Rock SlydeUSA 2009. Regie: Chris Dowling. Darsteller: Patrick Warburton, Andy Dick, Rena Sofer, Elaine Hendrix, Jamie Alexander, Eric Roberts.

Story:

Rock Slyde ist als Privatdetektiv weder besonders eifrig noch besonders begabt. Auch die Reize der schönen Klientin Sara lassen ihn kalt, zumal ihre Behauptung, verfolgt zu werden, offensichtlicher Kappes ist. Wirklichen Einsatz zeigt Rock erst, als seine zuverlässige Sekretärin Judy Bee der Sekte der Bartologen anheim fällt – und die Bartologen ihn mit ein paar alten Piraten-Porno-Musicals erpressen wollen, die er mal gedreht hat…

Kritik:

Die Idee, das sehr durchstrukturierte Genre des Harboiled-Detektivfilms zu parodieren, ist wahrlich nicht neu: „Tote tragen keine Karos“, „Eine Leiche zum Dessert“, „Fatal Instinct“, sogar „Müllers Büro“. Erst kürzlich gab es die so hübsche wie erfolglose Sitcom „Andy Barker, P.I.“. Kein Wunder: Der hoch verschuldete, beinharte Detektiv mit der Whiskyflasche und der Knarre in Griffweite, die Femme Fatale, der Gangsterboss, der nervöse Informant – klare formale Vorgaben, die leicht auf die Schippe zu nehmen sind.

Sollte man meinen.

Leider bringt „Rock Slyde“ das Kunststück fertig, trotz einer bemerkenswerten Besetzung (auch in den Nebenrollen) total humorbefreit zu sein. Nicht EIN Gag zündet und ich habe mich mehrfach gefragt, ob ich einfach nur auf der falschen Spur fahre, weil das schon statistisch unwahrscheinlich scheint. Aber es stimmt: Über 90 Minuten bringt „Rock Slyde“ nicht einen wenigstens milden Lacher zustande. Der wahrlich comedyerprobten Besetzung treibt Regisseur Dowling (der aus dem Bereich Soap und Reality TV kommt) durch ein komplettes Unverständnis für Timing alle Begeisterung aus. Lethargisch kriecht ein Non-Plot voran, in dem die Bartologen aus irgendeinem Grund (nein, falsch: aus eben KEINEM nachvollziehbaren Grund) Slydes Detektei übernehmen wollen, um endlich das ganze Bürohaus in toto mieten zu können. Genau: Es geht um Mietstreitigkeiten.

Um die Laufzeit rumzubringen, pendelt Rock permanent zwischen dem Haus seiner Klientin und seinem Büro, ohne das irgend etwas nennenswertes passiert. Die wenigen Sets riechen nach Sperrholz und zu kleinem Studio, Andy Dick nervt (big surprise there), und Rena Sofer zeigt kein Dekolleté. Patrick Warburton tut mir regelrecht leid – in der kurzlebigen „Tick“-Serie war er grandios. Hier ist er geradezu einschläfernd.

Aber vielleicht sollte man nicht zu hart sein: Die ganze Produktion wirkt wie das Wochenend-Projekt einer Gruppe von unterbeschäftigten Hollywood-TV-Malochern, die auch mal Spass haben wollten und jeden vor die Kamera gestellt haben, der am Set zu Besuch kam (80er-Beauty Lea Thompson hat sich wirklich erstaunlich gehalten). Es ist nur eben kein wirklich präsentabler Film und hätte im Freundeskreis der Macher bleiben sollen, statt sich mit einem DVD-Release auf die Nase zu legen (komisch, das erinnert mich doch an irgendwas…).

Fazit: Hier gibt es wirklich gar nichts zu sehen (oder zu lachen) und wer unbedingt eine Detektivfilm-Parodie braucht, kramt einfach noch mal einen der oben genannten Streifen raus.



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reptile
reptile

Lea Thompson? Na das würde sich doch vielleicht lohnen…

Thies
Thies

Lea Thompson wäre wirklich der einzige Grund für mich hier mal einen Blick zu riskieren. Zur Kategorie der „Hardboiled Detective“-Parodien ist aber schon mit „Der Schmalspurschnüffler“ – warum gibt’s von dem noch keine DVD? – und „Tote tragen keine Karos“ alles gesagt worden – beide mehr als 30 Jahre alt. Ein Versuch diesem Untergenre noch neues Leben einzuhauchen scheint mir ähnlich erfolgversprechend wie wenn man ein Skellet mit einem Defibrillator reanimieren will.

Peroy
Peroy

Was soll ein Skelett mit einer Brille anfangen… ?

Thies
Thies

Wie sagte Volker Pispers so schön: „Ich glaube das Wort sollten Sie noch mal nachschlagen.“

DerTim

Oh, Müllers Büro! Ein Klassiker österreichischer Filmkunst. Hast Du den schon mal rezensiert? Würdest Du falls nicht?

trackback

[…] Grunde genommen triumphiert “Bitch Slap” mit genau dem Konzept, an dem “Rock Slyde” so erbärmlich gescheitert ist: Man schnappe sich ein paar hungrige Freunde aus der Branche, […]

trackback

[…] Rock Slyde – auch nette, kleine Ideen können in die Hose gehen, wenn die Leute, die Comedy machen, nicht verstehen, was Comedy ist. […]