bitch slapUSA 2009. Regie: Rick Jacobson. Darsteller: Julia Voth, Erin Cummings, America Olivo, Michael Hurst, Ron Melendez, Kevin Sorbo.

Story:

Drei unrealistisch scharfe Girls landen mit ihrem Auto in der Wüste bei einem kleinen Wohnwagen. Im Kofferraum: Ein kleiner Gangsterboss, der sich so lange von dem Trio nicht einschüchtern lässt, bis er tot im Sand liegt. In komplexen Rückblenden wird das Beziehungsgeflecht zwischen der nur scheinbar naiven Trixie, der psychopathischen Camero und der manipulativen Hel aufgeklärt – oder doch nicht? Hier scheint jeder gleich zwei oder drei Masken zu tragen. Zumal da noch diese Zwischenfälle in den Alpen und Las Vegas waren…

Kritik:

4,7 bei der IMDB? 19 von 100 bei Metacritic? 38 % bei Rotten Tomatoes? FUCK THAT!

Ich mag Rick Jacobson. Er ist einer der wenigen B- und TV-Filmer, der sich über die Jahre treu geblieben ist. „Night Hunter“, „Black Thunder“, „Lion Strike“ – niemand wird behaupten, dass es gute Filme sind, aber sie sind gute Beispiele für Military und Martial Arts Trash. Jacobson kennt seine Grenzen und beherrscht die Technik. Damit ist er 80 Prozent der Konkurrenz schon überlegen. Auch fürs Fernsehen hat er hauptsächlich Serien gedreht, von denen man vielleicht kein DVD Box Set kauft, die man aber allemal anschaut, wenn sie in der Dauerschleife im Pay-TV laufen: „Nikita“, „Xena“, „She Spies“. Ein ganz neues Level hat er neulich mit der Miniserie „Spartacus: Gods of the Arena“ erreicht. Das ist Premium.

Wer kann schon von sich sagen, für Roger Corman UND Charles Band UND Sam Raimi gearbeitet zu haben?!

Außerdem mag ich Leute, die das Business nicht nur kennen, sondern verstanden haben: „It was born out of the need to be an easy sell, an absolute home run. And that means just making a list: beautiful women, action, explosions, limited locations, no nights, not a big cast. And we just filled in these things, and out of that came three girls go off to the desert with a guy in the trunk looking for something and get in a lot of trouble.“

Mit diesem Absatz als Anleitung könnte Uwe Boll seine ganze „Karriere“ noch mal rum reißen.

Jacobson sagt auch, „Bitch Slap“ zeige „the greatest chick fight in cinema history“ – den Superlativ kann ich zwar empirisch nicht prüfen, aber ich glaube ihn sofort. Vergesst Bride vs. Elle Driver und Alexis vs. Krystle – HIER geht es zur Sache.

bitchslap1Natürlich ist „Bitch Slap“ kein „guter“ oder gar „anständiger“ Film. Im übertragenen Sinne ist er die zu laut lallende billige Schlampe im engen Stretchkleid und mit den drei Wodka zuviel, die du in der Bar aus dem Augenwinkel beobachtest, während dein braves Date von den Masern im Kindergarten ihres Juniors erzählt. Vielleicht keine Klasse, vielleicht kein Niveau – aber der Hintern und die Highheels versprechen mehr Spass in der dunklen Ecke neben dem Zigarettenautomaten, als dein Bett in den letzten fünf Jahren gesehen hat.

Im Grunde genommen triumphiert „Bitch Slap“ mit genau dem Konzept, an dem „Rock Slyde“ so erbärmlich gescheitert ist: Man schnappe sich ein paar hungrige Freunde aus der Branche, begrenztes Budget und begrenzte Locations, und dreht sich einfach mal den Frust von der Seele – all das, was einem sonst bei den „braven“ Filmen immer verboten wird. Und man setzt darauf, dass „sex & violence“ sich immer noch gut verkaufen lassen.

Nur ernstnehmen darf man „Bitch Slap“ natürlich nicht. Gerade in seiner Fetischierung weiblicher Extremkurven und übergroßer Waffen entlarvt er sich als pubertäres Comic, als Testosteron-Phantasie aus Muskeln und Möpsen. So übertrieben wie harmlos, so absurd wie hysterisch. Die Produkte von „Image Comics“ auf der Leinwand. Hhhmmmm… wie das wohl aussähe, wenn Jacobson in dem Stil einen Superheldenfilm machen würde?

Ist das nun Frauenpower oder Sexismus pur? Die Diskussion kann man führen, und sie wird auch geführt. Aber ich frage mich, warum er nicht beides sein kann. Natürlich wurde er von Männern für einen von Männern dominierten Markt produziert. Ein 90minütiger Cocktease mit einer Kamera, die einen bekleideten Porno filmen will. Aber letztlich sind die Männer in diesem Film allesamt fiese Arschlöcher, die am Schluss ihre gerechte Strafe ereilt. Die Frauen sind schön, intelligent – und schlimmstenfalls von Männern korrumpiert.

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Ja klar kann man mäkeln. Die Notwendigkeit, den Großteil des Films in der Wüste zu drehen, alle anderen Locations aber vor Greenscreen, sorgt für einen wiederkehrenden Stilbruch. Staubiges 70er-Kino passt halt schlecht zu Comic-CGI. Und dass wirklich alle Beteiligten aus „Xena“ und „Hercules“ für Cameos vorbei schauen, steigert zwar den Unterhaltungswert, untergräbt aber ein wenig die filmische Realität.

Nicht ganz einig mit mir selbst bin ich in der Frage, ob es ein Malus ist, dass sich die drei Protagonistinnen tatsächlich nie ausziehen. Einerseits möchte man durchaus sehen, wie sich Trixie, Hel und Camero mal aus den schwitzigen Sachen pellen. Andererseits: Genau DAS macht aber auch den augenzwinkernden Reiz aus. Eine alte Werber-Weisheit lautet „Sell the sizzle, not the steak“ – und hier sizzled es gewaltig…

Aber letztlich zählt, dass Jacobson im Gegensatz zu den meisten B-Filmern liefert, was er verspricht: scharfe Weiber, große Kanonen, Explosionen, knackige Dialoge, und VIEL gut choreographierte Fights. Statt nur das Minimalziel zu erreichen (wie das bei seinen Vorgängern vom Schlage Wynorski, Ray und DeCoteau der Fall ist), pumpt er seinen Film zum fiebrigen feuchten Traum auf – Russ Meyer und Robert Rodruigez zugleich im digitalen Bilderrausch. Eine Million Dollar Budget, und jeder Dollar als „bling“ auf der Leinwand zu sehen. Skrupelloses Entertainment – nicht ganz so makellos und rasant wie „Crank“, aber dafür lasziv und lüstern wie ein Playboy-Video.

„Hunter Prey“ und „Bitch Slap“ sind gute Beispiele, wie schick das moderne B-Movie aussehen KANN, wenn man mit einer Red One dreht und sich im Schneideraum keinen von der Palme wedelt. Und dass das moderne B-Movie immer noch mehr kann als „Drei Pärchen fahren übers Wochenende in eine einsame Gegend…“

Fazit: Ist mir egal, für wie durchgeknallt ihr mich jetzt haltet – „Bitch Slap“ ist der Film, den ich von Tarantino bei „Grindhouse“ erwartet habe. Klein, schmutzig, geil, brutal, die Themen der 70er mit der technischen Expertise des neuen Jahrtausends fusionierend. Girls and guns galore. Was hätte ich drum gegeben, den beim Fantasy Film Fest auf der großen Leinwand zu sehen.

Ein Film wie ein guter Blowjob.



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AchimPeroyComicfreakThomas Thiemeyerdunkel Recent comment authors
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Peroy
Peroy

„Ein Film wie ein guter Blowjob.“

…der einem die Ladung dann volle kanne ins Gesicht spuckt.

Meine Meinung zu „Bitch Slap“: Der wäre echt gut gewesen, wenn er nicht so scheisse wäre.

Teleprompter
Teleprompter

Wollte den auch verzweifelt gut finden, schon aus nostalgischer Symphatie mit dem originalen Action Pack, ist mir aber nicht gelungen. Wirkte wie gewollt und nicht gekonnt, und da zähle ich auch das „Nichtausziehen“ dazu, das ist – um im hier schon angetexteten Bild zu bleiben – wie Porno ohne Cumshot.

Dass der Typ auch bei Spartacus dabei ist, hatte ich nicht gewusst; gemessen an B.S. ist das wirklich großes Kino, dreckig, tabulos, preiswert aber nie billig und sogar mit einer richtig guten Geschichte.

Patrick
Patrick

Lieber Wortvogel,
dein Wort hat Gewicht – nachdem der Film nun von Amazon geliefert wurde – wird sich zeigen ob ich das nicht noch bereuen werde :)!

Ich wünsch ein schönes Wochenende!

Grüße,
Patrick

XXX

Ich finde BITCH SLAP auch grandios. Tatsächlich das, was ich vom Tarantino/Rodriguez-GRINDHOUSE erwartet, aber nicht bekommen hab. Und wer mault, dass Erin Cummings sich nicht auszieht, muss unbedingt SPARTACUS: BLOOD AND SAND ansehen.

comicfreak
comicfreak

..ooookay, diese Besprechung lässt Marcus Taschentuchkommentar jetzt wieder blütenweiß und unschuldig dastehen..

🙂

comicfreak
comicfreak

..kein Problem, da sprühte spontane, echte Begeisterung aus den Zeilen 😉

Peroy
Peroy

„..kein Problem, da sprühte spontane, echte Begeisterung aus den Zeilen ;)“

Solange sonst nichts raussprüht…

Donalbain
Donalbain

Liest Deine LvA eigentlich Deine Kritiken?

D.

Peroy
Peroy

ALLES ist besser als „Bitch Slap“…

Peroy
Peroy

Hier ein besseres Review… *g*

http://www.youtube.com/watch?v=Ic78L1c4Hm0

comicfreak
comicfreak

..ah, sogar Peroy ist mittlerweile für Videoreviews ^^

Marcus
Marcus

@Comicfreak: mein WAS, bitte? 😯

Achim
Achim

Was für ein Videoreview! Der Typ sagt 4:40 Minuten lang, dass der Film schlecht ist. Dazu hat er ne lausige (Smartphone?)Kamera, vielleicht ein Obstphone. Da sind meine Videos bei Youtube ja noch interessanter, und mein finnisches Gerät hat bekanntlich eine der besten Kameras für ein Smartphone. Sie ist nicht eine der besten, weil sie 12 MP hat, sondern weil die Kamera nunmal (vergleichsweise) gut ist.
Also, wenn ihr hochinteressante Video bei Youtube sehen wollt, einfach SonAchim suchen.

Dietmar
Dietmar

@Achim: Das wird Peter Lustig gar nicht gefallen!

Achim
Achim

@Dietmar

Du hast also eines meiner Videos angeschaut?

Die erscheinen echt nur im Vergleich interessant.

Peroy
Peroy

„Was für ein Videoreview! Der Typ sagt 4:40 Minuten lang, dass der Film schlecht ist.“

Da hat er ja auch Recht mit…

dunkel
dunkel

You’re so right, Mr Wortvogel.

Peroy
Peroy

Mir ist gerade eine bessere Analogie für den Film eingefallen als Schwanzlutschen…

„Bitch Slap“ ist wie ein verpickelter 14jähriger, der mit einem gefälschten Ausweis Alk besorgen will und dafür vom Verkäufer ausgelacht wird…

Comicfreak
Comicfreak

@ Marcus

..entschuldigung, Namensschlamperei meinerseits 🙂

@ Wortvogel

..dankeschön

Thomas Thiemeyer

„Hier ein besseres Review… *g*“

Wahrhaftig. Das ist mal eine Videoreview, die über jede Kritik erhaben ist.
Schön auch, wie oft die Hüllen gewendet werden.

Peroy
Peroy

„Wahrhaftig. Das ist mal eine Videoreview, die über jede Kritik erhaben ist.
Schön auch, wie oft die Hüllen gewendet werden.“

Ja, das fand ich auch gut…

Achim
Achim

„Ja, das fand ich auch gut…“

Ein begnadeter Filmemacher, wir müssen unbedingt versuchen, ein paar hunderttausend Euro zusammen zu bekommen, damit der einen Film drehen kann!

Peroy
Peroy

„Ein begnadeter Filmemacher, wir müssen unbedingt versuchen, ein paar hunderttausend Euro zusammen zu bekommen, damit der einen Film drehen kann!“

Sind wir ein wenig pikiert… ?

Achim
Achim

Ach was!
Euphorisch! Sein Text, brillant! Kameraführung, herausragend! Regie, Schauspielerführung, genial!

Comicfreak
Comicfreak

@ Achim

..obwohl, so ganz kommt er noch nicht an Marcel Vorlander-Pollard heran, es fehlt die dröge Musik, der goldene Rahmen, zudem ist das Geschehen viel zu dialoglastig..

Achim
Achim

MV ist genial im Genre Photoplay, Herzog Dingenskirchen sollte mehr so Filme mit Handlung drehen, und ohne explicit nudity.

Peroy
Peroy

„Ach was!
Euphorisch! Sein Text, brillant! Kameraführung, herausragend! Regie, Schauspielerführung, genial!“

Dem besprochenen Werk angemessen… alles für’n Arsch, und dennoch besser als „Bitch Slap“. Chapeau.

Achim
Achim

Habe ihn heute für 9,99€ dann doch nicht gekauft, aber es waren noch genügend Exemplare da, eine Kopie wird mein!

(Es werden ja immer Kopien verkauft, ich meine eine legale, offizielle Kopie, keine geraubte.)