15
Jan 2009

Ruhe da vorne! Movie-Mania 2009 (10)Heute: Religulous

Themen: Film, TV & Presse, Movie-Mania 2009, Neues |

religulousUSA 2008

Regie: Larry Charles

Das ist nun wirklich mit Kanonen auf Spatzen schießen – US-Talkmaster / Comedian Bill Maher (liberal, Vegetarier, Junggeselle) reist durch die Welt, um die Anhänger und Vertreter diverser Religionen vorzuführen. 100 Minuten lang.

Natürlich ist das Ergebnis extrem vorhersehbar (und komisch). Selbstverständlich ist diese "Dokumentation" genauso manipulativ und auf Effekt geschnitten wie die Werke von Michael Moore. Wer Maher das vorwirft, hat ihn nicht verstanden – "Religulous" ist nicht der Versuch, das Thema Religion fair und ausgeglichen darzustellen. Es geht nur darum, die Absurdität der verschiedenen Glaubensrichtungen zu entlarven – in their own words.

Was "Religulous" von den Dokumentationen aus dem Hause Moore und Dawkins unterscheidet, ist der eher ironisch-sanftmütige Ansatz: Maher attackiert nicht, Maher fragt bloß mal freundlich nach. Und das reicht vollkommen aus. Um ein amerikanisches Sprichwort zu verwenden: Er übergibt den Strick, damit seine Gesprächspartner sich selbst hängen können. Was diese dann auch mit erschreckender Begeisterung tun. Ein Tele-Prediger erklärt sich zum neuen Jesus, ein anderer will nie davon gehört haben, dass Jesus die Reichen verachtete, und ein Senator entschuldigt seinen konkreten Glauben an die biblische Schöpfungsgeschichte mit dem Hinweis, für den US-Senat gäbe es zum Glück keinen intellektuellen Mindeststandard.

Besonders fasziniert hat mich der muslimische Hardcore-Rapper "Propa-Ghandi", der lange darüber salbadert, dass er sich nicht zensieren oder unterdrücken lässt, seinen Kritikern den Mittelfinger zeigt – aber bei der Erwähnung von Salman Rushdie plötzlich komplett die Richtung wechselt:

Man lernt nichts Neues in "Religulous" – je extremer der Glaube, desto ignoranter der Gläubige. Und je ignoranter der Gläubige, desto lustiger seine Selbstdemontage. "Borat"-Regisseur Larry Charles weiß genau, an welchen Punkten man die Aussagen der Interview-Partner einfach mal eine Sekunde lang unkommentiert stehen lassen muss, damit das Publikum Zeit hat, ausführlich "what the FUCK???" zu denken.

religulous1

Mich hat es wieder einmal fassungslos gemacht, mit welcher Leichtigkeit Gläubige aller Religionen die positiven Seiten des Glaubens für sich reklamieren, und ebenso problemlos alle Grausamkeiten und Widersprüche als Missverständnisse, Politik, und Propaganda abtun. Jeder versichert, nur Frieden zu wollen – während Maher Prügel, Rauswurf, und ewiges Fegefeuer angedroht wird. Es gibt keine Verantwortlichkeit, keine Schuldgefühle. Was immer der Glaube anrichtet – der Gläubige bleibt sauber.

Maher thematisiert in der zweiten Hälfte des Films die Frage, wie scheinbar intelligente Menschen Dinge glauben können, die offensichtlich absurd sind, und noch dazu von der Realität widerlegt werden. Er vermutet, dass diese Menschen sich der Diskrepanz durchaus bewußt, sie jedoch Außenstehenden gegenüber nicht zugeben können, um das eigene Weltbild nicht hinterfragen zu müssen. Da ist sicher was dran.

In "Religulous" geht es gar nicht um die Darstellung einer dominanten Religion – Maher führt die Juden genau so zur Schlachtbank wie die Mormonen, die Scientologen genau so wie die Muslime. Es bewährt sich mehrfach seine gute Vorbereitung: wann immer ein Religionsvertreter zur Rechtfertigung des eigenen Verhaltens den Glauben zurecht biegt, hat Maher das korrekte Zitat, die genaue Stelle parat, um gegenzuhalten. Er lässt den Unfug nicht im Raum stehen, sondern hakt konkret nach.

So hüpft "Religulous" über mehrere Kontinente, durchstreift mehrere Jahrtausende Kirchengeschichte, und endet als extrem unterhaltsame Sammlung von Clips, in denen sich Anhänger verschiedener Religionen zum Affen machen, von dem sie nicht abstammen wollen. Als besonderes Zuckerl gibt es noch den Besuch im "Holy Land", einem christlichen Musical-Freizeitpark mit Shopping-Strecke, der Jesus Christus zum Kotzen gebracht hätte.

http://de.youtube.com/watch?v=qB8fPJ6zds8

Ab April auch in deutschen Kinos.



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Dieter
Dieter
15. Januar, 2009 09:24

Der kommt? Hätt´ ich nicht gedacht. Super!

Hoffentlich nicht synchronisiert.

Proesterchen
Proesterchen
15. Januar, 2009 09:58

Für meinen Geschmack ist Religulous 10 Minuten zu lang für das behandelte Material, bzw. hat zu wenig Material für seine 100 Minuten.

Macht das Selbstverständnis der Verblendeten natürlich keinen Deut weniger lustig, bemitleidenswert, traurig, beängstigend, abstoßend, und ärgerlich.

Andi
15. Januar, 2009 10:09

Mir gefiel der Film (auch?) ausserordentlich gut. Weil er pointiert, aber so gar nicht michaelmoorig ist.
Und ich habe tatsächlich etwas Neues gelernt. Ich wusste ja nicht, WIE bescheuert die Mormonen sind (ist natürlich völlig relativ zum Film zu sehen).
Und lustigerweise empfinde ich die Länge genau anders als mein Vorredner. Für mich hätte es viel länger sein können. Ja, ein eigener Film pro Religion fänd ich passend.

Sir_Pepe
15. Januar, 2009 10:17

Zustimmung. Ein sehr sehr lustiger Streifen, besonders der Senator und dieser Jesus-Erlebnis-Park. Ansehen dringend zu empfehlen.

tok
15. Januar, 2009 10:35

Klingt ja genial. Werd ich mir unbedingt ansehen.

Lari
Lari
15. Januar, 2009 11:11

Ja geil, hätte nie gedacht, dass der hier in den Kinos landet! Wäre vermutlich ein schön gruseliges Doppelprogramm mit dem in den USA fast zeitgleich erschienenen Expelled, letzterer wohlfeil vernichtet von Roger Ebert: http://blogs.suntimes.com/ebert/2008/12/win_ben_steins_mind.html

Krull
Krull
15. Januar, 2009 11:19

Ich hab da ne Anekdote:
Im August und September war ich beruflich in Südkorea und fand nach 2 Wochen nen super Irisch-Pub.
Freitags drauf war ich dann etwas länger in besagtem Pub. Samstag, nach nem tollem Hangover, bin ich dann Abends zur Schwimmhalle aufgebrochen, zwecks Sport, und hab zwei Amerikaner auf der Straße getroffen.
Beide ungefähr mein Alter (22) und hab mich klasse mit denen unterhalten. Hab vom Pub, vom Bier, den Burgern und so geschwärmt, bis komischerweise das Thema Religion aufkam und sie mir eröffneten sie seien mormonische Missionare!
In meinem ganzen Leben hab ich noch nie so die Kontrolle über meine Mimik verloren wie hier und als sie mir ne Bibel und ne Lesung in meiner Wohnung anboten war ich in null komma nix weg.

Lari
Lari
15. Januar, 2009 11:20

(und ich seh gerade, ich erzähle Blödsinn – Religulous sollte zwar fast zeitgleich kommen, schlitterte aber durch den Writer’s Strike in den Oktober.)

Sebastian
15. Januar, 2009 11:36

Gibt es schon einen deutschen Titel? Davor habe ich ein wenig Angst…

Lutz
Lutz
15. Januar, 2009 11:43

Habs (mal wieder) schon länger auf dem Radar, aber noch nicht gesehen.

Von den Ausschnitten her, die ich bisher gesehen habe, befürchte ich aber, dass sich hier über weite Strecken ein unangenehmer Fremdschäm-Faktor bemerkbar machen wird. Das ist für mich das Unangenehmste überhaupt, ich hasse es, wenn andere Menschen sich so blosstellen, dass ich mich für sie schäme.

Ich mag Bill Maher sehr gerne und finde die Rants in seiner Sendung regelmäßig äußerst witzig und treffend (sein "Nachruf" auf Reverend Jerry Falwell, der mit den Worten: "Death isn’t always sad" beginnt, ist für mich ein absolutes Highlight), ich verstehe auch, dass "Religulous" eben keine ausgewogene Dokumentation sondern ein Statement sein soll. Ich habe aber das Gefühl, dass Maher es sich ein wenig zu einfach macht, wenn er immer nur die krassesten Deppen, die jede Religion zu bieten hat, hervorholt.

Egal, wie sehr der Film ein persönliches Statement sein soll, irgendwie kann ich mir nicht vorstellen, dass Maher hier nur "preaching to the converted" betreiben will. Sicher ist Maher der religiösen Rechten schon lange ein Dorn im Auge und die will er ganz bestimmt auch nicht erreichen, aber selbst für die Mitte ist er bei so einem delikaten Thema mit dieser extremen Darstellungsweise schon zu krass. Und dann finde ich es schon ein wenig billig, einfach nur den fellow atheists einen Film hinzuwerfen, damit man sich mal gemeinsam darüber kaputtlachen kann, wie doof doch die anderen sind.

Nun gut, wieder mal ein schön geschriebener Eintrag, mal schauen, ob ich mich jetzt schneller bemühen werde, den Film zu sehen. 🙂

Lutz
Lutz
15. Januar, 2009 12:13

@ Krull Dafür musst du nicht bis nach Südafrika. Bei mir ist die Wohnung der halbjährlich wechselnden mormonischen US-Missionare direkt um die Ecke und ich sehe die ständig. Das sind ja immer sehr nette und adrette Leute, aber es stößt mir immer so sauer auf, dass der einzige Grund, warum die mit mir reden, der ist, dass ich in ihre Kirche eintreten soll.

Dummerweise haben diese Leute ein schlechtes Erinnerungsvermögen, was Gesichter angeht. Die quatschen mich nämlich immer wieder an.

Wortvogel
Wortvogel
15. Januar, 2009 12:14

@ Lutz: Bei aller Tendenziösität muss man zugeben, dass Maher (bis aus wenige Ausnahmen) eher "Mainstream"-Religionsgelehrte und den "Mann von der Straße" befragt.

Außerdem ist "Religulous" vollgepackt mit lustigen Clips aus TV-Shows, Trickfilmen, und Mahers eigenem Trash "Piranha Women in the Avocado Jungle of Death" 🙂

Natürlich wird der Film niemanden dazu bringen, aus der Kirche auszutreten, aber das macht ihn nicht weniger lustig.

Wortvogel
Wortvogel
15. Januar, 2009 12:15

Der von dir angesprochene Ausschnitt ist hier:
http://de.youtube.com/watch?v=yz5T1EEo8ws

Lutz
Lutz
15. Januar, 2009 12:23

@ Wortvogel
Ok, die Ausschnitte, die ich bei Interviews mit Maher gesehen habe, waren natürlich immer die besonders krassen Beispiele. Außerdem wurden in den Reviews, die ich gelesen haben, wiederum vor allem diese erwähnt. Dass es dann am Ende doch vor allem Normalos sind, die befragt werden, hatte ich bisher so nicht mitbekommen.

Danke für das Posten des Links. Ich bin immer ein wenig vorsichtig damit, Links in Talkbacks zu posten.

meistermochi
15. Januar, 2009 22:10

bill maher ist wirklich der oberknaller! neben bill murray bei mir auf eins. kam da vor kurzem bei john stewart rein und zog 10 minuten vom leder, ohne stewart zu wort kommen zu lassen. so großartig!

Jeff Kelly
Jeff Kelly
16. Januar, 2009 00:34

Ich weiß nicht. Im religiösen Bereich gerade in den USA die absoluten Nutjobs zu finden und vor laufender Kamera vorzuführen halte ich persönlich für keine große Kunst.

Das ist wie ’shooting fish in a barrel' um mal bei amerikanischen Redewendungen zu bleiben.

Bleibt da mehr als nur die Selbstbestätigung auf der 'richtigen' Seite zu stehen (den Atheisten) über? Macht Maher damit dann nicht genau das gleiche was er seinen Gesprächspartnern vorwirft?

Wortvogel
Wortvogel
16. Januar, 2009 00:39

@ Jeff: Ääääähhh… wo genau macht Bill Maher "das gleiche"? Ist er ein religiöser Fanatiker, der auf der Basis einer absurden Märchen-Mythologie Kriege entfachen, und anderen Leuten seine Meinung aufzwingen will? Wohl kaum.

Ich hatte schon erwähnt, dass Maher nichts Neues liefert (wie denn auch?), und mein Review beginnt mit dem Satz "Das ist nun wirklich mit Kanonen auf Spatzen schießen". Das macht den Film nicht weniger unterhaltsam. Wer eine ernstere Auseinandersetzung sucht, soll sich "Jesus Camp" oder "For the bible told me so" ansehen.

Paddy-o-
Paddy-o-
16. Januar, 2009 01:13

"…und anderen Leuten seine Meinung aufzwingen will?"

Naja nicht aufzwingen, aber schon davon vehement davon überzeugen 😉

Seit der Film in der Daily Show vorgestellt wurde wollte ich ihn sehen – endlich hat’s jetzt geklappt. Danke für den letzten Anstoß Torsten!

SEHR unterhaltsam. Und teilw. sogar sehr informativ!
Hätte nicht gedacht (bzw. seit der Daily Show schon wieder vergessen) dass die Wissenschaftler im Vatikan derart zwischen der heiligen Schrift und Wissenschaft an sich unterscheiden könnten….

Der ganze Film war aber eher wenig schockierend für mich – ich weiß schon seit längerem dass ein großer Teil der Menschheit einfach nur bescheuert ist. (gerade was fanatischen Glauben angeht)

Das Einzige was ich Maher vorwerfe:
In seinem Schlussplädoyer kommt teilweise die Message "Schafft die Religion ab, dann wird alles gut!" rüber.

Das ist natürlich Schwachsinn.

Wer anders denkt, dem lege ich den grandiosen SouthPark Zweiteiler "Go God Go" ans Herz (S10E12-13 –> southparkstudios.com).

Dessen Message:
Die Menschheit wird IMMER einen Grund finden sich gegenseitig die Köpfe einzuschlagen.

Davon aber abgesehen spricht mir Maher aus der Seele. Eine große Portion Skepsis gepaart mit viel Offenheit würden uns alle voran bringen.
Lasst uns darauf hoffen und uns selbst und die Menschen die wir treffen dahingehend ändern… *träum*

Dieter
Dieter
16. Januar, 2009 09:44

@PaddyO und andere: WIE MACHT IHR DAS? Wo habt ihr den Film gesehen, der doch erst im April in die Kinos kommt? ICH – WILL – AUCH !!! *stampf*

Ernsthaft: Ich habe Maher und andere Skeptiker so verstanden, dass sie eben nicht sagen, ,,Schafft die Religion ab, dann wird alles gut!" Du unterstellst da eine Haltung (mit aller Vorsicht, denn ich habe den Film ja noch nicht gesehen), die übertrieben und nicht durchführbar ist, und die Skeptiker fanatischer erscheinen lässt.

Ich verstehe die skeptische Haltung so, dass gesagt wird, Religion hindert am klaren Denken und schadet mehr als sie nutzt. Dies wird gut belegt.

Jetzt oute ich mich hier mal: Ich selbst bin Christ evangelischer Konfession, aktives Kirchenmitglied, Kirchenmusiker und habe auf Lehramt Theologie studiert, bevor ich mein Musikstudium antrat und abschloss. Vor diesem Hintergrund kann ich nur sagen, dass die Skeptiker kaum angreifbar sind. Nicht etwa, weil sie geschickt wären, sondern vielmehr, weil sie einfach ziemlich richtig liegen: Aus vorwissenschaftlichen Erklärungsversuchen der Welt, Erzählungen und ersten Gesetzestexten ist Glaube/Religion geworden. Und wir Christen weigern uns zu sehen, dass die Bibel nicht ,,Gottes Wort" sein kann, sondern ein Dokument der menschlichen Auseinandersetzung mit Grundfragen der Existenz. Ein gewaltiger Teil der wörtlich verstandenen Geschichten der Bibel ist bildlich gemeint und bedarf der Interpretation. Dies ist schwierig, weil der Kontext (kleine nomadisierende und sesshaft werdende Menschengruppe entwickelt aus seiner Vorstellung heraus ein Gottesbild innerhalb seiner gesellschaftlichen Struktur und Geschichte) verloren gegangen ist. Also machen es sich viel zu viele leicht, nehmen wörtlich, was nicht wörtlich zu nehmen ist, gehen damit am Sinn vorbei und *Tusch*: bieten ideale Angriffsfläche auf die Religion!

Blöd nur, dass es sich schwer von der Kanzel predigen lässt: "Also, liebe Gemeinde: Wir haben vom Baum der Erkenntnis und nicht des ewigen Lebens gegessen. Das bedeutet, wir sind in die Lage versetzt, selbst unser Handeln zu bestimmen, zu unterscheiden, was gut und richtig ist und deshalb, als direkte Folge, nicht mehr Naivlinge im paradisischen Schoß Gottes, sondern auf uns selbst gestellt. Liebe Gemeinde: Die Bibel sagt als erstes, wir sind mündig! WIR müssen entscheiden, handeln und Gutes tun! Gott tut da gar nichts, denn wir sind nicht mehr im Paradis!" Ratzfatz sind die Kirchen leer.

Paddy-o-
Paddy-o-
16. Januar, 2009 11:11

"Ratzfatz sind die Kirchen leer."

Das wäre in der Tat echt schade.
Denn wenn man die Vorteile von Religion, die Werte, die spirituellen Gedanken, etc, mit einem mündigem, aufgeschlossenem Menschsein verbinden würde – dies wäre in jeder Ausprägung ein erstrebenswerter Lebensstil.

Ein weiterer Kritikpunkt am Film übrigens:
Während die anderen Religionen nur als verrückte Ignoranten dargestellt werden, kommen die Muslime kommen ausnahmslos als gewaltbereite Ignoranten davon. Da helfen die "gay muslims" auch nicht wirklich… 😉

Wortvogel
Wortvogel
16. Januar, 2009 11:20

@ Paddy-o: Zuerst einmal sehe ich da einen Denkfehler – der mündige BRAUCHT keine Religion, will keine Religion. Religion ist die Unterwerfung unter eine fiktive Autorität, die keine Hinterfragung duldet. Wenn ich das Wort Gottes in Zweifel ziehe, ist der nächste Schritt, an Gott selbst zu zweifeln. Was bleibt dann übrig?

Zweitens: genau die Frage stellt Maher – warum scheinen die religiösen Befindlichkeiten gerade bei den Moslems oft zur Gewalt zu führen? Weil einem diese Tatsache nicht gefällt, kann man sie ja nicht ignorieren (wie es die Interview-Partnerin versucht).

Sigbert
Sigbert
16. Januar, 2009 13:11

Ich fand diesen Priester Reginald Foster genial den Maher vor dem Vatikan interviewt hat. Der hat Maher in allen Punkten recht gegeben, der Vatikan ist zu prunkvoll, Jesus würde ehre in den Slums wohnen, die Hölle ist Unsinn. Das kam nicht von Maher sondern tatsächlich von diesem Priester. Ich glaube das Maher mit solchen Interviews, zumindest etwas, ein differenziertes Bild aufzeigt. Der gesamte Film ist genial. Wie Leute ihren rationalen Verstand ausschalten und an etwas glauben was sich andere Leute vor 1000 und mehr Jahren ausgedacht haben… oder eben im Fall von Scientology for 50 Jahren. Oder sprechende Schlangen…

@ Paddy-o: Wie Maher im Film sagt, schau dir die "guten" Werte an die die Kirchen vermitteln, ist es das wirklich Wert? Die gleichen Kirchen in deren Namen dann im Krieg Menschen ermordet werden, aber liebe deinen Nächsten wie dich selbst.
Ich bin selbst Atheist und ich verspüre auch keinen Drang jemand anderen zu töten oder zu bestehlen, mir liegt mehr am Herzen als nur mein eigenes Wohlergehen und das alles ohne die Stimme in meinem Kopf, ohne Religion. Und im Gegensatz zu den meisten Religionen hasse ich keine "Andersgläubigen".

Proesterchen
Proesterchen
16. Januar, 2009 14:15

Klar macht jemand wie Mr Foster ganz schön was her, wenn man das aus der Agnostikersicht beurteilt, aber gerade bei ihm (und seinem Kollegen aus der päpstlichen Sternwarte) frage ich mich, wie sie die cognitive dissonance ertragen, die sich aus diesen Äusserungen und ihrer Priestertätigkeit ergibt.

Was fehlt zum letzten Schritt aus dem Schatten des Glaubens? Sicherer Arbeitsplatz? Nette Kollegen? Viele Kundenkontakte? Zu alt für einen Neuanfang? Ich jedenfalls finde die komplett verblendeten Religionsarbeiter einfacher zu begreifen.

Paddy-o-
Paddy-o-
16. Januar, 2009 15:37

@Sigbert: Naja, 'Kirche' ist für mich nicht gleich 'Religion'. Kirchen sind meistens irgendwo pervertierte Formen und Auslegungen eines ursprünglich guten Glaubens/guter Werte.
Menschen sind korrupt.
Menschen machen Kirchen ^^

@Wortvogel:
Gedanklich abstrahiere ich irgendwo zwischen Religion, Glaube und Spiritualität – aber du hast mit deiner Beschreibung von Religion schon recht und diese Form braucht der mündige Mensch wirklich nicht.
Ich z.B. bin absolut nicht religiös, finde aber, wenn jemand einen Glauben hat, der auch losgelöst von einer Kirche und deren Dogmen noch Gültigkeit besitzt und anwendbar ist, kann dieser jemand durchaus ein mündiger Mensch sein.

Zwischen Spiritualität und Mündigkeit besteht meiner Meinung nach sowieso kein Widerspruch, da dies ja irgendwo die oberste, am meisten abstrahierte eben eines Glaubens sein kann.
Der reine Glaube an etwas Höheres, vielleicht 'göttliches' in welcher Form auch immer, ist wohl eher unkompliziert…

Aber ich verzettel mich hier schon wieder.
Weitermachen! 😉

Julian
18. Januar, 2009 21:32

Gute Einschätzung des Films, finde ich, und sehr gut getroffen, finde ich.

xanos
xanos
8. April, 2009 20:06

Ohje, ich hab den synchronisierten Trailer gesehen. Wollen die deutschen Verleiher mit sowas UNBEDINGT schlecht abschneiden? Um es irgendwem zu beweisen? Der Synchrosprecher ist doch keinem geistig gesunden Menschen zu erklären, oder?

Wortvogel
Wortvogel
8. April, 2009 20:14

@ xanos: Ich verstehe dein Problem nicht. Ich habe den Trailer auch gesehen, und finde ihn gut. Dokus werden eben anders synchronisiert als Spielfilme. Was regt dich da so auf?

xanos
xanos
9. April, 2009 20:01

Diese Stimme und die Nelly-van-Sale-Betonung – das tut ja in den Ohren weh. Ich hätte gerne mein Geld für eine gute Sache ins Kino getragen, aber das tue ich mir nicht an.

milan8888
milan8888
8. März, 2010 00:22

Ich fand die deutsche Synchro ganz okay. Der Film hätte aber gerne länger sein dürfen und vielleicht auch etwas ausführlicher auf die Mormonen und Scientologen eingehen können.