Ich bin noch ganz hibbelig vom Erfolg des Bücherbazars am Wochenende. 46 von 50 Büchern sind weg, 20 Päckchen bringe ich heute zur Post. Ich verdiene nichts dran, aber der Gedanke, dass die Bücher neue glückliche Besitzer finden, freut mich außerordentlich. Da ist es nur ein Bonus, dass meine Leser am Ende sogar Geschmack beweisen und der unverkaufte Rest aus Twilight, Guido Knopp und Diana Gabaldon besteht. Respekt!

Ein neuer Batzen Bücher steht vermutlich ab Sonntag wieder zum Verkauf. Es sind erneut ein paar echte Schätzchen dabei.

Mir ist allerdings aufgefallen, dass ich meine Leselisten vernachlässigt habe, obwohl mein Evernote-Archiv aus der Richtung mittlerweile fast 500 Einträge umfasst. Und darum gibt es heute ein paar digitale Delikatessen gegen den kleinen Lesehunger – chronologisch rückwärts von neu nach alt.

Ich werde übrigens künftig versuchen, auf eine solide Mischung aus englischen und deutschen Beiträgen zu achten – und die englischen zu markieren, damit weniger anglophile Leser sich den Klick sparen können.

52 Shades of Grey (englisch): Alle Welt redet von „50 Shades of Grey“ – ich nicht. Für mich punktet in diesem Fall eher Asylum, deren Mockbuster „Bound“ nicht mit der langweiligen Dakota Johnson aufwartet, sondern mit dem „Buffy“-Leckerchen Charisma Carpenter. Und ob man es glaubt oder nicht: Es gibt auch eine christlichen Mockbuster zum Thema – The Dissolve hat sich beide Abklatsche mal angesehen und ist zu erstaunlichen Ergebnissen gekommen.

Taschengeld-Kino (englisch): Ein Film, der viel kostet, muss viel einspielen. Ein Film, der wenig kostet, muss wenig einspielen. Ein Film, der fast gar nichts kostet, muss fast gar nichts einspielen? Leider falsch, wie das Beispiel des Microbudget-Dramas „Layover“ beweist. Auf Slashfilm erzählt der Produzent, dass auch in Zeiten von Streaming-Portalen und VOD 6000 Dollar eine ziemliche Hürde sein können.

Keine Macht den Drögen: Größenwahn ist eine Tugend, mit der ich spiele, ohne sie ernsthaft zu verinnerlichen. Allerdings lesen sich Teile dieses sehr guten Artikels aus der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, als wären sie von meinem eigenen Essay zum Thema „Entkriminalisierung harter Drogen“ inspiriert worden.

Bored of the Rings (englisch): Ich habe neulich ja schon geschrieben, dass man als Nerd in den 80ern schlechte Filme besser fand, weil es keine Alternativen gab. Bei Unshaved Mouse dient diese These als Aufhänger für eine erneute, kritische Betrachtung von Ralph Bakshi’s Trickfilm-Umsetzung von „Lord of the Rings“, die in den 70ern zwar an den Kinokassen gefloppt war, aber immer wieder von Fans unangemessen gelobt wurde.

Fat is the new salad (englisch): Cholesterin, Kalorien, Kohlehydrate, Fett, Zucker – was genau die Mechanismen von Gewichtszu- und Abnahme angeht, gibt es immer neue Theorien und immer neue Trends. Aktuell scheint Fett wieder in Mode zu kommen, es gibt sogar eine Bewegung, die Kaffee mit einer großen Portion Butter zum idealen Frühstück erklärt hat. Dieser Artikel auf Vox erklärt sehr schön, warum das zu wirken scheint – und warum das die Sache nicht besser macht.

Für immer Verstummtfilme (englisch): Ich habe mal gelesen, dass 95 Prozent aller Stummfilme unrettbar verloren sind – vielfach war es einfach so, dass man Anfang der 30er dachte, dass nach Einführung des Tonfilms niemand mehr Stummfilme würde sehen wollen. Etwas genauer setzt sich die wunderbare Seite Silentology mit der Frage auseinander, warum Stummfilme verloren gehen.

Facebook lügt (englisch): Zuviel Zeit bei Facebook geht drauf, Leuten zu erklären, warum die schockierenden und empörenden „Nachrichten“, die sie teilen, Bullshit sind. Natürlich könnte das soziale Netzwerk mit simplen Algorithmen die Verbreitung von Unfug zumindest drastisch einschränken – aber „Wahrheit“ ist kein Teil des Geschäftsmodells, wie ein Artikel auf Slate sehr schön erklärt.

Netzbeschiss: Dass viele Kritiken im Netz Fakes sind, ist keine neue Erkenntnis. Datum hat aber mal ein sehr konkretes Beispiel nachrecherchiert, wie Firmen Marketingagenturen anheuern, die wiederum Heimarbeiter bezahlen, Produkte, Dienstleistungen und politische Entscheidungen zu loben. Eine Reportage aus Österreich, die wohl problemlos auf Deutschland übertragen werden kann.

Bullshit Babe (englisch): Food Babe Hani Vari ist mein neues erklärtes Feindbild – und damit stehe ich nicht allein, wie dieser Bericht auf NPR belegt. Aber so sehr ich die „Food-Aktivistin für ein gesünderes Leben“ für die Jenny McCarthy der Futterphobiker halte, so wichtig finde ich trotzdem, wofür sie steht: Etiketten lesen, nachfragen, aufklären und selbst die großen Lebensmittel-Konzerne zwingen, notfalls Alternativen einzuführen.

Burger für alle!: Kommen wir nun zu etwas Leckerem. Wer auch mal aus dem Haus geht, der hat’s gemerkt – teure Burger-Läden sind in, wo man für den Whopper statt 3 auch mal 8 Euro zahlt. Ich selbst probiere diese Lokalitäten gerne aus (und empfehle in Berlin Burger de Ville). Aber es ist nicht der einzige Food Trend, der Deutschland in den letzten Jahren überrollt hat – und dann einen leisen Tod gestorben ist. Jetzt hat sich an eine Übersicht gewagt.

Farce Filmförderung: Mit der Seite bereitsgetestet.de ist der Wortvogel freundschaftlich verbunden. Darum freut es mich umso mehr, auf einen exzellent recherchierten Artikel zur deutschen Förderungspraxis hinweisen zu dürfen, der schlau und gleichzeitig wütend macht. Wer nach der Lektüre nicht der Meinung ist, dass das ganze System von Grund auf reformiert gehört, der hat es nicht verstanden.

Der Mittelstand in Gefahr (englisch): Der Trend ist auch für mäßig interessierte Filmfans unübersehbar – das Angebot an neuen Filmen teilt sich immer mehr in Big Budget und Low Budget auf, die einst breite Masse der solide finanzierten B-Movies stirbt aus. Wo Horrorfilme früher 2 bis 5 Millionen Dollar kosteten und ihr Geld international auch wieder einspielten, gilt heute ein siebenstelliger Betrag schon als unkalkulierbares Risiko. Das gefährtet auch den größten Markt für diese Filme, den AFM, wie der Hollywood Reporter berichtet.

Be afraid, be very afraid (englisch): Ich gehöre zu den Autoren, die manchmal nur ein Bild brauchen, um eine ganze gruselige Geschichte zu konstruieren. EarthPorm hat gleich 20 davon zusammen getragen. Wer also Inspiration für einen Roman oder einen Alptraum braucht, ist hier genau richtig.

Freiheit, die ich meine (englisch): Verlassen wir zum Abschluss mal die digitale Welt und beschäftigen uns einem Verständnis von Eigenständigkeit, das heute fast komplett verloren gegangen ist. Christopher Thomas Knight hat fast 30 Jahre als Einsiedler im Wald, von der Natur und von kleinen Diebstählen gelebt. Nun ist er in die Zivilisation zurück gekehrt. Unfreiwillig. GQ hat ein großartiges, mitfühlendes Porträt eines Mannes produziert, der Empathie sehr schwer macht.



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heino
heino

Ah, endlich mal wieder Lesestoff. Das hatte ich schon vermisst:-)

Uli
Uli

Zum ganzen Thema Ernährung kann ich noch folgenden sehr lesenswerten Artikel von Scott Adams empfehlen:
http://blog.dilbert.com/post/109880240641/sciences-biggest-fail

heino
heino

Ist ja schon fast unglaublich, dass ausgerechnet Asylum einen zumindest halbwegs intelligenten Film zur SM-Thematik auf die Reihe kriegt. Okay, die Messlatte dafür liegt niedrig, aber ich bin trotzdem positiv überrascht.

Knut
Knut

Bei dem FAS-Artikel spräche ein wenig gegen Deine Theorie, dass er schon 2012 erschienen ist, Dein Essay aber erst 2013 – oder habe ich die Ironie in Deinem Blogpost überlesen?

Imiak
Imiak

Der Artikel über den Einsiedler in Maine ist in der Tat sehr gut. Nur eine kleine Anmerkung: Der Mann heißt Christopher Thomas Knight. Terry Hughes ist der Name des Polizisten, der ihn schließlich gefangen hat.

Peroy
Peroy

Bei Filmförderung fällt mir ein… wann kommt das Uwe Boll Interview?