STARRED-UPGB 2013. Regie: David Mackenzie. Darsteller: Jack O’Connell, Ben Mendelsohn, Rupert Friend

Offizielle Synopsis: Erst 19 Jahre ist Eric Love und so unkontrollierbar aggressiv, dass ihn die Justiz als hoffnungslosen Fall abhakt und kurzerhand vom Jugendknast in den Erwachsenenvollzug verlegt. Seines zarten Alters ungeachtet ist Eric bestens präpariert für diese feindliche Umgebung. Gewalt ist seine Muttersprache, sein Körper seine Waffe. Seine ausgeprägte Angriffslust macht weder vor Mitinsassen noch Wärtern halt. Die Konfrontation mit seinem entfremdeten Vater, dem hartgesottenen Neville, der im gleichen Zellenblock lebenslang einsitzt, lässt den Jungen wie das berüchtigte Tier im Käfig nur noch wilder aufbegehren. Der Gefängnistherapeut Oliver versucht indes zu Eric durchzudringen und mit seiner Anger-Management-Gruppe den Kreislauf der Gewalt zu durchbrechen. Doch gewisse Fraktionen in der Gefängnishierarchie setzen alles daran, dass Eric auf dem Weg der Besserung scheitert …

Kritik: Noch so ein Film, der die Definition des Begriffes FANTASY Filmfest ad absurdum führt. Ich habe es schon mal gesagt und sage es noch mal: Es KANN doch nicht sein, dass es unmöglich ist, das Programm mit „echten“ Genrefilmen zu füllen. Was wäre denn mal mit Uwe Bolls „Seed 2“ gewesen? „Atomic Eden“ von Nico Sentner? Oder – ganz experimentell – auch mal eine Doku aus dem Bereich, z.B. „Jodorowsky’s DUNE“, was über die Cannon-Jungs? Spräche etwas dagegen, Charles Bands Webserie „Trophy Heads“ exklusiv nach Deutschland zu holen (die gesammelten Teile haben genau Spielfilmlänge)?

Doppelt ärgerlich ist, dass „Starred up“ nicht mal ein trashiger Action-Knastfilm à la „Undisputed“ ist oder wenigstens eine schwarze Komödie wie „Bronson“. Es handelt sich bei Mackenzies Film um ein brutales, aber aufrechtes und um Redlichkeit bemühtes Gefängnisdrama, dem die sozialen Mechanismen in einer von gescheiterten Männern geprägten Rudelkultur am Herzen liegen. Und das gelingt ihm auch richtig gut.

„Starred up“ schafft einige erstaunliche dramaturgische Leistungen: Er bringt uns Eric näher, einen rassistischen, unkontrollierbaren und unbelehrbaren Schläger – ohne die Figur dabei zu verraten oder zu relativeren. Er zeigt die Möglichkeiten, im Scheitern der Resozialisation im Ganzen doch Erfolge im Kleinen zu sehen und anzuerkennen. Er handelt von Männern, die sich wenig besser als Tiere verhalten – und findet die Menschen in ihnen.

Mackenzie hält dabei ein hohes Tempo, die diversen Schlägereien sind absolut gnadenlos und für einen Film über eingesperrte Männer bleibt „Starred up“ ungemein beweglich und dynamisch. Was Kamera, Regie und Cast hier leisten, kann gar nicht hoch genug bewertet werden.

hochFazit: Ein schmerzhaftes, schonungsloses und brutales Knastdrama mit erstaunlich großem Unterhaltungswert, das einen intimen und stimmigen Einblick in die Hölle moderner Hochsicherheitsgefängnisse bietet. Zwar kein echter FFF-Film, aber ein herausragend guter.



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MarcusFantasy Filmfest Masterliste (1) | Wortvogel – 100 % Torsten DewiG Recent comment authors
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Seed 2 hab ich schon gesehen. Mit dem Knastfilm warst du besser dran, glaub mir.

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Marcus
Marcus

Ehrlich, was macht sowas auf dem FFF?

Davon abgesehen als Film: 7/10.