14
Aug 2013

Fantasy Filmfest 2013 (1): The Lords of Salem

Themen: Fantasy Filmf. 13, Film, TV & Presse, Movie-Mania 2013 |

FFF13
Da ihr während des FFF schon genug Reviews pro Tag zu lesen bekommt, wärme ich jetzt einfach mal mit ein paar Kritiken vor, die ich bereits fertig stellen konnte. Momentan reiner Text – ein besonderer Gimmick ist mir bisher nicht eingefallen.
JETZT GEHT’S LOS! JETZT GEHT’S LOS! JETZT GEHT’S LOS!
lords-of-salem_poster-2USA/GB/KANADA 2012 / 101 MIN / ENGLISCHE OV
Von: Rob Zombie. Mit: Sheri Moon Zombie, Bruce Davison, Judy Geeson, Patricia Quinn, Dee Wallace, Jeff Daniel Phillips, Sid Haig, Michael Berryman, Meg Foster u.a.
Darum geht’s: Ex-Junkie Heidi LaRoc hat eine schwere Zeit hinter sich. Halt findet sie in ihrer nächtlichen Radioshow mit Whitey und Herman. Eines Nachts bekommt Heidi eine Platte in den Sender geschickt, die sie nichts Böses ahnend in ihrer nächsten Sendung auflegt. Doch der Song erweckt einen vor Jahrhunderten vernichteten Hexenkult. Von nun an wird Heidi von Schreckensvisionen geplagt, die sie zusehends in den Wahnsinn treiben.
Gesammelte Gedanken: Manchmal habe ich das Gefühl die neue Generation von Horror-Machern ist explizit darauf aus, das Element "Plot" gänzlich aus ihren Filmen zu verbannen. Ti West, Eli Roth, Rob Zombie – die wissen zweifellos, wie man "buh!" macht, die Popos ihrer Protagonistinnen in Szene setzt und Zelluloid in Fiebertrauma verwandelt, aber unter "Handlung" steht auf dem Kinozeugnis gerne mal "5-". Fallen Stories neuerdings unter "braucht das noch wer oder kann das weg"?
"The Lords of Salem" ist wirklich ein GANZ krasses Beispiel dieses Trends. Stilistisch orientiert sich der Altrocker zwar an "Wicker Man", "Rosemary’s Baby" und "Sentinel" (plus diverse Argento- und Bava-Klassiker), aber wie bei Argento selbst scheint das, was passiert, völlig nebensächlich, so lange es sich in schöne Bilder rahmen lässt. Minutenlang bleibt die Kamera stehen, wir sehen verschlossene Türen, dunkle Studios, die Dreadlocks von Frau Zombie. Dann wieder Visionen, leuchtend und farbintensiv, mit irritierendem Brummen auf dem Soundtrack. Unbehagen, Desorientierung. Aber es BAUT nichts, es summiert sich zu nichts. Keine Geschichte wird erzählt, nur ein sehr banaler Vorgang – und damit begnügt sich der Film dann auch. Der narrative Fluss findet keine Biegung, keine Stromschnellen, keinen felsigen Widerstand, sondern schwappt zäh und ungebrochen auf den Nachspann zu, der wie eine Erleichterung wirkt. Der Subplot mit Bruce Davison als Okkult-Experten wirkt wie Zeitschindung und eine böse Parodie derselben – denn der Erklärbär und Katalysator der Handlung wird folgenlos gemeuchelt und hat somit keinerlei Bedeutung.
Frustrierend finde ich dabei weniger die Defizite des Films als die Tatsache, dass Zombie alle Möglichkeiten hat, sie nur nicht einsetzt: das, was als Handlung am Anfang angedeutet wird, hätte nämlich durchaus Potenzial. Der Song von der seltsamen Platte erweckt die sieben Hexen, die daraufhin beginnen, Heidi zu stalken. Diese versucht mit Hilfe von Matthias, ihre eigenen Wurzeln zu erforschen, während ihr Freund überzeugt ist, dass ihre Visionen mit einem Rückfall in die Drogen zu tun haben (was stimmen könnte). Heidi ahnt allerdings nicht, dass sich der Feind schon im eigenen Haus befindet. Man sieht: die Struktur ist gesetzt und wartet nur auf Umsetzung. Aber das schert Zombie nicht. Er verläuft sich lieber mit zunehmender Laufzeit in provokanten Bildern und düsteren Visionen, als wolle er lieber Hieronymus Bosch als Roman Polanski nacheifern.
ampel-gelbFazit: Ein substanzloser und mäandernder Rückgriff auf den Okkult-Grusel der 70er, den man auch zu einem dreiminütigen Black Metal-Video zusammen schneiden könnte, ohne irgend etwas zu verlieren.
Ein Film… so produktiv und zielgerichtet wie zugekifft alte Black Sabbath-Alben hören.

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comicfreak
14. August, 2013 17:08

..nope, schon der Trailer weckt kein Interesse..

Peroy
Peroy
14. August, 2013 17:44

" Fazit: Ein substanzloser und mäandernder Rückgriff auf den Okkult-Grusel der 70er, den man auch zu einem dreiminütigen Black Metal-Video zusammen schneiden könnte, ohne irgend etwas zu verlieren."
… … … … … … du hast keine Ahnung, was Black Metal ist, oder ? Voll untrve… 8)

Mr. Fox
Mr. Fox
14. August, 2013 17:58

Ja, die Dramaturgie läuft völlig ins Leere in der 2. Hälfte des Films, dass fand ich auch irritierend. Das scheint mir allerdings mehr gezielte Absicht als Unvermögen zu sein. Die artifiziellen Visionen sind weitgehend aber sehr gelungen inszeniert und fotografiert. Und es gibt einige sehr effiziente echte Horrormomente, die wirklich unheimlich sind und ganz ohne übermäßiges Rumgesplatter auskommen. Mir hat’s insgesamt gut gefallen.

Marcus
Marcus
14. August, 2013 18:09

"Ein Film… so produktiv und zielgerichtet wie zugekifft alte Black Sabbath-Alben hören."
Also super. 😀
Ernsthaft: you had me at "Argento". Wenn Dario schon keine Argento-Filme mehr machen kann, dann lass Rob doch – ich gebe dem Film auf jeden Fall eine Chance.
Und das ewige Ti West-Bashing hier in diesen heiligen Hallen MUSS aufhören!!!

Marcus
Marcus
14. August, 2013 18:11

Verbesserungsvorschlag: bring die Ampelwertung, für Leute, die wissen wollen, ob sich der Film lohnt, aber aus Spoilervermeidungsgründen den Text noch nicht lesen wollen.

Wortvogel
Wortvogel
14. August, 2013 18:18

@ Marcus: Gute Idee, das mit der Ampel – ist drin! Schade, dass ich es nicht so einrichten kann, dass die auch gleich beim Facebook-Snippet zu sehen ist.
Ich bezweifle nicht, dass es Leute gibt, denen ein Film wie "Lords of Salem" gefällt – vielleicht gehörst du dazu. Die Kritik repräsentiert, wie immer, nur meine Meinung. Und ich bin ein alter, müder, mürrischer Sack.

DMJ
14. August, 2013 18:20

Zum Thema "Rob Zombie als Autor" hat (man höre und staune) Peroy einmal das letzte Wort gesagt:
'In seinem "Halloween 2" hängt bei dem überlebenden Mädchen aus Teil 1 ein Charles Manson-Poster im Zimmer…
Ich wiederhole: Rob Zombie hat der Überlebenden eines Massenmords ein Poster von einem Massenmörder ins Zimmer gehängt.
Case closed.'
In der Tat! O_°

Al-Gore
Al-Gore
14. August, 2013 18:28

was genau macht Rob Zombie eigentlich zum ALTrocker? Die seine musik oder sein alter wohl kaum…

Lukas
14. August, 2013 19:16

@Ti-West-Bashing: Der Typ kann eben noch nicht einmal "Buh!" machen. Der kann gar nichts, und seine Apologeten sollte man ans Kreuz nageln und dieses Kreuz in eine riesige Armbrust spannen und dieses Geschoss aus Kreuz und Vollidiot aufs Meer hinaus schießen.

heino
heino
14. August, 2013 19:34

Zombie war als Regisseur schon mit "House of a 1000 corpses" bei mir unten durch. Der soll lieber wieder Musik machen, das kann er besser

Thies
Thies
14. August, 2013 19:50

Ich hatte in einem anderem Forum anlässlich des Trailers von "Lords of Salem" geschrieben : "Bevor ich mir einen neuen Film von Rob Zombie anschaue verlange ich eine persönliche Entschuldigung für Halloween 2". Als dann der Plan für Hamburg gleich zwei Vorstellung für diesen Film ankündigte hatte ich kurz mit mir gerungen ihm trotzdem eine Chance zu geben. Aber diese Kritik lässt mich dann wahrscheinlich doch auf "Aftershocks" ausweichen – der sieht zumindest nach einer etwas handfesteren Alternative aus.

Marcus
Marcus
14. August, 2013 20:07

@Lukas: Mimimimimi. :p

Peroy
Peroy
14. August, 2013 21:10

Ti West ist eine saudumme Tröte, die mal einen halben ansehbaren Film ("Triggerman", ab Minute 35…) und ansonsten nur hirnabtötende Langeweile hingekriegt hat.

Wortvogel
Wortvogel
14. August, 2013 21:12

@ peroy: Beunruhigt dich, dass ich das genau so sehe?

Peroy
Peroy
14. August, 2013 21:46

Mich beunruhigt, dass du Black Sabbath für Black Metal zu halten scheinst…

Wortvogel
Wortvogel
14. August, 2013 22:12

Mich beunruhigt dein mangelndes Textverständnis.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos
15. August, 2013 11:13

Mh, die Ampelwertungen scheinen immer -1 gegenüber des Textes zu sein. Ergo "Lords of Salem" rot und "Afterschock" gelb 😉

Mencken
Mencken
26. August, 2013 12:17

Hätte meines Erachtens die rote Ampel verdient. Geschichte ist schwach bis nicht vorhanden und die visuelle Gestaltung zwar ganz nett, aber auch nur von Polanski, Argento usw. geklaut (und dementsprechend oftmals auch arg ausgelutscht), ohne dass man den Eindruck hat, Zombie würde wissen, warum welches Stilmittel wann in den Filmen, denen er offensichtlich Hommage zollen will, angewandt wurde.

Marcus
Marcus
13. September, 2013 10:02

Torsten bringt nicht ansatzweise rüber, wie unfassbar ALBERN dieser filmgewordene Hirnfurz gegen Ende wird. Watt ham wer jelacht… 4/10

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