Acht Jahre ist dieses Blog nun schon alt. In Menschenjahren entspricht das 105. Mindestens. Viel verändert hat sich nicht. Ich schreibe nicht mehr so viel über die BILD, Mini-News landen nun eher bei Facebook, aber die Themen und die Schreibe sind, was sie immer waren – Geschmackssache.

Manche Aufreger, Dossiers und Kommentarschlachten sind so lange her, dass ich mich selber einlesen muss, wenn sie plötzlich wieder thematisiert werden. Dabei ist es nicht so, dass ich frühere Kontrahenten aus den Augen verliere. Es gehört zu meinen Gewohnheiten, durchschnittlich alle sechs Monate mal wieder zu googeln, was die von mir vorgeführten Schaumschläger so machen. Das kann mein Troll Benduhn sein, der weiterhin unter Pseudonym in Diskussionen grätscht, seine belästigenden Aktionen aber weithin eingestellt hat. Oder Bernd P. „Ich BIN die Astro-Saga!“-Kammermeier, der immer noch nicht auf die Idee gekommen ist, sich Astro-Saga.de oder wenigstens Panasensor.de zu sichern. Crazy Katusin hat (man glaubt es kaum) wieder mal einen „Hollywood-Film“ in der Röhre – wo er mit Sicherheit auch bleiben wird.

Und dann ist da Ha. A. Mehler, Gegenstand meiner allerersten kritischen Recherchen als Wortvogel. Oktober 2006 war das. Lohnt immer noch die Lektüre – auch wegen der bezaubernden Sockenpuppen, die in den Kommentaren auftauchten. Mehler war auch der erste, der mich erfolglos zu diskreditieren versuchte (was bei seinem Scientology-Background fast schon erwartbar war). Ein „Bestseller-Autor“ ohne Bestseller, dessen Ratgeber zum (erfolg)reich werden kaum den Nährwert von Glückskeksen besitzen.

Ich weiß nicht, wie ich drauf kam, den Mann dieser Tage mal wieder zu googeln. Zuletzt hatte ich das vor drei oder vier Jahren gemacht, als Mehler über eine Webseite wieder mal seine „Geheimnisse, wie man Bestseller schreibt“ an den Mann bringen wollte. Für jemanden, der sich als essentieller Zuträger des Weltkulturerbes sieht, wirkte das alles eher mühselig.

Nun gut, Mehler ist aber wieder da und 2014 ist anscheinend ein sehr produktives Jahr – er verrät weiterhin sämtliche „tricks of the trade“, die er augenscheinlich selber nicht beherzigt:

„Wie sie eine wirklich spannende Geschichte schreiben, von der sich der Leser nicht losreissen kann:: Die 5 notwendigen Bestandteile einer guten Geschichte“

„Wie schreibe ich einen Bestseller: Geheimnisse, Techniken und Erfolgsformeln von Bestseller-Autoren“

„Das Geheimnis der Kreativität – Welche Techniken Ihre Phantasie auf ein völlig neues Niveau heben, so dass Sie explodieren vor guten Ideen“

Alle diese Bücher zeichnen sich durch 10-15 verdächtig ähnlich klingende 5 Sterne-Bewertungen aus, die nur selten von deutlich authentischer klingenden Negativkritiken kontrastiert werden. Basierend auf meinen Erfahrungen mit „Wie schreibe ich einen Bestseller“ scheint mit dieser Kommentar sehr exemplarisch:

Ratgeber, wie man Bestseller schreibt, von Leuten, die noch nicht einmal in die Nähe eines Bestseller gekommen sind, können per se nur eins sein: der Versuch, mit Chuzpe und Wortgeklingel den Leuten einzureden, die Kompetenz zu haben, ebendieses „geheime“ Wissen zu vermitteln, das es braucht, um Bestseller zu verfassen.

Mehler kann mich nicht einmal in der Leseprobe davon überzeugen, weiterlesen zu wollen, weil seine literarische Pose von Eitelkeit und Bauchnabelschau verkleistert ist, sein Blick reicht nicht über seine Grundkenntnisse hinaus, und die wenigen Hard-Facts, die man herauslesen kann, findet man auf jedem beliebigen Literaturforum – und das sind nur die no-na-ned-Erkenntnisse. Diese werden in seinem Ratgeber von jeder Menge strohiger Selbstreferenz und proffesoralem Gehabe umfasst.

Mehler benutzt zur Illustration seiner banalen Erkenntnisse ebenso banale Textwerke, die er selbst verfasste. Damit umschifft er halbwegs elegant die Klippe, anhand eines wirklich guten Textes sein analytisches Scheitern darzustellen. Die verwendeten „Novellen“ sind geschwätzig, unelegant, langweilig, marktschreierisch und aufsatzhaft verfasst. Mich erschreckt, das Mehler über keinerlei erkennbare Selbstkritik verfügt und dieses Buch augenscheinlich nur verfasst hat, um sich als „Wissender“, als „Kenner der Materie“ in Szene zu setzen. Das Endergebnis ist lachhaft, eine Stümperei sondergleichen, die schon in der Leseprobe so abschreckend ist, dass ich dankbar bin, wirklich dankbar, dass es eine Leseprobe-Funktion gibt.

Jau, so kennen wir ihn, den Mehler.

Aber das ist nicht Grund genug, die Geschichte hier noch mal aufzuwärmen. Neben seinen Sachbüchern verhökert Mehler nämlich noch diverse Romane für 99 Cent als Ebooks. Strategisch mag das ein Fehler sein, kann man angesichts der Vorschau-Funktion damit doch selber mal schauen, was es mit der „literary prowess“ des Bestsellerautors auf sich hat.

So beginnt sein Roman „Der falsche Pharao“ mit diesen zwei Sätzen:

Er befand sich tief im Innern der Pyramide – an einer Stelle, die noch nie jemand zu betreten gewagt hatte. Er befand sich in den Eingeweiden des riesigen Bauwerks, in unterirdischen Gängen, die absolut tabu waren.

Und wenn ihr euch jetzt am Kopf kratzt und murmelt „Das ist doch zweimal der gleiche Satz – nur anders formuliert“, dann habt ihr schon mehr schriftstellerischen Sachverstand als Ha. A. Mehler.

Selbst darüber müsste ich nicht schreiben. Schlechte Bücher gibt es wahrlich genug, und Schaumschläger auch. Aber mir ist wieder etwas aufgefallen, das nach Beschiss riecht, nach genau der Sorte Manipulation, die ich Mehler locker zutraue. Dabei geht es um die lobenden Kritiken, die als redaktioneller Begleittext zu den Büchern eingestellt wurde.

Beim „Falschen Pharao“:

„Ich habe den Roman in einem Atemzug gelesen und verschlungen und konnte einfach nicht aufhören.“ 
– Tanja auf ihrem Blog. 

„Das Ende ist der Hammer! Alles hätte ich erwartet, aber nicht das!“ 
– Ernst H., Probeleser 

„Ein Roman erster Güteklasse, der aber plötzlich vollständig umschlägt und in Gefilde führt, die alle Vorstellungen sprengen.“ 
– Jürgen P. auf Facebook 

Bei „Der Para-Spion“:

„Unglaublich spannend und mal etwas ganz anderes! Wer da nicht mitfiebert… dem ist auch nicht mehr zu helfen.“
– Theo W. auf seinem Blog

„Ich hoffe sehr es gibt eine Fortsetzung. Eine geniale Geschichte die seinesgleichen sucht. Abend für Abend bin ich in dem Buch versunken – und es war leider viel zu schnell vorbei.“
– Tine Walz, Probeleserin

„Ich will nicht zu viel verraten – aber das Ende ist der absolute Hammer! Leute, lest dieses Buch! Absolute Kaufempfehlung…“ –
– Nico S. auf Facebook

Bei „Ein bizarres Geschäft“:

„Spannend bis zum Ende und ein genialer Mix aus fiktiver Geschichte und psychologischer Studie. Kann man einfach nur empfehlen!“
– Esther Müller 


„Ein krasses Szenario – man will sich gar nicht vorstellen was aus der Welt wird wenn das eines Tages zur Realität wird. In diesem Buch kriegt man einen kleinen Vorgeschmack. Unheimlich aber doch unglaublich spannend.“
– Florian Manner, Probeleser 


„Das Buch hat mich regelrecht in seinen Bann gezogen. Eine toll geschriebene, aufkratzende Geschichte mit ein klein bisschen Gesellschaftskritik.“
– Brian N. auf Facebook 

Na, gemerkt? Immer die gleichen Lobeshymnen, immer Blog, Probeleser, Facebook. Und nun ratet mal, was man findet, wenn man diese Preisungen auf Facebook oder per Google auf Blogs sucht? Nix. Nada. Nüscht.

Augenscheinlich erfindet Mehler seine begeisterte Klientel wie Katusin seine Facebook-Freunde. Er macht es noch dazu so offensichtlich, dass man schon ziemlich verballert sein muss, ihm nicht sofort darauf zu kommen.

Tricksen, täuschen, tarnen – das ist Marketing ganz aus der Hubbard-Schule. So, wie es aussieht, hat Mehler vor allem seinen eigenen „Bestseller“ von 1990 nicht gelesen: „Wie finde ich einen Verleger“.



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perseus
perseus

Eine andere Sache aus der Steinzeit ist noch Quotenmeter… da hat sich bis heute auch nix gebessert.

Inzwischen kann man Online-Magazine aber ja ganz offen mit ähh Jungredakteuren betreiben:
http://broadmark.de/allgemein/suchen-wir-dich-redakteure-gesucht/2975/

G

@Wortvogel: Ich weiß, ich habe dir diese Frage schon einmal gestellt, aber trotzdem kommt sie mir bei solchen Beiträgen immer wieder in den Sinn: Wo gabelst du bloß immer wieder diese Typen auf? Gibt es irgendwelche Seiten im Internet, wo die für solche Beiträge extra gesammelt werden, oder hast du einfach eine sehr spezielle Aura, mit der du solche Leute anziehst? 😉

Howie Munson
Howie Munson

„Toller Artikel voller psychologischen Studien im krassen Szenario, man will sich gar nicht vorstellen, dass das alles Realität ist und nicht ein unheimlicher Mix aus allgemeiner Gesellschaftskritik und Fiktion.
Das Ende ist ein absolut unvorhersehbarer Hammer!“

Horst Willy Mannsen auf seinen Facebook-Blog für Probeleser….
*scnr*

robert
robert

Ist der Katusin also in Amerika auf Beutezug gewesen. . .

Ich hab mich ja heute durch die ganze Astrosaga-Geschichte gegraben und war amüsiert und erstaunt. Eine Frage bleibt da für mich unbeantwortet: Hat BPK eigentlich Drehbücher für’n Zehner verschickt, so wie er’s angekündigt hat? Wenn ich das richtig verstanden habe, hatten ein paar Leser hier ja durchaus Interesse daran.

robert
robert

schade eigentlich. Ich war kurz versucht, mir den Spaß anzutun und auch Eins zu bestellen.
Die ganze Geschichte hat aber zumindest den Vorteil, dass ich Lust gekriegt hab, in den Archiven des WV zu schmökern. schönes WE

robert
robert

Uh der Wortvogel in Ton und Bild! Awesome!
Da hast du mich ja bis zum nächsten Teil des Wortvogel-Manifests mit Material eingedeckt. Vielen Dank!

trackback

[…] bin der Erste, der jungen Autoren rät, sich nicht zu verschwafeln. Ich habe genau diesen Fehler neulich erst einem “Bestseller-Autoren” um die Ohren gehauen. Aber  gerade das obige Beispiel […]