Das große deutsche Science Fiction Epos, einzig ernst zu nehmende „Star Wars“-Konkurrenz, Fahnenträger für die europäische SF, besser als alles andere und überhaupt: das ist „Astro Saga“.

Nie gehört? Kein Wunder.

Die „Astro Saga“ ist ein Phantom, vielleicht eine Fata Morgana. Man sieht sie immer mal wieder am Horizont auftauchen, aber wenn man ihr näher kommt, entpuppt sie sich als Schall und Rauch. Irgendwann heute waberte der Name wieder durch mein Großhirn, und ich entschied mich, mal was drüber zu schreiben.

Begonnen hat die Geschichte, so es mich betrifft, irgendwann in den späten 80ern. Damals gab es die „Filmillustrierte“, bei der Leute wie Kai Meyer (heute erfolgreicher Romanautor) das Zepter schwangen. Irgendwann berichtete die Zeitschrift über mehrere Ausgaben von der „Astro Saga“, angereichert mit aufwändigen Modell-Shots und Designzeichnungen. Es wurde viel über das „Star Wars made in Germany“ schwadroniert, und bei aller Liebe – danach sah es auch aus. Kaum ein Bild, kaum ein Charakterentwurf, der sich nicht direkt auf die Vorlage zurückführen ließ. Was als eigenständiges Epos angekündigt wurde, roch verdammt nach Fan-Plagiat. Ich blieb (obwohl immer auf ein deutsches SF-Projekt hoffend) extrem misstrauisch, zumal die Filmillustrierte die einzige Zeitschrift zu sein schien, die über „Astro Saga“ berichtete. Das war umso verwunderlicher, da Bernd Kammermeier, der Chef der Trickfirma Panasensor, zumindest auf dem Papier die technischen Möglichkeiten besaß, so ein Projekt umzusetzen.

Die Jahre gingen ins Land, ich ging nach München, und immer wieder mal las ich einen Bericht in irgendeiner lokalen Zeitung, oder in einer Fanpostille – der Tenor unerbittlich: Es gab Probleme, aber nächstes Jahr, nächstes Jahr legen wir richtig los! Da waren ein paar Fans, die das Projekt hartnäckig als „das nächste große Ding“ verteidigten, und bei denen machte man sich extrem unbeliebt, wenn man kritisch nachhakte: „Das ist wieder typisch – alles wird gleich kaputtgeredet. Du wirst dich noch wundern, wenn die AS wie eine Rakete abgeht! Leute wie Kammermeier braucht das Land, Leute mit Vision! Er ist der deutsche George Lucas!“

Wenn man zehn Jahre lang gehört hat, ein Film gehe „nächstes Jahr bestimmt“ vor die Kameras, dann heftet man das irgendwann unter „R wie Rosinen im Kopf“ ab. Man bezweifelt nicht die Begeisterung der Macher, nur ihre Fähigkeit, den Worten auch Taten folgen zu lassen.

Um 1998 herum kam ein ProSieben-Produzent auf mich zu – ich arbeitete damals in der Abteilung „internationale Koproduktion“ des Senders. Die Idee, eine Neuauflage von „Raumpatrouille“ zu produzieren, hatten wir gerade ad astra gelegt. Aber es sei ein Typ namens Bernd Kammermeier im Haus gewesen, der habe ein ziemlich cooles Promo für einen geplanten Science Fiction-Film namens „Astro Saga“ gezeigt. Da spitzte ich natürlich gleich die Ohren. Der Produzent fragte mich als ausgewiesenen SF-Experten, ob ich Lust hätte, mit nach Frankfurt zu fliegen, um mir das „Studio“ der Firma Panasensor mal vor Ort anzusehen. Klar hatte ich!

In der Woche darauf flogen wir nach Frankfurt, und fuhren von dort aus nach Dietzenbach. Ich hatte mich durch ein paar Anrufe kundig gemacht, und was mir einige Kollegen gesteckt hatten, klang nicht vielversprechend: Kammermeier habe eine beeindruckende Halle für seine Modellbauten (er arbeitet unter anderem für ZDF-Dokumentationen), aber diese sei meistens praktisch ausgestorben. Die beeindruckende Zahl an Mitarbeitern, die konkret an der „Astro Saga“ arbeite, sei bei Besuch immer zufällig gerade „auf Urlaub“ oder „in der Mittagspause“.

Und so kam es dann auch: Bernd Kammermeier und seine Frau (beide sehr freundlich) führten uns durch eine riesige Halle, in der man als viele beeindruckende Modelle bewundern konnte, die teilweise aus Dokumentationen und Werbungen stammten. Nur wenige Stücke waren konkret der „Astro Saga“ zuzuordnen. Kammermeier bedauerte, dass so viele seiner Modellbauer gerade Urlaub hätten – na ja, es sei eben Sommer.

Ein beeindruckendes vollautomatisches Kamerasystem für komplizierte Modell-Shots sahen wir uns ebenfalls an – und das Promo, welches nun gar nichts mehr von „Star Wars“ hatte, sondern seine „Inspiration“ eindeutig von „Stargate“ bezog. Darauf angesprochen erklärte Kammermeier seufzend, dass Emmerich ihm die Idee für „Stargate“ leider geklaut habe, als sie bei „Moon 44“ miteinander zu tun hatten. Ich bin sicher, Emmerich erzählt das ganz anders…

Überhaupt „Moon 44“: Kammermeier erzählt die Geschichte so, dass er für Emmerich zwar tolle Modelle gebaut habe, dieser ihn aber nie bezahlt hätte. Aus berufenem Munde habe ich wiederum gehört, Kammermeier habe beim Bau die Vorgaben so konsequent ignoriert, dass seine Modelle unbrauchbar waren, und kurzfristig nachgebaut werden mussten. Wer sagt die Wahrheit? Gibt es da überhaupt eine?

Ich sprach mit Bernd Kammermeier an diesem Tag über diverse deutsche SF-Serien, Filme und Projekte – und siehe da: nach eigener Aussage war er an jedem dieser Projekte irgendwann mal beteiligt gewesen. Erstaunlicherweise immer nach dem selben Muster: Er habe seit Jahren Pläne für eine Neuauflage von Orion/Rhodan, nur leider würden die Macher nie auf ihn hören, und darum wäre auch nie was draus geworden. Tenor: Ich weiß, wie die deutsche SF zu retten ist – es lässt mich nur niemand.

Zumindest im Fall „Raumpatrouille“ (siehe oben bereits verlinkter Artikel) kann ich Kammermeier aus erster Hand garantieren, dass er keine Ahnung hat, wovon er redet. Seine Vorstellung davon, was und wie Emmerich mit ProSieben bei der „Raumpatrouille“ umsetzen wollte, ist von der Wirklichkeit so weit entfernt wie Christian Anders vom gesunden Menschenverstand.

Nun wollte ich es genauer wissen: Vor einiger Zeit hatte Panasensor doch selbst angekündigt, „Moontrap 2 – Pyramids of Mars“ zu produzieren. Kammermeier winkte ab: Da sei nichts draus geworden, leider. Schuld? Die anderen. Verleiher scheiße, Walter Koenig scheiße, alles scheiße außer Mutti (und Kammermeier).

Und die 100 Millionen, die er angeblich von einem ungenannt bleiben wollenden Spender aus dem Ausland für „Astro Saga“ habe? Das sei schwierig, beschied mich der Super-SF-Produzent in spe, denn es gäbe da rechtliche Rangeleien. Das sei aber bald ausgestanden, und die Ersatzfinanzierung sei auch schon gesichert. Ein US-Verleih (den er ebenfalls nicht nennen wollte) habe einen Kinostart mit 3000 Kopien zugesichert.

Man lasse sich das mal auf der Zunge zergehen: Ein US-Verleiher garantiert einem kleinen deutschen Tricktechniker, dessen Erstlingsfilm (von dem gerade mal ein Promo und ein paar Modelle existieren) mit 3000 Kopien in die US-Kinos zu bringen. Man braucht nicht mal die Quellen zu checken um zu wissen: Es ist was faul im Staate Dietzenbach.

Je länger der Tag dauerte, desto fischiger kam mir die ganze Angelegenheit vor: Kammermeier SCHIEN seriös und eifrig, aber bei den Fakten immer etwas ungenau, und auch arg von sich überzeugt, ohne wirklich etwas vorweisen zu können. Computereffekte waren ihm nach eigener Aussage ein Greuel, was 1998 schon eine gefährlich rückständige Einstellung war. Ich fragte ihn, warum er nicht erstmal mit einem kleineren SF-Film anfange, um dem Markt (und damit auch uns) seine Fähigkeiten zu beweisen, aber er schüttelte den Kopf: Nein, er habe schon zuviel Arbeit in die „Astro Saga“ gesteckt, da gehe es um alles oder nichts.

Und außerdem fange er ja nächstes Jahr an zu drehen…

Auf dem Rückflug fragte mich unser Produzent (der selber nicht überzeugt schien), was ich von der Sache halte. Ich erklärte ihm, dass ich wirklich an die „Astro Saga“ glauben WOLLE, aber angesichts der Fakten nicht KÖNNE. Nichts an diesem Projekt schien auf mehr gebaut als die Phantastereien von Bernd Kammermeier.

Damit war die Sache für ProSieben erledigt. Wir ließen Panasensor aber wissen, dass wir uns das Projekt gerne ansehen würden, wenn eine konkrete Finanzplanung vorliege. Muss ich erwähnen, dass diese niemals kam? Ich drückte dem ProSieben-Produzenten Material zum Rollenspiel „Shadowrun – Deutschland in den Schatten“ in die Hand: „Versuch das mal, wenn du echt coole Science Fiction in Deutschland machen willst.“

Die Geschichte hatte dann doch noch ein Nachspiel: Anfang des neuen Jahrtausends schrieb ich einen Artikel für einen Relaunch der TV-Zeitschrift GONG. Dieser sogenannte „Dummy“ sollte als Heft nie erscheinen, trotzdem gab ich mir Mühe. Thema: „Verlorengegangene deutsche Science Fiction Projekte“. Dafür recherchierte ich nicht nur „Astro Saga“, sondern auch „Jonas, der letzte Detektiv“ (war von SAT.1 mal als Serie angekündigt worden), und „Raumpatrouille“. Später habe ich den Artikel umgeschrieben, aufgehübscht, und in der „phantastisch!“ veröffentlicht.

Daraufhin bekam ich einen Brief von Bernd Kammermeier, der sich persönlich getroffen fühlte, weil ich das Projekt „Astro Saga“ als „unendliche Geschichte ohne Happy End“ beschrieben hatte. Ich hätte dem Film geschadet. Mehr noch: Leute wie ich seien SCHULD, dass Leute wie er ihre ambitionierten Visionen nicht umsetzen könnten. Typische deutsche Depri-Denke sei das, nichts weiter!

Ich habe nicht auf den Brief geantwortet. Sollte Kammermeier mir doch beweisen, wie falsch ich lag. Sollte er mich doch Lügen strafen.

Nun sind wir schon wieder fünf Jahre weiter, und zehn Jahre sind seit meinem Besuch in Dietzenbach vergangen. Die „Astro Saga“ ist seither mehrfach „bestimmt nächstes Jahr“ in Dreh gegangen, und doch nie gedreht worden. Panasensor besitzt keine Webseite, die Domain panasensor.de ist noch frei. Ich konnte keine Bilder auftreiben, keines der Designs, die damals in der „Filmillustrierte“ gezeigt wurden. Alles, was Google zu dem Thema ausspuckt, ist das Hörensagen einiger Fans, die sich fragen, was wohl aus der „Astro Saga“ wurde? Es ist, als hört man nur das schwache Echo eines Rufes, den es vielleicht nie gegeben hat.

Ich bin neugierig. Was wurde denn nun aus der „Astro Saga“? Aus den 100 Millionen Budget, die doch „sicher“ waren? Aus dem „sicheren“ Vertrieb? Aus der Revolution der deutschen Science Fiction? Weiß jemand mehr? Hat Kammermeier Internet-Anschluss?



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Peroy
Peroy

Dass es keinen „Moontrap 2“ gibt, dafür können wir dem lieben Herrgott auf Knien danken… die Welt wäre schon besser dran, wenn es „Moontrap“ nie gegeben hätte.

Gott, ist der schlecht…

Wortvogel
Wortvogel

Das sind wir uns ausnahmsweise mal einig – ich habe den Streifen damals sogar IM KINO gesehen. War prima: Bei den Szenen auf dem Mond konnte man hinten den schwarzen Studiovorhang erkennen…

Peroy
Peroy

Mein Highlight ist ja wenn König auf dem Mond sein Zelt aufpumpt, reingeht, den Helm abnimmt und ein Nümmerchen schiebt…

Michael
Michael

Was haltet Ihr eigentlich von der Ion Tichy Verfilmung, die im ZDF lief?

Wortvogel
Wortvogel

Ich persönlich bewundere das ZDF für die Chuzpe, einen SF-Klassiker, der diese Bezeichnung wirklich verdient, quasi als Avantgarde-Comedy mit Low Budget umzusetzen.
Die Serie selbst fand ich zum Erbrechen.

Peroy
Peroy

Ion Watt… ?

Wortvogel
Wortvogel

Dass DU das nicht mitbekommen hast, wundert mich ja gar nicht…

Nobby
Nobby

„Zum Erbrechen“? Ohje. Und ich fand’s von vorne bis hinten nahezu perfekt. Kann man da mal eine Review lesen?

Wortvogel
Wortvogel

Erinner mich nach Urlaub Türkei und Drehreise Südafrika Mitte April noch mal dran – ich mach das!

HomiSite

Der Text ist echt hochinteressant!

Moontrap habe ich früher als Kind mal etwas gesehen und dann jahrelang nicht gewusst wie der Film hieß. Als ich ihn dann mal wieder sah, war er schon ganz nett! Auf dem Mond dann sicher etwas „abgespacet“, aber okay.

Ijon Tichy war vom Low-Budget-Appeal beachtenswert, aber der Humor und so war doch meist arg bescheiden. Und die Tschirner kann (wie MTV-Ex-Kollege Ulmen) nicht schauspielen.

Achim
Achim

Ulmen ist sogar richtig gut, du kannst Schauspieler nicht beurteilen, und Nora T ist nicht nur sehr süß, sie ist auch eine überzeugende Schauspielerin.
Was ich eigentlich sagen wollte ist, dass Vapoware halt sehr selten kommt. Ich warte noch auf HURD (der Kernel, für den GNU eigentlich entwickelt wurde, heute nimmt man Linux) und viele Spieler warten sicherlich nicht mehr auf Duke Nukem Forever.

HomiSite

Ulmen und Tschirner wirken auf mich immer, als ob sie quasi nur sich selbst „spielen“, wie man sie noch von MTV und so kennt. „Echt“ wirkt das nie.

Tornhill

Ui, von der ganzen Sache habe ich ja noch nie gehört!
Aber interessant. Sieht zwar nicht so aus, als wenn was draus wird, aber zumindest eine nette Geschichte.
Weiß irgendjemand was von einer deutschen SF-Serie namens „Der Eisplanet“, von der ich vor Ewigkeiten mal im SPIEGEL gelesen hatte? Das klang für mich so ähnlich – große Erwartungen, großes Budget, international geplant…aber bis heute nichts von gehört.

(Und einen späteren „Ion Tichy“-Artikel befürworte ich auch, da ich der Serie gespalten gegenüber stehe und dann gerne mitdiskutieren werde 😉 ).

Peroy
Peroy

Was ist ein Ion Tichy… ? 😕

Dr. Acula

@Torni

Vom „Eisplaneten“ (wenn wir das gleiche meinen :-)) gibt’s zumindest den (unfertigen, sofern ich das übersehe) Piloten im Ausland als DVD.

Bluescreen
Bluescreen

@Torsten:

„Neuauflage von Raumpatrouille“ klingt interessant… kannst du dazu etwas schreiben? Würd ich gerne lesen.

Ja, ich mag die Serie.

Ron

Und was hat ProSieben aus der Shadowrun-Idee verzapft? Ist die auch irgendwo im Rechte-Nirgendwo versunken oder wurde sie gleich verworfen?

Tornhill
Tornhill

Puh, mir fällt ein Stein vom Herzen – endlich hat mal noch irgendjemand von dieser “Eisplaneten”-Sache gehört.

Obwohl ich den Artikel sogar aufbewahrt habe, zweifelte ich doch zeitweise daran, ob ich da nicht einer Ente aus einem Paralleluniversum aufgesessen bin.

Oh, und ich möchte Bluescreen beipflichten, dass ein bisschen Geplauder aus dem „Raumpatrouille“-Nähkästchen höchst willkommen wäre.

*Alphaboxstreichel*

Udo Gerhards

„Ijon Tichy“ im ZDF war klasse. Unterhaltsam und auch verdammt gut gemacht (natürlich immer in Relation dazu gesehen, dass es sich um aus Studentenfilmen hervorgegangene 15minüter für’s Kleine Kammerspiel handelt und obendrein auf den „schäbigen“ Low-Budget-Look gezielt wurde). Viele Reaktionen, die ich gelesen habe, haben sich speziell über den Pseudo-Akzent der Hauptfigur aufgeregt, aber für nen Viertelstünder geht das als „billiger“ Gag schon in Ordnung.

Ich gebe aber zu, dass ich Lem in Buchform nicht sonderlich mag; die Sternentagebücher habe ich vor Urzeiten zwar gelesen, kann mich aber kaum noch dran erinnern. Deshalb weiß ich nicht genau, wie sehr die Macher der Serie beinharten Lem-Fans auf die Füße getreten sein könnten.

Mark
Mark

“Ijon Tichy” auf ZDF kann man höchstens vorwerfen,dass nur 6 Folgen gemacht wurden.
Für 15 min Kurzunterhaltung, meiner Meinung nach, bestens geeignet.

Wortvogel
Wortvogel

Ich halte mich kurz, weil ich gerade noch im Hotel in der Türkei hocke (morgen mittag geht es zurück nach München):

– Ja, der Akzent hat mir die Tichy-Verfilmung komplett versaut. Und noch ein paar andere Details, auf die ich beizeiten eingehen werde.
– Beim „Eisplaneten“ war ich sogar auf dem Set und habe die Darsteller interviewt – Beweise in Form von Fotos und Berichten demnächst
– Zu Raumpatrouille darf ich nicht viel sagen – aber was ich sagen darf, werde ich bald sagen

Tornhill
Tornhill

Juchu! Das klingt doch schonmal gut – Infos zum neuen „Orion“ und „Eisplaneten“ (dessen Existenz damit NOCHMAL belegt ist, hurra!) und noch jemand, der den Akzent Tichys als große Achillesferse der Serie sieht.

Ascalon
Ascalon

Ich hoffe ja nur, dass keiner auf die Idee kommt, den Schwachfug „Shadowrun“ wirklich zu verfilmen…

Achim
Achim

Was ist Shadowrun?
Vielleicht sollte ich auch einfach googlen, anstatt zu fragen …

Aber den Akzent beim Tichy fand ich nicht schlimm, habe aber auch nicht viel gesehen.

Apropos Tichy, Curt Anatol Tichy spielte in vielen Kottan-Folgen mit, Kottan war einfach gut.

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Ja, ich habe Internet-Anschluß; ja, ich hatte einen Investoren (Gerhard Heil aus Frankfurt), der 80 Mio DM investieren wollte (und auch gekonnt hätte!); ja, ich hatte einen Vorvertrag mit einem amerikanischen Major Studio (MGM); ja, es gab Rechtsstreit um die Astro Saga; ja, seit letztem Jahr liegen die Rechte wieder bei mir; nein, ich habe mich mit dem Projekt nicht übernommen, da man mir kreativ in allen Phasen des Projekts höchste Qualität zubilligte (MGM gab mir den Vorvertrag aufgrund meines Drehbuches – nicht auf Basis einiger Modell. Sie haben noch nicht einmal die bisher gedrehten Szenen sehen können. Auch Egon Werdin, Fred Sidewater, Hannes Nikel, Michael Waldleitner und Sounddeluxe etc. hatten mit meinen Fähigkeiten keine Probleme – auch nicht Rod Steiger, der unter meiner Regie in einem anderen, kleineren Projekt spielte); nein, ich leide nicht an Depri-Denke, sonst hätte ich das Projekt schon vor Jahren beerdigt oder nie begonnen (das Miesquatschen ist eher typisch für Deutschland, siehe alle anderen Versuche, in Deutschland SF zu produzieren); ja, Roland Emmerich hat sich von meinem damaligen Konzept zur Astro Saga, das ich ihm in kollegialer Absicht gab, „inspirieren“ lassen. Es gibt sogar ein Photo von ihm, wo er in meinem Büro saß (anläßlich Moon 44) und an der Wand hängen die Production Paintings, die frappierend an Stargate erinnern, was ja bekanntlich danach gedreht wurde.
Ach, was soll ich jammern, ich habe eben nicht die Depri-Denke und wurstel immer weiter, und sei es nur für das ZDF.
Aber eins ist sicher: nächstes Jahr wird die Astro Saga nicht gedreht. Vielleicht nie – aber dann will ich wenigstens den Oscar für den besten nicht gedrehten Film!

Wortvogel
Wortvogel

Herr Kammermeier, zuerst einmal danke für die Replik – auch wenn sie keine Antworten gibt, sondern ausschließlich Behauptungen wiederholt, die in meinem Text erwähnt wurden.

Gibt es irgendwelche Dinge in meinem Beitrag, denen Sie (belegt) widersprechen möchten? Warum wurde denn nun nicht investiert? Was ist der konkrete Stand der „Astro-Saga“?

„nein, ich habe mich mit dem Projekt nicht übernommen“ – wieso gibt es den Film dann nicht? Wäre die Realisierung des Projekts nicht der einzig akzeptable Beweis, dass Sie sich NICHT übernommen haben?

Sie sind angetreten, um der deutschen SF zur Renaissance zu verhelfen – was sagt uns die Tatsache, dass es Ihnen nicht gelingt? Belegen Sie nicht das, was Sie widerlegen wollen?

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Ebenfalls danke für die Replik-Replik. Ich muß allerdings gestehen, daß eine fundierte Abhandlung über die Gründe des nicht erfolgten Astro-Saga-Starts die Grenzen dieses Eintrags sprengen würde.

In knappen Worten: Mein damaliger Investor hatte sich vertraglich verpflichtet, den Film frei zu finanzieren, mein amerikanischer Consultant Fred Sidewater hatte daraufhin Kontakte zu MGM hergestellt. Ich habe mit Frank Mancuso, dem damaligen Chairman von MGM, gesprochen. Er ließ mein Drehbuch lesen und daraufhin bekam ich von Larry Gleason (ich hoffe, ich kriege den Namen noch richtig zusammen), dem President Wordwide Distribution von MGM, einen Vorvertrag. Man wartete nur noch auf das Cast (an dem bereits Victoria Burrows saß) und die ersten, abgedrehten Szenen.

Während der Produktion schlich sich jedoch ein höchst eigenwilliger Gentleman in die Geschäftsbeziehung, der mir damals unbekannt war. Sein Name war Edwin Leicht! Er hatte sich sofort an das Geld, sprich den Investor geschmissen, einen höchst lukrativen Geschäftsführerjob übernommen und systematisch versucht, mich aus meinem Film herauszudrängen.

Der einzige Grund: Er konnte oder wollte nichts zum weiteren Marketing und Gewinnen weiterer Partner beitragen, also tat er das einzig vernüftige – er sähte Zwietracht. Mit Erfolg, denn der Investor wollte nun nicht mehr weiterfinanzieren und es entwickelte sich ein jahrelanger Rechtsstreit. Eine gewisse Einsicht kehrte beim Investor ein, als Herr Leicht den grandiosen Vorschlag unterbreitete, ich wäre doch sicher stolz, wenn James Cameron die Astro Saga zu Ende drehen würde. Er begriff, daß der Weg, den Herr Leicht (nicht) beschritt, grundfalsch war. Nach vielen hunderttausend Mark Geschäftsführergehalt wurde Herr Leicht entlassen, ohne – Gott sei Dank – etwas in Sachen Astro Saga unternommen zu haben. Das Projekt lag zwar nun auf Eis, es wurde aber nicht durch zu intensives Herumrühren in der Szene beschädigt.

Natürlich habe ich die Zeit genutzt und den Stoff weiterentwickelt, ich habe ihn in Romanform weitergeschrieben und wäre ehrlich nicht traurig, wenn er nichts bleibt, als ein naiver Versuch im Land der begrenzten Möglichkeiten einen Traum zu realisieren.
Das erklärt vielleicht auch, warum ich es gar nicht so darauf anlege, etwas belegen zu wollen, schon gar nicht, etwas widerlegen zu wollen. Was sollte das ändern? Ich und viele gute Freunde kennen die Wahrheit, kennen mein Bemühen, etwas Großes zu vollbringen und – vor allem – kennen mein kreativen Fähigkeiten. Nur in diesen liegt übrigens die Überzeugung begründet, daß ich mich nicht übernommen habe. Mit dem familiären Hintergrund eines Roland Emmerichs wäre mir möglicherweise sogar der Beweis gelungen, das irgendwann das Wort ENDE ganz hinten an der Astro Saga auftaucht. Aber allein auf weiter Flur, ohne entsprechende Lobby, muß das größte Talent verkümmern.

Aber ich bin nicht traurig darüber, denn ich kann Schreiben, Filmen, hin und wieder Regieführen – ja, und sogar Modelle bauen.
Aber vielleicht geschieht ein Wunder (und das braucht es schon) und jemand will diese Fata Morgana auf der Leinwand sehen. Es erreichen mich jedenfalls immer wieder Anrufe wildfremder Menschen, die sehnsüchtigst darauf warten.

Die in Ihrem Artikel erwähnte Ähnlichkeit zu Stargate ist übrigens längst nicht mehr so extrem, wie sie noch war, als ich Roland das Treatment aushändigte. Das Sternentor habe ich ersetzt durch eine bessere Idee, die Nomaden in der Wüste gibt es nicht mehr, selbst die Raumschiffpyramide und die seltsamen Reittiere, sowie den Symbionten, der die geistigen Fähigkeiten verbessert habe ich ‚rausgeschmissen. Einiges davon tat weh, aber mich hat befreidigt, wie wenig Roland von der Astro Saga verstanden hatte (obwohl er Stargate unter dem Titel „Astro Saga“ drehen wollte, siehe Spio-Titelregister, aber das wurde ihm mittels einstweiliger Verfügung abgewöhnt) und wie unausgereift im Grund mein damaliges Treatment noch war.

Also, alles kann gut werden! Aber ob es dazu kommt, steht – wie sollte es anders sein – in den Sternen…

Wortvogel
Wortvogel

Respekt, das ist eine detaillierte und in vielen Bereichen ernüchternde Schilderung des Scheiterns eines ambitionierten SF-Projekts. Und sie füllt viele Lücken, die mein Beitrag auf Grund der Outsider-Perspektive haben musste. Ich wünschte, mehr Beteiligte würden meine Beiträge durch eigene Erinnerungen ergänzen und kommentieren.

Ich will das alles auch gar nicht weiter auswalzen, darum nur abschließend zwei Gedanken, die mir wichtig sind:

1) „Ich und viele gute Freunde kennen die Wahrheit, kennen mein Bemühen, etwas Großes zu vollbringen und – vor allem – kennen mein kreativen Fähigkeiten“ – eben, Sie haben das BEMÜHEN, etwas Großes zu vollbringen. Aber Sie haben nichts Großes vollbracht. Ich sehe als das Hauptproblem der ganzen traurigen Geschichte der „Astro Saga“ ihre mangelnde Unterscheidung zwischen „guter Absicht“ und „tatsächlicher Leistung“. In meinem Kopf habe ich auch schon tausend geile Filme gedreht – zu einem grandiosen Regisseur macht mich das noch nicht. Also: So lange die „Astro Saga“ sich nicht dem weltweiten Publikum stellt, so lange ist keine Aussage über deren Qualität, noch über Ihre Fähigkeiten angebracht. „Mein nie gedrehter Film wäre besser als ‚Star Wars‘ geworden“ geht nicht.

2) Es sieht immer noch so aus, als habe mein Beitrag die für mich ersichtlichen Fakten und Ereignisse korrekt wiedergegeben. Zumindest brauche ich mir also keine Vorwürfe zu machen.

Ist denn wenigstens die Romanversion veröffentlicht worden? Da kann es doch am Geld nicht gelegen haben – und bei Ihrem (behaupteten) Talent müsste doch die Genialität des Stoffes auch zwischen Buchdeckeln offensichtlich sein.

trackback

[…] “Astro Saga” – Produzent Kammermeier hat sich in den Kommentaren ausführlich zu Wort gemeldet. Wer also die Geschichte “aus erster Hand” hören will, sollte sich […]

comicfreak
comicfreak

..au ja, das würde ich auch gerne lesen!

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Da bin ich noch mal. Scheint so, als wollten wir die verpaßte Korrespondenz der letzten Jahre in einer einzigen Nacht aufholen. Kein Problem, dreht es sich doch nun „nur“ noch um einen Punkt: das elende „Bemühen“!

Grundsätzlich ist das Bemühen die Voraussetzung, etwas zu erreichen – ohne geht nicht. Aber so sehr Bemühen dem Erfolg vorausgesetzt ist, will es keine Garantie dafür übernehmen. Und vor allem, wenn man etwas erreichen will, das aus eigener Kraft unmöglich ist.

Ich habe nie behauptet, reich zu sein, ich habe nur behauptet (und kann dies nach fertiggestellten und veröffentlichten Arbeiten für mehrere hundert TV-Dokumentationen, TV-Spots, Industrie- und Spielfilmen, einem aufwendigen Theaterprojekt in Griechenland und ein paar Büchern auch guten Gewissens) kreativ talentiert zu sein. Nein, ich bin nach über zwanzig Jahren auch sehr berufserfahren, ich will mich da überhaupt nicht kleiner machen, als ich bin. Ich bin halt nicht der Typ, der mit aufgemotzten Websites auf den Putz haut; meine Clienten kennen und schätzen mich auch so.
Mich auf den „Erfolg“ der Astro Saga zu reduzieren, heißt, mich nicht zu verstehen. Ich kenne diesen Film bereits, wenn auch als (fast) reines Kopfkino. Ich denke aber, auch ein Wortvogel, der 100% Dewi ist, sollte das Geschäft – unser Geschäft – so gut kennen, daß er weiß, daß es ohne die richtigen Beziehungen nicht geht. Da ich nach wie vor keinen finanziellen Hintergrund habe, werde ich von vielen unmittelbar als Konkurrenz wahrgenommen und Talent ohne Geld und Kontakte ist leicht an die Seite zu drängen. Dazu kommt natürlich noch, daß man irgendwo zwar weiß, daß die wirklichen Blockbuster reichlich Modelltricks einsetzen (um diese dann digital zu bearbeiten – siehe „Herr der Ringe“ oder auch neuere Filme), jedoch ist man so den Verlockungen der nur am Umsatz interessieren Computerbrance, die sich zum neuen Gott unseres Zeitalters ausgerufen hat, mächtig auf den Leim gekrochen, so daß man sich einfach kein eigenes Urteil mehr zutraut. Als ich Bully Herbig meine ersten komplett fertiggestellten Astro Saga-Szenen im Arri-Kino in Cinemascope und vier Kanal Digitalton zeigte, war er ernsthaft tief beeindruckt und meinte, daß es ihm besser gefiele, als Star Wars Episode III. Doch er wurde sofort von Scanline umflattert, abgeschirmt und in der Folge geknetet, gekrault und bearbeitet, da es um lukrative Arbeiten für (T)raumschiff ging und den Kuchen wollte man ganz allein für sich. Ich als kleiner Produzent in Dietzenbach habe da nicht die geringste Chance.

Also, selbst wenn jemand meine Qualitäten erkennt, heißt das noch lange nicht, daß daraus Aufträge oder sinnvolle, geschäftliche Kontakte werden.

Gleiches gilt übrigens auch für Verlage, denn wer hier nicht den Lektor kennt oder bereits einen Namen hat (und in diesem Fall spielt Qualität seltsamerweise überhaupt keine Rolle mehr) braucht sein Manuskript gar nicht erst abzuschicken. Das ist sogar tödlich, denn wenn es einmal offiziell abgelehnt wurde (= nie gelesen), braucht man es nicht erneut zu versuchen, auch wenn man jemanden aus dem Verlag zufällig kennenlernt. Unter http://www.michaelpfrommer.de, der Homepage eines meiner wirklich guten Freunde, kann man einiges nachlesen, auch wenn sich hier langsam ein Erfolg abzeichnet (hat sehr lange gedauert).

Deshalb habe ich gerade die Astro Saga nie herumgeschickt, dafür ist mir der Stoff zu wertvoll. Erst, wenn sich eine wirklich gute Gelegenheit ergibt, die zumindest theoretisch die Chance auf Erfolg (richtig – die Veröffentlichung!) hat, werde ich diesen Stoff herausgeben. Ich habe einfach zuviel Negatives erlebt und möchte dem von mir aus, ohne Not, nichts weiteres hinzufügen. Nein, keine Depri-Denke – Realismus!

Noch etwas: Der Wortvogel kann völlig entspannt sein gesträubtes Gefieder glätten. Mir geht es doch gar nicht (und ging es nie) darum, irgendjemandem Vorwürfe zu machen. Wozu auch? Jeder, der Zeitung liest oder Fernsehen schaut, weiß, daß Journalisten und selbst Branchenkenner auch nicht immer die Wahrheit kennen, zumal diese immer auch subjektiv ist. Also sollte man jedem seine Meinung lassen und selbst nach dem richtigen Weg suchen. Immerhin stecke ich schon eine ganze Weile mit mir zusammen und habe alles live miterlebt.

Ach ja, da ist doch etwas, was ich vielleicht ‚mal objektiv dargestellt haben möchte (wenn es die jeweilige Überzeugung zuläßt… [Orakel, grübel, denk!]): Häufig wird – aus Bequemlichkeit oder anderen Motiven – die Astro Saga mit Star Wars in einen Topf geworfen. Ich darf offiziell kund tun, daß es bis auf das Genre keine Gemeinsamkeiten gibt (außer vielleicht dem potentiellen Erfolg *grins*). Wir hatten damals einen Forrest Report machen lassen, der das Drehbuch auf Herz und Nieren nach Paralellen zu allem, was auf unser Welt existiert, untersuchte. Bis auf die Tatsache, daß wohl einige Rahons in Indien leben, kam dabei nichts zutage, schon gar nicht zu anderen Filmen, Büchern oder Theaterstücken. Auch MGM (die mit mir ganz nebenbei wegen der Stargate-Affaire *grins* so gesprächsbereit waren) fand nichts, was man später mit der Rechtsabteilung der Fox hätte ausfechten müssen. Ich denke, auch das Urteil von Alan Ladd jr., daß mein Drehbuch nichts mit Star Wars zu tun hat (und der muß es wissen!), sollte Äußerungen in dieser Richtung stoppen. Das Projekt ist ja auch nicht daran gescheitert (?), daß die Profiwelt in Hollywood nichts damit zu tun haben wollte, ganz im Gegenteil – es ist am Unvermögen eines deutschen Investors und den Machenschaften eines branchenbekannten „Leichtgewichts“ gescheitert.

Und hier schließt sich der Kreis zum „Bemühen“. Diesen Kräften (und das Unvermögen ist die mächtgste Urkraft des Universums) kann ich als keiner Talentbolzen nichts, aber auch rein gar nichts entgegensetzen.

Ich will hier niemanden entmutigen, es selbst zu versuchen. Aber schaut erst zu, daß ihr bei wichtigen Leuten ein paar Leichen im Keller findet und dann setzt euch einen Traum in den Kopf. Alles andere frustriert. Lottogewinnen geht auch, aber meine Mathematikkenntnisse reichen aus, dies nicht zu versuchen…

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Ups! Ich habe gerade aus dem „de Forest Report“ den „Forrest Report“ gemacht. Ich habe gerade festgestellt, daß dies ein medizinischer Report über Brustkrebs ist. Ganz so schlimm ist es mit mir noch nicht…

Noch was: diese ganze Rumblogerei hat in mir richtige Lust geweckt, noch mal an meine Astro Saga-Unterlagen zu gehen. Immerhin bin ich ja nach den vielen Schlachten wieder Eigentümer der Urhebernutzungsrechte.

Wer weiß…?

Wombel
Wombel

Klingt wirklich nach einer menge leidenschaft mit der Sie dabei sind Herr Kammermeier !

Ich weiß das ist vielleicht vermessen, aber bitte Ändern sie den Titel. Astro Saga klingt einfach nach Trash.
Aber das ist nur meine bescheidene Meinung. Ich habe jedenfalls sehr interessiert ihre Ausführungen gelesen und wünsche ihnen viel glück dabei, ihr lang gehegtes Projekt irgendwann doch noch in die Tat um zu setzen. Ich würds mir auf jedenfall anschauen!

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Lieber Wombel,

danke für das Interesse und die quasi in Subsubsubskription erworbene Kinokarte. Ja, Leidenschaft gehört dazu – weil sie Leiden schafft.

Zum Titel: Es ist nun einmal eine Astro Saga und warum das Kind nicht beim Namen nennen? Es ist eine Sternensaga, die einen gewaltigen Zeit- und Lebensraum abdeckt, die von den Uranfängen bis in die fernste Zukunft reicht – verbunden durch gegensätzliche Charaktere, die schicksalhaft in diesen kosmischen Strudel der Ereignisse geschleudert wurden. Es ist eine Sternensaga, die keinen simplen Plot (Gute leben prima – Böse kommen – Gute verteidigen sich und gewinnen *Hurra*) hat, sondern eine echte Geschichte mit vielen Querverbindungen zu uns, zu unserer Wirklichkeit. Es ist eine Saga von Menschen, über Menschen für Menschen. Die Flitzekacke der meisten Außerirdischen interessiert mich nicht wirklich – vor allem deshalb, weil ich sie nicht persönlich kenne.

Apropos persönlich: Auf fatale Weise ähnelt mein eigenes Leben dem meiner Protagonisten, und deren Lebensweg habe ich bereits vor mehr als zwei Jahrzehnten skizziert. Er ist steinig und hart – aber er führt ins Licht! So mache ich mir selbst Hoffnung, indem ich in meinen alten Zeilen, sozusagen der „Ur-Astro Saga“, stöbere. Seltsam.

Aber meine Helden brauchen am Ende auch das notwendige Quentchen Glück, um ihre schier übermenschliche Aufgabe zu meistern.

Wie sagt der Kaiser Franz so schön: „Schauen wir ‚mal!“

comicfreak
comicfreak

Herr Kammermeier,

immer mehr bringen Bücher „intern“ heraus, für ihre vorhandene Fangemeinde, siehe „Daujones“ und den „Bestatter“;

In SF-Kreisen bekannt sind Sie.

Fangemeinde? Vorhanden.

Warum die zukünftige Leserschaft nicht mit Häppchen im Weblog anfüttern, Druckpreise erfragen, und dann Band 1 zum Preis XY anbieten, ab Bestelleingang Menge Dingenskirchens?

Damit würde die Astro-Saga ein gutres Stück „realer“, wenn auch nur für die Leserschaft.

Oder kostenpflichtiger Download als PDF?

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Lieber Comicfreak,

ich plane zur Zeit etwas ähnliches, das ganze geht mit einer Homepage los, die neben Hintergründen auch die optische Welt der Astro Saga präsentieren wird. Auch bisher gedrehtes Filmmaterial könnte hier gezeigt werden, sowie mein „Giftschrank“ mit bisher unter Verschluß gehaltenen Probedrehs zur Astro Saga (völlig anders, als sie sich heute darstellt) mit Eddie Constantine – die Älteren mögen sich erinnern – Lemmy Caution! Im Rahmen einer solchen Website kann sicher darüber nachgedacht werden, die Astro Saga portioniert zur Verfügung zu stellen, ich bin deswegen mit Fachleuten im Gespräch. Ich muß auch noch klären, was dies für eine „richtige“ Vermarktung als gedrucktes Buch bedeutet, denn ich glaube es gibt noch eine Menge Leute, die wollen ein Buch gerne in der Hand halten und dabei – auch ein Aspekt heutzutage – keinen Strom verbrauchen.

Also eine Menge Klärungsbedarf, aber natürlich freue ich mich über entsprechendes Interesse.

Wer es gar nicht mehr aushält, dem empfehle ich einen Roman von Michael Pfrommer, zu dem ich das Drehbuch geschrieben habe: „Das Zweite Buch“, erschienen bei Zabern. Es ist eine ungewöhnliche SF-Geschichte, die in zwei Zeitebenen spielt und sich zentral mit den mysteriösen Sichtungen des biblischen Propheten Hesekiel befaßt. Keine Angst, es stellt sich nicht als simples UFO heraus – es ist etwas viel Geheimnisvolleres!

Ich hatte schon mal auf die Website meines Freundes hingewiesen, hier aber nochmal, weil ich blöderweise ein Komma angehängt habe, es deshalb als Link nicht funktioniert: http://www.michaelpfrommer.de
Da gibt’s auch noch mehr und Videos, die ich mir Prof. Pfrommer gedreht habe etc.

Achim
Achim

Der Titel „Astro Saga“ klingt IMvHO nicht nach Trash, er klingt nach Genre, als Arbeitstitel kann man ihn gebrauchen.
Als endgültigen Titel sollten Sie wirklich etwas anderes nehmen.

Hendrik Meyerhof

Amüsante Story, interessanter Korrespondenzwechsel…
ASTRO SAGA in Romanform (gar als Romanreihe) sollte doch wohl in der Tat möglich sein. Gibt da doch auch hierzulande so einige seriöse Verlage. Zur Not via BoD?
Mich würde es zumindest reizen, es zu lesen, obwohl ich es natürlich auch gerne verfilmt sähe, doch die Wahrscheinlichkeit dafür, ist wohl doch eher gering.

DER EISPLANET: Ha! Endlich finden sich noch mehr Leute, die auch von diesem Projekt gehört, ja sogar davon berichtet haben wollen! Beeil dich, Wortvogel, sonst kommen noch die Männer in den schwarzen Anzügen und machen mit dir das Gleiche, was sie mit jedem anderen zuvor, der je von diesem Projekt gehört hat, getan haben: Blitzdingsen!
Ich hätte mir mal Reiner Schöne schnappen und ihn drauf ansprechen sollen, als er vor Kurzem hier auf dem BSG-Gelände (ich schätze, für die Synchro von INDY 4) rumlief, denn ich meine mich zu erinnern, dass er auch daran als Darsteller mitgewirkt haben soll oder es zumindest mal geplant war.
Auch bringe ich mit DER EISPLANET irgendwie den Namen Hendrik Hey (ja, genau, dem WELT DER WUNDER-Produzenten/Moderatoren) in Verbindung… hatte seine Produktionsfirma nicht irgendwas damit zu tun?
Ich hatte mir von dieser – so schien mir damals jedenfalls – sehr ambitionierten, aber offenbar nie wirklich in der Form realisierten SF-Serie aus deutschen Landen wirklich viel erhofft. Ich glaube, zum ersten Mal habe ich darüber in einer TV-HIGHLIGHTS-Ausgabe von anno 2000 oder 2001 etwas gelesen. Oder ist es noch länger her und war die Space-View? … Puh…
Leider kann ich auch nicht spontan in meinem kleinen TV-HIGHLIGHTS-Privatarchiv nach diesem Artikel wühlen, da alle Hefte, die älter als 2 oder 3 Jahre alt sind, noch zuhause in Kartons im Keller meiner Mutter in Hamburg sind. Und solange ich hier in Berlin nur eine Ein-Zimmer-Wohnung habe, wird sich daran wohl auch nichts ändern. 😉

Ähm… wo waren wir? Achja, DER EISPLANET: Bitte Infos, Torsten! 😉

Wortvogel
Wortvogel

Kommt schon alles, aber es gibt auch Aufträge, mit denen ich mein täglich Brot finanzieren muss, und da steht das Blog dann hintenan.

Vorab: Ja, Hendrik Hey war Erfinder und Produzent des „Ice Planet“, ich habe mega-exklusives Material zu dem Stoff, und viele interessante Anekdoten. Angefangen hat alles schon 1997!

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Vielleicht kann ich ein paar wenige Infos auch zum Eisplaneten beisteuern. Immerhin hatte ich damals spezielle Kostümteile (GFK-Hartschalenpanzer á la Stormtrooper) in meiner Firma dafür angefertigt. Ja, der Hendrik Hey hatte mich damals in seiner Funktion als Produzent angeheuert, er hat auch Teile der Astro Saga gesehen und war, denke ich, ganz angetan.

Mein Problem mit dieser Produktion (H5B5) war, daß sie zwar einen coolen Arbeitsstil pflegten, aber als ich in das Büro des Production Designers kam, schwappten mir all die Vorurteile entgegen, die ich häufig bezüglich der Astro Saga hören muß. Nur – hier waren sie echt: Der ganze Raum war überfüllt mit Star Wars Merchandizing Artikeln, etwas, was es bei mir nie gegeben hat. Entsprechend sahen viele der Entwürfe aus. Als verständnisvoller Kollege habe ich meinen Mund gehalten und den Jungs viel Glück gewünscht. Leider vergebens.

Genauso leider oder vielleicht sogar noch ein bißchen leiderer war mir klar, daß dies der letzte Auftrag aus dieser Ecke war, denn die ganze Idee lag in den falschen Händen und war – entsprechend des Titels – auf dem Eisplaneten festgefroren. Jammerschade, denn wir haben nicht viele Versuche in Deutschland, sowas ernsthaft durchzuziehen.

Es wurde noch viel mehr am leidersten eine Menge Geld von Anlegern durchgebracht, was den Ruf deutscher Produktionen – zumindest in diesem Genre – nicht gerade befördert hat. Ich weiß, der Torsten Dewi hört das nicht gerne, aber natürlich schadet sowas auch mir Wurstler, denn wenn ein Hendrik Hey mit seiner H5B5 das nicht hinbekommt, wie ich dann…? Umgekehrt wird der Effekt noch deutlicher: Hätte er es geschafft, in Deutschland einen internationalen SF-Erfolg zu produzieren, hätten sich auch für andere und mich manche Türen leichter öffnen lassen.

So bleibt mir hier in Sachen Astro Saga wirklich nur die „Resteverwertung“ und das heißt: Eine affengeile Romanserie! Inzwischen existieren ca. 20.000 Romanseiten, was etwa 250 Heften á la Perry Rhodan (nicht inhaltlich, um präventiv allen Gerüchten und Vorurteilen zu begegnen, nur vom Seitenumfang her) entspricht. Vieles davon muß noch überarbeitet werden, aber der wesentliche Kern steht.

Ach ja, da beginnt man nichtsahnend ein paar hartnäckige Irrtümer über mich und mein Werk auszuräumen und schon steckt man in einer Diskussion, die mir, führe ich sie Konsequent weiter, einen Haufen Arbeit macht.
Aber dafür lebt man doch, oder?
Und für die, die sich offensichtlich für meine Arbeit interessieren. Hat mich echt gerührt – danke dafür…

comicfreak
comicfreak

..wenn Sie kostenlose Lektoren brauchen, ich opfere mich gerne..

;o)

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Lieber Comicfreak,

ich will niemanden von sinnvoller Arbeit abhalten, aber ich glaube, kein Mensch kann sich vorstellen, welch gigantische Arbeit das Lektorieren der Astro Saga bedeuten würde (auch wenn sie natürlich irgendwann einmal in Angriff genommen werden muß).

Grundsätzlich behalte ich aber das freundliche Angebot im Auge, da ich auch in der Vergangenheit über ein System von „Testlesern“ immer wieder ein Feedback gesucht habe. Mich hatte dabei stets interessiert, ob alles verständlich ist, denn die Welt der Astro Saga ist naturwissenschaftlich vollkommen korrekt und in diesen Wissensgebieten hapert es doch mittlerweile bei dem einen oder anderen Zeitgenossen.

Wer also mein Werk lektorieren will, sollte ein wenig in Naturwissenschaften und Astronomie bewandert sein und Spaß an einfühlsamen, emotionalen Beschreibungen haben, sowie an Geschichten, die eher „plot driven“ sind, als „character driven“, obwohl die Charaktere nicht zweidimensional sind. Sie sind – streng genommen – sogar vierdimensional, aber das versteht man erst, wenn man die ersten Geschichten gelesen hat.

Nun ja, wie könnte man hier konkret vorgehen? Zunächst einmal besteht die Hürde, daß wir bisher nur über den Kopf des Wortvogels hinweg kommunizieren. Machen Sie doch einen Vorschlag, wie wir das ändern können.

Falls es zu einer Zusammenarbeit kommt, könnte man ja von Zeit zu Zeit hier an geeigneter Stelle Informationen „parken“, die die geneigte Leserschaft an den Fortschritten dieses Mammutunternehmens teilhaben läßt.

Wortvogel
Wortvogel

Okay, ich habe mal wieder ein bisschen Zeit, mich in die Diskussion einzuklinken. Zuerst einmal bedanke ich mich nochmals bei Herrn Kammermeier für die Bereitschaft, erschöpfend und entspannt Rede und Antwort zu stehen.

Ich bin ungern des Teufels Advokat, aber trotzdem muss ich einigen Äußerungen vehement widersprechen: JEDER Verlag sucht gute Manuskripte, Beziehungen und Bestechung sind dabei völlig irrelevant (kein Verlag kann sich die Peinlichkeit eines schlechten Buches erlauben, nur weil der Autor der Patensohn vom Verlagschef ist). Kai Meyer, Andreas Eschbach, Frank Schätzing, Wolfgang Hohlbein – ALLE haben mal mit dem ersten Manuskript angefangen, dass sie verschämt an einen Verlag geschickt haben. Ich auch. Ein gutes Manuskript muss man nur einschicken, und nach Lektorat wird sowas auch gerne genommen. Besonders im Fall der „Astro Saga“ kann der Verlag ja sogar schon die ersten VOLLSTÄNDIGEN BÄNDE begutachten. Hier muss ich also unterstellen, dass Herr Kammermeier nur versucht, sich der tatsächlich objektiven, und am Markt orientierten Prüfung seines Stoffes zu stellen. Ich kenne Dutzende von Autoren, die eine Absage des Verlages mit Floskeln wie „Ja, die wollen bloß dem Nachwuchs keine Chance geben“ oder „Da kommt man nur rein, wenn man wen kennt“ schönreden. Das ist Unfug.

Was die oben angegebenen begeisterten Leser des Film-Drehbuchs angeht: Das sind Leute (Kamera, Schnitt, etc.) die im Zweifelsfall an der Umsetzung der „Astro Saga“ Geld verdienen. Ich bin seit fast 20 Jahren in der Branche: Die werden dem Produzenten/Autor IMMER nach dem Mund reden. So kommen sie an ihre Aufträge. Ein Beispiel: Was der Kameramann Giulio Biccari VOR Drehbeginn von „Dracula 3000“ über das Drehbuch zu sagen hatte, unterscheidet sich elementar von dem, was er heute sagt. Es ist nicht repräsentativ, Leute als Empfehlung heranzuziehen, die vom Gelingen des Projekts profitieren würden.

Es steht Ihnen ja auch frei, das Drehbuch (z.B. in Auszügen) auf einer Webseite zu veröffentlichen. Dann können sich die Leser selber ein Bild machen, statt daran glauben zu müssen, was Sie sagen. Chicken?

Generell stelle ich mein Weblog gerne als Diskussionsplattform für dieses Thema zur Verfügung, empfehle aber auch die Eröffnung einer „Astro Saga“-Webseite (mein IT-Techniker würde da gerne und preiswert helfen). Ich fände es fantastisch, wenn die ganzen Produktionszeichnungen, Designs und Modell-Fotos ein virtuelles Zuhause finden würden! Dann könnten sich die Leser außerdem ein Bild machen, ob und wie weit Star Wars und Stargate Pate/Plagiat standen.

Da sage einer, der Wortvogel kann nichts bewegen 😉

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Ich freue mich immer wieder von Menschen und ihren Erfahrungen zu hören, die anderes erlebt haben, als meine Freunde oder ich. Vielleicht spielt ein Faktum auch eine Rolle, auf das ich noch gar nicht eingegangen bin: Glück!

Wenn man Biographien erfolgreicher Leute liest, stellt man fest, daß es immer wieder Punkte gab, die die eine oder andere Tür öffnen halfen. Der bereits erwähnte Michael Pfrommer schreibt seit vielen Jahren gute bis teilweise sehr gute Romane. Wie oft hat er Manuskripte zu Verlagen geschickt, die nachweislich nicht einmal geöffnet wurden. Dabei hatte er, zumindest im wissenschaftlichen Bereich, bereit viele Bücher publiziert. Jetzt, nachdem die ersten drei Romane von ihm veröffentlicht wurden (eins davon mit meiner Mitwirkung geschrieben), kommen auch größere Verlage und wollen eine Zusammenarbeit. Sein glücklicher Umstand war, daß er die Chefin seines bisherigen, wissenschaftlichen Verlages seit Jahren gut kannte und dort eine Vertrauensbasis geschaffen hatte.

Noch was: Mit den „Werken“ bekannter Namen meinte ich solche Ergüsse von Popsternchen, Semipromis und Fußballern, die glauben, uns mir ihren Lebensgeschichten langweilen zu müssen.

Natürlich wäre der Idealzustand was Sie schildern, nur sieht es in der Praxis leider oft allzu anders aus. Und warum ich bisher den Stoff der Astro Saga nicht publik gemacht habe, liegt einfach daran, daß man so etwas eigentlich nicht tut. Es mag sich im Zeitalter des Internet geändert haben, aber wenn etwas einmal „losgelassen“ ist, kommt es nie wieder zurück.

Ich mag völlig falsch liegen, aber der Fehler, nichts zu zeigen, ist sicher leichter zu heilen (nämlich es doch zu zeigen), als alles zu zeigen. Vermutlich gibt es aber hier keine Wahrheit, die kennt nur der Bruce.

Und noch was, (hoffentlich) ein letztes Mal: Stargate kann nicht Pate/Plagiat für die Astro Saga gestanden haben, da Stargate Jahre nach meiner Zusammenarbeit mit Roland Emmerich entstanden ist; außer ich bin ein wissenschaftliches Genie das mit einer selbstgebastelten Zeitmaschine in die Zukunft geflogen ist, um zu klauen. Hey…! Wenn ich es mir recht überlege, wäre das gar keine schlechte Story: Ich behaupte in Zukunft, ich habe die Astro Saga tatsächlich von Stargate geklaut – und zwar mit Hilfe meiner Zeitmaschine Wells-X-2001. Aber dann wird sich das Blatt vermutlich wieder drehen und man wird mir haarklein nachweisen, daß die Astro Saga keinerlei Ähnlichkeit mit Stargate hat und ich mir die Geschichte mit der Zeitmaschine bloß ausgedacht habe. *schluchz, trauer, wein*
Wie man es macht, ist es verkehrt! Dabei möchte ich (wieder ernst) darauf hinweisen, daß ich nur vom Astro Saga Konzept aus dem Jahr 1989 spreche, nicht dem heutigen, das habe ich nämlich bei meiner letzten Reise von ICEPLANET, Teil 347 geklaut… Ehrlich!

Wortvogel
Wortvogel

„Natürlich wäre der Idealzustand was Sie schildern, nur sieht es in der Praxis leider oft allzu anders aus.“ – falsch. Ich (er)lebe die Praxis täglich in der Zusammenarbeit mit vielen großen Verlagen. Das ist ein seriöses Business mit viel Offenheit für neue Talente (aber keine größenwahnsinnigen Schaumschläger).

Mit Pate/Plagiat meinte ich beides: Ob es nun Pate stand, oder selber Plagiat war. Da Sie Ihr Material ja nicht vor Emmerich veröffentlicht haben (und auch jetzt nicht preisgeben), bleibt die Wahrheit im Dunkeln. Sie gestatten, dass Ihre Aussage nicht als „Wahrheit“ ausreicht. Wieso haben Sie Emmerich eigentlich nicht verklagt?

Die Branche hat sehr wenig mit Glück zu tun. Es kommt darauf an, sich reinzuhängen, dranzubleiben, fair zu sein, sich nicht unterkriegen zu lassen. Wenn Sie Ihr Manuskript nicht an alle nennenswerten Verlage geschickt haben – wie können Sie dann wissen, ob und warum es abgelehnt worden wäre? Ich finde es sehr fragwürdig, den Verlagen Kumpanei und mangelnde Fairness vorzuwerfen, obwohl sie es nicht einmal versucht haben. Gestatten Sie mir, als Autor von mehr als einem Dutzend erfolgreicher Bücher zu unterstellen, dass ich da mehr über den „Ist-Zustand“ weiß als Sie. Es hat noch niemand irgendetwas erreicht, in dem er ein Bemühen mit dem Argument „bringt doch eh nix“ ad acta gelegt hat.

Die Biographien von Promis haben mit unseren Büchern, und damit auch unserem Weg zum Erfolg, nichts zu tun. Das ist ein anderes Business – Sachbuch, und außerdem eher Promotion.

Ich habe nicht gesagt, Sie sollen alle Romantexte und Drehbücher zu AS online stellen. Aber Ausschnitte und Einblicke würden vielleicht Interessenten anlocken – KEINE Werbung machen war noch nie eine gute Idee. Wie schon erwähnt sehe ich das Problem aber eher in Ihrer Unwilligkeit, Ihre kreative Arbeit von unvoreingenommenen Dritten begutachten zu lassen. Was würden Sie tun, wenn anerkannte SF-Fans und Experten dann sagen: „Das ist totaler Kappes“?

Sich in den Gegenwind zu stellen, wie auch ich es hier auf meiner Webseite tue, ist nicht immer einfach, und erfordert viel Nerven. Manchmal tut es auch weh. Ich respektiere es, wenn jemand sagt: „Für mich ist das nix“. Aber ich respektiere niemanden, der sagt: „Ich bin super brillant – das müsst ihr mir halt glauben, weil beweisen werde ich es euch nicht“.

Bisher gibt es nichts außer Ihren Behauptungen. Wie wäre es mal mit Butter bei die Fische? Was haben Sie zu verlieren?

El Barto
El Barto

Amen an den Wortvogel

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Ich will mich von meiner Freundlichkeit nicht abbringen lassen, deshalb versuche ich es mit Sachlichkeit.

Frage: „Was würden Sie tun, wenn anerkannte SF-Fans und Experten dann sagen: “Das ist totaler Kappes”?“
Antwort: Nichts, denn jeder hat seine eigene Meinung und die will und kann man ihm nicht nehmen, warum auch? Ist ein Fußballfan weniger wert, als ein Ballettliebhaber? Hat jemand, der Star Wars nicht mag, diesem Film geschadet? Wieviele anerkannte Experten auf dem Gebiet der SF haben diesen Film damals verrissen? Welche kommerziellen Schwierigkeiten hatte „2001“ (dessen absoluter Fan ich bin) und von wievielen Kritikern wurde er, völlig zu Recht, in den Himmel gelobt? Und wurden die Beatles nicht von mindestens einem Plattenverlag abgelehnt und von Joanne K. Rowlings „Harry Potter“ mit Ach und Krach 500 Bücher (zunächst) gedruckt. Auch Lucas, so nebenbei, weil er immer wie ein unheilvoller Schatten neben mir flattert, brauchte etliche Anläufe, bis er Star Wars machen durfte. Universal ärgert sich da wahrscheinlich noch heute in täglich wiederkehrendem Turnus.

Ich höre die Antwort: Jetzt greift er aber in die ganz große Kiste! Eine Nummer kleiner: Walter Ernsting versuchte weiland SF-Romane an den Verlag zu bringen. Ein Versuch nach dem anderen scheiterte. Schließlich hatte er eine grandiose, heute leider nicht mehr kopierbare Idee: Er gab sich als Übersetzer eines englischen Autoren aus und legte „UFOs am Nachthimmel“ (ich denke, das war der Titel) eines gewissen Clark Darlton vor. Und schwupps – der Roman wurde gedruckt. Später, Ernsting hieß von nun an nur noch Clark Darlton, durfte er dann Perry Rhodan miterfinden und viele hundert Romane dafür schreiben. Sind solche Tricks nötig in einem „seriösen Business mit viel Offenheit für neue Talente“?

Im übrigen haben ich und noch mehr mein guter Freund genügend Gespräche mit Lektoren großer Verlage geführt, die genau meine Erlebnisse bestätigen. Anders, um es auf den Punkt zu bringen, wären die Tausende von Manuskripten, die jedes Jahr die Verlage erreichen, auch nicht zu bewältigen. Das hat nämlich gar nichts mit Kumpanei oder mangelnder Fairness zu tun (habe ich auch nie behauptet), sondern mit zweckmäßiger Vorauswahl. Und unbekannte Autoren fallen fast automatisch durch den Rost. Man kann doch auch nicht Tausende von neuen Romane je Verlag auf den Markt schmeißen.

Das Thema Stargate/Astro Saga beenden wir hier lieber, es führt zu nichts. Ich und genügend Insider kennen die Wahrheit, das reicht mir. Frank Mancuso von MGM übrigens auch und ihm war sehr recht, daß mein Consultant und ich nicht über juristische Verwicklungen sprachen, sondern über die Astro Saga. Emmerich wäre nämlich nicht mein möglicher Prozeßgegner gewesen, sondern MGM, die die gesamten Rechte erworben hatten. Emmerich taucht ja auch in keiner Stargate Fernsehfolge auf. Wie gesagt, beenden wir diesen Teil einer unerquicklichen Vergangenheit – mit der Wahrheit im Dunkeln.

Es ist schon kurios. 2001 wurde ich vom griechischen Kultusministerium nach Athen eingeladen, um den Beginn der damaligen Olympiade einzuläuten (die Olympiade bezeichnet den Zeitraum zwischen zwei olympischen Spielen). Es sollte, Athen angemessen, eine Kulturolympiade werden. Ich wurde beauftragt, gegen eine großzügige Gage, ein klassisches Stück zu schreiben und zu inszenieren. Ich wählte Sokrates und schrieb ein zweistündiges Theaterstück mit Musik, Tanz und Schauspiel. Ich arbeitete mit Andreas Vollenweider an der Musik, überzeugte Rod Steiger von meinen Regiefähigkeiten, engagierte Egon Werdin als Chefkameramann für eine Liveaufzeichnung, ja, man traute mir sogar zu, mit klassischen Ballettänzern einige Stücke aufführen zu lassen, beginnend beim Urknall bis zum Tode von Sokrates. Das ganze wurde im Athener Marmorstadion aufgeführt, im Beisein des griechischen Minsterpräsidenten.
Modelle habe ich dafür übrigens nicht gebaut, nur das Setdesign stammte von mir…

Warum ist sowas dort möglich? Wie war das mit dem Propheten, der im eigenen Land nichts gilt? Ich denke, ich brauche mich nicht in eine Abteilung mit „größenwahnsinnigen Schaumschlägern“ stellen zu lassen.

Ich arbeite seit heute ernsthaft an einem Weg, wie ich vergleichsweise gefahrlos meinen Stoff preisgeben kann. Eine Akzeptanz von – sagen wir – 5 Prozent in der deutschsprachen Bevölkerung würde mir bei aller Bescheidenheit reichen. Es bleibt also genügend Luft für andere Meinungen…

Wortvogel
Wortvogel

Nicht schlecht: Sie sehen sich also in der Gesellschaft von Rowling, Lucas, und Kubrick! Darf ich darauf hinweisen, dass diese Zeitgenossen ihre Projekte tatsächlich REALISIERT haben?!

„Ernsting hieß von nun an nur noch Clark Darlton, durfte er dann Perry Rhodan miterfinden und viele hundert Romane dafür schreiben. Sind solche Tricks nötig in einem “seriösen Business mit viel Offenheit für neue Talente”?“ – seit den 60ern nicht mehr. Alberne Anekdoten aus dem Groschenroman-Bereich der Nachkriegszeit sind nicht repräsentativ.

„Anders, um es auf den Punkt zu bringen, wären die Tausende von Manuskripten, die jedes Jahr die Verlage erreichen, auch nicht zu bewältigen. Das hat nämlich gar nichts mit Kumpanei oder mangelnder Fairness zu tun (habe ich auch nie behauptet), sondern mit zweckmäßiger Vorauswahl. Und unbekannte Autoren fallen fast automatisch durch den Rost. Man kann doch auch nicht Tausende von neuen Romane je Verlag auf den Markt schmeißen.“ – das ist nun wirklich GAR NICHTS dran. Das Kriterium der Vorauswahl ist Qualität und Stimmigkeit im Verlagsprogramm (Ausnahme sind natürlich die Lizenzeinkäufe aus dem Ausland, bei denen der Erfolg der Original-Märkte eine große Rolle spielt). Dadurch allein fallen 95 Prozent aller eingesandten Manuskripte raus.

Ich habe in meinem Leben noch kein „ausführliches Gespräch mit einem Lektor“ geführt. Warum auch? Ich schreibe Konzepte, biete sie an, und dann sieht man weiter. Als „Anfänger“ muss man mittlerweile noch ein Probekapitel liefern, aber aus dem Stadium bin ich raus.

„Ich denke, ich brauche mich nicht in eine Abteilung mit “größenwahnsinnigen Schaumschlägern” stellen zu lassen.“ – ich finde es interessant, dass Sie sich diesen Schuh angezogen haben, obwohl die Aussage nicht auf Sie gemünzt war. Ich entschuldige mich aber gerne, falls Sie dachten, ich wollte Sie damit persönlich treffen. Das war nicht meine Absicht.

„Ich und genügend Insider kennen die Wahrheit, das reicht mir“ – das ist sehr schade, aber auch sehr entlarvend.

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Entschuldigung akzeptiert!

“Ich und genügend Insider kennen die Wahrheit, das reicht mir” – das ist sehr schade, aber auch sehr entlarvend.

Was ist daran entlarvend? Ich habe und hatte nie Probleme, die Fakten jedem, der interessiert war, nahe zu bringen – über einen Blog ist dies schwer möglich. Oder soll ich das Gerichtsurteil gegen Herrn Emmerich durch den Computer schieben, in dem ihm verboten wurde, sein nächstes Projekt Astro Saga zu nennen? Ich hatte dies bereits früher geschrieben – es wurde wohl überlesen.

Genauso überlesen, wie meine Passage über die Erstgenannten, deren Projekte – teilweise durch extrem glückliche Umstände – überhaupt fertig wurden. Star Wars sollte mehr als einmal abgebrochen werden, weil die Kosten ausgeufert sind.

Ich kenne aber auch Fälle, in denen es nicht so glücklich ausging. Nein, ich meine nicht mich, sondern Robert Dyke, der Moontrap gedreht hatte. Viele haben über diesen Film gelästert und auch mich nervt die Zeltszene zwischen Koenig und Lombardi. Ich kenne aber die Interna, da Robert Dyke mit mir eine Fortsetzung drehen wollte. Schapiro Glickenhaus hatten den Film finanziert, nachdem Robert viele Jahre vergeblich nach einer Finanzierung gesucht hatten (kommt mir irgendwie bekannt vor). Das Unglück wollte es, daß zwischenzeitlich „Alien“ von Scott herauskam und das ursprüngliche Moontrap hatte viele Ähnlichkeiten damit. Dies war aber reiner Zufall und Robert mußte sein Drehbuch ändern. Und dann bekam er nur (ich habe die Kalkulation gesehen) 180.000 $, ein Betrag für den man keinen größeren Werbespot drehen würde. Und dann mischten sich Schapiro Glickenhaus „kreativ“ ein, in dem sie nach nacktem Fleisch gierten. Die Zeltszene mußte her und wurde sehr widerwillig gedreht. Der Film wurde verramscht, nur die Verleiher (z.B. VPS) verdienten sich eine goldene Nase (ca. 900% Rendite). Robert hat, soweit ich weiß, nie mehr eine Chance bekommen, weil er sein ursprüngliches Konzept (das wirklich brillant war) verließ – um nicht zu sagen: verraten hatte. Ihm war das Glück nicht hold gewesen, auch wenn er es verdient gehabt hätte.

Und warum wurde aus MT II (pardon „Moontrap II“) nichts? Bevor ich zu dem Projekt stieß, hatte Robert Dyke und seine Magic Lantern die Firma Double Helix beauftragt, den Film auf Messen anzubieten. Angeblich ohne Erfolg.
Als wir dran waren, taten wir das gleiche, z.B. auf der AFM. Was wir dabei feststellen mußten: Viele der angesprochenen Verleiher waren höchst interessiert. Und in den interessantesten Märkten waren sie noch etwas: höchst interessiert, wann ihnen der Film denn ausgeliefert würde. Sie hatten ihn nämlich bereits gekauft – von Double Helix! Das Geld ist natürlich nie aufgetaucht und das Projekt wurde beerdigt.

Das war ein Blick auf die andere Seite der Medaille, auf ein Projekt, das eben kein Glück hatte und das es sicher genauso verdient gehabt hätte, wie die Erfolgreichen.

Aber das weiß eben niemand. Ich möchte gar nicht wissen, wie viele hochtalentierte Menschen auf der Welt leben, die nie eine Chance bekommen werden, weil sie im falschen Land leben oder in der falschen Zeit.

Wahrscheinlich machen aber all die „anderen“ etwas – wenn nicht alles – falsch. Doch das Geheimnis, wie es richtig geht, wird von den Wissenden eifersüchtig gehütet. Logisch, denn die Welt ist ein Kuchen. Er wird nie größer, nur anders verteilt. Will ich was haben, muß ein anderer geben – Darwin – und wer will das schon?

Ich philosophiere schon wieder zu viel. Deshalb jetzt mal umgekehrt Butter bei die Fische: Sind Sie wirklich an der WAHRHEIT interessiert? Mich beschleicht mich ein wenig ein seltsamer Verdacht, der mich nur bei Torsten Dewi beschleicht: Der will das gar nicht wissen! Ich hoffe, ich irre mich, aber meine eigene Reaktion (genügend Insider … und so) überrascht mich kollosal. Aber wenn ich eine Wand vor mir sehe, die nicht überwunden werden WILL, sage ich mir irgendwann: Was sollen die alten Kamellen?

Wortvogel
Wortvogel

„Was ist daran entlarvend? Ich habe und hatte nie Probleme, die Fakten jedem, der interessiert war, nahe zu bringen“ – vielleicht haben wir uns da mißverstanden. Ich bezog mich ausschließlich auf Ihren Unwillen, soviel von Astro Saga preiszugeben, dass es auch für Außenstehende möglich ist, die Qualität zu bewerten.

„Viele haben über diesen Film gelästert und auch mich nervt die Zeltszene zwischen Koenig und Lombardi.“ – ich hätte Probleme, IRGENDWAS an dem Film zu finden, das mich NICHT nervt.

„Robert hat, soweit ich weiß, nie mehr eine Chance bekommen, weil er sein ursprüngliches Konzept (das wirklich brillant war) verließ – um nicht zu sagen: verraten hatte. Ihm war das Glück nicht hold gewesen, auch wenn er es verdient gehabt hätte“ – wenn er sein „brillantes“ Konzept verraten hat, dann hat er das Glück nicht verdient. Hier haben wir ja die Steigerung der Astro Saga – hier wird kein non-existentes Projekt als bahnbrechend bezeichnet, sondern das ursprüngliche Projekt, aus dem ein wirklich NICHT bahnbrechendes Projekt gemacht wurde! Seit wann ist die Qualität von SF-Produktionen nicht im Endprodukt, sondern in der Phantasie der Macher zu suchen?! Simpel ausgedrückt: Es zählt, was hinten rauskommt. Bei Moontrap wie bei der Astro Saga konnte das nicht überzeugen.

„Genauso überlesen, wie meine Passage über die Erstgenannten, deren Projekte – teilweise durch extrem glückliche Umstände – überhaupt fertig wurden.“ – aber sie WURDEN fertig! Ist der Punkt denn so schwer zu verstehen?

„Ich kenne aber auch Fälle, in denen es nicht so glücklich ausging. Nein, ich meine nicht mich, sondern Robert Dyke, der Moontrap gedreht hatte.“ – „Moontrap“ war Müll (das wurde hier kürzlich bereits diskutiert), und über den nicht existenten „Moontrap II“ zu diskutieren, ist müßig.

„Das war ein Blick auf die andere Seite der Medaille, auf ein Projekt, das eben kein Glück hatte und das es sicher genauso verdient gehabt hätte, wie die Erfolgreichen“ – das ist wieder so eine Aussage, die durch nichts gedeckt ist: Warum sollte gerade das Sequel zu einem Low Budget-Heuler was taugen?

„Doch das Geheimnis, wie es richtig geht, wird von den Wissenden eifersüchtig gehütet. Logisch, denn die Welt ist ein Kuchen. Er wird nie größer, nur anders verteilt. Will ich was haben, muß ein anderer geben – Darwin – und wer will das schon?“ – das ist wieder so dahin schwadroniert. Man unterstellt den Erfolgreichen, dass sie ein Geheimnis für sich behalten, und damit die Normalsterblichen klein halten.

„Mich beschleicht mich ein wenig ein seltsamer Verdacht, der mich nur bei Torsten Dewi beschleicht: Der will das gar nicht wissen!“ – ganz im Gegenteil! Ich bin fasziniert, und glaube Ihnen jedes Wort, was die Produktionsschwierigkeiten der AS angeht. Was ich nicht glaube, ist die Qualität der Geschichte – solange ich sie nicht gelesen habe. Keine Behauptung, keine Referenz, kein Leumund wird mich überzeugen – wenn Sie mich überzeugen wollen, müssen Sie das Skript (oder einen Teil davon) rausrücken. Ich bezweifle allerdings, dass Sie das Risiko eingehen werden. Ich habe Jahre als professioneller Lektor gearbeitet, dabei waren auch viele großformatige SF-Produktionen. Ich bin kritisch – fair, aber kritisch.

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, verstanden zu werden – auch wenn wir sicher von zwei Planeten abstammen. Natürlich ist Moontrap Müll, allerdings ein kultiger, an dem VPS damals eine Mio. verdient hatte.

Selbstverständlich zählt das, was hinten ‚raus kommt. Genau deshalb – und verdammt noch mal aus keinem anderen Grund – habe ich nie versucht, eine „Kompromiß Astro Saga“ zu machen. Ganz oder gar nicht, aber auch das hat man mir vorgehalten. Moontrap beweist ja gerade, daß diese Einstellung richtig ist.

Aber – genauso verdammt noch mal – gibt es doch keine objektiven Kriterien, was gut ist, sonst würde nicht regelmäßig so viel Schrott produziert (Es gibt ein Interessante Buch über Drehbuchschreiben, in dem ist eine Checkliste, um zu prüfen, welche Fehler man gemacht hatte. Tut mir leid, Star Wars ist in fast alle Fettnäpfchen getreten, weshalb, ganz nebenbei, auch viele Verleiher abgelehnt hatten).

Was nicht produziert wird, obwohl es gut wäre, wissen wir ja alle nicht. Ich wurde schon in Hochschulzeiten verächtlich von Professoren angesprochen, die meine Arbeiten sahen, mit dem Kommentar: „Das ist ja Kommerz!“

Ich stelle hier eine klare Frage: Wie leicht ist es, einen amerikanischen Consultant wie Fred Sidewater, immerhin die damalige, langjährige rechte Hand von Dino DeLaurentiis, der Filme wie King Kong, Conan, Flash Gordon oder Dune mitproduziert hat, von einem unbekannten Möchtegern-Filmemacher aus Dietzenbach zu überzeugen? In dem man ihm auf grottiges Drehbuch auf den Tisch legt und sagt, tu was dafür, aber ich kann dir leider kein Geld geben? Dieser Mann, bekannt als der letzte Gentleman von Hollywood, hatte einen Ruf zu verlieren. Ich habe ihn begleitet, wie er auf der AFM von den namhaftesten Produzenten und Verleihern mit größtem Respekt behandelt wurde – und wie er mich mit Respekt behandelt hatte, nachdem er die Astro Saga gelesen hatte – bevor eine einzige Szene gedreht war, die hätte beweisen können, daß ich das ganze auch filmsprachlich in den Griff bekomme.
Die Antwort sollte leicht fallen…

Also, wie soll ich was schicken?

Peroy
Peroy

„Ich kenne aber auch Fälle, in denen es nicht so glücklich ausging. Nein, ich meine nicht mich, sondern Robert Dyke, der Moontrap gedreht hatte. Viele haben über diesen Film gelästert und auch mich nervt die Zeltszene zwischen Koenig und Lombardi. Ich kenne aber die Interna, da Robert Dyke mit mir eine Fortsetzung drehen wollte. Schapiro Glickenhaus hatten den Film finanziert, nachdem Robert viele Jahre vergeblich nach einer Finanzierung gesucht hatten (kommt mir irgendwie bekannt vor). Das Unglück wollte es, daß zwischenzeitlich “Alien” von Scott herauskam und das ursprüngliche Moontrap hatte viele Ähnlichkeiten damit. Dies war aber reiner Zufall und Robert mußte sein Drehbuch ändern. Und dann bekam er nur (ich habe die Kalkulation gesehen) 180.000 $, ein Betrag für den man keinen größeren Werbespot drehen würde. Und dann mischten sich Schapiro Glickenhaus “kreativ” ein, in dem sie nach nacktem Fleisch gierten. Die Zeltszene mußte her und wurde sehr widerwillig gedreht. Der Film wurde verramscht, nur die Verleiher (z.B. VPS) verdienten sich eine goldene Nase (ca. 900% Rendite). Robert hat, soweit ich weiß, nie mehr eine Chance bekommen, weil er sein ursprüngliches Konzept (das wirklich brillant war) verließ – um nicht zu sagen: verraten hatte. Ihm war das Glück nicht hold gewesen, auch wenn er es verdient gehabt hätte.“

Äh… „Alien“ ist Schuld, dass „Moontrap“ ein Scheiss geworden ist ? Bizarr… 😕

Peroy
Peroy

„Es gibt ein Interessante Buch über Drehbuchschreiben, in dem ist eine Checkliste, um zu prüfen, welche Fehler man gemacht hatte. Tut mir leid, Star Wars ist in fast alle Fettnäpfchen getreten, weshalb, ganz nebenbei, auch viele Verleiher abgelehnt hatten.“

„Star Wars“ ist doch die Heldenreise nachgeäfft bis aufs I-Tüpfelchen, was soll daran Fettnäpfchenmäßig falsch sein… ? 😕

Wortvogel
Wortvogel

„Natürlich ist Moontrap Müll, allerdings ein kultiger“ – nein, nur Müll.

„Ich stelle hier eine klare Frage [….] Die Antwort sollte leicht fallen…“ – nein, wieso? Das sind allesamt unbewiesene Behauptungen Ihrerseits. Und selbst wenn es so war – im Ergebnis hat alles nichts geholfen. So viele Freunde und Helfer – und trotzdem keine „Astro Saga“…

„Ganz oder gar nicht, aber auch das hat man mir vorgehalten.“ – aber immer nur „gar nicht“ ist doch auch doof, oder?

„bevor eine einzige Szene gedreht war, die hätte beweisen können, daß ich das ganze auch filmsprachlich in den Griff bekomme.“ – eben. BEWIESEN haben Sie noch gar nichts.

„Also, wie soll ich was schicken?“ – wenn Sie schon fragen: schicken Sie mir das Drehbuch. Folgender Vorschlag: Ich teile zuerst mal nur Ihnen mit, was ich davon halte. Sie können dann selber entscheiden, ob ich die Kritik (samt Ihrer Entgegnung) hier publizieren darf. Ich behalte mir nur das Recht vor, in jedem Fall zu sagen, ob ich Ihren Enthusiasmus für das Projekt teile. Oder ist Ihnen das zu riskant?

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

An Peroy,

Das ursprüngliche Drehbuch zu Moontrap (ich habe es gelesen) ähnelte in der Tat frappierend Alien – richtig gruselig. Die Abwandlungen, die man dann aus Moontrap kennt, waren Notlösungen, auch aus dem Grund, weil das Budget nur etwa 2% des Alien-Budgets betrug. Ehrlich wäre gewesen, Moontrap nie zu drehen. Aber immerhin haben eine Menge Leute Geld damit gemacht (leider die falschen) und einen gewissen Kultstatus kann man dem Film nicht absprechen. Aber Alien ist natürlich eine andere Liga…

Zu den Fehlern in Star Wars: Der Held der Geschichte (Luke Skywalker) tritt viel zu spät ins Geschehen ein (alles wohlgemerkt nach den Regeln, wie es angeblich richtig geht), der im Grunde wichtigere Held (Han Solo) kommt noch viel viel zu späterer. Es gibt keine gemeinsame Szene zwischen Protagonist (Luke) und Contragonist (Vader), bis auf einen kurzen Blickkontakt im Todesstern. Es gibt keinen echten Endkampf – Aug‘ in Aug‘. Vader weiß gar nicht, wen er vor sich hat und Luke besiegt ihn auch nicht, sondern Han, der eigentlich nicht der „Hauptheld“ ist. Dann gibt es zu viel Erfundenes, was nicht der Alltagswelt der Zuschauer entspricht (mit hat bei Pro7 mal einer zu einem meiner Drehbücher gesagt, Filme mit Killern könne man in Deutschland nicht produzieren, weil dies kein deutsches Thema sei!!!), Held und Heldin kommen nicht zusammen (klar, sie sind Geschwister, aber das weiß ja noch keiner), der Contragonist entkommt ungeschoren (klar, für den 2. Teil, aber das wußte auch noch niemand) und dann gibt es haufenweise Ungereimtheiten: Warum werden die Roboter ausgerechnet zu Luke gebracht? C3PO wurde ja von Lukes Vater gebaut. Warum hilft ihnen später ausgerechnet Obi wan, der die Roboter nicht wieder erkennt, obwohl er (I, II und III) viele mit ihnen erlebt hat? Aber diese und weitere Fehler konnte man im 1. Film noch nicht erkennen, da man ja die neuen Ergüsse nicht kannte. Aber seltsam ist es schon, wie sich alles zusammenfügt… Ich teile die Ansicht des Autoren über Drehbuchschreiben übrigens nicht. Ich finde sogar, daß Fehler hin und wieder zu sichere Erwartungshaltung in einem Film durchbrechen helfen – sie müssen sich nur logisch in das Gesamtgefüge einbinden lassen. Und bei Star Wars ist es gerade das, was den Reiz ausmacht.

Noch was an den Wortvogel: Schau doch mal nach auf http://www.wortvogel.de – da gibt es jetzt sogar Musik zu unseren Unstimmigkeiten. Oder hat da einer so grottige Musik geschrieben, daß sie bei James Bond ‚rausfliegen mußte? Vielleicht hab‘ ich ’nen Hörfehler und finde die Musik nur aus Versehen gut. Im Ernst: Das ist doch der schlagende Beweis: Das Gute kann auch hin und wieder einem sturen Komponisten, der mit einem Vertrag wedelt, unterliegen. Ich erinnere auch an Alex North und sein 2001-Trauma! Also – schau nach, hör nach, denk nach… *grins*

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Jetzt überschlagen sich die Blogs, ein richtiger Blogmix.

Ich kann mit jeder Antwort leben, ich bin alt genug. Selbstverständlich darf die auch ohne Rücksprache „on air“ gehen. Ich hatte zum Thema Meinungsfreiheit ja schon meinen Senf geschmiert. Ich habe sicher über 200 Rückmeldungen dieser Art in meinem Leben zur Astro Saga bekommen, einige extrem harsch (vor allem, wenn jemand seinen eigenen Film draufpfropft – Beispiel Ernst Ritter von Theumer, der den ersten Perry Rhodan Film verbrochen hat. Er wollte unbedingt einen Weltraumpuff drinhaben und viele Duschszenen mit nackten Frauen – jungen, scharfen Frauen mit dicken Dingern *stöhn*), andere hilfreich kritisch, wieder andere sülzig zuvorkommend. Ich kann deshalb mit allem leben, weil es letztenendes MEIN Film ist, den ich im Zweifelsfall vertreten muß. Für die einen ist es dann eben Duplo und für die anderen die längste Praline der Welt…

Tom Waits
Tom Waits

Ernst Ritter von Theumer scheint interessante Ideen zu haben 😉

Aber Scherz beiseite: Herr Kammermeier, können Sie schon sagen, wann die geplante Website online gehen wird? Von der Astro Saga abgesehen (jaja, das ist zugegebenermaßen schwer), fände ich es nicht minder interessant, mehr über Ihr Schaffen und Ihre Firma zu erfahren. Ich denke da v.a. an eine Galerie mit Fotos von Modellbauten, von der Skizze zum Endergebnis etc. Wie sind Ihre Pläne dahingehend?

Aber ich will hier um Gotteswillen vom eigentlichen Thema nicht ablenken.

@ Wortvogel: Klasse Blog.

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Ablenken, Tom Waits? Das ist das Thema, verdammt!

Mir nervt, daß ich immer nur auf die Astro Saga und deren (noch) Nichterfolg reduziert wäre. Ich habe, um der Wahrheit die Ehre zu geben, die letzten Jahre nur in meiner knappen Freizeit an die Astro Saga gedacht. Sicher, ich habe weitergeschrieben, aber mehr aus Spaß – ja, ich habe mir sogar den Spaß gemacht, die Welt der Astro Saga aus einer Zeit zu beleuchten, die noch vor dem Urknall existierte. Grotesk, kurios? Noch viel zu milde.

Aber gearbeitet und gelebt habe ich an/von Filmarbeiten für viele höchst unterschiedlich Projekte. Ich bin deshalb sicher schwer zu fassen und keine Schublade zu packen. Die sind mir einfach alle zu klein.

Ich habe natürlich jede Menge Special Effects für Spielfilme und TV-Dokus hergestellt (so 30 bis 40 kriege ich da zusammen, von den ganzen „Resteverwertungen“ des Fernsehens einmal abgesehen, wo immer wieder Schnipsel von mir auftauchen); ich habe komplette Werbespots, Sendertrailer, Industriefilme und sogar Musikvideos gedreht; ich habe Promotionobjekte für internationale Kinokampagnen gebaut (z.B. 9 [fast] originalgroße X-Wing-Fighter für Star Wars [witzige Anekdote am Rande: George Lucas mußte die Genehmigung geben, daß wir die Raumjäger bauen durften. Er bezweifelte, daß „die“ in Europa das können. Ein Mitarbeiter der Fox reiste zu Lucas himself und zeigte ihm eine Demoreel von uns. Darauf sagte er den legendären Satz: „Die in Europa können das nicht, aber die in Dietzenbach!“ Womit bewiesen ist, daß Dietzenbach nicht in Europa liegt. Ich und meine Familie wurden als Dankeschön für unsere vielgelobte Arbeit übrigen auf die Skywalker-Ranch eingeladen – affengeil!]); ich habe ein aufwendiges Theaterstück mit Rod Steiger inszeniert (und dabei ließ man mich sogar Ballettänzer choreographieren, obwohl ich davon nun wirklich überhaupt keine Ahnung hatte – hat aber trotzdem geklappt! Rod hatte mich am Ende herzlich in die Arme geschlossen und gesagt: „My son!“ Ja, diese Kaliber verstehen mich!); ich habe viele Drehbücher geschrieben und einige im Comedybereich wurden sogar verfilmt (nix dolles, nur so Sketche á la „Hurra Deutschland“); ich habe Romane geschrieben, von denen einer, an dem ich mitgearbeitet habe, letztes Jahr erschienen ist (Das Zweite Buch); ich habe für verschiedene Bildbände aufwendige Photographien gemacht (z. B. „Königinnen vom Nil“); ich habe Webdesign gemacht und „normales Design“; ich habe Modelle für Museen gebaut; ich arbeite intensiv an der Erforschung des Voynich-Manuskripts; ich male, halte hin und wieder Vorträge und ich habe zwei Kinder gezeugt (meine besten Produktionen).

Eigentlich könnte ich zufrieden sein, nagte da nicht diese Astro Saga permanent an mir und würden mich nicht hin und wieder Freunde schupsen, mehr dafür zu tun. Es ist nur so, daß ich mir sehr viele blutige Beulen wegen dieses Projektes geholte habe, die bis an die Existenzgefährdung gingen und muß man auf eine wunde Stelle immer wieder draufklatschen? Ich weiß es nicht.

Ich finde es sehr nett, daß sich „comicfreak“ zum Lektorieren anbietet, ich finde es auch nett, daß sich Wortvogel das Drehbuch durchlesen will. Ob das die Sache aber wirklich befördert weiß ich nicht.

Auf jeden Fall werde ich mich keinem konstruktiven Vorschlag, wie es weitergehen könnte, verschließen, inklusive Ideen für Websites. Nur stamme ich aus einer Zeit, in der man über ungelegte Eiern nicht zu viel gackern sollte. Aber das mag sich im Web-Zeitalter grundlegend geändert haben.

Schwierige Entscheidungen…

Wortvogel
Wortvogel

Herr Kammermeier – erstmal ist es ja gut und schön, dass Sie viele spannende Sachen machen. Nur interessiert z.B. MICH das tatsächlich nicht. Ich reduziere nicht die Person Kammermeier auf die Astro Saga, sondern konzentriere mich auf die Astro Saga, weil die Person Kammermeier mich nicht schert (Sie sind ja keine Person der Zeitgeschichte, deren Leben ich studieren möchte). Weil Science Fiction mein Steckenpferd ist. Wenn Ihnen ein Stephen King-Roman nicht passt, wird der auch nicht sagen: „Ich kann aber auch ganz toll Rasen mähen!“. Sie selbst promoten AS seit über 20 Jahren als das große unverfilmte Projekt der deutschen SF, und wundern sich dann, dass Sie daran gemessen werden?

„Ja, diese Kaliber verstehen mich!“ – das ist peinlich, finden Sie nicht? Wir hier sind also einfach zu kleine Hansel, um Ihren Genius zu erkennen? Und das Zitat von Lucas haben Sie ja wohl weder selbst gehört, noch ist es belegbar. Es fällt sehr stark auf, dass Sie die oberflächliche und joviale Art der Amerikaner sehr für bare Münze nehmen (in Hollywood wird gerne in den Himmel gelobt, weil es gute Stimmung macht, aber nichts kostet). Das mag gut für Ihr Ego sein, ist aber genauso naiv.

Einen X-Wing nachzubauen, ist eine handwerkliche Leistung, keine kreative. Niemand bestreitet Ihre Meriten als Modellbauer, aber Sie haben als Regisseur und Autor bisher allenfalls Kleinsterfolge vorzuweisen.

„Nur stamme ich aus einer Zeit, in der man über ungelegte Eiern nicht zu viel gackern sollte.“ – so wie in Dutzenden Artikeln der letzten 20 Jahre?

„Ich habe sicher über 200 Rückmeldungen dieser Art in meinem Leben zur Astro Saga bekommen, einige extrem harsch“ – und in Ihren Augen hatten die Lobhudeler Recht, und die Kritiker lagen alle falsch?

Im Impressum finden Sie meine Email-Adresse. Ich freue mich auf das Drehbuch.

Perry
Perry

Ob der Wortvogel objektiv das Astro Saga-Skript bewerten wird? Ich hab da so meine Zweifel. Irgendwie klingen des Vogels Beiträge allesamt etwas feindselig. Da kann man ja fast Wetten drauf abschließen, dass da ein Haar in der Astro-Suppe gefunden werden wird.

Auf der anderen Seite sind Kammermeiers Beiträge auch etwas arg selbstbeweihräuchernd. Vielleicht sollte man die Astro Saga schlummern lassen. Ist halt eines der Projekte, die nie der Development Hell entkommen sind. Was soll’s, die sind ja auch Legion.

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Danke, Perry (Rhodan?),
ich hasse mich selbst, wenn ich selbstbeweihräuchernd wirke, aber es gibt Tage, da brennt einem die Depri-Denke im Hirn. Warum nur?

Die Astro Saga schlummern lassen? Das hat sie die letzten Jahre getan (Gründe weiter oben). Es wird Zeit, sie zu wecken…

Peroy
Peroy

„Das ursprüngliche Drehbuch zu Moontrap (ich habe es gelesen) ähnelte in der Tat frappierend Alien – richtig gruselig. Die Abwandlungen, die man dann aus Moontrap kennt, waren Notlösungen, auch aus dem Grund, weil das Budget nur etwa 2% des Alien-Budgets betrug. Ehrlich wäre gewesen, Moontrap nie zu drehen. Aber immerhin haben eine Menge Leute Geld damit gemacht (leider die falschen) und einen gewissen Kultstatus kann man dem Film nicht absprechen. Aber Alien ist natürlich eine andere Liga…“

Das mag stimmen, und ist alles schön und gut, aber die Ähnlichkeiten zu einem bekannten Erfolgsfilm hat doch noch nie einen kleinen B-Streifen davon abzuhalten, sich an diesen dranzuhängen. „Moontrap“ ist auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gebracht auch in der vorliegenden Form noch „Alien“ in der Sparversion (mit ein paar Spritzern „Aliens“ dazu, wenn man schon dabei war). Die Probleme, die dieser Film hat, liegen auch nicht ausschließlich in der Geschichte begründet, das kann mir keiner erzählen. Da kommen formale und handwerkliche Mängel hinzu, die einfach nicht sein dürfen, auch wenn die Chose weniger als 200000 Dollar gekostet hat.

Und ich verstehe voll und ganz, dass das Ding damals auf Video ein großer Erfolg gewesen sein muss… ich hab‘ den Mist als Zehnjähriger damals auch auf Tape gesehen, der (zweifelhaften) FSK-12-Freigabe sei Dank. Das sagt aber nun mal garnichts über die Qualitäten des Streifens aus.

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Hab‘ ich auch nicht behauptet! Und natürlich haben die meisten Trashfilmer solche oder ähnliche Ausreden, warum ihre Filme nicht so oder so geworden sind. Ich hab‘ auch nicht von Qualität gesprochen, sondern von einem (relativen) kommerziellen Erfolg. Spieß hatte den Film damals als Alibi mit zehn Kopien tingeln lassen, um ihn als Kinofilm bewerben zu können. Ich hab‘ ihn zufällig im Kino gesehen und danach nie wieder. Aber in dieser Zeit kam noch reichlich Schrott in die Kinos, was später durch VHS ‚rausgefiltert wurde. Und damit verglichen war es schon fast wieder gut.

Der Film diente mir auch nur als Beispiel, wie hart oft Entscheidungen sind – Vogel friß, oder stirb – wenn einem eine Möhre unter die Nase gehalten wird: Mach‘ es dafür oder mach‘ es nie! Nie, wie ich sagte, wäre bei Moontrap besser gewesen, aber Robert hatte es wenigstens versucht. Ich bin mir allerdings sicher, daß die Ursprungsgeschichte mit einem Alien-Budet zu einem deutlich besseren Ergebnis geführt hätte. Emmerichs Trashfilme aus seiner deutschen Zeit lassen auch kein Urteil auf seine Fähigkeiten, Independence Day zu machen, zu.

Stony
Stony

„Ich bin mir allerdings sicher, daß die Ursprungsgeschichte mit einem Alien-Budet zu einem deutlich besseren Ergebnis geführt hätte. Emmerichs Trashfilme aus seiner deutschen Zeit lassen auch kein Urteil auf seine Fähigkeiten, Independence Day zu machen, zu.“

Aber auch jede noch so teure Produktion ist nichts ohne eine wirklich gute Geschichte – wie oft sehen wir in Kino/TV Filme die einen Etat eines kleinen Landes haben und bei denen man sich hinterher ärgert 1,5-2h seines Lebens mit dem ‚anschaun‘ verschwendet zu haben? Und dann andererseits viele unglaublich gute Low-Budget Produktionen aller Genres die eben nicht durch teure Effekte über ihre eigentlichen Schwächen hinweg täuschen müssen (hier das Beispiel Independence Day der mit seinem typisch schmierigen pseudopatriotischen ‚USA – Retter der Menschheit‘ Gesülze wahrlich keine Bäume ausreißt – und einen Film der sich ‚NUR‘ über Effekte ‚qualifiziert‘ ist für mich grundsätzlich Schrott!), sondern eben durch schauspielerische Leistung, Regie etc. glänzen können und deren Charme, Witz, Intensität (oder was auch immer) gerade von ihrem kompromißlosen Verzicht auf den kommerziellen End-Erfolg zugunsten der Geschichte die Zuschauer in ihren Bann zieht.

Natürlich sind viele Themen ohne die entsprechend aufwendigen Bauten und/oder am Computer generierten Effekte nicht wirklich umzusetzen, aber auch wenn man einen Spatz in Gold badet wird noch lange kein Paradiesvogel draus – im Zweifelsfall sollte man halt verzichten oder sich nach anderen Möglichkeiten der Umsetzung umsehen, an dieser Stelle zeigt sich dann die wahre Kreativität der Macher, bzw. ihre Ehrlichkeit ihrer Geschichte gegenüber, alles andere ist ’nur‘ dem Augenmerk auf den Kommerz oder das ‚Ich-will-das-jetzt-unbedingt-machen‘ geschuldet und über die (fast immer) zwangsläufig negativen Kritiken muß man sich dann nicht wundern. 😉

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Lieber Stony, das hätte von mir sein können, besser kann man es nicht formulieren.

Ich sprach bei Unterschieden zwischen Emmerichs deutschen Filmen und Independence Day auch nicht von inhaltlichen Qualitäten, ich glaube, da sucht man beim guten alten Emmi eh vergebens. Es gibt um die in der vorherigen Diskussion öfters aufgetauchte Frage nach Qualität im handwerklichen Sinn. Da hilft Geld in der Tat – man kann sich bessere Crewmitglieder leisten, hat mehr Drehtage, mehr Technik etc.. Eine gute Story kann einem kein Geld der Welt und kein Computer beschaffen, die kommt aus dem Hirn eines Autoren.

Im Augenblick ist es halt so, daß Filme heute mächtig protzig daher kommen und nur mit ihren Dollars prahlen, die investiert wurden. Aber es wird sicher der Punkt kommen (wie immer) an dem das Publikum satt ist von noch mehr Dynamik, digitalen Ebenen, Quirl und Quarl in Filmen. Man besinnt sich dann wieder auf die eigentliche Essenz, das Urinteresse des Menschen, seit das Lagerfeuer erfunden wurde: die Geschichte.

Aber Emmerich ist halt nicht der Typ, der zwei begnadete Schauspieler in ein unscheinbares Set steckt und mit ihnen brillantes Erzählkino macht. Er braucht die dicke Keule, die den Zuschauer so lähmt, daß er gar nicht mitgekommt, was er da eigentlich sieht.

Obwohl – die Szene, wo der besoffene Unkrautflieger mit einer Atombombe in das Alienraumschiff fliegt, das war schon fast Shakespear, findet ihr nicht?

Major Tom
Major Tom

Ich folge dieser Konversation mit großem Interesse, hat mich die „Astro Saga“ doch auch schon einige Jahre als sagenumwobenes Gespenst begleitet. Ein interessanter Ort, an dem das Offenbaren der Wahrheit stattfindet. Dewi ist Sci-Fi-Experte, und trotz der miserablen Qualität seiner bisherigen TV-Werke hat er es doch geschafft, seine Visionen zu platzieren (das mit der Qualität kommt unausweichlich auch noch). Wer sollte der „Astro Saga“ wohlgesonnener sein als Dewi? Seine kleinen Spitzen sind seiner Alphatierchen-Mentalität geschuldet, die kann man ignorieren. Er war, ist und bleibt ein Geek. Jemand, der Sci-Fi liebt und sich teils auch noch an unwesentliche Aspekte klammert, um lieben zu können. So jemandem kann sich ein Kammermeier durchaus offenbaren.

Und was passiert? Kammermeier redet um den heißen Brei herum, ergeht sich nebenbei in abstrusesten Theorien über den deutschen Buchmarkt, die ihn als weltfremden Paranoiker outen, und begibt sich generell immer weiter aufs Glatteis.

Zwischen sagenumwoben und sagenhaft, Herr Kammermeier, liegen Welten. Sie bleiben jeden Beweis Ihrer Fertigkeiten schuldig, maßen sich aber an, auf Ihren professionellen Status zu verweisen, um einen Giganten der Szene anzuätzen, der Ihnen geschätzte 2 Milliarden Dollar Einspiel und enorme Fähigkeiten beim Mega-Event-Kino voraus ist.

Das finde ich erst belustigend, dann beschämend.

Ich war eingangs auf Ihrer Seite, wenn man denn in ein Seitenwählen verfallen möchte. Einfach nur, weil ich prinzipiell dem rhetorisch unterlegenen Underdog wünsche, er möge nicht unter die Räder kommen, aber Ihr selbstherrliches Geschwätz ist unerträglich und peinlich.

Somit finde ich es beruhigend, dass das Mysterium „Astro Saga“, das mir so oft in Genremagazinen begegnet ist, als das abgehakt werden darf, wessen Ruch es immer schon besaß: Spinnerei.

Ad astra!

Wortvogel
Wortvogel

Gigant der Szene? Zwei Milliarden Dollar Einspiel? Enorme Fähigkeiten beim Mega-Event-Kino? Den würde ich gerne mal kennen lernen! Der ist bestimmt reich, berühmt, und vögelt Charlize Theron.

Alphatierchen-Mentalität trifft es aber voll. Und deine Analyse der Kammermeier-Postings erspart mir drei Seiten Text. Danke dafür.

Korrekt übrigens: Ich wäre der Erste, der die Astro Saga in den Himmel promoten würde – wenn es denn etwas gäbe, das diesen Einsatz rechtfertigen würde. Nichts wäre mir lieber als eine deutsche SF-Produktion, die so richtig rockt.

Diese Geschichte ist noch lange nicht zu Ende…

Major Tom
Major Tom

Gerne, Torsten. Genau diese bewusste Naivität, die bewahrte und kultivierte Fähigkeit, dir trotz Kammermeiers offensichtlicher Charade, deren Durchsichtigkeit jeden Intellekt beleidigt, doch noch jenen kleinen, isolierten Funken Hoffnung zu bewahren, dass mal was Geiles Genre-Mäßiges hier entsteht, und vielleicht ja doch trotz aller Unwahrscheinlichkeiten durch ihn, macht dich zum Afficionado, zum … Geek.

Gut so. Drum ist manch selbstherrlicher Unterton deiner Site (Existenzgrund, I know) erträglich.

Eines nur: All das ist Kammermeier auch. Ein Schwätzer, ein Träumer, ein Blender, aber wenigstens kein aggressiver Scharlatan, der schaden will. Auch wenn ich ihn gerade als unangenehm empfinde, verteufele ich ihn nicht.

Fleisch von unserem Fleisch.

Wir tanzen alle auf derselben Party. Und bekleiden in fröhlicher Ergebenheit die uns zugedachten oder selbst erwählten Rollen.

Lasst das hier nicht blutig werden.
Danke.

Bernd Kammermeier
Bernd Kammermeier

Langsam macht es wieder Spaß! Blutig kann etwas nur werden, wenn es nicht blutleer ist. Und weil wir offenbar alle wissen, wie wichtig Blut ist, achten wir darauf – das es eben nicht blutig wird.

Ich verstehe, glaube zu verstehen, das Prinzip, wie hier verfahren wird. Ein Prinzip, das sich durch viele Blogs zieht und das durch die Anonymität ermöglicht wird: Selbstgefälligkeit! Es ist toll, über andere abzulästern, macht ja nichts.

Sorry, ich bin altmodisch – mir macht es etwas, ich bin – tut mir wieder leid – sensibel. Ich kann sogar im Kino weinen – vor Lachen, Rührung, Trauer oder weil es einer von ganz unten geschafft hat – die ganz klassische Underdog-Nummer. Vielleicht denkt man heute in der Distanz des Netzes nicht darüber nach, daß man es mit Menschen zu tun hat. In einem Gespräch unter vier Augen würde man genau dorthin schauen: In die Augen!

Im schriftlichen Wechsel geht das nicht. Heute werden sicher mehr Beziehungen per Handy getrennt, als auf die klassische Tour.

Aber diese Art des verbalen Umgangs hat auch einen anderen Effekt: Er stachelt an. Er weckt Energien, die längst im Schrank eingemottet waren. Ich werde diese Welt nicht verlassen, ohne zu zeigen, wo der Hammer hängt! Laut dem allwissenden Donner- pardon – Wortvogel sollte es mir nun gelingen, mit meinen Fähigkeiten durchzudringen.

Natürlich werde ich morgen früh aufwachen und mich fragen, wo ich damit anfange, aber dieses Problem habe ich erst in einigen Stunden. Jetzt fühle ich mich wieder stark…

CUT

Der Produzent lehnte sich entspannt in seinem speckigen Ledersessel zurück, griff sich grübelnd ans Kinn und raunte kaum hörbar: „Am Dialog dieser Szene müssen Sie aber noch arbeiten, mein Lieber…“

Major Tom
Major Tom

Ich witterere hier allmählich ein pathologisches, zwangsneurotisches Verhalten, das doch an einen bestimmten Gentleman und seinen Ritt auf der Kanonenkugel erinnert. Amüsant, aber auch immer
mehr Mitleid erregend.

Zitat Kammermeier: „Ich verstehe, glaube zu verstehen, das Prinzip, wie hier verfahren wird. Ein Prinzip, das sich durch viele Blogs zieht und das durch die Anonymität ermöglicht wird: Selbstgefälligkeit! Es ist toll, über andere abzulästern, macht ja nichts.“

Das Wedeln mit dem Unterdog-Schwänzchen und Einölen mit Pathos haut nicht mehr hin, wenn man sich vorher wiederholt für Gottes Geschenk an die Menschheit erklärt hat, oder wenigstens für einen Filmemacher von Rang,
und selbst mehr als jeder andere hier „abgelästert“ hat.

Erneut die Lagerbildung, höchst amüsant:

Lager A: Wortvogel und andere Interessierte, die Kammermeier nach seinem obskuren Projekt „Astro Saga“ freundlicher befragen, als es anderen Schaumschlägern zuteil wird, und einen Beweis von dessen Qualität zunächst erbitten und schließlich genervt einfordern, um – vergessen wir es nicht – Kammermeier nicht für einen weltfremden Spinner halten zu müssen,

und

Lager B: Kammermeier, der das Gefühl nicht los wird, für einen weltfremden Spinner gehalten zu werden, und nun ein wenig mit dem Underdog-Schwänzchen wedelt. Wer sich aber der Zusammenarbeit mit einem abgehalfterten, alkoholkranken Ex-Hollywoodschauspieler rühmt und auch sonst eher obskure Leistungen mit einem sensationellen Behauptungsbrei zusammenkleistert, dessen Beweisbarkeit vermutlich abends mit Nessie und Oswalds Magic Bullet einen trinken geht, tja, der darf sich dann nicht dolle wundern.

Ich wette, dass der Wortvogel keinen Schnipsel von Kammermeier erhalten wird. Wie das so ist mit Kartenhäusern – sie brechen so leicht zusammen …

Major Tom
Major Tom

Ich, lieber Herr Kammermeier, wünsche mir von Ihnen, dass Sie mir und vielen anderen, die Ihnen oftmals einen gewissen Vertrauensvorsprung gaben, nun endlich etwas im Gegenzug zukommen lassen. Stellvertretend über Herrn Dewi.

Ein Zeichen der Anerkennung als Kreativer, der sein Publikum, das so oft in Vorleistung ging, ernst nimmt.

Das ist nach all der Zeit fällig.

Ich freue mich drauf! Auch, damit Ihr Ruf nicht leidet.

Wortvogel
Wortvogel

„dessen Beweisbarkeit vermutlich abends mit Nessie und Oswalds Magic Bullet einen trinken geht“ – mein Abend ist gerettet! Ich wiederhole mich, aber „ich habe die besten Kommentatoren der Welt“.

Wortvogel
Wortvogel

ICH SCHLIESSE DIE KOMMENTARE AN DIESER STELLE, UND BITTE GENEIGTE LESER, IN DEM NEUEN BEITRAG FORTZUFAHREN, FALLS DAS GEWÜNSCHT WIRD!

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[…] Kammermeier, die noch einmal Bezug nahm auf meine Aufforderung in den “Astro Saga”- Kommentaren, sein selbstgelobtes Drehbuch doch mal zur Verfügung zu […]

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[…] fertige Skript werfen und dieses intensiv begutachten. Mit einer einzigen Frage begonnen (”Was wurde eigentlich aus der Astro Saga?“), entwickelte das Thema beim Wortvogel ein Eigenleben, so dass Kammermeier schließlich sein […]

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[…] noch die ganze Kammermeier-Sache: Der Nicht-Autor, Nicht-Regisseur und Nicht-Produzenten der Nicht-„Astro Saga“ hatte sich ja vor 25 Jahren als treibende Kraft für eine Fortsetzung in Stellung gebracht, die […]