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USA 2008. Regie: Glenn McQuaid. Darsteller: Dominic Monaghan, Angus Scrimm, Ron Perlman, Larry Fessenden, Eileen Colgan

Story: Irland im 18. Jahrhundert – Grabräuber Grimes hat gerade seinen Kopf an die Guillotine verloren, seinen jüngerer Partner Blake erwartet das gleiche Schicksal. Für etwas Whisky und ein paar Stunden Vollstreckungsaufschub ist er bereit, Pater Duffy seine Lebensgeschichte zu erzählen. Da kommt ganz schön was zusammen, denn über die Jahre haben Grimes und Blake nicht nur Leichen, sondern auch Untote (in einem Fall sogar Aliens) ausgebuddelt. Und mit den bösen Jungs von der Murphy-Gang war es auch kein Zuckerschlecken…

Kritik: „I sell the Dead“ ist ein seltsamer Mischmasch verschiedener Stilarten und Elemente. Die Ausstattung und der Bühnenbau sind so detailverliebt und authentisch, dass man die Welt des schmierigen irischen Pöbels jener Zeit förmlich riechen kann. Wo diverse Jane Austen-Verfilmungen nur gepflegte Landsitze und Pferdekutschen bieten, zeigt McQuaids Film sehr genüsslich, wie scheiße das Dasein für das Gros der Menschen jener Zeit war. Andererseits wirken die künstlichen Hintergründe wie aus den Universal-Horrorstreifen der 30er Jahre, und Comic-Inserts torpedieren jeden Versuch, „I sell the Dead“ als reales Universum zu akzeptieren. Man wähnt sich eher in einer Graphic Novel – einer düsteren, sorgsamen, erwachsenen Graphic Novel.

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Hinzu kommt, dass bei aller thematischen Düsternis der Humor sehr kontemporär wirkt. Der Vergleich mit Sam Raimi scheint nicht unangebracht. „I sell the Dead“ nimmt sich an keiner Stelle ernst, und das wird mitunter auch zum Problem – sonderliche Spannung baut die Gruselklamotte trotz Nebel, Friedhöfen, und Leichenfledderei kaum auf.

Die Darsteller sind mit sichtlicher Spielfreude bei der Sache, und für Fans ist es natürlich ein Bonus, Schauspielern wie Angus Scrimm (der seit 30 Jahren nicht zu altern scheint) und Ron „FFF-Dauergast“ Perlman bei der Arbeit zuzusehen.

Leider baut „I sell the Dead“ mit zunehmender Laufzeit deutlich ab. Das hängt zum einen daran, dass es kaum wirkliche Action im Sinne von Handlung oder Ereignis gibt. Zwar bewegen sich die Figuren von Location zu Location, aber es wird dort immer nur geredet. Und geredet. Und geredet. Exemplarisch ist dafür die Bootsfahrt zu einer Insel, bei der ich nach endlosen Minuten Popcorn werfen wollte: „Nun macht endlich mal voran!“. Egal, wie sympathisch die Dialoge sein mögen, irgendwann nervt das statische Gebrabbel.

Außerdem hat „I sell the Dead“ keine wirklich nennenswerten Überraschungen zu bieten. Die obskuren Wesen, die von Grimes und Blake ausgegraben werden, sind eher Beiläufigkeiten, der letzte Akt dreht sich komplett um die Fehde mit dem Murphy-Clan. Und wir wissen „dank“ der Rahmenhandlung schon, wie es für unsere Grabräuber endet. Die „Pointe“, die McQuaid dann noch aus dem Hut zieht, ist wenig befriedigend.

Trotz allem ist „I sell the Dead“ ein launiger Streifen, der im Kontext des Fantasy Film Fest auch beim Publikum ankam. Außerdem kann man – angesichts der Flut doofer kontemporärer Teenier-Slasher – durchaus die Phrase „Wenigstens mal was anderes“ gelten lassen. Ich werde nur den Verdacht nicht los, dass sich der Unterhaltungswert vor dem heimischen DVD-Player arg reduziert, und so mancher Fan den Film dann doch irgendwann im Laufe des zweiten Akts als „langweilig“ ausschaltet. Ladet euch zur Sichtung in den eigenen vier Wänden vorsichtshalber ein paar Freunde ein, die Alkoholika mitbringen.

Wäre „I sell the Dead“ durchgehend so unterhaltsam wie dieser Trailer – meine Wertung wäre weitaus wohlwollender ausgefallen:

Wortvogels pantomimische Bewertung:

naaahhh



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Heino
Heino

und wieder sind wir gleicher Meinung. Keine 80 Minuten Laufzeit und immer noch zu lang:-(

Perry

Im vorletzten „Previews“ war auch ein One-Shot von McQuaid ausm Hause Image. Ob das nun aber eine neue Story ist oder nur Adaption des Films… wer weiß.

Stephan
Stephan

OT: Trigema – sehr patriotisch, mein Lieber 😉

Peroy
Peroy

„Angus Scrimm (der seit 30 Jahren nicht zu altern scheint)“

Das hat er mit Tom Savini (der uns alle überleben wird) gemein…

OnkelFilmi

Ist aber die falsche Farbe, alte Leute tragen eigentlich braun oder grau! :p

Marko

Nicht altern tut auch der Typ, der beim FFF immer vor der Leinwand steht und einleitende Worte zu den entsprechenden Filmen spricht (ist doch bei Euch auch so, oder? Das macht der nicht nur in Hamburg? 😉 ). Ich bin nun gut und gerne 15 Jahre dabei, und ich hab das Gefühl, der Kerl (dessen Namen ich trotzdem nicht weiß) sah damals schon aus wie heute.

Zum Film: „I sell the Dead“ lief hier am letzten Tag, deswegen (und weil mich der Trailer nicht sooo umgehauen hat) hab ich ihn sausen lassen. Nach Wortvogels Review ist das auch ganz gut so (hört sich doch recht schnarchig an, der Streifen), so konnte ich das diesjährige Festival mit „Doghouse“ launig ausklingen lassen.

Gruß,
Marko

Heino
Heino

@Marko:das trifft aber auf beide zu, die sehen wirklich noch so aus wie anno 1996.

So schlecht ist der Streifen nicht, nur etwas zu lang und unentschlossen. Und man sollte mal Larry Fessenden gesehen haben, der sieht aus wie ein Klon von Jack Nicholson zu Shining-Zeiten

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