Mein FührerEs gibt Themen, an denen man sich eigentlich nur die Finger verbrennen kann: Eine Komödie über Adolf Hitler gehört dazu. Sicher, in amerikanischen oder englischen Filmen darf der „Führer“ gerne mal als Hampelmann auftauchen, aber in Deutschland gehen die Wunden zu tief, ist die Erinnerung zu lebendig.

Schluss damit! Dani Levy beweist in seiner grandiosen Groteske „Mein Führer – die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“, dass man über die Nazis nicht nur lachen kann, sondern vielleicht sogar lachen muss. Der Film schildert die bizarre Beziehung zweier Adolfs: der Eine, Grünbaum, wird aus dem Lager geholt, um dem Anderen, Hitler, bei den Vorbereitungen für eine mitreißende Rede zu helfen, die das deutsche Volk 1944 ein letztes Mal aufrütteln soll. Der Diktator, nur noch ein Schatten seiner selbst, wird von seinen intriganten Ministern permanent überwacht und manipuliert, und der Jude Grünbaum sieht die Chance, durch die Arbeit mit Hitler seine Familie zu retten.

Was geschmacklos, im besten Fall albern hätte werden müssen, verwandelt sich in den Händen von Regisseur Levy zu einer glänzend besetzten Horror-Show, die gezielt und treffsicher zwischen Komödie und Tragödie pendelt, und sich jeglicher Pietät verweigert. Wenn Göbbels den verängstigten Grünbaum bittet, die Endlösung nicht persönlich zu nehmen, spürt man, dass Levy hier gewaltsam Grenzen überschreitet, und dem deutschen Humor neue Wege ebnet.

Da ist es nur eine Fußnote, dass die absurde Geschichte sogar halbwegs wahr ist – der feingeistige Schauspieler Paul Devrient half Hitler einst, seine Reden einzustudieren…

„Mein Führer“ ist dank grandioser Darsteller eine erfreulich alberne Komödie ohne Hemmungen. Nur an manchen Stellen kommt fast so etwas wie Mitleid mit Hitler auf. Das hätte Levy nicht passieren dürfen!

(Anm.: Der obige Text stammt aus meiner Filmkritik in der Zeitschrift „TVpiccolino“)

Anzumerken ist sicher noch, dass ich Helge Schneider für einen engagierten, aber dennoch für einen Fehlgriff halte. Im Gegensatz zu den anderen Darstellern wirkt er mit geschätzten zwei Pfund Latex im Gesicht immer wie eine Gummipuppe, außerdem ist er erheblich zu groß für den „Führer“. Es mag in Dany Levys Absicht gelegen haben, den Diktator derart zur Witzfigur zu degradieren, aber gerade im Kontrast mit den anderen Schauspielern reißt Schneider den Zuschauer oft aus der dramaturgischen Wirklichkeit heraus.

An den Kinokassen haben „Mein Führer“ am ersten Wochenende übrigens respektable 300.000 Zuschauer gesehen.



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