… ich verlange kein Honorar dafür, dass ich die Paket-Verteilerstelle für das gesamte Haus bin, weil ich das Pech habe, meistens von zu Hause zu arbeiten. Obwohl unsere Nachbarn mit der Welt anscheinend nur über Amazon, Zalando, brand4friends und Dawanda in Verbindung treten. Mittlerweile kennen mich alle Paketboten, sie sind freundlich zu mir – einer meinte neulich, es wäre ihm total peinlich, wenn er ein Paket an mich nicht zustellen könnte, weil ich selber doch immer für andere da sei. Und der Typ vom vierten Stock hat uns Weihnachten eine Flasche Wein geschenkt, weil wir sein Zeug entgegen nehmen, wenn er beruflich unterwegs ist.

Das ist alles in Ordnung. Mache ich gerne. Keine Ursache.

Ich sehe sogar ein, dass es in der Natur der Sache liegt, dass es Tage gibt, ab denen NIEMAND da ist, um ein Paket entgegen zu nehmen. Tage, an denen ich 2 Kilometer zum Postamt fahren muss, obwohl ein anderes Postamt gerade mal 400 Meter von unserer Wohnung entfernt liegt.

Kommen wir nun zu der Sache, die ich NICHT in Ordnung finde.

Die LvA ist derzeit unter der Woche beruflich immer in der Republik unterwegs. Die bestellt ja selber gerne Sachen über das Internet. Letzten Montag hatte ich dann so einen Zettel im Kasten: DHL, Abholung, sieben Werktage, etc., pp. Wie nett: der Paketbote hat „sorry“ drauf geschrieben und ein trauriges Smiley (ein Saddy?). Passt schon, ich habe meinen Ausweis, ich habe den Reisepass der LvA, ich habe den Abholschein. Hole ich das Paket eben mal schnell beim Postamt ab.

Leider nein.

Die Dame hinter dem Tresen erklärt mir, dass ich eine ausgefüllte und unterschriebene Vollmacht brauche, um das Paket abzuholen. Ich sage ihr, dass das schwer möglich ist, weil die LvA derzeit anderswo arbeitet. Aber ich bin laut Personalausweis unter der selben Adresse gemeldet, ich habe den Abholschein aus dem Briefkasten, ich habe den Reisepass der Freundin – kann ja nicht so schwer sein, oder?

Computer says no.

Die Dame sagt, es brauche die Unterschrift der LvA. Die werde von DHL „abgeglichen“ (ich wüsste nicht, dass meine LvA jemals eine Unterschrift beim Paketdienst hinterlassen hätte, es ist ja keine Bank). Ich frage die Dame, wo ich die Unterschrift her nehmen soll. Sie lächelt: das ginge auch per Fax oder als Kopie. Es muss also nicht mal ein authentisches Dokument sein. Vermutlich ginge auch Comic Sans.

Ist es sinnvoll, eine Diskussion darüber anzufangen, dass ich daheim selber unterschreibe, wenn ich für die LvA ein Paket entgegen nehme? Dort bekommt der Paketbote auch keine Unterschrift von ihr, die er „abgleichen“ kann. Warum reicht meine Signatur daheim, aber nicht auf dem Postamt? Es ist diese Willkür, die mich ankotzt.

Eine Sekunde lang ziehe ich in Erwägung, aus purer Provokation vor den Augen der Post-Angestellten  die Vollmacht samt Unterschrift zu fälschen. Dann erinnere ich mich daran, dass ich 44 bin und die LvA es nicht gerne mag, wenn ich Tumult verursache.

Ich fahre nach Hause, schreibe auf dem Computer eine Vollmacht, scanne die Unterschrift der LvA von einem Brief, der hier rum liegt, und setze den Scan darunter. Rechtlich gesehen eine Fälschung. Ich pfeife drauf und fahre wieder zum Postamt. Eine andere Dame nimmt den Abholschein, meinen Ausweis, den Reisepass der LvA und die frisch ausgedruckte Vollmacht mit der gescannten Unterschrift entgegen. Auf die Vollmacht wirft sie nur einen kurzen Blick und gibt sie mir dann wieder zurück.

„Abgleichen“ my ass!

Ich ärgere mich über die Post und ihre sinnlosen Regeln, die sie selbst nicht einhält.

Ich bekomme das Paket. Dabei stelle ich fest, dass es sich um einen Kaffee-Vollautomaten von Jura handelt. Der Karton hat eine Kantenlänge von jeweils 60 Zentimetern und wiegt mehrere Kilo.

Jetzt ärgere ich mich, dass ich mit dem Motorroller zur Post gefahren bin.



Hinterlasse einen Kommentar

Benachrichtige mich zu:
avatar
Sortiert nach:   neuste | älteste | beste Bewertung
wpDiscuz