Jamie-Marks-Is-DeadUSA 2014. Regie: Carter Smith. Darsteller: Cameron Monaghan, Noah Silver, Morgan Saylor, Liv Tyler, Judy Greer

Offizielle Synopsis: Im Mittelpunkt steht der sensible Adam, Star des Lauf-Teams seiner Schule, der eine Faszination für den ermordeten, an der Highschool unentwegt von Bullys traktierten Jamie entwickelt und sich mit dem Mädchen anfreundet, das die Leiche gefunden hat. Als ihnen der Geist von Jamie Marks zu erscheinen beginnt, nimmt die Geschichte eine völlig ungeahnte Richtung. Denn Jamie möchte nicht in die Welt der Toten, er würde lieber bei Adam bleiben, den er auf mehr als nur freundschaftliche Art verehrt. Und auch andere Geisterscheinungen tauchen in Adams Blickfeld auf – mit ungeahnten Konsequenzen.

Kritik: Man sollte beim FFF nie denken „schlimmer geht’s nimmer“, weil das Karma dieses Festivals eine diebische Freude daraus zieht, genau das zu widerlegen. Dachte ich bisher, „Rufus“ sei in Sachen kanadischer Freudlosigkeit und Trübsinn nicht zu überbieten, musste ich mich kaum 24 Stunden später eines Besseren belehren lassen. Und das nur, weil John mich enthusiastisch in den Saal quatschte, während ich eigentlich im anderen Kino „Rover“ sehen wollte. Danke, John.

„Jamie Marks is dead“. Das stimmt. Und mit ihm ist augenscheinlich auch jedes Leben aus dem Film gefahren. Was hier in Sachen rumstehen, schweigen und bedröppelt in die Gegend starren durchexerziert wird, das schlägt dem Fass locker den Boden um die Ohren. Und wenn ein Dialog mal wieder im Sande verläuft, bleibt die Kamera einfach noch eine Minute lang dabei. Man kann nicht zuviel Footage drehen, wenn man eine dreistellige Minutenlaufzeit erreichen will. Den Rest füllt man mit komplett irrelevanten Subplots wie dem Autounfall von Liv Tyler, die erschreckenderweise schon Rollen der „abgewrackten Mutter“ übernimmt.

Warum Jamie nicht ins Totenreich kann? Warum er als Geist Kleidung von Adam tragen kann? Weiß keiner, muss wohl auch einer wissen. Ist ja nicht so, dass es auf irgendwas hinaus laufen würde.

Das einzige Entertainment, das ich aus dem Film ziehen konnte, lag darin, mit John über die ganze Laufzeit abstruse Theories zum Geschehen auf der Leinwand zu entwickeln. So könnte „Jamie Marks is dead“ zum Beispiel ursprünglich Fan Fiction einer 13jährigen, mit Medikamenten ruhig gestellten Harry Potter-Leserin gewesen sein. Fakt ist: Jamie sieht erstaunlich nach Harry Potter aus – inklusive Brille. Adam ist rothaarig – wie Ron. Und Gracie hat lange wilde Haare – wie Hermione. Nimmt man diese These als gegeben an, haben wir es hier mit einem Film zu tun, in dem ein Harry Potter-Zombie versucht, Ron Weasley aufzureißen, der sich aber lieber von Hermione einen blasen lässt, während Harry zuguckt.

Kennt ihr das, wenn ein Tropfen Wasser an der Fensterscheibe hinunter läuft und einen Streifen hinterlässt? Und der Tropfen durch den Wasserverlust an der Scheibe immer kleiner wird, bis sein Gewicht nicht mehr ausreicht, um die Haftkraft der Scheibe zu überwinden, wodurch er langsamer und langsamer wird? Kennt ihr den Moment, da man sich fragt, ob sich der Tropfen jetzt überhaupt noch bewegt oder vielleicht schon Stillstand erreicht hat? Dieser Moment ist „Jamie Marks is dead“. 100 Minuten lang.

runterFazit: Noch dröger, noch depressiver und noch unsicherer mit homoerotischen Teenager-Fantasien spielend als „Rufus“. Der Titel ist übrigens einer der 135 Begriffe, die kanadische Ureinwohner für „Langeweile“ kennen.

https://www.youtube.com/watch?v=Ju28TU1k-qE



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perseus
perseus

„Und wenn ein Dialog mal wieder im Sande verläuft, bleibt die Kamera einfach noch eine Minute lang dabei.“

Bilder sagen halt mehr als Worte.

„Harry Potter-Zombie versucht, Ron Weasley aufzureißen, der sich aber lieber von Hermione einen blasen lässt, während Harry zuguckt.“

Wäre wohl der sehenswertere Film, je nach Besetzung.

„Liv Tyler, die erschreckenderweise schon Rollen der “abgewrackten Mutter” übernimmt.“

Ihre Mühe in aller Ehren, aber John Rhys-Davies liegt uneinholbar vorn, Apocalypse Pompeii hat noch eine niedrigere IMDb Bewertung als 100 Degrees Below Zero geschafft.

sergej
sergej

8 Reviews an einem Tag. Respekt!

G

Du hast gerade mein Bild von Harry Potter zerstört. 😀

Marcus
Marcus

Naja, ganz so schlimm ist es nicht. Der Film hielt mich für die Laufzeit schon so einigermaßen bei der Stange. Wirklich empfehlen kann ich den guten Gewissens aber nicht. 6/10.

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