Ich suche mir das nicht aus. Echt nicht. Ich bin ein freundlicher Typ, mit dem man sich stundenlang auch über kontroverse Themen unterhalten kann, ohne dass ein böses Wort fällt. Ich bin ein Netter. Ein Hilfsbereiter. Ein Gutmensch.

Aber ich habe da diese Marotte: ich muss mich einmischen. Wenn jemand unfair ist, wenn jemand ungerecht behandelt wird, wenn betretenes Schweigen herrscht, weil irgendein Idiot kradolft. Ich nenne es Zivilcourage, meine LvA nennt es kindisch und lebensmüde. Potato, potato.

Gestern war es mal wieder soweit. Ich wollte vor dem Pressescreening von „Der Wolkenatlas“ (zu dem ich nach Ablauf der Sperrfrist Mitte Oktober EINIGES zu sagen haben werde) noch schnell einen McDeal bei McDonalds verspeisen. Zu meiner Freude wird man in der Tat schneller bedient, wenn man sein Essen an einem dieser neuen Touchscreen-Terminals vorbestellt. McChicken mit Coke Zero und Barbecue-Sauce also.

Für die Gourmets unter den Lesern: ich schabe Salat und Remoulade immer vom Brötchen runter und schmiere dafür Barbecue-Sauce drauf. Leckererer.

Schon auf dem Weg zu meinem ausgewählten Sitzplatz bemerke ich eine unglückliche Konstellation in der an Randexistenzen nicht armen Filiale: ein Typ Anfang 40 rennt planlos mit seinem Tablett umher und stößt dabei wahllos Leute an, ohne auch nur Anstalten zu machen, sich irgendwo zu setzen oder seine kümmerliche Portion Pommes zu verspeisen. Und dann sind da drei Bengel, 12 Jahre ungefähr, gut gekleidet und mit der arroganten Rotzlöffel-Attitüde der Prä-Pubertät, die ständig Eier beweisen will, wo noch keine baumeln.

Der Mann und die Bengel geraten aneinander.

Ich habe nicht gesehen, wer wen zuerst angestoßen hat. Es wird laut, es gibt „hey!“ und „pass doch auf!“, man umkreist sich gegenseitig, den jeweiligen Gegner abschätzend. Es braucht nur einen Blick, um zu sehen: Der Typ ist entweder auf Drogen – oder hat seine Medikamente nicht genommen. Unter seiner latenten Aggressivität: mentale Betriebsferien. So einem geht man aus dem Weg, bis er sich gefangen hat oder eingefangen wird.

Für die drei Rotzlöffel ist er ein perfektes Opfer.

Sie fangen an, ihn zu verhöhnen, rufen sich selber „lustige“ Sachen zu wie „Ich glaube, der will dich ficken“. Sie lachen. Es ist der Versuch, cool zu wirken, überlegen, erwachsen. Sie haben kein Interesse, die Sache einfach gut sein zu lassen und der Mann ist nicht in der Lage, dem Konflikt auszuweichen. Die älteren Besucher der Filiale schauen angestrengt weg, die jüngeren heimlich hin.

Es ist eine Kassiererin, der es zuviel wird. Sie ermahnt die Jungs zuerst, sich zu benehmen, zumal sie nicht mal was gekauft haben. Als das „Spiel“ weiter eskaliert, wird sie deutlicher: „Jetzt schert euch mal raus hier“. Sie wird ignoriert, denn was kann die blöde Kuh schon machen? Drei 12jährige sind schließlich unbesiegbar und haben immer Recht.

Vielleicht liegt es daran, dass ich in den liberalen 70ern aufgewachsen bin und als 6jähriger die ganz schlimme und auch daher prägende Serie „Unser Walter“ gesehen habe. Vielleicht ist es auch bloss die Erinnerung, mit wieviel Respekt ich als 12jähriger (1980!) jedem begegnet bin, der auch nur ein oder zwei Geburtstage mehr auf dem Buckel hatte. O tempora, o mores.

Hört auf damit. Es hört nicht auf. Seid endlich still. Sie sind nicht still. Lasst den Mann in Ruhe. Sie tun es nicht.

Ich habe den McChicken schon an der Kauleiste, als ich denke: „Das ist kein Jim Beam„. Ich lege mein Essen wieder hin, wische mir die Hände sauber und stehe auf. Dann gehe ich seufzend zum Krisenherd, packe zwei der Bengel im Nacken an den Jacken, zerre sie mit drei Schritten zum Ausgang der Filiale und schubse sie auf den Bürgersteig: „Schicht im Schacht, ihr Helden“. Dann gehe ich wieder rein. Das dritte dreikäsehohe Großmaul, der augenscheinliche Rädelsführer, hat gemerkt, dass Stunk im Anflug ist. Damit ich ihn nicht von hinten packen kann, dreht er sich mir entgegen. Ich lege ihm die flache Hand auf die Hühnerbrust und drücke so stark dagegen, dass er rückwärts gehen muss, bis auch er aus der Filiale stolpert: „Ab dafür“.

Im Film würden die anderen Besucher nun Beifall klatschen – hier murmelt nur einer „super!“. Ich nicke der (männlichen) Aushilfe, die gerade Tische abwischt, zu: „Sorry dafür“. Er schüttelt den Kopf: „Ne, danke, passt ja“. Ich setze mich wieder und greife zum McChicken. Jetzt sollte Ruhe sein.

Während ich esse und im neuen Pearl-Katalog blättere, bemerke ich, dass die Jungs noch vor der Filiale stehen und mich anglotzen. Der Rädelsführer holt sein teures Handy raus, simuliert ein Telefonat, während er mich aufmüpfig ansieht. Wie süß, das haben wir früher auch immer gemacht – so tun, als könne man blitzschnell einen großen Bruder, den Luden vom Kiez oder gar die Bullen herbei schaffen, um sich für die Schmach rächen zu lassen. Ich lasse mich von der Show nicht stören.

Irgendwann bin ich mit der Mahlzeit fertig, die Pressevorstellung wird auch nicht warten, also mache ich mich auf den Weg. Keine zwei Schritte vor der Filiale stehen die drei Maulhelden provozierend da – es gilt, einer Demütigung tapfer zu begegnen, wie es scheint. „Noch irgendwelche Fragen?“ murmel ich auf dem Weg zu meinem Roller.

Der Rädelsführer rafft all seinen Mut zusammen: „Klar, Kinder schlagen können Sie!“

Ich bleibe stehen, sehe ihn entspannt an: „Wenn ich dich geschlagen hätte, du kleiner Großkotz, wärst du jetzt nicht mehr in der Lage, dich darüber zu beschweren.“

Sein Vize stellt sich dazwischen, ganz heldenhaft: „Sie dürfen uns nicht anfassen.“

Ich tippe ihm mit dem Zeigefinger energisch auf den rechten Oberarm: „Und nun?“

Der Rädelsführer zieht wieder sein Handy: „Ich rufe jetzt die Polizei“.

Eigentlich wäre die alberne Show längst vorbei, ich will ja auch ins Kino, aber nun ist meine Neugier geweckt. Ich lehne mich an einen hohen Hydranten und verschränke die Arme vor der Brust: „Au ja, mach mal.“

Er berät sich flüsternd mit seinem Vize, tut dann so, als würde er jetzt gleich und sofort eine Nummer wählen. Nach spätestens fünf Sekunden fliegt der Bluff auf. „Na?“ hake ich nach.

„Wenn Sie mich schlagen, rufe ich die Polizei“, rudert er nun zurück.

Der dritte Bengel, Typ hoffnungsloser Mitläufer, will sich nun auch mal stark zeigen: „Mit Kindern anlegen ist feige.“

Ich gehe auf ihn zu, stelle mich so vor ihn, dass kaum eine Handbreit zwischen uns passt. Er zittert sichtlich, ich habe locker das doppelte Volumen. Mit gesenkter Stimme knurre ich ihn an: „Und genau das ist dein Problem, Kleiner. Du bist ein Kind. Wenn du aber das Maul aufreisst wie ein Erwachsener, musst du damit rechnen, auch mal eins drauf zu kriegen wie ein Erwachsener.“

Ich glaube, er macht sich gleich in die Hose.

Ich drehe mich zu meinem Roller und steige auf: „Das muss allerdings jemand anders übernehmen, ich habe noch einen Termin.“

Verunsichert bleibt die Mini-Gang am Bordstein stehen, während ich davon knattere. Ich hoffe, die haben was draus gelernt. Ich weiß, sie haben es nicht.

Als ich drei Stunden später wieder aus dem Kino komme, fühle ich mich schlecht. Echt? Jetzt bin ich schon soweit, dass ich 12jährige zusammen scheiße? Das ist objektiv betrachtet ziemlich armselig. Andererseits: sie waren objektiv betrachtet ziemliche Arschlöcher. Potato, potato.

Ich werde eines Tages mit einem Messer in den Rippen enden. Ich weiß es.

P.S.: Bonus-Anekdote: Im Kino setzt sich ein junger Mann zwischen Julian und mich. Wir kommen ins Plaudern und irgendwann will er wissen, für wen ich schreibe. Ich rattere die Titel der Zeitschriften runter und setze ein „und natürlich für mein Blog“ hintendran. Er fragt, welches Blog ich meine. Ich antworte „wortvogel.de“. Er schaut mich eine Sekunde lang an und sagt dann: „Ach, DU bist der legendäre Wortvogel?!“. In diesem Moment kommt Julian vom Getränkestand wieder und ich brülle begeistert: „Julian! Hör mal, was der hier gerade gesagt hat! Los, sag es noch mal!“. Der etwas verdatterte Kollege gehorcht freundlich und ich belle: „Ha! Le-gen-där! Wie Öl! Ich sach’s dir – wie Öl!“

Ich bin hoffnungslos eitel.



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Sie nannte Ihn Kangaroo
Sie nannte Ihn Kangaroo

War das der McDonalds in der Feilitzstr. ?

Dietmar
Dietmar

Schön beobachtet, schön geschrieben. Und eitel 🙂

Christian
Christian

Man wünscht sich natürlich die richtigen, pädagogischen Worte in solch einer Situation, bei der die Bengels anfangen Rotz und Wasser zu flennen ob ihrer Boshaftigkeit, während im Hintergrund leise Geigen zirpen.

Aber wir sind nunmal nicht bei Unsere kleine Farm. Angesichts dessen – danke, dass du eingegriffen hast. War schon gut so.

Und die Eitelkeit… sei dir gegönnt :-).

Wortvogel
Wortvogel

@ Kangaroo: logo.

Sie nannte Ihn Kangaroo
Sie nannte Ihn Kangaroo

@Wortvogel

Welcher auch sonst ^^…glaub jeder Schwabinger hatte genau dort schon die ein oder andere Begegnung genau dieser Art.
Was mich interessieren wuerde, treibt sich der alte schwarze Gitarrenspieler mit dem krausen weissen Haar noch in der Gegend rum ? Der, der auch immer der Eindruck macht als ob er total neben sich stehen wuerde . Weiss gar nicht, wie oft ich ihn vor oder im Feilitzstrassen McDonalds hab sitzen sehen….

reptile
reptile

Irgendwo hörte ich mal, glaube nie einem Autoren. Wenn es wirklich so passiert ist dann – Herr Dewi, lieber Wortvogel. du bist jetzt offiziell mein Held. Und unter uns: Nachts ziehst Du doch mit dem Punisher Shirt um den Block.

Wortvogel
Wortvogel

@ reptile: Ihr habt keinen Grund mir das zu glauben, aber: obwohl ich durchaus bereit bin, um des dramatischen Effekts willen eine Geschichte nachträglich zu perfektionieren, hat sich dieses Ereignis (wie auch kürzlich die Geschichte in der Bäckerei in Baden Baden) EXAKT so zugetragen. Ich könnte das ausschmücken, muss aber nicht.

Mir ist auch wichtig zu betonen, dass es sich hier nicht um HarzIV-Nachwuchskriminelle oder Migrationskinder handelte: das waren geschniegelte, eher der gehobenen Mittelklasse zu zu ordnende Bengel, die von zu Hause nicht genug Manieren mitbekommen haben.

Was den Punisher angeht:
comment image

@ Kangaroo: Ja, der ist immer noch ab und an da. Und es gibt eine sehr wilde „crazy cat lady“ hier. Schwabing ist reich und trotzdem nicht arm an „Originalen“.

flippah
flippah

Hey, ich war auch kurz davor, mir von dir ein Autogramm geben zu lassen, als wir uns in Berlin auf dem FFF gesehen haben.

Walter K. aus H.
Walter K. aus H.

„Unser Walter“. Danke für die Erinnerung an dumme, miese Mitschüler. Abgelöst wurde das dann von „Mein Gott, Walter“. Weniger schlimm, aber nerviger. Herr Krüger sollte mir in seinem Interesse nie begegnen.

Wortvogel
Wortvogel

@ Walter: Jau, da hatte man es als „Walter“ nicht leicht. In unserer Schule war „Du Zabel!“ auch ein geflügeltes Schimpfwort.

Exverlobter
Exverlobter

Als ehemaliger Jugendbetreuer kenn ich die Altersklasse der 12 jährigen nur allzu gut. In 80 % der Fälle die liebsten Engel, aber von den restlichen 20 % kriegst du graue Haare.
Ich kann die Meinung deiner LvA aber gut nachvollziehen. Klar meist passiert nix, aber gerade bei fremden Leuten ist vieles oft recht unkalkulierbar. Da wäre mir die Gefahr der nächste Dominik Brunner zu werden doch zu groß.

Nobby
Nobby

Ich werde eines Tages mit einem Messer in den Rippen enden. Ich weiß es.

Mal „London Boulevard“ gesehen? 😉

DMJ
DMJ

“Und genau das ist dein Problem, Kleiner. Du bist ein Kind. Wenn du aber das Maul aufreisst wie ein Erwachsener, musst du damit rechnen, auch mal eins drauf zu kriegen wie ein Erwachsener.”

Hui, das war fucking Eastwood! 😉

Ich meine, man ist ja natürlich froh, dass die Typen solche Weicheier waren und sofort den Schwanz einzogen, aber irgendwie steigert ihr „Hey, wir sind Kinder, nimm Rücksicht auf uns!“-Geheule ihre Erbärmlichkeit noch mehr.

Marcus
Marcus

Mein Blick streift die „Class of 1984“-DVD im Regal, und ich muss konstatieren, dass die juvenile delinquents auch nicht mehr das sind, was sie mal waren. 🙂

Ich muss allerdings sagen, dass ich mich, auch wenn es mich gewurmt hätte, aus der Sache rausgehalten hätte. Weil:

– man kann ja nie ausschließen, ob solche Nasen nicht doch ein paar große Brüder herzaubern können (auch wenn diese Gefahr eher bei Kids mit Migrationshintergrund besteht), und ich halt physisch nicht imposant genug bin, um irgendwem allein durch Präsenz den Schneid abzukaufen.

– wenn die Typen großkotzig und respektlos genug ist, hat man sie dann leicht selber an der Backe, und was dann, wenn sie sich von Worten nicht beeindrucken lassen? Zuschlagen ist ja, selbst wenn man gewinnen würde, hier keine Alternative. Egal, wie das angefangen hat, es ist wohl klar, wer nach Handgreiflichkeiten zwischen Erwachsenen und Kindern am Ende als der Schuldige dastehen wird.

Wenn ich also in so eine Lage mal komme, dann hoffentlich nur, wenn Onkel Filmi gerade dabei ist. Dann heißt es für mich nur : „sit back and enjoy the show“. 😉

Wortvogel
Wortvogel

@ Marcus: Klar können solche Rotznasen tatsächlich Schläger in der Hinterhand haben – aber das Risiko besteht immer, dafür bekommen sie von mir keinen Freifahrtschein.

Was tun, wenn sie partout nicht klein beigeben? Mein Bruder empfahl mir vor langer Zeit: ins Gesicht spucken. Tut nicht weh, demütigt aber ausreichend.

Meine Konfrontation laufen auch erheblich entspannter, seit ich nicht mehr 64, sondern 104 Kilo wiege. Die Präsenz macht was aus.

Exverlobter
Exverlobter

„Meine Konfrontation laufen auch erheblich entspannter, seit ich nicht mehr 64, sondern 104 Kilo wiege.“

Das hilft doch aber meist nur, wenn es sich bei den 104 Kilo auch tatsächlich um Muskelmasse handelt.

DMJ
DMJ

Der Rat des ins Gesicht Spuckens irritiert mich jetzt etwas. O_O
Ich meine, klar wird dazu erst gegriffen, wenn eine Deeskalation nicht funktioniert, aber das ist eine SO klassische und direkte Herausforderung, dass es danach ja eigentlich drastisch werden MUSS.

Wortvogel
Wortvogel

@ Exverlobter: Nein. Es reicht die Substanz.

@ DMJ: Marcus sprach explizit von einer Situation, in der Worte nicht mehr helfen. Und falls das nicht klar war: ich meinte dabei als Gegner natürlich nur Rotzgören, die auf sonst nichts reagieren. Bei einem erwachsenen Mann ist Spucken sicherlich nicht angeraten. Bei dem kann ich allerdings auch zuschlagen, wenn es Not tut.

Heutzutage müsste man sich eigentlich andere Strategien ausdenken: Hose runter, nackten Arsch (seinen!) fotografieren und dann bei Facebook posten. Könnte aber Kindesmissbrauch sein. Vielleicht lieber Handy wegnehmen und factory reset machen. Das gibt viel Arbeit.

Nicht alles so ernst nehmen, Jungs. Ich will doch nur spielen 🙂

Peroy
Peroy

Wurde hier gerade wirklich angeraten, Kindern ins Gesicht zu spucken… ? Also, da bin ich dafür…

Exverlobter
Exverlobter

„Nein. Es reicht die Substanz.“

Ok.
Otti Fischer war ja auch mal Bulle.

Mieze
Mieze

Hmm .. wie ist die Situation eigentlich rechtlich zu bewerten?

Nicht falsch verstehen, ich finde, Du hast es genau richtig gemacht 😉 .. aber darf man jemanden am Nacken packen und aus einem Laden werfen? Ist das OK im Sinne des Hausrechtes? .. Kann ich mir in D kaum vorstellen .. *kratzamkopp* .. wobei .. die Security-Leute in der Disco sind ja auch nicht gerade zimperlich ..

Wortvogel
Wortvogel

@ Mieze: Keine Ahnung. Sowohl McDonalds als auch den Bratzen steht es frei, mich anzuzeigen.

Wortvogel
Wortvogel

Bevor einer fragt: MV war wohl langweilig.

S-Man
S-Man

Vorweg: Was die grandiosen Automaten bei McD betrifft habe ich hier (http://spiritusman.blogspot.de/2011/07/really-fast-food.html) schon mal dargelegt 😉

BTT: Wahres Leben: *Applaus* (meine bessere Hälfte guckt schon irritiert, dass ich nen Monitor anklatsche). Ich finds super! Weiter so! Besser mitm Messer in den Rippen bei einer Zivilcourage-Aktion als als sabbernder Alzheimer-Krebs-Patient.

@flippah: Hihi, ich habs getan 🙂 Aber mach dir nix draus, erkennen kann mans nicht 😉

Rex Kramer
Rex Kramer

Um’s gleich zu sagen: wäre das einer meiner Jungs gewesen, hättest du jetzt eine Anzeige am Hals. Klar war das Scheiße, was da gelaufen ist, aber auf Verbalattacken handgreiflich zu reagieren – besonders gegenüber Minderjährigen – geht gar nicht. Da ist die Grenze klar überschritten.

Marko
Marko

@ Rex: Ich hoffe doch mal, wenn das einer Deiner Jungs gewesen wäre, hätte der sich eh anders benommen, so dass die Situation so nie eingetreten wäre …?

Rex Kramer
Rex Kramer

Ich hoffe nicht, aber manchmal steckt man nicht drin. Gruppendynamik und so. Manchmal lässt sich so eine Situation auch mit Humor lösen. Was wäre z.B. gewesen, du hättest dich zu ihnen gesetzt, mit ihnen ein Gespräch angefangen und ihnen ne Cola ausgegeben?

Marko
Marko

Ich hab auch einen Sohn (und bin mir ziemlich sicher, dass der nie so wird), aber sollte der gruppendynamisch tatsächlich mal in so etwas hineingezogen werden, hätte der einen derartigen Dämpfer durchaus verdient. Ich erziehe doch keinen Idioten, der als Mitläufer nicht merkt, was ab geht. (In meiner rosaroten Papawelt steht er im Fall der Fälle aber dann zerknirscht vor mir und räumt das mit schiefem Grinsen sogar selber ein. 😉 )

Schläge und vergleichbares wären aber natürlich auch für mich ein Grund zur Anzeige.

Rex Kramer
Rex Kramer

Die Grenze zwischen am Kragen packen, stoßen und schlagen ist fließend. Wo setzt du da an? Vor allem ist es das falsche Signal. Dieses Verhalten wird 1:1 übernommen, wie übrigens die Verbalprovokationen auch. Wo soll es denn auch anders herkommen als von Älteren oder Erwachsenen?

Marko
Marko

Ich glaube, ich würde meinen Sohn einfach fragen. Wenn der sagt, er wurde geschlagen, dann gibt es eine Anzeige. Aber, wie gesagt, ich erhoffe mir einen Sohn, der so etwas auch mit zwölf schon selbstreflektierend genug verstehen (und im Idealfall zu vermeiden wissen) wird.

Ist natürlich alles noch theoretisch, meiner ist gerade mal sieben …

OnkelFilmi
OnkelFilmi

@Marcus: In so Situationen wirst Du zumindestens beim FFF ja nie kommen, weil ich (wie vor 3 Wochen) ja schon auf dem Weg zum Cinedom natürliche Auslese mit dem Kroppzeug spiele…

Howie Munson
Howie Munson

@Rex Kramer: Interessanter ist, was du in dem Fall mit deinen Sohn machen würdest… und geh doch einfach mal spaßeshalber davon aus, das er nicht nur Mitläufer gewesen wäre.

Wortvogel
Wortvogel

@ Rex: Echt jetzt? „Die Grenze zwischen am Kragen packen, stoßen und schlagen ist fließend“? Wenn ich deinen Sohn am Kragen packe, gehst du zur Polizei? Na viel Spass. Solche Väter erzeugen solche Söhne.

Und klar – es wäre das „richtige Signal“ gewesen, die Jungs einfach weiter einen geistig verwirrten Mann trietzen zu lassen. Prima Einstellung.

Dietmar
Dietmar

Eigentlich hätte McDonalds sein Hausrecht durchsetzen müssen. Schon, als der Verwirrte Gäste anrempelte. Es geht eigentlich nicht an, dass solche Situationen von den Gästen geklärt werden müssen. M. W. darf man angemessene körperliche Gewalt nur zur Notwehr und zur Abwehr eines Notstandes anwenden. Würde ich hier noch nicht sehen. Auf der anderen Seite ist es in meinen Augen richtig, Grenzen zu ziehen, damit so etwas nicht noch weiter eskaliert. Cola ausgeben? Läuft nicht, denke ich. Zu anbiederndes und sicher sofort durchschautes Manöver, das die Pöbler auch noch durch Belohnung bestärkt. Humor funktioniert auch nur, wenn man den solch einer Gruppe trifft. Wie sollte das aussehen? Nein, da muss man schon ernsthaft bleiben, sonst macht man sich selbst auch schnell zur Lachnummer; wenn man nicht sowieso schon als solche gesehen wird.

Von Haus aus und meiner Erziehung her wäre körperliche Gewalt ein probates Mittel, um so etwas zu klären. Bei Kindern wie diesen ähnlich wie hier. Das lag mir aber nie, also mache ich das auch nicht. Mein Vater war da anders (wahre Anekdote ahead): Er wurde mal auf einem öffentlichen Fest von jungen Männern als Opfer auserkoren, über das man sich lustig machen könne. Das hat er scheinbar komplett ignoriert. Als mein Bruder sich dann einschaltete und einen der Typen bat, das zu lassen, schlug dieser unvermittelt zu. Er hatte auf eine Reaktion nur gewartet. Sofort schlug mein Vater mit der flachen Hand zu, und der Schläger blieb benommen liegen, um dann von seinen Kumpels gestützt hinaus zu wanken. Der, mit dem sich mein Vater unterhalten hatte, fragte verständnislos, warum er denn nicht mit der Faust zugeschlagen hätte. Mein Vater knurrte: „Ich wollte, dass er auch wieder aufsteht.“ Gute alte Zeiten, wo eine Prügelei noch zuende war, wenn jemand am Boden lag, und die Ehre es verbot, Anzeige zu erstatten, wenn man selbst der Provokateur war …

gerrit
gerrit

Alles richtig gemacht. Bis auf den Besuch im Fresstempel. Das Glück des Tüchtigen.

G
G

@Rex: Wenn du die Bälger einfach weiter jemanden quälen lässt, der sich nicht wehren kann, manchst du dich auf alle Fälle eher einer Straftat schuldig, als wenn du die Biest am Kragen packst und vor die Tür beförderst. Wie würdest du eine solche Anzeige denn argumentieren? „Herr Wachtmeister, mein Sohn hat mit seinen Freunden einen Menschen mit psychischen Problemen verbal gequält und der böse Mann hat ihn am Kragen gepackt und davon abgehalten weiter zu machen!“? Das Gesicht von dem Polizisten möchte ich dann gerne sehen, machst du für mich Foto?
Wenn – wie oben beschrieben – den Rotzbälgern von ner Angestellten gesagt wurde, dass sie sich verpissen sollen und die einfach mit ihrer Scheißaktion weitermachen, dann brauchen sie sich nicht wundern, wenn ne entsprechende Reaktion von jemand anderem kommt.
Übrigens: Wenn du dann tatsächlich Anzeige erstatten möchtest, signalisierst du deinem Sohn, dass das schon ok ist, was er gemacht hat. Das würde ich an deiner Stelle nicht vergessen. Und nein, der Unerschied zwischen am Kragen packen und jemanden zu schlagen ist NICHT fließend, sowas zu behaupten ist schon ein wenig lächerlich.

Dietmar
Dietmar

@G: Auch wenn ich das richtig finde, was Wortvogel gemacht hat, ist es tatsächlich körperliche Gewalt, die nicht erlaubt ist. Das Gewalt-Monopol liegt beim Staat, wir dürfen uns dieser nur in Spezialfällen bedienen, den ich hier aber eher nicht sehe.

G
G

@Dietmar: Das würde ich so icht sagen. Der Wortvogel kann immer noch argumentieren, dass er den Konflikt unterbunden hat, bevor schlimmeres passiert ist (was ja durchaus möglich ist).

Dietmar
Dietmar

@G: Das könnte man versuchen, erfüllt aber wohl nicht das Tatbestandsmerkmal der Notwehr oder Nothilfe (wenn das der richtige Begriff ist). Im Grunde hat er das Hausrecht ausgeübt, ohne dazu berechtigt zu sein.

G
G

Hm Ist halt die Frage, ob ein am Kragen packen als übertrieben ausgelegt wird oder nicht. Zu einer Anzeige wird es in so einem Fall trotzdem eher nicht kommen und zwar ganz einfach deshalb, weil sich wohl kein elternteil gerne Erziehungstipps von der Poliei abholen möchte (die dann wohl bestimmt kommen würden).

Dietmar
Dietmar

@G: Man darf nur das zur Abwendung der unmittelbaren Gefahr Notwendige tun. Wenn mich jemand mit mit der Hand schlagen will, darf ich ihn nicht erschießen. Hier war keine unmittelbare Gefahr, also darf man auch keine Gewalt anwenden.

Aber das ist laienjuristisch und hypothetisch. Ich finde das ja eigentlich richtig und denke auch nicht, dass da eine Anzeige käme, die auch lächerlich wäre.

G
G

Stimmt eigentlich. So gesehen wäre es – um auf der sicheren Seite zu sein – fast besser, einfach die Leute vom MCDoof energisch dazu aufzufordern, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen. Ist halt die Frage, ob das was bringt.
Außerdem machts so mehr Spaß denke ich. 😉
Ich erkläre den Wortvogel einfach zum Sheriff von Schwabing mit allen Sonderrechten, damit ist das jetzt ohnehin hinfällig. 😀

LHME
LHME

Einige Kommentare sind schon ganz schön traurig zu lesen , das sind genau die Leute die eben nichts machen und still daneben sitzen obwohl wie wissen, dass drei Meter was unrechtes passiert. Ich kenn das doch, und tatsächlich könnte man den wortvogel anzeigen , das kann man immer, da muss gar nichts passiert sein. Aber wie oben schon richtig bemerkt wäre das wohl ein Signal an die drei, das dann den Rest der Erziehung sinnlos werden lässt : du darfst dich wie ein arsch benehmen und wenn dir einer blöd kommt zeig ihn an. Dann nur noch zu steigern durch: die Polizei hat doch keine Ahnung den einfach gehen zu lassen…. Alles schon durch …. N paar moralisch sattelfeste sherrifs in der Stadt kann es aus meiner Sicht immer brauchen

Dietmar
Dietmar

@LHME:

Einige Kommentare sind schon ganz schön traurig zu lesen , das sind genau die Leute die eben nichts machen und still daneben sitzen obwohl wie wissen, dass drei Meter was unrechtes passiert.

Das eine ebenso mutige, wie nicht gut begründete Schlussfolgerung. Ich hätte jedenfalls Schwierigkeiten, von den Kommentaren auf grundsätzliche Charaktermerkmale und insbesondere mangelnde Zivilcourage der Kommentatoren zu schließen.

@G: Au ja, das machen wir so. 🙂

Rex Kramer
Rex Kramer

„Wenn ich deinen Sohn am Kragen packe, gehst du zur Polizei? Na viel Spass. Solche Väter erzeugen solche Söhne.“

Und solche Sätze zeigen, wie wenig du kapierst. Denn anstatt die Spirale aus Wut, Frustration und Gewalt weiter voranzutreiben, hättest du den Kreislauf unterbrechen und deeskalierend eingreifen können. So hätte Souveränität ausgesehen. Es ist auch bezeichnend, dass du dafür den Applaus aus der falschen Ecke bekommst.

Ich bin übrigens Dietmars Meinung. Vermutlich wäre es das beste gewesen, das Gespräch mit der Filialleitung zu suchen. Aber natürlich ist für alle, die nicht selbst dabei waren, die Situation schwer einzuschätzen.

Dietmar
Dietmar

@Rex: Deeskalation ist gut. Etwa so:

Und solche Sätze zeigen, wie wenig du kapierst.

😉

Was meine kleine Anekdote auch zeigen sollte, war, dass Deeskalation und „Wir sollten mal reden, du“ nicht funktioniert, wenn jemand auf Streit aus ist. Ich wage aus Lebenserfahrung die Prognose, dass diese Jungen mit Vernunft nicht ruhig zu stellen wären.

Rex Kramer
Rex Kramer

Und meine Erfahrung sagt, dass das nur Maulhelden waren. Die hättest du schon ruhig gestellt, wenn du dich mit deinem Tablett an deren Tisch gesetzt und in aller Seelenruhe weiter gegessen hättest.

Wer auf ernsthaften Streit aus ist, labert nicht lange rum. Er wird handgreiflich, so wie der Wortvogel. Man sollte fein abwägen, wo Zivilcourage endet und Selbstjustiz beginnt.

Wortvogel
Wortvogel

@ Rex: Du hast wirklich komplett einen an der Waffel.

Kinder beim Kragen packen und aus der Filiale schieben ist demnach „handgreiflich werden“ und gleichzusetzen mit „schlagen“? Du hast demnach deine Kinder noch nie angefasst, nie von was weg gezogen, nie gepackt oder ihnen mal einen Klapps auf den Hinterkopf gegeben? Wow. So sieht wahres Heldentum aus.

„Denn anstatt die Spirale aus Wut, Frustration und Gewalt weiter voranzutreiben, hättest du den Kreislauf unterbrechen und deeskalierend eingreifen können. So hätte Souveränität ausgesehen.“

Ich habe den Kreislauf unterbrochen, den Konflikt beendet. So sieht Deeskalation aus. Innerhalb von fünf Sekunden.

Natürlich waren das Maulhelden (die übrigens nicht an einem Tisch saßen, wie meine Geschichte klar macht – soviel zu deiner „Strategie“, sich dazu zu setzen). Das macht es dann auch okay, einen mental beeinträchtigten Mann zu demütigen. Ich finde es schön, wie sehr bei dir das Recht der Kinder, nicht angefasst zu werden, vor dem Recht der „Behinderten“ (lack of a better term) kommt, nicht belästigt zu werden.

Du hättest den Filialleiter geholt (was ich nicht glaube, weil du wie ein klassischer Weggucker klingst)? Und der hätte dann was gemacht? Die Kinder aufgefordert, es zu lassen? Wie die Kassiererin? Das hätte sicher geholfen. Schon klar: immer schön andere suchen in der Hoffnung, dass DIE sich vielleicht einmischen. Nur nicht selber tätig werden.

Die meisten Leser hier stimmen mir zu (vor allem, weil sie in der Aktion korrekterweise kein „schlagen“ sehen). Dem mit dem Satz zu begegnen „“Es ist auch bezeichnend, dass du dafür den Applaus aus der falschen Ecke bekommst“, ist schäbig. Dafür wäre in meinen Augen eine Entschuldigung fällig.

Und zu guter Letzt: Es würde mir gefallen, wenn du mal den Versuch machen würdest, mich wegen sowas anzuzeigen. G hat das SEHR schön formuliert:

„Herr Wachtmeister, mein Sohn hat mit seinen Freunden einen Menschen mit psychischen Problemen verbal gequält und der böse Mann hat ihn am Kragen gepackt und davon abgehalten weiter zu machen!”? Das Gesicht von dem Polizisten möchte ich dann gerne sehen, machst du für mich Foto?“

Zusammen gefasst: In meinen Augen ist dein moralischer Kompass komplett durch den Wind und trägt nicht zu Deeskalation bei, sondern gebiert eine Gesellschaft von verantwortlungslosen kleinen Drecksäcken, die nur zwei Reaktionen auf ihre Eskapaden kennen: wegducken (Fremde) und bestätigen (Eltern). Die kannst du mittlerweile auf jedem Schulhof besichtigen. Vielen Dank dafür.

Robert!
Robert!

Na auf den Wolkenatlas bin ich mal gespannt, davon habe ich noch gar nichts mitbekommen.
Ich habe mich gerade ein wenig drüber Informiert und bin dabei auf die iMDb von den Wachowskis gestoßen und ich finde der Larry, http://www.imdb.com/name/nm0905154/ hat sich ganz schön gemacht.
Respekt.

so long.

Nobby
Nobby

@Wortvogel, 48:
Oha. Nach dem Kommentar bin ich jetzt plötzlich nicht mehr so sicher, ob der Titel „Scheriff von Schwabing“ wirklich sarkastisch gemeint gewesen war…

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