snowpiercer_poster2Ich hatte in den letzten Wochen nicht einmal Zeit, mich mit der augenscheinlich problematischen Verleihgeschichte von „Snowpiercer“ zu beschäftigen, einer koreanisch-amerikanischen Adaption eines französischen Endzeitcomics, die für den US-Release auf Geheiß von Harvey Weinstein um 20 Minuten erleichtert werden sollte. Nach einem Geek.Aufschrei wurde der US-Edit ad acta gelegt und „Snowpiercer“ kommt wohl ungeschnitten in die deutschen und amerikanischen Kinos. Ob sich das Fandom damit einen Gefallen getan hat, wage ich allerdings zu bezweifeln. Ich selbst hatte bei dem über zwei Stunden langen Eiszeit-Eisenbahn-Epos mehrfach das Gefühl, man hätte in der Edit-Suite etwas mehr Disziplin walten lassen dürfen.

Die Story ist schnell erzählt: Die ganze Welt ist (menschengemacht) durch eine neue Eiszeit unbewohnbar geworden, der gigantische Zug „Snowpiercer“ fährt mit den letzten Überlebenden seine ewige Route über den Globus. Die Reichen an der Zugspitze lassen es sich gut gehen, während die Armen am Zugende darben. Revolution liegt in der Luft.

Das klingt zumindest ungewöhnlich, erinnert an die sozialkritische SF der 70er wie „Logan’s Run“ und „Soylent Green“, und ist mit Chris, Evans, John Hurt, Jamie Bell, Ed Harris und Tilda Swinton relativ knackig besetzt.

Leider kann das Skript dem Hype nicht die Steigbügel halten, wie so oft. Am Anfang wird trotz der üppigen Laufzeit viel zu wenig erklärt. Nicht mal die grundlegenden Daten zum Zug werden uns gegönnt. Was genau passiert ist, wieso ausgerechnet der „Snowpiercer“ noch läuft, wie es zu der fahrenden Arche kam, um wie viele Menschen es eigentlich geht – das muss sich jeder selbst zusammenreimen.

Was am Anfang fehlt, zieht sich in der Mitte. Viele Dialoge sind blass und redundant, viele Attacken von Wagon zu Wagon zwar vollgepackt mit Action, aber ohne neue Erkenntnisse. Bis zum Showdown kommt der Film inhaltlich nicht voran, Drama wird nur durch das mechanische Meucheln der bekannteren Darsteller erzeugt. Einzig Tilda Swinton hat erkannt, in was für einem absurden Stück sie gelandet ist und lässt als Mischung aus Maggie Thatcher und Helga Feddersen ordentlich die Sau raus.

Abgesehen von ein paar CGI-Landschaften, die an den Fenstern vorbeiziehen, bekommen wir auch nichts von der Eiswelt zu sehen. 99,9 Prozent des Films spielen in den Wagons, ein besonders breites Panorama wird nicht gebaut. Dafür, dass hier „große“ SF dargeboten werden soll, ist „Snowpiercer“ enttäuschend hausbacken – mit ein paar CGI-Shots weniger und Antonio Sabato jr. statt Chris Evans wäre der Film problemlos auch für den Syfy-Channel zu produzieren gewesen.

Damit will ich nicht sagen, dass „Snowpiercer“ schlecht ist. Es gibt immer wieder mal schöne Aufnahmen, sehenswerte Dekoration, einfallsreiche Detail (die Armamputation z.B. hat mir gefallen). Er ist nur nicht der intelligente SF-Kracher, der nach der Vorab-Publicity erwartet wurde. Er ist sehenswert, aber nicht bemerkenswert. Interessant, aber nicht wirklich gut. Mal was Anderes, aber nicht was Besseres. Am ehesten gehört er in meinen Augen in die Kiste mit halbgaren internationalen SF-Großprojekten wie „Aeon Flux“ und „Solar Quest“.

Über das Ende diskutieren wir, wenn mehr Leser den Film gesehen haben.

Vor den nächsten Film haben die Götter den massiven Hunger gesetzt – und nur 12 Minuten, um ihn zu befriedigen. Von Olaf verabschieden, ab ins Auto, auf zu McDonalds (1 Kilometer Luftlinie). Durchfahrtstraße wegen Bauarbeiten gesperrt, Mist, massiver Verkehr auf dem Ring, kein Parkplatz am Rotkreuzplatz. Illegal anhalten, raus, rein, Westernburger und Mozzarella-Sticks (es ist Samstag!), alles in eine Tüte, zum Vorspann wieder ins Kino, eine halbwegs freie Sitzreihe suchen, um mit der Raschelei nicht zu stören. Ich sehe Peter Osteried, aber ich tue es ihm nicht an, neben ihm ein komplettes Menü zu futtern. Anregung an die Festival-Veranstalter: Wenigstens EINMAL am Tag sollte zwischen den Filmen eine halbe Stunde zur Verpflegung bleiben.

enemy_posterVom Remmidemmi des „Snowpiercer“ zum genauen Gegenteil – „Enemy“ ist ein kleiner Low Budget-Streifen, je nach Definition ein 3- oder 4-Personen-Stück direkt aus der kanadischen „Twilight Zone“. Professor Adam Bell stellt fest, dass er mit dem mäßig erfolgreichen Schauspieler Daniel Claire einen exakten Doppelgänger hat. Da trifft es sich gut, dass beide mit ihrem Leben nicht wirklich zufrieden sind und attraktive Frauen haben, die sicher auch nichts gegen ein wenig Abwechslung hätten …

„Enemy“ ist so freudlos wie „Rigor Mortis“ und so hässlich wie „In Fear“ – selten hat Kanada so vergilbt und in den 70ern vergessen ausgesehen. Ein monotoner Streicher-Soundtrack lässt die Figuren wie durch Molasse waten. Menschen begegnen einander, aber statt Dialogen herrscht Sprachlosigkeit auf breiter Front, bleierne Stille. Das bisschen Spannung, das der Film aus der Prämisse zieht, wird wie Kaugummi gedehnt, bis ein völliger WTF-Shot das abrupte Ende einläutet.

Zwar hält „Enemy“ durchaus das Interesse der etwas anspruchsvolleren Zuschauer (gerade nach dem eher auf Remmidemmi versessenen „Snowpiercer“), aber er braucht mit 105 Minuten viel zu lange für eine viel zu magere Geschichte, die so ähnlich von Harlan Ellison in „Shatterday“ deutlich besser und knapper erzählt wurde – mit einem unbekannten Nachwuchsschauspieler namens Bruce Willis:

http://www.youtube.com/watch?v=3pw7RG2HEt8

Jake Gyllenhaal dürfte für zugesagt haben, weil er mit dem Regisseur vorher „Prisoners“ gedreht hat. Weder inhaltlich noch formell sollte ihn „Enemy“ sonderlich gefordert haben. Vielleicht war es die Aussicht, Melanie Laurent mal ausgiebig an die sekundären Geschlechtsmerkmale gehen zu dürfen. It’s a long way from „Brokeback Mountain“…

Fazit: Ein mäandernder, für den Gimmick zu ausgewalzter „kleiner“ Mysteryfilm, der die Geduld der Zuschauer leider nicht mit einer befriedigenden Auflösung belohnt.

Finale. Ich bin selber auch ziemlich am Ende. Aber ich habe neun Filme geschafft, da schaffe ich auch zehn. No retreat, no surrender. Die Tatsache, dass das Festival mit dem neusten Eli Roth-Film endet, ist da fast schon eine zynische Überraschung.

inferno-banner2Es ist bekannt, dass ich mit Eli Roths Welt- und Menschensicht nicht kann, dass ich seine Filme für trendigen Unfug halte, für kalorienfreies Horror-Fastfood. Und tatsächlich passt sich „The Green Inferno“ prima in seine Filmographie ein: Erneut wird die erste Hälfte des Films an ein elend langes und unnötiges Setup lauter schöner Menschen verschenkt, die es ins Ausland treibt, erneut wartet in der Fremde das Grauen – und natürlich geht es dann ab wie Luzie, wenn ein Charakter nach dem anderen mit diebischer Freude und massivem Splatter-Einsatz abgemurkst wird.

So war es bei „Hostel“, so war bei „Aftershock“, so ist es hier. An der Eli Roth-Formel kann man (wie ich schon mal erwähnt habe) eigentlich jedes Genre aufhängen. Diesmal ist es halt der italienische Kannibalen-Film der 70er und frühen 80er Jahre. Schöne, aber unerträglich von sich selbst besoffene Amerikaner landen im schwülen Fiebertraum von Deodato und Bianchi, werden von Eingeborenen, denen ihre hehren Absichten schnurz sind, nach und nach aufgerieben.

Das sieht alles sehr schön aus, ist nach der wie üblich unzulässig gestreckten Einführung auch ziemlich dynamisch inszeniert, angereichert mit einer Sackladung hausgemachtem Schmodder (danke, Berger und Nicotero!). Zynisch lacht das Publikum, wenn die hypochondernde Blondine im Käfig Dünnschiss bekommt oder wenn ein Doofkopp in einen Propeller läuft. Big Fun.

Vielleicht bin ich einfach das falsche Publikum für so etwas. Vielleicht nervt es mich, dass Eli Roth eigentlich immer das gleiche Skript verfilmt und nur den Aufhänger (Erdbeben, Kannibalen) austauscht. Es kann nicht mehr lange dauern, bis Aliens dran sind.

Das beste, was man über „The Green Inferno“ sagen kann: er hält wach, auch nach neun Filmen in zwei Tagen. Das ist durchaus eine Empfehlung.

Und damit ist/war das Festival zu Ende. Eine breitere Streuung von Genres und Ansprüchen ist wohl kaum vorstellbar. Nicht immer mit den wünschenswerten Ergebnissen, aber es kann halt nicht jeder Film ein Treffer sein. Ich fand es – auch und wegen der Rohrkrepierer – mal wieder extrem spannend und bin ausreichend „vorgewärmt“ für das „große“ Fantasy Filmfest. Diesmal (natürlich) wieder in Berlin.

Kurzes Gesamtfazit: „Witching & Bitching“ als bester Film, „Snowpiercer“ und „The Green Inferno“ als Crowd Pleaser mit begrenzter Haltbarkeit, „Wolf Creek 2“ und „Dead Snow 2“ für die Allesgucker unter den Nerds. Peace out.



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D. Bentley
D. Bentley

Snowpiercer kommt bei dir leider zu schlecht weg.
Warum (nur) noch der Zug fährt und wie sie alle an Bord gekommen sind usw. sind Fragen, die ich mir auch gestellt habe, aber auf die kommt es letztendlich nicht an (wie viele Leute an Bord sind sieht man allerdings, wenn auch erst im Verlauf des Films). Der Film ist eine Allegorie auf den Konflikt Arm-Reich, der von einer Stufe zur nächsten gekämpft wird (ich sehe große Parallelen zu „Game of Death“, den originalen, unvollendeten, nicht die Kannibalisierung von 1978, die aber höchstwahrscheinlich unbeabsichtigt sind). Ich hatte wenn dann eher Probleme mit der „perpetual engine“ (ein Problem das aber auch unterwandert wird).

Im Mittelteil tut sich inhaltlich vielleicht nicht allzu viel, muss es aber auch nicht unbedingt. Erstens gibt es genug Action und zweitens wartet man als Zuschauer darauf, dass Charaktere wie Mason (Tilda Swinton) oder der andere Typ, dessen Namen mir nicht einfällt, der aber auch auf der Seite der „Front Section“ ist, endlich durch die wohlverdiente Kreissäge gedreht werden. Gratulation an die Schauspielerin, eine solche hassenswerte Kackbratze zu spielen wie ich sie kaum mit etwas anderem vergleichen kann, ist wirklich hohe Kunst. Außerdem passieren genug absurde Sachen, die einen bei Laune halten (die singenden Kinder oder das Gewächshaus). Ich fand den Film auch wesentlich gefühlt kürzer als die zwei Stunden.

Über das Ende muss ich mir noch mal meine Gedanken machen, klar ist es streitbar, hat mir aber auch nicht die anarchistische Freude der Prämisse verdorben (hat wohl so kommen müssen, ich hätte mir auf jeden Fall noch ein Abteil vor dem letzten mehr gewünscht, vielleicht war aber gerade das auch wieder Absicht). Ich warte erst mal ab, bis da von deiner Seite was kommt.

Marcus
Marcus

Auf ein Neues:

„Enemy“: ja, eine Enttäuschung. Der zieht sich furchtbar, aber mit ein bisschen Atmosphäre hielt er mich einigermaßen bei der Stange, weil ich auf ein befriedigendes Ende gehofft habe. Aber leider, nix war’s. Der Film endet nicht, er hört abrupt auf wie ein Auto, das vor eine Wand fährt. Und das mit einem kompletten Mittelfinger an den Zuschauer, sodass am Ende das Gefühl bleibt, der Film hätte mutwillig meine Zeit verschwendet. 5/10.

„The Green Inferno“: Eli Roth ist beileibe kein Liebling vorn mir, aber man muss ihm zugestehen, dass er, wenn er das Erbe der alten Kannibalenklopper antreten wollte, den hier als Erfolg verbuchen kann. Plus: die Figuren sind weniger nervtötend als sonst, das Setup ist sorgfältiger (der Grund, warum die im Urwald sind, ist etwas besser erklärt als das übliche „die sind halt zum Partymachen da“), und auch Spannung kommt durchaus auf. Außerdem hat Roth diesmal ein etwas besseres Gespür dafür, wann man draufhalten muss und wann es zuviel wird. Der deutlichste Minuspunkt (außer dem üblichen „Eli Roth-Weltbild“, wonach die ganze Welt außerhalb der USA ein mörderisches Niemandsland ist) ist der gelegentliche Pansenhumor (großer Gott, die Sache mit dem Marihuana, da hat so mancher bei uns mit den Zähnen geknirscht). 7/10.

Marcus
Marcus

Und nun: SNOWPIERCER.

Oh, Torsten. Ts, ts, ts…

Ein großartiger Film. Intellektuell, emotional, konzeptionell, visuell, darstellerisch. Großartig. Und das meine nicht nur ich – ich wage zu sagen, das war die einhellige Meinung des gesamten Saals in Köln. 10/10.

Marcus
Marcus

Bestenfalls kann der Vogel hier mildernde Umstände für sich in Anspruch nehmen – alle drei Texte für die Nights 2014 wirken freudlos, fahrig, unfokussiert, mäandernd. Torsten kommt hier müde, gestresst, missmutig rüber, als wäre das hier eher lästige Pflicht als Vergnügen. Deshalb war er, so scheint mir, gerade einem Epos wie SNOWPIERCER gegenüber nicht so aufgeschlossen wie der Film es verdient gehabt hätte. Schade.

Peroy
Peroy

Ist „Snowpiercer“ der „The Purge“ von 2014…?

XXX
XXX

„Jake Gyllenhaal dürfte für zugesagt haben, weil er mit dem Regisseur vorher “Prisoners” gedreht hat. “

Kurze Info: ENEMY wurde vor PRISONERS gedreht.

John
John

Mochtest Du Prisoners?

sergej
sergej

#1:
„Warum (nur) noch der Zug fährt und wie sie alle an Bord gekommen sind usw. sind Fragen, die ich mir auch gestellt habe, aber auf die kommt es letztendlich nicht an“
Kommt es wenigstens auf den Zug an, oder würde der Film auch mit dem Handlungsort Gebäude (bspw. einem Hochhaus oder Metrostation) funktionieren?

trackback

[…] seine Eindrücke der gesehenen Filme wie immer in nachvollziehbaren Kritiken (Teil 1, Teil 2 und Teil3). Im Forum des FFF-Archivs wird übrigens vom Fantalk mit den Machern des Festivals berichtet und […]

D. Bentley
D. Bentley

#8:
Metrostation nicht, weil schlechter unterteilbar, Hochhaus theoretisch ja, aber dies Terrain haben „Dredd“ und „The Raid“ schon in jüngster Zeit abgearbeitet.
Im Film wird der Punkt gemacht, dass sie nicht stehenbleiben dürfen, weil sie sonst erfrieren und die Städte scheinen alle unbewohnbar zu sein. Außerdem wird in vielen Szenen genutzt, dass sie durch Tunnel fahren etc. (macht das Sehen für zumindest eine Partei schwerer). Ansonsten funktioniert die Plotte ähnlich wie bei „Game of Death“ (Bruce Lee kämpft ich eine Pagode nach oben um einen Schatz zu bergen, in der 78er-Version wurde die Handlung leider völlig abgeändert).
Der entscheidende Punkt ist und bleibt aber der Klassenunterschied zwischen Arm und Reich und das Aufbegehren dagegen.
#3:
Kann mich dem (fast) anschließen. Würde wahrscheinlich 8/10 geben.

Wortvogel
Wortvogel

Achtung, Spoiler.

@ Marcus: In München war die (relativ, ich habe keine Umfrage gemacht) einhellige Meinung, dass man sich von „Snowpiercer“ erheblich mehr erwartet hatte – und nu? Abgesehen davon, dass die Meinung anderer Leute für mich nie ein Grund sein kann, meine Meinung zu justieren.

Übrigens war ich nicht in schlechterer Verfassung als bei einigen FFF-Marathons in Berlin – man muss nicht dringlich Gründe suchen, warum ich in deinen Augen die „falschen“ Meinungen zu einigen Filmen habe. Wie wäre es mit akzeptieren und respektieren?

@ Bentley: „Im Film wird der Punkt gemacht, dass sie nicht stehenbleiben dürfen, weil sie sonst erfrieren und die Städte scheinen alle unbewohnbar zu sein.“ – und genau das ist schon wieder eher wirr, denn der Zug muss eigentlich unglaubliche Mengen an Energie verbrauchen, nur um zu fahren. Wieso sollte die nicht zum Betrieb einer wesentlich effizienteren statischen Kolonie genutzt werden können? Übrigens fällt nach meiner Erinnerung nie das Wort „perpetual“. Die Maschine wird als heilig und ewig bezeichnet, nicht konkret als perpetuum mobile. Wie sie funktioniert, bleibt ebenso vage wie die gesamte Welt, in der „Snowpiercer“ spielt.

Wass den Reich/Arm-Konflikt angeht – ich hatte bereits erwähnt, dass der Film hier an die „social SF“ der 70er erinnert. Aber ein Konflikt zwischen „Nur in der Revolution liegt die Chance zur Veränderung!“ und „Das System muss um jeden Preis erhalten bleiben!“ ist nicht nur nicht sonderlich einfallsreich, sondern in vielen Belangen mittlerweile überholt.

Es sind so unendlich viele Details, die ich schlecht durchdacht finde. Nehmen wir mal das „Soylent Green“ von „Snowpiercer“, die Proteinblöcke. Wir sollen es unglaublich eklig finden, als der Held feststellt, dass diese aus gekochten und zermahlenen Insekten bestehen. Nun sind Insekten, wie uns Ernährungswissenschaftler erklären, eine ganz hervorragende Nährstoffquelle und mitnichten ekliger als Schnecken, Muscheln, Krabben oder Kaviar. Besonders nach der Postapokalypse dürfte DAS kaum für echten Ekel reichen (im Gegensatz zu eben „Soylent Green“). Ich stelle auch in Frage, wo die tonnenweise Insekten her bekommen, um die Armen zu füttern. Vor allem aber: Schauen wir uns doch mal die spätere Beichte der Person an, die angesichts der Insekten der Ekel schüttelt? Na? He knows that what tastes best?

Die Actionszenen fand ich übrigens durch die Bank wirr und ohne nennenswerten Impact inszeniert.

Sprechen wir doch mal das Ende an: Am Schluss wendet sich der Held heroisch gegen „das System“, lehnt den kuscheligen Platz an der Spitze ab, wählt den Ausbruch. Ergebnis: Der Zug crasht, so ziemlich ALLE Passagiere gehen drauf, es gibt keinen Hinweis, ob irgendwo in 1000 Kilometern Umgebung etwas übrig ist, was das Überleben auch nur der einzigen Personen sichern könnte, die wir noch lebendig sehen. Dass der reduzierte Genpool damit sowieso das Ende der Menschheit bedeutet, lasse ich mal außen vor. Demnach wäre der „Sieg“ des Helden der Untergang der Menschheit. Gratulation.

@ XXX: Danke für den Hinweis. Mangels Recherchemöglichkeit konnte ich das nicht checken und ich kam in den Saal, als der Veranstalter gerade den Satz beendete mit „Regisseur von Prisoners“.

Peroy
Peroy

„Prisoners“ ist übrigens ein unglaublich guter Film. Den hätte man mal für mehr als nur einen beschissenen Oscar nominieren können. Wer den noch nicht gesehen hat… jetzt!

Howie Munson
Howie Munson

@Wortvogel: setzt doch lieber eine deutlichere ***Spoiler****-Warnung (oder gar eine zweite), bevor es jemand liest der das Ende nicht kennen wollte… (nicht meinetwegen, ich hätte das auch gelesen, wenn mir die Warnung beim ersten Lesen aufgefallen wäre 😉 )

Wortvogel
Wortvogel

@ Howie: Sorry, Spoiler-Warnung ist Spoiler-Warnung. Wenn jemand sagt „Kannst du nicht ZWEI Spoiler-Warnungen setzen?“, bittet morgen jemand um drei, dann um vier. Ihr seid erwachsen.

D. Bentley
D. Bentley

Bevor irgendwelche Missverständnisse aufkommen: Achtung, Mega-Spoiler Alarm! Weiterlesen auf eigene Gefahr!

@ Wortvogel:
„und genau das ist schon wieder eher wirr, denn der Zug muss eigentlich unglaubliche Mengen an Energie verbrauchen, nur um zu fahren. Wieso sollte die nicht zum Betrieb einer wesentlich effizienteren statischen Kolonie genutzt werden können? Übrigens fällt nach meiner Erinnerung nie das Wort “perpetual”. Die Maschine wird als heilig und ewig bezeichnet, nicht konkret als perpetuum mobile. Wie sie funktioniert, bleibt ebenso vage wie die gesamte Welt, in der “Snowpiercer” spielt“
-> Ich denke, weil der Film erstens auf einer Comic-Vorlage basiert, wo es genauso ist und zweitens andere Szenarien „Kolonie“, „Hochhaus“, „Mega-Stadt“ usw. schon öfter da waren. Das Wort „perpetual“ (genauer perpetual engine) fällt in der englischen Version, die ich gesehen habe. Möglicherweise kann das englische Wort in einem breiteren Sinn verwendet werden als „perpetuum mobile“, es scheint aber schon so ähnlich zu funktionieren (nur dass wir am Schluss erfahren, dass sie durch Kinderarbeit so effizient läuft). Mit einer solchen Maschine könnte man sicher wesentlich mehr anfangen, sehe ich auch so und auch das Energieproblem hätte man mehr beleuchten können, gut, aber man kann ganz gut damit leben, da der Zug und seine Funktionsweise mehr Allegorie für das Klassenproblem sind.

„Was den Reich/Arm-Konflikt angeht – ich hatte bereits erwähnt, dass der Film hier an die “social SF” der 70er erinnert. Aber ein Konflikt zwischen “Nur in der Revolution liegt die Chance zur Veränderung!” und “Das System muss um jeden Preis erhalten bleiben!” ist nicht nur nicht sonderlich einfallsreich, sondern in vielen Belangen mittlerweile überholt.“
-> Finde ich nicht. Der Konflikt und seine Akteure mögen überzeichnet sein, trotzdem existiert auch heute noch Super-Arm sehr nahe lebend neben Super-Reich. Der Film beschreibt eben ein What-if-Szenario, was wäre wenn wir uns wehren gegen die da oben. Das mag keine neue Erkenntnis sein, ist aber ein berechtigter Punkt. Und wenn Mason oder der andere Handlager gekillt werden, war ich nicht gerade unbegeistert (war bei „V wie Vendetta“ auch nicht viel anders), ich fand eher dass sie zu gut weggekommen sind als zu schlecht. Klar mögen die Probleme in der richtigen Welt eine Nummer komplexer sein und es mag auch mal den Falschen treffen, aber es trifft halt AUCH mal die Richtigen und das freut mein anarchistisches Herz (es ist schließlich nur ein Film von dem wir reden, der tut keinem der Upper Class weh). Ich hätte eigentlich damit gerechnet, dass der Film noch mehr Dekadenz der Reichen zeigt (z. B. das letzte oder vorletzte Abteil als ultimative Verschwendungshölle), ich dachte mir bei Ed Harris „was, wir sind schon ganz vorne“?

„Es sind so unendlich viele Details, die ich schlecht durchdacht finde. Nehmen wir mal das “Soylent Green” von “Snowpiercer”, die Proteinblöcke. Wir sollen es unglaublich eklig finden, als der Held feststellt, dass diese aus gekochten und zermahlenen Insekten bestehen. Nun sind Insekten, wie uns Ernährungswissenschaftler erklären, eine ganz hervorragende Nährstoffquelle und mitnichten ekliger als Schnecken, Muscheln, Krabben oder Kaviar. Besonders nach der Postapokalypse dürfte DAS kaum für echten Ekel reichen (im Gegensatz zu eben “Soylent Green”). Ich stelle auch in Frage, wo die tonnenweise Insekten her bekommen, um die Armen zu füttern. Vor allem aber: Schauen wir uns doch mal die spätere Beichte der Person an, die angesichts der Insekten der Ekel schüttelt? Na? He knows that what tastes best?“
-> Das ist in der Tat nicht von der Hand zu weisen und ist mir auch aufgefallen. Trotzdem sind Kakerlaken selbst für Insektenverhältnisse noch eine Liga für sich, außerdem hat dann die Täuschung der Reichen ziemlich gut funktioniert.

„Sprechen wir doch mal das Ende an: Am Schluss wendet sich der Held heroisch gegen “das System”, lehnt den kuscheligen Platz an der Spitze ab, wählt den Ausbruch. Ergebnis: Der Zug crasht, so ziemlich ALLE Passagiere gehen drauf, es gibt keinen Hinweis, ob irgendwo in 1000 Kilometern Umgebung etwas übrig ist, was das Überleben auch nur der einzigen Personen sichern könnte, die wir noch lebendig sehen. Dass der reduzierte Genpool damit sowieso das Ende der Menschheit bedeutet, lasse ich mal außen vor. Demnach wäre der “Sieg” des Helden der Untergang der Menschheit. Gratulation.“
-> Doch, diesen Hinweis gibt es, nämlich den Eisbären. Menschen und Eisbären mögen zwar unterschiedliche biologische Nieschen besetzen, aber es ist immer noch besser als das, was wir bisher gehört haben (Stillstand des Zugs = sofortiger Tod alles Lebens). Die Problematik, dass nur zwei Menschen überleben und die Weltbevölkerung wieder neu aufbauen sollen, kann man wohl kaum als Happy End bezeichnen, aber irgendwo musste es wohl so kommen. Das Szenario „Zug“ schreit danach, dass er irgendwann stehenbleiben/funktionsunfähig werden muss, aber klar, man hätte den Helden zumindest überleben lassen können (er wählt aber den Ausbruch nicht ohne Not, da er sieht, dass die Maschine mit Kinderarbeit funktioniert). Ich finde eher den Storykniff „ohne unsere Hilfe wärt ihr niemals so weit gekommen“ abgegriffen und auch Ed Harris‘ Motivation (der im Prinzip nur seine Rolle aus „Die Truman Show“ wieder abspielt) fragwürdig.

Wie man sieht, es ist nicht alles perfekt, trotzdem ist der Film Zeugnis dafür, dass die 2010er für den phantastischen Film nicht das schlechteste Jahrzehnt sind (wie auch Dredd, der meine Erwartungen völlig übertroffen hat).

DMJ

Endlich erfahre ich mal, was „Snowpiercer“ ist… irgendwie schwärmte alle Welt um mich herum davon, ohne dass ich irgendeine Ahnung hatte…

Bin aber irgendwie skeptisch… Mag sein, dass besagte Begeisterung nur meinen Trotz geweckt hat, aber des Wortvogels geringer Enthusiasmus freut mich. 😛

(Obwohl ich den erwähnten „Aeon Flux“ großartig finde.)

Peroy
Peroy

„Aeon Sux“…

Marcus
Marcus

„Übrigens war ich nicht in schlechterer Verfassung als bei einigen FFF-Marathons in Berlin – man muss nicht dringlich Gründe suchen, warum ich in deinen Augen die “falschen” Meinungen zu einigen Filmen habe. Wie wäre es mit akzeptieren und respektieren?“

Du missverstehst meine #4.

Darum, dir zu erklären, warum deine Meinungen „falsch“ sind, ging es mir nicht. Denn bitte, soviel Intelligenz darfst du mir schon zutrauen, um zu wissen, dass Meinungen nicht objektiv falsch sein können. (Plus: als ob man dich jemals von einer anderen Meinung überzeugen könnte… 😉 )

Ich habe dir geschrieben, dass ich deine ARTIKEL nicht gut geschrieben fand, nicht erhellend, nicht treffend, nicht überzeugend, und mir überlegt, warum das so sein könnte. Es gab in der Vergangenheit oft Filme, die ich anders bewerte als du, aber nach der Lektüre konnte ich zumindest deinen Standpunkt nachvollziehen. Das fehlte mir hier, das meiste waren einfach nur hektische, übellaunig wirkende Rants – mit auffallend viel Gejammer über die widrigen und unkomfortablen Umstände, das ich von dir so nicht kenne, und das den Eindruck eines nicht voll auf der Höhe seienden Vogels nur verstärkte.

Und bei SNOWPIERCER glaube ich, dass der nicht einfach wegzugucken ist, darauf muss man sich einlassen – und der Gesamteindruck deiner Texte ist nun mal der, dass du dafür nicht in Stimmung/Verfassung oder so warst.

Dietmar

@Marcus: Die Übellaunigkeit sehe ich in den Artikeln nicht und die Beschreibung der widrigen Umstände sind immer Einwürfe zwischen den Kritiken.

Ich werde ihn sicher nicht gucken aber „Snowpiercer“, also der Titel schon allein, hat auf mich eine ähnlich albern belustigende Wirkung wie „Glimmer-Man“. Kann ich nicht ernst nehmen.

Ist mir auch zu bizarr: So einen Lindwurm-Zug durch die Gegend zu schleppen verbraucht sicher irre viel Energie und benötigt eine grotesk starke Maschine. Mal ganz abgesehen von Streckenwartung und -Überwachung. Kauf´ ich nicht.

Jake
Jake

„Ich werde ihn sicher nicht gucken aber “Snowpiercer”, also der Titel schon allein, hat auf mich eine ähnlich albern belustigende Wirkung wie “Glimmer-Man”. Kann ich nicht ernst nehmen.“

Ach komm. „Snowpiercer“ und „Glimmer-Man“ als Filmtitel ist doch harmlos. Da finde ich „Robocop“ schlimmer. 😉

Marcus
Marcus

Dietmar: eben, du hast ihn nicht gesehen. 😉

Dietmar

Werde ich auch nicht.

XXX
XXX

Dann solltest du dich aus der Diskussion aber auch raushalten, nicht?

Dietmar

@XXX: Was ich geschrieben habe, kann man durchaus schreiben, ohne den Film gesehen zu haben.

Oder kann man zur „Übellaunigkeit“ der Artikel nur etwas sagen, wenn man den Film „Snowpiercer“ gesehen hat? Oder zur Titelwahl?

Anmerkungen und Kommentare nicht mehr erwünscht?

Oder anders: Was hast Du eigentlich für ein Problem mit mir?

(Und wieder ein Kontext-Problem …)

XXX
XXX

Naja, Thesen zum Energieverbrauch des Zugs und der Fahrbahnwartung haben ja wohl deutlich inhaltichen Bezug, sind aber letzten Endes nur Kaffeesatzleserei, wenn du den Film nicht gesehen hast – oder Nachplapperei.

Deswegen kannst du natürlich weiterhin Kommentare und Anmerkungen machen, man darf aber sicherlich anmerken, dass sie nicht besonders fundiert sind.

Wie du daraus gleich ein generelles Problem mit deiner Person ableitest, ist mir nicht klar.

Dietmar

Naja, Thesen zum Energieverbrauch des Zugs und der Fahrbahnwartung haben ja wohl deutlich inhaltichen Bezug

Ich sehe da einen langen Zug durch eine Eiswüste fahren und habe dazu den Artikel von Torsten. Der inhaltliche Bezug ergibt sich wohl eher zwangsläufig daraus, dass sich Plakat und Rezension auf den Inhalt beziehen. Ich sage gar nichts über den Filminhalt. Ich sage etwas darüber, warum ich die Idee nicht attraktiv finde. Dafür muss ich den Film nicht sehen. Kaffeesatzleserei ist es auch nicht, denn ein Zug benötigt eine funktionierende Infrastruktur. Du könntest ja beispielsweise sagen, auf welche geniale Weise der Film mit diesem Problem umgeht. Aber Du ziehst es vor mir Kaffeesatzleserei vorzuwerfen oder „nachzuplappern“. Wem eigentlich? Das waren schon, Du magst es nicht glauben und mir „Nachplappern“ unterstellen, tatsächlich meine Gedanken, als ich den Artikel las.

Und ich dachte da mal frech, ach, das schreibe ich mal einfach als Kommentar. Unter anderem, weil ich die Texte eben nicht miesepetrig fand. Habe ich auch einfach mal geschrieben.

Ich leite kein generelles Problem mit mir ab. Dein Kommentar sieht einfach danach aus. Nochmal: Ich habe gar keine Diskussion über den Inhalt geführt, werde und wollte mich an keiner beteiligen und habe auch sonst zu den anderen Filmen nichts gesagt, weil ich dazu keine besonderen Gedanken hatte, habe aber die Artikel gelesen; kommt öfter mal vor, dass ich lese ohne zu kommentieren. Hier fiel mir eben dies auf und das habe ich gesagt.

Und das hier

Deswegen kannst du natürlich weiterhin Kommentare und Anmerkungen machen, man darf aber sicherlich anmerken, dass sie nicht besonders fundiert sind.

sieht auch eher persönlich aus, wenn Du feststellst, dass meine Kommentare (in Gänze) nicht „besonders fundiert“ sind.

Aber streiten will ich mich schon gar nicht. Ich halte also fest: Wer den Film sieht, wird sehen, dass es ganz logisch ist, dass ein gewaltiger Zug permanent über den Globus fährt und über ein entsprechendes Schienennetz verfügt. Ich finde das bizarr, aber bitte …

Dietmar

Aber irgendwie leuchtet mir das jetzt doch ein: Ich darf keine Gründe nennen, die mich dazu bringen, den Film nicht sehen zu wollen, weil ich ihn nicht gesehen habe. Ist doch logisch. Da fällt mir so ein Möchtegernfilmemacher mit ähnlicher Argumentation ein … hmmm …

Genauso wenig darf ich die Thesen von Lewitscharoff oder Sarrazin ablehnen, wenn ich die Bücher oder Reden nicht gelesen habe, und in der Konsequenz muss ich Homöopathie genauso erst ausprobieren wie Akupunktur und Wünschelrutengehen oder Feng Schui. Sonst hat man kein Mitspracherecht unter Experten.

Auf etwas gucken, sich Gedanken machen und sagen, nö, will ich nicht, geht nicht. Man muss immer alles volle Kanne durchlesen, durchhören, durchsehen und durchleiden.

Cooles Argument.

Dietmar

Nicht nur, dass die mangelnde Originalität meiner Gedanken Deinen Ansprüchen nicht genügt: Ich denke auch noch langsam! Da fällt mir nämlich jetzt tatsächlich noch eine Frage ein, die ich etwas ausführen muss, weil ich ebenso nicht in der Lage bin, meine Gedanken auf den Punkt zu bringen. Also, @XXX, hier kommt es:

Wenn jemand, Du machst das ja auch, eine Kritik schreibt, für wen ist die dann geschrieben? Ich, in meiner naiven Einfalt, stelle mir da vor, das ist dann eine Beschreibung, Bewertung und Empfehlung für oder gegen den Film, adressiert an Interessierte, dabei auch an solche, die den Film noch nicht gesehen haben. Jetzt mein Fragenkomplex in Ermangelung der Fähigkeit zu verdichten: Wer den Film nicht gesehen hat, darf eigentlich nichts dazu sagen, also auch nicht zur Kritik? Informationen aus Trailern, Kritiken, Pressetexten und so weiter sind nicht dazu da, sich eine Meinung über einen Film zu bilden und die dann ggf. auch zu äußern? Wie hoch muss in Deinen Augen die Expertise sein, um etwas sagen zu können?

Tut mir fast leid, dass ich da so hartnäckig nachbohre, aber das Konzept verstehe ich möglicherweise nicht richtig.

Nikolai
Nikolai

„Energieverbrauch des Zugs und der Fahrbahnwartung“

Die Frage danach hat sich mir aber auch direkt nach dem Ansehen des Plakates und der Filmkritik aufgedrängt.
Die ganze Thematik ist extrem krude….was auf diesem Filmfest eventuell durchaus passt.
Alleine das macht den Film für mich vollkommen uninteressant.

Da muss ich Dietmar Recht geben.
Man darf sich auch ein Urteil bilden ohne den Film gesehen zu haben, allerdings sollte man nicht sagen „Ich finde den Film schlecht.“ (was Dietmar nicht macht) sondern „Der Film interessiert mich nicht.“.

Tatsächlich ist doch die Inhaltsangabe und eventuell sogar ein Filmplakat und der Trailer meistens die größte Motivation einen Film im Kino anzusehen.
Und wenn das alles scheiße ist, dann sehe ich mir nicht den Film an nur um sagen zu können „Ja, ich finde den Film WIRKLICH schlecht.“

Dietmar

@Nikolai: Eigentlich weiß XXX das sicher ganz genau, dass das so ist. Dafür ist er zu lange im Geschäft, zu sprachsicher, intelligent und fachkompetent, als dass ihm diese Diskussion nicht schon begegnet wäre und klar, dass das ein ziemlich billiger und sachlich falscher Einwand war.

Wortvogel
Wortvogel

Es tut mir leid, dass ich aktuell so wenig beitragen kann, aber die Nachwehen des Umzugs und familiäre Verpflichtungen am Wochenende halten mich auf Trab.

XXX (also) Peter mag manchmal ein Stinkstiefel sein, aber er sagt selten Sachen ohne Grund. Und Dietmar ist ja auch nicht auf die Klappe gefallen. Allein daraus schließe ich, dass hier vielleicht einfach „mixed messages“ aufgegriffen wurden. Schuld ist sowieso Marcus, der kackfrech unterstellt, meine Rezeption von Filmen sei durch Einsamkeit, Müdigkeit, Drogen oder Misslaunigkeit manipulierbar. Dem ist nicht so. Wäre dem so, hätte es ja auch keinen Grund gegeben, warum mir „Witching & Bitching“ so gefallen hat.

http://static.cinemagia.ro/img/db/actor/25/86/13/carolina-bang-454753l.jpg

XXX
XXX

Scheint dich ja sehr zu beschäftigen, Dietmar, bei gleich drei Kommentaren in Folge (die ich übrigens nicht in Gänze in Frage stelle, wohl aber die, die sich mit inhaltlichen Fragen befassen, wenn man gerade mal Poster und Trailer gesehen hat).

Dass der Zug „sicher irre viel Energie verbraucht und eine grotesk starke Maschine benötigt“ ist doch kappes. Mag sein, muss aber nicht, der Film spielt in der Zukunft. Es fragt schließlich auch keiner danach, mit welcher Technik die Wagen in Blade Runner fliegen oder die Raumschiffe in Star Trek die Lichtgeschwindigkeit durchbrechen. Darum geht es auch gar nicht, das ist nicht der Kern des Films, nicht das, was ihn interessant macht.

„Wie hoch muss in Deinen Augen die Expertise sein, um etwas sagen zu können?“

Den Film gesehen zu haben, wäre ein Anfang.

Sagen darf man natürlich auch ansonsten eine Menge, „Argumente“ für das Desinteresse, die sich dann mit der Lächerlichkeit eines FIlmtitels befassen, sind aber – und du magst das Wort ja so gern – bizarr.

Howie Munson
Howie Munson

Wer den Film nicht gesehen hat, darf eigentlich nichts dazu sagen, also auch nicht zur Kritik? Informationen aus Trailern, Kritiken, Pressetexten und so weiter sind nicht dazu da, sich eine Meinung über einen Film zu bilden und die dann ggf. auch zu äußern? Wie hoch muss in Deinen Augen die Expertise sein, um etwas sagen zu können?

Den Film gesehen zu haben, wäre ein Anfang.

Man muss also einen Film gesehen haben, um zu begründen, warum man ihn nicht sehen will, auch wenn einen schon die Inhaltsangabe und Kritiken nicht von seiner Sehenswertheit überzeugt haben…

Man könnte ja auch einfach versuchen die Mitleser zu überzeugen, warum der Film doch was taugt, aber das macht bislang nur Bentley hier.

Dietmar

@Howie Munson: Peter weiß genau, dass er da Quatsch schreibt. Der will provozieren. Weiß der Teufel was er hat.

@XXX: Dass Du an solch billigen und falschen Vorhaltungen festhältst, ist, ganz ohne Quatsch, schon sehr erschreckend. Du meinst also ernsthaft, man darf aufgrund der gegebenen Information nicht einfach Bemerkungen fallen lassen? Echt jetzt? Du meinst tatsächlich, der Titel, der Titel (!) ist für mich ein entscheidender Grund, den Film nicht zu sehen? Das denkst Du wirklich? Weil ich geschrieben habe, dass ich ihn albern belustigend finde? Das sind also Bemerkungen, mit denen Du Dich beschäftigst und die Du mir um die Ohren hauen willst?

Du überrascht mich.

Negativ.

Aber weil es Dich ja offenbar beschäftigt, was ich so denke, erhelle ich Dich doch mal; nicht, dass ich nicht alles hinreichend erklärt hätte, wie jeder mit ein bisschen Wohlwollen sehen kann, aber vor meiner Nachtschicht habe ich noch ein wenig Muße:

Scheint dich ja sehr zu beschäftigen, DietmarJa, Peter. Denn es erschreckt mich, wie Du, den ich für intelligent und sachkompetent halte sowie in seiner Blogführung recht souverän, meint, er müsse jetzt, nur damit er Recht behält in einem Zank, den er selbst vom Zaun gebrochen hat, hartnäckig an dem Strohmann herumfackeln, ich hätte den Film inhaltlich besprochen oder versucht, das zu tun. Habe ich nicht. Ich habe das kommentiert, was ich sehen kann.

Allein das „mit inhaltlichen Fragen befassen“ ist hochgradig lächerlich. Dass da gewaltiger Zug durch eine postapokalyptische Eiswüste fährt und in Bewegung bleiben muss, damit die Menschen nicht den Kältetod sterben: Das steht da doch, oder? Und ich kann doch wohl sagen, dass ich das albern finde. Ich kann sogar sagen, warum. Und das alles ohne irgendetwas Inhaltliches zu besprechen. Dass das im Film so passiert, ist ja nun einmal die Information aus Plakat und Rezension.

Das muss man Dir (!) erklären? Doch nicht wirklich, oder? Also: Was hast Du für ein Problem mit mir?

Dass der Zug “sicher irre viel Energie verbraucht und eine grotesk starke Maschine benötigt” ist doch kappes.

Egal, wie diese Zukunftstechnologie auch aussieht, eines ist klar: Die Maschine muss gewaltig leistungsfähig sein und sie benötigt Energie. Da kommt keine Zukunftstechnologie drum herum. Der Warp-Kern ist auch eine extrem leistungsfähige Maschine, die benötigte Energie-Menge gewaltig.

Darum geht es auch gar nicht, das ist nicht der Kern des Films, nicht das, was ihn interessant macht.

Das ist etwas, was den Film uninteressant macht. Nicht nur die Maschine und die benötigte Energie sondern eben auch das erforderliche Schienennetz. Wäre das ein Raumschiff, oder meinetwegen eine künstliche Insel, die letzte Siedlung der Menschheit, ein Mondkolonie oder irgend etwas in der Art, wäre ich eher bereit, das abzukaufen, (nochmal:) was Plakat und Rezension ankündigen. Aber das hier ist ein Zug. Was ein Zug ist, weiß man im allgemeinen. Ich jedenfalls. Und das halte ich für eine unsinnige Bühne, die mich nicht interessiert, was ich als Kommentar gesagt habe, basierend auf der Kritik.

Den Film gesehen zu haben, wäre ein Anfang.

Muss ich auch versuchen, jede Frau zu bebeischlafen, damit ich sicher weiß, dass meine die richtige für mich ist? Ich darf also nicht sagen, sogar begründet, man staune, dass mich der Film nicht interessiert und ich ihn deshalb nicht sehen werde, ohne den Film vorher gesehen zu haben? Cooler Trick.

Ich hätte da mal ´ne Frage, Peter: Gibt es Filme, die Du nicht sehen möchtest, weil sie Dich nicht interessieren, Bücher, die Du deshalb nicht lesen, Opern, die Du deshalb nicht hören möchtest? Wie kann das nur sein?!

“Argumente” für das Desinteresse, die sich dann mit der Lächerlichkeit eines FIlmtitels befassen, sind aber – und du magst das Wort ja so gern – bizarr.

Ja, natürlich. Das ist „Desinteresse“. An diesem Werk. Wie kann man nur.

Wie viele Argumente habe ich denn gebracht, die sich mit dem Filmtitel beschäftigen? Zähl doch mal. Ich sehe eine einzige Bemerkung, die zwei Titel verknüpft, die ich lustig finde; da schreibe ich sogar selbstironisch, dass er auf mich „albern belustigend“ wirkt. Ich kann den nicht ernst nehmen. Ich sage nirgends, dass der Film schlecht sei, nicht ernstzunehmend oder zu verdammen oder so. Nirgends gebe ich meinem persönlichen „Desinteresse“, wie Du das so schön nennst, auch nur den Hauch von Allgemeingültigkeit oder Anspruch darauf. Ich habe eine Bemerkung gemacht. Geplaudert. Das darf man, dachte ich. Hat sich da etwas geändert, was ich nicht mitbekommen habe?

Zwei Mal schrieb ich „bizarr“. Ich müsste mal nachgucken, aber denke, das ist das erste Mal überhaupt hier beim Wortvogel, dass ich dieses Wort verwendete. Ist also eher eine frische Liebe.

Mit gutem Willen könnte man das auch als wiederverwendetes Motiv sehen, also als Versuch, einen Text gut lesbar zu gestalten. Aber da bist Du ja eher der Experte.

Du hältst also daran fest, dass ich nicht sagen darf, warum der Film mich nicht anfixt, weil ich den Film nicht gesehen habe, und dass ich nicht kommentieren soll. Haben wir es dann?

Ich finde ja immer noch, dass Du hier ein Schauspiel ablieferst, dass Deinem Niveau nicht entspricht. Meinem schon. Ich bin ja nach TomHorn und Peroy ein Affe. Also darf ich mich bekannt äffisch daran hochziehen. Aber Du? Buchautor, Rezensent … eieieiei … das ist schon sehr bitter …

Dietmar

Edit öffnet gerade nicht. Sieht nicht schön aus der Text, ist aber hoffentlich noch lesbar.

Dietmar

Ach Mist: Schon wieder ein dritter Kommentar in Folge! Das ist wohl Peter Falks prägende Wirkung auf mich. Aber das hatte ich eben vergessen:

Ich steige an dieser Stelle dann mal aus der frucht- und freudlosen Debatte mit Peter aus.

1. weil die Debatte frucht-, freud- und sinnlos ist

2. weil ich verstanden habe, dass er meine Kommentare und vielleicht auch mich doof findet, was mich aber nicht hindern würde, weiter zu kommentieren

3. weil ich bis Juni mit Arbeit derartig vollgepackt bin, dass mir eigentlich keine Freizeit bleibt und ich die Nacht dazu nehmen muss. Wochenarbeitszeit liegt irgendwo zwischen 60 und 70 Stunden. Ist prima, kein Problem, Laune könnte nicht besser sein, aber die spärliche Freizeit möchte ich jetzt nicht damit verbringen, mich sinnlos schulmeistern zu lassen oder zu zanken.

Im Juni klinke ich mich wieder ein, bis dahin darf sich Peter freuen.

Peroy
Peroy

„Ich bin ja nach TomHorn und Peroy ein Affe.“

Ich bin mir jetzt nicht mehr ganz sicher… hab‘ ich dich mal Affe genannt oder meinst du, du bist nach uns der dritte Affe im Bund…? Falls letzteres, dann prangere ich das an…

Und je mehr ich über „Snowpiercer“ nachdenke, desto mehr wirkt der auf mich wie „Waterworld meets The Purge“… krudes, unglaubwürdiged Post-Apokalypse-Szenario trifft auf im Detail versemmelte Prämisse, die man nicht schluckt…

By the way: Filme mit Eiszeiten sind ja per se immer scheisse… gell, Dewi? Is‘ doch so… gelle… stimmt doch, oda net… gnihihi… 😛

Marcus
Marcus

„Schuld ist sowieso Marcus, der kackfrech unterstellt, meine Rezeption von Filmen sei durch Einsamkeit, Müdigkeit, Drogen oder Misslaunigkeit manipulierbar.“

Nice. Erstens steht das da nicht wirklich (wenn überhaupt, habe ich GEMUTMASST, dass deine Fähigkeit zur nachvollziehbaren REZENSION von Filmen durch äußere Einflüsse eingeschränkt wurde),

zweitens hab ich ja wohl kaum was damit zu tun, dass sich Dietmar und XXX in der Wolle haben,

und drittens ist das irgendwie auch schon egal, denn ich stimme Dietmar zu, dass auch ich meine spärliche Freizeit nicht damit verbringen möchte, mich sinnlos schulmeistern zu lassen oder zu zanken.

Unabhängig von dem Thread hier scheine ich generell ein Memo verpasst zu haben, wonach das hier kein Ort für Diskussionen mehr ist, sondern deine persönliche Kanzel zum Verkünden der unumstösslichen Wahrheit.

In ein paar Monaten komm ich mal gucken, ob sich das wieder gelegt hat, aber bis dahin gehab dich wohl.

Wortvogel
Wortvogel

@ Marcus: Keine Ahnung, wann dir dein Sinn für Sarkasmus verloren gegangen ist – hätte ich da echt ein Smiley hinter setzen sollen?

Dietmar

@Peroy: Da bin ich mir nicht mehr ganz sicher, wer von Euch beiden das aufbrachte oder schrieb, ist aber auch kein echtes Problem. Mehr. Man härtet ab.

@Marcus: Ich fürchte, ich trug derzeit ungewollt zu einem vielleicht zu spaßbefreiten Ton bei. Ich fand das Lewitscharoff-Thema aber zu ernst und hier die Bemerkung von XXX, ich solle mich raus halten, ärgerlich. Das habe ich mit schulmeistern gemeint. Ansonsten finde ich alles prima, habe nur wirklich keine Zeit.

Und außerdem: Natürlich bist Du schuld.

Immer.

😉

milan8888
milan8888

Der weiße Freund am Ende sah so aus als würde er sich sehr über die warme Mahlzeit freuen…

Irminsul
Irminsul
Wortvogel
Wortvogel

@ Irminsul: Eine unzulässige Überinterpretation banaler, tausendfach genutzter Szenen- und Figurenklischees, die außer acht lässt, dass „Animal Farm“ tatsächlich ein direkter, bis heute resonierender Kommentar auf das kapitalistische System war – und dass „Snowpiercer“ über Allgemeinplätze hinaus nichts zu sagen hat.

Mencken
Mencken

Wäre mir neu, dass Animal Farm ein Kommentar auf das kapitalistische System war/ist.

Ansonsten aber volle Zustimmung, ganz schlimmer Interpretationsversuch, selbst wenn man von der Orwell Vergewaltigung mal absieht.

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