Zweiter Tag der Fantasy Filmfest Nights – die eigentlich Fantasy Filmfest Weekend heißen müssten. Ich habe am Mittag die Wohnung in Schwabing endgültig geräumt, dafür steht nun mein Haus in Obergiesing wieder frei. Dort wird in den nächsten Monaten renoviert, dass die Schwarte kracht. So bleibt mir immer eine Unterkunft, wenn es mich doch mal in die bayerische Hauptstadt treibt.

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Wolf Creek 2“ ist heute der Opener gewesen. An das Original erinnere ich mich nur sehr rudimentär – ein ziemlich zynisch-brutaler Outback-Slasher, der seine Protagonisten wie im Staffellauf krepieren ließ. Teil 2 ist nicht viel anders, es wird nur mehr Aufwand getrieben, der schwarze Humor ist deutlich präsenter und Aussie-Psychopath Mick Taylor steht jetzt im Zentrum des Geschehens. Deutlich zu lange 105 Minuten sehen wir ihm zu, wie er „ausländisches Pack“ mit sadistischer Freude niedermetzelt.

Ja, das sieht schon gut aus, der Outback bietet prächtige Landschaften, die Verfolgungsjagden erinnern teilweise an Duell und Regisseur McLean versteht es geschickt, uns immer wieder im Glauben zu lassen, die Opfer könnten vielleicht doch noch davon kommen. Deutsche Zuschauer bekommen (wie in „Dead Snow 2“) den Bonus einiger holperiger deutscher Dialoge im englischen Originalton.

Trotzdem fehlt etwas – das Geheimnis. Wir steigen mit Mick Taylor in den Film ein, wir kennen ihn und seine Methoden. Es wird nichts enthüllt, es gibt keinen Twist, der Charakter bleibt so blass wie seine Opfer. Dauernd passiert was, mit hoher Geschwindigkeit rast der Plot voran, der am Ende aber keine Handlung ergibt.

Während „Dead Snow 2“ wenigstens versucht, dem Originalkonzept ein paar neue Seiten abzugewinnen, ist „Wolf Creek 2“ zwar professionell produziert, letztlich aber komplett überraschungsfrei. Ein paar kleinere Ausflüge in den Torture Porn/Saw-Bereich sollen wohl die jüngere Generation an Horrorfans ansprechen, mich langweilt so etwas eher.

„Dead Snow 2“, „Wolf Creek 2“ und der per Trailer angekündigte „The Purge 2“ – DAS sind die neuen Horror-Franchises, davon sollen die Nerds noch in 20 Jahren schwärmen? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.

Es wird stündlich kälter. Vor drei Tagen gab es in Rheinland Pfalz noch den wärmsten Tag im Spät-März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen, gerade steht mir der Atem vor dem Gesicht und ich friere. Ich bereue jetzt schon, heute morgen in der Wohnung die Heizung abgedreht zu haben. Wo und was ich essen soll, ist angesichts des straffen Festival-Programms ebenfalls völlig ungeklärt.

Retornados-723476799-largeKommen wir zur kanadisch-spanischen Produktion „Retornados“, die vom Festival-Veranstalter als sein persönlicher Lieblingsfilm angekündigt wurde mit den Worten, da würden auch die härteren Horrorfans ans Heulen kommen. Fat Chance.

„Retornados“ ist kein Zombiefilm, das gleich vorweg. Es ist ein Seuchenfilm, der die Zombifizierung als Background und ständige Bedrohung führt, aber nie wirklich ausformuliert. In dieser nahen Zukunft haben die Menschen gelernt, mit der Infektion umzugehen – eine Injektion am Tag und alles ist okay. Leider geht das notwendige Protein zur Neige und eine synthetische Alternative ist nicht ins Sicht…

In der Tat: Diverse Zuschauer haben geweint, ich hab’s gesehen. Ich selbst habe gegähnt. Mehrfach und von Herzen. „Retornados“ ist ein derart schnarchlangweiliger, auf TV-Format heruntergekurbelter Pseudo-Thriller, dass ich das Lob des Veranstalters schon für Sarkasmus halten muss. Eine Zombie-Apokalypse reduziert auf die tragische Liebesgeschichte eine farblosen urbanen Yuppie-Pärchens – DAS soll der Knaller des Festivals sein? Da verspreche ich mir von „Snowpiercer“ gleich ERHEBLICH mehr.

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Mir fällt auf, dass das Festival sehr schlecht „getaktet“ ist – zwischen den Filmen ist oft nur 10 Minuten Pause, Fast Food gibt es in der näheren Umgebung nicht, für Plausch mit Kumpels oder ein gepflegte Pizza ist einfach keine Zeit. Das nervt ein wenig und es schlaucht auch. Die Ktitiken zu „Snowpiercer“,  „Enemy“ und „The Green Inferno“ liefere ich deshalb morgen früh nach.



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Marcus
Marcus

Merke: der Vogel ist übermüdet. Sein Geschmack z.B. schläft schon oder noch. 😀

WOLF CREEK 2: die größte Graupe des Festivals. Mit Abstand. Ich hatte schon von Anfang an gesagt, dass so ein dreckiger, effektiver kleiner Terrorfilm wie der erste Teil keine Fortsetzung braucht. Aber dass es so übel werden würde, hatte ich nicht gedacht. Meine Güte, wo fang ich an:
– Mick Tyler wird, wie es Filmi in Köln so perfekt ausgedrückt hat, „freddyfiziert“. Sprüche werden geklopft, die Mordmethoden ins Groteske überzogen.
– Dass ein abstoßender Typ wie Mick, der am liebsten an jungen hübschen Frauen seine perversen sexuellen und sadistischen Gelüste auslebt, so gar nicht zum cool-witzigen Antihelden taugt, wird dabei geflissentlich übergangen. (Merke: der echte Freddy Krueger war seinerzeit ein Kindermörder in name only, der es auf Teenager abgesehen hatte, die von Endzwanzigern gespielt wurden.)
– Der dümmliche, pseudohippe Versuch, „Groteske“ zu sein. Das Überfahren der Känguruh-Horde zu Popmusik und das Ratespielchen mit Gesangseinlage im Folterkeller war vor lauter Fremdscham geeignet, körperliches Unbehagen auszulösen.
– Sonst: bisschen Folter, bisschen Hetzjagd, nutzlose Auftaktmordszene, damit der stumpfe Gorehound nicht so lange auf das erste Gematsche warten muss, Leerlauf und Langeweile. Nur der drollige Akzent der beiden „Deutschen“ sorgte kurzfristig für ein wenig Schmunzeln.
Fazit: Torsten ist viel zu nett. WOLF CREEK verhält sich zu WOLF CREEK 2 etwa so wie das Original TEXAS CHAINSAW MASSACRE zu TCM 4. 4/10.

THE RETURNED: what he said = ist alles falsch. Großartiger, intelligenter und hochdramatischer Neuansatz fürs Zombiegenre. Keine Tempogranate, aber super gemacht, super gespielt und absolut packend und, ja, auch emotional berührend. 9/10.

D. Bentley
D. Bentley

Snowpiercer ist toll.

Peroy
Peroy

Der erste „Wolf Creek“ war Dreck, davon brauche ich keine Fortsetzung…

Patrick
Patrick

Hallo Torsten,

danke für die bisherigen und noch kommenden Reviews. Ich muss nun mal doof fragen: Wieso kommen denn die Filme der FFF erst so unfassbar spät teilweise auf DVD raus? Sind das alles Pre-Releases?

Grüße

Goran
Goran

Oft werden Filme auf dem FFF gezeigt, die noch gar keinen Verleih haben, oder eben gerede erst fertig geworden sind, und sich am Ende der DVD-Verwertungskette befinden, in mehr als einem Sinne.

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[…] schildert seine Eindrücke der gesehenen Filme wie immer in nachvollziehbaren Kritiken (Teil 1 und Teil 2). Im Forum des FFF-Archivs wird übrigens vom Fantalk mit den Machern des Festivals berichtet und […]

Wortvogel
Wortvogel

@ Marcus: Wir können gerne auch über „Retornados“ diskutieren. Fangen wir damit an, dass das Dilemma der Heldin ist, dass man ihrem geliebten Mann das Serum geraubt hat – nachdem wir sie den ganzen Film lang illegal Serum haben kaufen sehen, das demnach ANDEREN Kranken geraubt wurde. Aber das ist ja wurscht, weil sei ihren Mann liebt und uns die anonymen Opfer, die wegen ihres Verhaltes verrecken, ja egal sein dürfen.

Und dieses ganze „Das Serum geht zur Neige“-Prinzip: Wie soll das funktionieren? Angesichts der Entstehung des Proteins ist die Menge berechenbar. Niemand käme auf die Idee, bei dem Risiko eines Zombie-Outbreaks ernsthaft das Funding zu kürzen.

Da passen auch die Details nicht: Bei ihrem Vortrag steht an der Wand, dass die Infektion durch Blut und NICHT bei sexuellem Kontakt übertragen wird. Blöderweise muss man kein Virologe sein, um zu wissen, dass sexueller Kontakt eigentlich IMMER auch Blutaustausch zur Folge hat.

Was mir total fehlt: Die Gesellschaft würde SO nicht reagieren. Man würde sich von den Returned abschotten, würde sie wie Juden markieren, als (im wahrsten Sinne) Gefahr für den Volkskörper brandmarken. Sie wären Ausgestoßene – und die Story von „Returned“ wäre die Story der heimlich Infizierten. Die ganze AIDS-Metapher scheint mit ungeeignet, mit dem Vergleich Returned/Juden wäre man eventuell besser gefahren.

Sie ist eine Ärztin jenseits aller Moral, er ein weichgespülter Musiklehrer – sorry, dass ich für diese „große Liebe“ keine Tränen aufbringen konnte.

DMJ

Den ersten „Wolf Creek“ konnte ich nicht ausstehen. – Er konnte sich einfach nicht entscheiden, ob er seinen Killer cool oder abstoßend findet und entsprechend wirkte er auf die falsche Art zynisch.
Wie ich sehe, beklagt Marcus das auch, insofern fühle er sich zustimmend angenickt. 😉

„“Dead Snow 2″, “Wolf Creek 2″ und der per Trailer angekündigte “The Purge 2″ – DAS sind die neuen Horror-Franchises, davon sollen die Nerds noch in 20 Jahren schwärmen? Kann ich mir eigentlich nicht vorstellen.“ – Da bin ich auch mal gespannt. Vielleicht werde ich allmählich nur alt, aber ich glaube auch nicht, dass die den mythologischen Status der alten Marken erreichen. „Saw“ dürfte es schaffen, aber das ist eh ein Sonderfall.

Marcus
Marcus

@Torsten: gerne doch.

„Fangen wir damit an, dass das Dilemma der Heldin ist, dass man ihrem geliebten Mann das Serum geraubt hat – nachdem wir sie den ganzen Film lang illegal Serum haben kaufen sehen, das demnach ANDEREN Kranken geraubt wurde. Aber das ist ja wurscht, weil sei ihren Mann liebt und uns die anonymen Opfer, die wegen ihres Verhaltes verrecken, ja egal sein dürfen.“

Nein, das Dilemma ist, dass ihr das Serum ausgeht. Wie weit Menschen bereit sind zu gehen, um sich oder einen geliebten Menschen zu retten, ist ein Thema des Films. Dass ihr Serumvorrat später vom Bruder ihres Mannes geraubt wird, ist da nur folgerichtig. Und vor allem: ja, sie tut alles, um anderen Returned zu helfen – aber ihr Mann ist ihr wichtiger als Fremde. Das finde ich absolut glaubhaft und eine Charakterzeichnung jenseits purer Schwarzweißmalerei: sie ist ein guter Mensch, aber eben keine selbstlose Heilige. Und sie kommt nie so rüber, als würde sie sich selbst für moralisch überlegen halten.

„Und dieses ganze “Das Serum geht zur Neige”-Prinzip: Wie soll das funktionieren? Angesichts der Entstehung des Proteins ist die Menge berechenbar. Niemand käme auf die Idee, bei dem Risiko eines Zombie-Outbreaks ernsthaft das Funding zu kürzen.“

Das ist ein Teil des anderen Themas des Films: die Healthcaredebatte (die ja in unterschiedlicher Ausprägung nicht nur in den USA geführt wird) und die ihr innewohnende Frage der Kosten-Nutzen-Rechnung bei menschlichem Leben. Es wäre einfach billiger, die Returned zu ghettoisieren und so zu kontrollieren, bis man sie (vielleicht) heilen kann – und diese Denke wird hier kritisiert, wenn der Film zeigt, dass man sich sogar bei der Erforschung eines Serums, von dem das Überleben der Menschheit abhängen könnte, noch von der Spendenbereitschaft der Privatwirtschaft abhängig macht.

Das mit der Nichtübertragbarkeit durch sexuellen Kontakt ist unplausibel (und wird ohne Not eingeführt, da nicht weiter dramatisiert). Mir egal, eine nebensächliche Kleinigkeit, die mir den Film nicht verdirbt.

„Sie wären Ausgestoßene – und die Story von “Returned” wäre die Story der heimlich Infizierten.“

Das passiert doch: wieso glaubst du gibt sie sich solche Mühe, die Lage ihres Mannes geheimzuhalten?

„Sie ist eine Ärztin jenseits aller Moral, er ein weichgespülter Musiklehrer – sorry, dass ich für diese “große Liebe” keine Tränen aufbringen konnte.“

Das ist mir zu zynisch, da kann ich dir nicht folgen. Man muss kein Heiliger sein, um Liebe empfinden zu können. Und sehr hartherzig, um nicht ihre Verzweiflung nachfühlen zu können, dass er noch leben könnte – vor allem, wenn man bedenkt, was sie alles Schlimmes getan hat, um ihn zu retten, nur um danach zu merken, dass es umsonst war.

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[…] of a Zombie“, “The Revenant“, “Fido“, “Deadheads“, “Retornados” – was mal als neue Facette des Zombiefilms galt, schmeckt schal, ob als Komödie oder […]

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[…] Snow 2 ♦ Enemy ♦ In Fear ♦ Retornados ♣ Rigor Mortis ♦ Sacrament ♦ Snow Piercer ♦ The Green Inferno ♥ Witching & […]

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[…] taugt, hat Gunn die Regie an den Australier Greg McLean übergeben, der mittlerweile DREI „Wolf Creek“-Filme UND eine zugehörige TV-Serie gedreht hat. Der Cast setzt sich aus soliden TV-Veteranen und […]