FFF13 aftershock-poster1USA/CHILE 2012 / 86 MIN / ENGLISCH/SPANISCHE OMEU

Von: Nicolás López. Mit: Eli Roth, Andrea Osvárt, Ariel Levy, Natasha Yarovenko, Nicolás, Martinéz, Lorenza Izzo u.a.

Darum geht’s: Ein paar Touristen – drei Männer und drei Frauen – haben sich zu einer losen Party-Clique zusammengefunden und durchstreifen Chile auf der Suche nach der ganz wilden Erfahrung. Für Eli Roth heißt das eigentlich nur, er würde nach seiner gescheiterten Ehe gern mal wieder ein nettes Mädchen flachlegen. Was ihm bei aller Anstrengung nicht gelingt. Chile hält andere Überraschungen für ihn bereit. Aber zunächst sind die Sechs in angesagten Clubs unterwegs, schwingen die Hüften und saufen sich die Leber weg. Dass einer von ihnen Einheimischer ist und noch dazu Söhnchen aus reichem Hause, öffnet Tür und Tor. Doch dann kommt es böse. Ein Erdbeben sprengt die Bombenstimmung! Die Disco wird in Sekundenschnelle zur Ruine, Panik überall. Auch auf den Straßen ist sofort der Ausnahmezustand ausgebrochen. Sirenen heulen unheilvoll, Leichen säumen den Boden. Wer kann, rettet sich an einen sicheren Ort. Aber wo ist es jetzt überhaupt noch sicher? Denn zu allem Unglück hat die Naturkatastrophe eine Horde Schwerverbrecher aus dem hiesigen Gefängnis befreit. Und was die gern mit gut betuchten, hübschen Touristen anstellen, können wir uns lebhaft vorstellen…

Gesammelte Gedanken: Eli Roth versucht scheinbar, aus dem „Torture Porn“-Ghetto auszubrechen. Statt Touristen in fremden Ländern brutalen Gestalten blutig zum Fraß vorzuwerfen, präsentiert er uns hier einen Erdbeben-Thriller – in dem Touristen in fremden Ländern brutalen Gestalten blutig zum Fraß vorgeworfen werden. Ich freue mich auf seinen nächsten Film, wenn er sich an Science Fiction versucht. Dabei geht es vermutlich um die Besatzung eines Raumschiffs,  die auf einem fernen Planeten brutalen Gestalten blutig zum Fraß vorgeworfen wird.

Ich. Hab’s. So. Satt. Die Exzesse. Die Gewalt. Die Selbstbesoffenheit. Die Beherrschung der technischen Mittel bei gleichzeitiger Verweigerung klassischen Storytellings. „Aftershock“ präsentiert eine kleine Gruppe hedonistischer Arschlöcher, die wir schon nach kurzer Zeit sterben sehen WOLLEN. Schockiert sind wir über ihren Tod nur ob der willkürlichen und entmenschlichenden Weisen, in denen er über sie kommt. Das reicht von Vergewaltigung und Folter bis zum comichaften „plumps, da fällt ein Stein auf sie drauf“ oder „zack, da wird er vom Bus erwischt“. Eine hektische Betriebsamkeit ersetzt inhaltliches Vorankommen, Drama wird durch Lautstärke signalisiert.

Ich bestreite nicht, dass das über weite Strecken funktioniert. Nach der etwas zu gestreckten halben Stunde, bis es endlich rumpelt, entwickelt „Aftershock“ ordentlich Drive. Die Intensität ist beachtlich, die Verzweiflung der Figuren spürbar, der Druck fast unerträglich. Auch wenn der Film augenscheinlich kein riesiges Budget hatte, gelingt ihm mit präzisem Blick und gut gesetzten „Events“ das Bild einer zerfallenden Stadt, die in Chaos und Anarchie versinkt. In starke Grün- und Blautöne getaucht, werden wir förmlich mitgerissen.

Aber es ist Bewegung ohne Substanz, ein Rennen ohne Ziellinie, seelenloses Voranschieben der Überlebenden, bis sie endlich alle tot sind. Es gibt nur den nackten, wie immer aussichtslosen Kampf ums Überleben. Die Macher haben weder Respekt vor, noch Mitleid mit ihren Figuren, weshalb sie auch mit sadistischer Freude gequält und getötet werden. Im neuen Horrorfilm gibt es keine Helden mehr. Und das ist nicht Kino, wie ich es verstehe.

„Aftershock“ will keine Handlung mehr bebildern, sondern löst die Bilder für Effekt und Emotion aus der Narrative. Wie andere Filme des „neuen Horrorkinos“ ist er nicht von unten nach oben gebaut (von der Handlung zur Umsetzung), sondern von oben nach unten (von der Wirkung in den Erzählstrang). Der Erfolg einer Szene definiert sich nicht daran, ob sie die Handlung voran bringt, sondern daran, ob sie das Maximum an Emotion und Effekt erzeugt. Seine Macher haben nicht von den Klassikern gelernt, sondern vom deliriösen J-Horror und vom Pornofilm. Auch wenn diese Form des Kinos nicht meine ist, funktioniert es im Gegensatz zu „The Lords of Salem“ wenigstens.

ampel-gruenFazit: Intensiver, schneller und farbsatter Thriller, der auf Kosten von Handlung und Figuren über die Ziellinie hetzt.

Ein Film… wie ein zugekokstes Wochenende in Las Vegas, von dem man mit drei gebrochnen Rippen in einer Zelle aufwacht.



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flippah

Die grüne Ampel passt irgendwie nicht zum Text, finde ich. Der liest sich ja eher negativ.

heino
heino

Genau diesen Eindruck hatte ich nach Ansehen des Trailers auch und den Film deshalb direkt gestrichen. Da hatte ich wohl den richtigen Riecher

comicfreak

*urgs*

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Es liest sich so, als hätte Roth das Drehbuch geschrieben und Regie geführt?! Letzteres hat doch aber Nicolás López übernommen, oder?

Pogopuschel

Mit Eli Roth kann man mich jagen. Trotzdem stand der Film bei mir noch auf der Kippe, da ich Katastrophenfilme eigentlich mag. Aber jetzt werde ich mich wohl eher für „Vanishin Waves“ entscheiden.

Dietmar
Dietmar

Bah, ne, nix für mich.

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

„Eli Roth versucht scheinbar, aus dem “Torture Porn”-Ghetto auszubrechen.“

Sehe Roth eher als Regisseur denn als Schauspieler, vielleicht interpretiere ich da einfach zu viel rein 😉

Rudi Ratlos
Rudi Ratlos

Alles klar 🙂 @Trailer: Fuck yeah, Dubstep…

Marcus
Marcus

Im ersten Drittel spult der quasi das erste Drittel von „Hostel“ nochmal ab – Arschgeigen im Partymodus, zu grässlicher Musik. Im zweiten gibt es durchaus gelungenes Katastrophenfilm-Feeling mit ordentlich Drive, aber auch etwas unpassendem Humor. Im letzten Drittel gibt es dann das alte Klischee „Leute werden in fremdem Land von Killern gejagt“. Dazu dann die obligatorische Porno-Gewalt und das ebenso obligatorische Downer-Ende.

Kompetent gemacht, aber unoriginell. Letztlich belanglos. 6/10.

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