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USA / Frankreich 2009. Regie: Bertrand Tavernier. Darsteller: Tommy Lee Jones, John Goodman, Ned Beatty, Peter Sarsgaard, Mary Steenburgen u.a.

Story: Tief in den Südstaaten: Eine junge Frau ist ermordet worden – vermutlich nicht das erste Opfer eines brutalen Killers. Polizist Dave Robicheaux möchte die Tat gerne dem lokalen Gangsterboss Balboni anhängen, aber dieser weiß sich zu schützen. Zeitgleich versucht Robicheaux, irgendwie den Mord an einem Schwarzen vor mehr als 20 Jahren aufzuklären. Er taucht dabei so tief in den Rest-Rassismus von Louisiana ein, dass bald sein eigenes Leben auf dem Spiel steht…

Kritik: Ich habe ein Problem damit, wenn ausländische Regisseure meinen, einen amerikanischen Roman in Amerika mit amerikanischen Schauspielern verfilmen zu müssen – und dann aber Elemente wie „Plausibilität“ oder „Suspense“ als zu amerikanisch ablehnen. Was genau Bertrand Tavernier als Regisseur für die Verfilmung von James Lee Burkes Roman qualifiziert hat, erschließt sich mir einfach nicht. Ein in Romanform sehr wirkungsvollen Stück „Southern Gothic“ verkommt hier zu einem drögen Stellungsspiel unausformulierter Figuren – unter Zuhilfenahme einer üblicherweise unfehlbaren Macho-Besetzung.

Tavernier interessiert sich nicht für den Kriminalfall, nicht für den Background der Figuren – bei ihm ist alles nur Stimmung, Andeutung, bedeutungsschwangere Blicke. Konkretes Storytelling scheint ihm zuwider, was besonders bei einem Krimi mit seinen klaren Elementen ein unüberwindbares Hindernis darstellt. Es ist geradezu ärgerlich, dass die eigentlich spannende Mordserie so in den Hintergrund gedrängt wird. Am Ende scheint die Auflösung nur noch als Pflichterfüllung, weil ohne sie kein Nachspann kommen darf.

electricmist

Den „phantastischen Elementen“ geht es nicht besser: Robicheaux redet zwar schon im Intro von den Geister der Toten, die sehr präsent seien, und sieht immer wieder einen gefallenen Südstaaten-General, der ihm Ratschläge erteilt – aber auch das bleibt flüchtig, beiläufig.

Jones, Goodman und Beatty leisten solide Arbeit im begrenzten Rahmen, liefern mehr Gesichter und Attitüde denn wirkliche Schauspielerei.

Bedenkt man, was für einen Reichtum an Drehorten Louisiana bietet, dann ist es schon fast schändlich, wie wenig Tavernier und sein Kameramann Bruno de Keyzer daraus machen: an keiner Stelle sieht „In the Electric Mist“ atmosphärischer oder beeindruckender aus als ein beliebiger gut budgetierter TV-Film von HBO oder Showtime.

Ich möchte gar nicht wissen, was jemand wie Walter Hill oder Roger Avary oder aus dem Stoff rausgeholt hätte: genug Material und die richtigen Darsteller waren ja vorhanden.

Interessant ist der Trailer – durch rasanten Schnitt und diverse Editing-Tricks wird hier genau der zügige und zupackende Film vorgetäuscht, der „In the Electric Mist“ eben nicht ist:

Der Fairness halber sei erwähnt, dass der Amerikaner Phil Joanou mit der Adaption eines anderen Robicheaux-Romans („Heaven’s Prisoners“) auch nicht viel erfolgreicher war.

Wortvogels pantomimisches Urteil:

watt



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Peroy
Peroy

„Zeitgleich versucht Robicheaux, irgendwie den Mord an einem Schwarzen vor mehr als 20 Jahren aufzuklären.“

Das führt doch nur wieder zu einem Raum-Zeit-Paradox, das das ganze Universum vernichtet… *püh*

Dietmar
Dietmar

Das ist so schade: Dieser Film träfe genau meinen Geschmack, wenn er gut wäre. Diese Besetzung ist klasse! Schade, schade, schade.

kosar34
kosar34

Verdammt!
Hab mich schon so auf den Film gefreut. 🙁
Bin grosser Fan der Dave Robicheaux-Romane.
Quatsch- von allen was der gute James Lee Burke schreibt. Der ist einfach grosse klasse. Aber warum klappt es mit den Verfilmungen nicht?
Die Besetzungen waren immer gut(,,Heaven´s Prisoners“:Baldwin,Hatcher,Roberts und jetzt bei
,,In the Electric Mist..“:Jones, Beatty,Goodman).
Ich versteh das einfach nicht! 🙁

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Schade, klang auf dem Papier tatsächlich sehr gut. Ich könnte mir vorstellen, daß Tavernier als Regisseur als qualifiziert erschien, weil er Thriller und Krimis eigentlich ganz gut kann und mit „Coup de torchon“ (glaube, der deutsche Titel ist „Der Saustall“ oder so ähnlich) bereits eine der besten Jim Thompson Verfilmungen hingelegt hat (von „Pop. 1280“), dessen Geschichten ja auch oft in den Südstaaten spielen und den dort herrschenden Rassismus als eines der zentralen Elemente beinhalten.

Tavernier ist ja auch sonst eigentlich recht Amerika-freundlich, insofern hätte ich mir schon vorstellen können, daß er für den Stoff gut geeignet ist.

kosar34
kosar34

@ Wortvogel: Stimmt, mit HBO sagst du was. Das wäre eine feine Idee. Die Jesse Stone-Verfilmungen habe ich total vergessen(und das als Robert B. Parker-Fan). Sind wirklich nicht schlecht und Parker ist ja Mitproduzent und total von Selleck als Stone begeistert. Was ich gut verstehen kann. Nur in einer Sache muss ich Mr. Parker widersprechen: Für mich werden Robert Urich und Avery Brooks immer Spenser und Hawk bleiben. Das war einfach Klasse-Casting!! Wenn ich den neuen Spenser lese, stelle ich mir immer die beiden als Spenser und Hawk vor. Wunderbar! Warum musste nur Mr. Urich an den verdammten Krebs sterben?! Da hätte man noch ein paar schöne TV-Filme machen können. Obwohl ich gestehen muss, das die Bücher zu den letzten Tv-Filmen nicht so toll waren. Aber Urich und Brooks waren einfach spitze!

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