie explizite Verortung des Geschehens in den 80ern, die durchaus ambivalent gesehen werden kann (so scheint eine der Figuren eine Art Spielzeug-eBook-Reader zu benutzen).

Auch in den Charakteren zeigt sich der Rückgriff auf die „Nightmare“-Filme: Es ist vollständig entwickelte Personen ohne billige Klischees. Gerade nach „Rufus“ und „All Cheerleaders die“ ist man froh, glaubwürdige Teenager zu sehen, deren Schicksal einen tatsächlich schert.

Im Versuch, ein neues „big bad“ zu definieren, aus dem eine Horror-Reihe entwickelt werden kann, ist „It follows“ durchaus erfolgreich. Die Gefahr ist angenehm vage und unberechenbar, es ist diesmal kein kruder Killer mit zynischen Sprüchen. Es wird allerdings notwendig sein, spätestens in den Fortsetzung die Natur des „It“ noch genauer zu erklären.

Da es sich um einen Low Budget-Film handelt, sollte man nicht den Fehler machen, einen zu hohen Maßstab an die Inszenierung zu haben. Das ist spannend, straff und solide, ohne wirklich Bäume auszureißen. Im letzten Drittel kommt es zu mehreren Brüchen, die darauf schließen lassen, dass Mitchell am Endprodukt noch mal feilen wollte.

SPOILER: Als Jay zu den Spacken ins Boot steigt, wird impliziert, dass sie „It“ weitergeben wird. Es gibt einen Schnitt und dieser Plot wird nicht mehr verfolgt. Und als „It“ verletzt im Pool blutet, vergessen die Teenager anscheinend ihren Plan, es per Stromschlag zu töten – warum? Und wenn „It“ so langsam ist, dass man vor ihm weglaufen kann – müsste eine simple Australienreise dem Opfer nicht mindestens fünf Jahre Ruhe erkaufen?

Aber das sind Niggeligkeiten in einem sympathischen Oldschool-Film, der in der Nostalgie der 80er badet, ohne zur billigen Kopie zu verkommen.

Einen fetten Minuspunkt verdient allerdings das hundsmiese Poster, dass wirklich die komplett falschen Assoziationen weckt.

hochFazit: Ein grundsympathischer Versuch, mittels eines „Nightmare on Elm Street“-Klons eine neue Horror-Franchise zu entwickeln. Abgesehen von ein paar Patzern im Storytelling gute Unterhaltung für Freunde des okkulten 80er-Slashers.

Leider kein Trailer, nur ein Promovideo:

P.S.: Man hört es ja immer wieder, aber Detroit sieht wirklich wie das letzte Loch aus. Ich möchte da gerne mal hin.



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Frank Böhmert

Es zieht seit einiger Zeit sehr viele Lebenskünstler, Freaks und mehr oder weniger geniale Spinner nach Detroit, weil du dort an billige bis kostenlose große Räume rankommst und mit wenig Geld einfach loslegen kannst. Das wird noch spannend!

Marcus
Marcus

Der Soundtrack ist zwar gut, aber auch ein wenig arg aufdringlich. Und das Finale im Swimmingpool ist soooo doof.

Für alles andere: What he said. 7/10.

Jake
Jake

„Im letzten Drittel kommt es zu mehreren Brüchen, die darauf schließen lassen, dass Mitchell am Endprodukt noch mal feilen wollte.“

Ich habe den Film gestern auf dem Hardline-Festival in Regensburg gesehen. Der Festival-Organisator erzählte uns im Vorfeld, dass der Streifen nochmal umgeschnitten/nachbearbeitet wird und wir quasi „die Letzten“ seien, die ihn noch in der jetzigen Form zu sehen kriegen. Eigentlich schade, da ich ihn bis auf wenige Kleinigkeiten perfekt finde (die von Dir erwähnte Szene mit dem Boot hätte man beispielsweise weglassen können).

Jake
Jake

Gestern im Kino gewesen und nochmal „It follows“ geguckt. Überraschenderweise scheint der Film, entgegen der uns auf dem letztjährigen Festival zugetragenen Info, doch nicht für die Kinoauswertung nachbearbeitet worden zu sein. Falls doch, sind die Anpassungen minimalst, da mir keinerlei Änderungen zur Festival-Fassung aufgefallen sind. Sogar die seltsam deplatziert wirkende Boot-Szene (siehe Wortvogels Spoiler-Absatz) ist dringeblieben. Ich find’s gut, mich hat der Film bei der zweiten Sichtung wieder genauso gepackt wie bei der Premiere. Der sensationelle Score, die abgefuckten Straßenzüge Detroits…Gänsehaut pur.

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