Da dieser Blog fast so eine Art ungeordnete Biographie darstellt, möchte ich heute von einer Phase meines Lebens erzählen, die bisher außen vor blieb. Und ich möchte eure eigenen Erinnerungen und Anekdoten hören.

Es geht um Nebenjobs, Schülerjobs, Ferienjobs, mit denen man in seiner Jugend zum Taschengeld was dazu verdient, um sich vielleicht das erste Mofa zu kaufen oder statt des Eiskonfekts im Kino mal das teurere Happy Kirsch.

Erstmals „Geld für Leistung“ habe ich bekommen, als ich Hunderte von Autogrammkarten eines Düsseldorfer Rock’n’Roll-Sängers auf der Rückseite mit der Adresse seines Managers stempelte – der mein Vater war. Ich kann nicht mehr genau sagen, wieviele Deutschmark dabei raussprangen, aber für die dumpfe Fließbandarbeit im heimischen Wohnzimmer war es prima. Leider war der Auftrag naturgemäß limitiert und irgendwann war gestempelt, was zu stempeln war.

Wenn ich mich recht erinnere, ist mein „echter“ Einstieg in das Proletariat ungefähr 1981 zu verorten. Wir hatten wenig Geld und ich sah mich in der Pflicht. Ein Freund wies mich auf eine solche Anzeige in irgendeiner Zeitung hin:

Schlecht getextet, btw. – wenn man Schüler direkt anspricht, sollte man sie duzen.

Ich antwortete auf die Anzeige und bekam Besuch von einem Regionalvertreter, der mir die Aufgabe erklärte: jede Woche gab es Zeitschriften an Abonnenten auszuliefern, die dann auch direkt abkassiert werden mussten. Dabei waren 20 Pfennig der fälligen Summe für mich als Auslieferer garantiert. Plus Trinkgeld, falls die Leute z.B. statt 1,80 Mark gleich zwei Mark abdrückten.

Kleines Rechenexempel: Ich hatte ungefähr 50 Kunden zu beliefern. Das war in zwei bis drei Stunden machbar. 50 mal 20 Pfennig macht 10 Mark, plus Trinkgeld durchaus 15. Ein Stunden“lohn“ von 5 Mark also. 1981 war das beachtlich, zumal es sich im Monat auf 60 Mark addierte. Ein fleißiger Sparer konnte damit in einer Saison ein Mofa finanzieren.

Natürlich hatte die Sache einen Haken. Die Sache hat ja immer einen Haken. Der Auslieferer arbeitet nämlich auf eigene Rechnung und muss die Zeitschriften vorab bezahlen. Wenn also nur zehn Prozent der Kunden nicht zu Hause sind oder das Heft aus anderen Gründen nicht abnehmen, ist der „Lohn“ gleich null. Jedes am Ende des Tages übrig gebliebene Heft ist ein Minusgeschäft.

Aber ich will nicht meckern: auch wenn die Rechnung selten perfekt aufging, hatte der Nebenjob gute UND schlechte Seiten. Ich lernte, wie man auf Leute zugeht, wie man Zahlungen einfordert, wie man Routen plant und säumige Schuldner abfängt. Ich lernte auch, dass manche alleinstehenden Frauen die Wohnungstür gerne im Negligé öffnen (der deutsche Softsex-Film der 70er hat nicht gelogen!) und dass Frührentner bevorzugt „Praline“ und „Wochenend“ abonnieren. Dank des Zugriffs auf aktuelle Presseerzeugnisse war ich relativ gut über das Zeitgeschehen informiert – nur gab es ärgerlicherweise in meinem Revier keinen Playboy-Abonnenten.

Kurz: Eigenverantwortliches Arbeiten ist nichts, was einem 13jährigen schadet.

Trotzdem war es Stress und gerade bei beschissenem Wetter auch nicht einfach, die Zeitschriften immer schadlos an den Mann/ die Frau zu bringen. Und mein Absatz ging radikal in den Keller, als ich mal in diesem Zustand bei den Leuten klingeln musste:

Eine gebrochene Nase ist dem Tür zu Tür-Geschäft nicht förderlich!

Nach ungefähr einem Jahr hatte ich die Schnauze voll von der Selbstständigkeit und suchte nach einer Festanstellung, so to speak. Meine Mutter erwähnte beiläufig, dass eine Tante von mir (die in einem gänzlich anderen Stadtteil wohnte) beim Coop drei Straßen weiter arbeitete – ob ich die nicht mal nach einem Nebenjob fragen wolle?! Wollte ich, und hatte schon bald darauf die Aufgabe, im Supermarkt Regale aufzufüllen und zu sortieren, im Lager Ordnung zu schaffen, abgelaufene Ware zu entfernen, etc. Erneut 5 Mark die Stunde, dafür mit weniger Aufwand verbunden.

Wieder gab es viel zu lernen: einmal musste ich eine Charge Gurkengläser entsorgen, in denen ich tote Wespen entdeckt hatte. Gab es mal neue Schokoriegel, riss der Chef des Ladens die Packung auf, sagte „ups, bei der Lieferung beschädigt“ und gab eine Runde aus. Lagerbestand, Warenpositionierung, Kundengespräch – als 15jähriger fühlt sich das toll und irgendwie „erwachsen“ an.

Aber es zeigte sich schon damals, dass ich eher der Freiberufler als der Lohnknecht bin: wenn es im Supermarkt nicht ausreichend zu tun gab, habe ich mich sofort brutal gelangweilt. I don’t idle well. Der Dewi will beschäftigt werden, Däumchendrehen ist für ihn kein legitimer Zeitvertreib. Ich glaube, ich habe es letztlich nur drei oder vier Monate in dem Supermarkt ausgehalten.

Nächste Station: Flugblätter für einen Schreibwarenladen in Düsseldorf verteilen, in dem meine Mutter arbeitete. Da lernte ich das erste Mal die betrieblichen Ränkespiele kennen, die das Berufsleben mit sich bringt. Eine Kollegin meiner Mutter behauptete, wir hätten den Großteil der Flugblätter gar nicht verteilt, sondern heimlich im Müll entsorgt. Das war kackfrech gelogen, aber sie wollte meiner Mutter einen reinwürgen, in dem sie den Sohn als faulen Taugenichts darstellt. Zwar konnte nichts bewiesen werden, aber ich wollte unter dem Misstrauen keinesfalls mehr weiter arbeiten.

Nun gibt es noch eine andere Möglichkeit, das Budget aufzumöbeln – Ferienjobs. Vollzeit ranklotzen statt teilzeit abhängen. Ich war vermutlich 17, vielleicht auch schon 18, als ich auf die Idee kam. Jünger darf man ja auch nicht „angestellt“ werden. Mitte der 80er suchten viele meiner Klassenkameraden solche Jobs, die man sich auch vom Arbeitsamt vermitteln lassen konnte. Das fand ich damals schon doof, weil beim Arbeitsamt erfahrungsgemäß nur die Jobs der B-Klasse landeten. Ich legte mir eine andere Strategie zurecht, die sich als sehr erfolgreich erweisen sollte: Ich schaute mich einfach nach den großen Firmen um, die mich interessierten, und wurde dort ungefragt vorstellig. Irgendeinen Nebenjob hatten die eigentlich immer zu vergeben.

Kleiner Einschub: Ich hatte damals noch keinen Führerschein. Wer den Lappen besaß, der konnte auf einen der Premium-Nebenjobs hoffen: für eine Apotheke Medikamente ausfahren. Es gab nichts Cooleres, als für die Rumkurverei mit dem Auto auch noch Geld zu bekommen. Das sollte sich auch im Zivildienst nicht ändern, wo „Essen auf Rädern“ als begehrteste Stelle darstellte, die man ergattern konnte.

Mangels Führerschein suchte ich als ersten Ferienjob einen Huma-Großmarkt in Neuss auf. Der war kurz zuvor vom Metro-Konzern geschluckt worden und man brauchte viele fleißige Helferlein, um den Warenbestand zu prüfen und die Preisschilder mit dem neuen Logo zu überkleben. Auch kein Job für Akademiker, aber schon deutlich besser bezahlt als die Zeitschriften-Auslieferei und die Regale-Sortiererei. Außerdem hatte ich halbwegs erwachsene Kollegen und man konnte gute Gespräche führen – einer netten jungen Dame habe ich in der Pause das aus der Buchabteilung stibitzte „Der kleine Prinz“ vorgelesen.

In Erinnerung bleiben werden mir die vier (sechs?) Wochen bei Huma allerdings primär wegen der Beschallung. Da waren zuerst einmal die Wochen-Angebote, die ungefähr alle zehn Minuten vom Band abgespielt wurden und von erschütternder Unkenntnis in Sachen Fremdsprachen gekennzeichnet waren. Da es anders nicht geht, habe ich euch einen authentischen (!) damaligen Text nochmal selber eingesprochen:

Blansch de Blansch und Griss de Griss. Der Franzose hört’s mit Grausen.

Nicht weniger Ohrfolter: Die Hintergrundmusik. So ich mich recht erinnere, gab es genau zwei CDs, die damals im Wechsel gespielt wurden – „Das Beste von Howard Carpendale“ und „Das Beste von Roland Kaiser“. Ich hörte beide Scheiben also pro Tag mindestens fünf Mal komplett 25 mal die Woche, 100 mal im Monat. Das hatte seltsame Folgen: Nach vier Wochen wollte ich Roland Kaiser (der verantwortungslos Ficker à la „Manchmal möchte ich schon mit dir“) dringend aufs Maul hauen, während ich Howard Carpendale (der sensible Frauenversteher à la „Ti amo“) auf ein Bier einladen wollte.  Es sind Erkenntnisse, die einen prägen: Sei im Leben ein Carpendale, kein Kaiser.

Das hat sich bis heute nicht geändert.

Aber wie die Stempelei der Autogrammkarten war der Job endlich und ich musste ja auch mein Abitur machen. Das lief auch alles zufriedenstellend.

Nach dem Abitur war der Zivildienst dran, aber zwischen dem Abschluss und dem Antritt beim Sozialdienst in Düsseldorf hatte ich zwei Monate Puffer. Eine längere Reise, wie beim verwöhnten Jungpack heutzutage trendy, konnte ich mir schlicht nicht leisten, zumal ich mit dem Zivildienst auch meine erste eigene Wohnung übernehmen wollte (als WG-Bestandteil, of course). Es brauchte also Kapital und damit einen letzten Nebenjob vor dem Eintritt in die „echte“ Arbeitswelt.

Ich machte es wie immer und fragte mich, wo ich denn arbeiten wollte. Ein Kaufhaus schien mir eine gute Möglichkeit, neue Erfahrungen zu sammeln. Und wenn schon ein Kaufhaus – dann doch gleich der Kaufhof an der Kö. Oktober/November 1988 hatte ich dafür frei. So stand ich eines Morgens vor dem Personalbüro und bat um eine temporäre Stelle. Der bevorstehende Weihnachtstrubel war mein bester Freund und ich wurde fix der Müllpresse zugewiesen.

Der Müllpresse.

Morgens um 4.30 Uhr raus, 5.30 Uhr antreten, in einem fensterlosen Kellerraum die aus verschiedenen Schächten purzelnden Kartons in eine Papierpresse werfen und ab und an die gefüllten Container in den Gang rausschieben.

So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ein Scheißjob, zumal ich als Spätaufsteher gar keinen Bock hatte, zu nachtschlafender Zeit Dienst zu schieben. Auch nicht für sieben Mark die Stunde. Schon nach vier Tagen absolvierte ich meine Aufgaben fast im Wachkoma. Wenigstens konnte ich nebenher entspannt Science Fiction-Romane lesen.

Nicht mit Commander! Ich stapfte nach einer Woche erneut in die Personalabteilung und bat um „Versetzung“. Man hatte ein Einsehen und wies mich der Porzellanabteilung zu, die gerade eine neue Deko mit chinesischen Vasen reinbekommen hatte. Die mussten – vorsichtig – feucht abgewischt werden.

Drei Tage lang Chinavasen putzen. Hurra.

So machte ich mich bald wieder auf den Weg in die Personalabteilung. Hatten die denn nicht irgendwas, das weniger hirntot war? Die Dame schüttelte den Kopf und ich drehte mich auf dem Absatz um, dem Kaufhof nicht nur mental den Rücken kehrend. Da hörte ich noch eine vorsichtige Frage: „Es sei denn, Sie kennen sich mit Computern aus…?“.

Nicht wirklich. Aber ich kann viel behaupten, wenn der Tag lang ist. So wurde ich Aushilfe in der Computerabteilung des Kaufhofs – für satte 2000 Mark im Monat. In wenigen Stunden brachte ich mir die wichtigsten Details zu PCs und Prozessoren, zu Festplatten und Handhelds bei. Amiga, Atari ST, Drucker und Plotter – alles keine Zauberei, auch wenn mein rein theoretisches Verständnis sicher nicht immer wasserdicht war. Aber ich war ja auch nur ein Verkaufsassistent und kein Schrauber.

Ich gestehe, dass dieser Job in der Computerabteilung der beste Nebenjob war, den ich je hatte. Man stand entspannt rum, sprach freundlich (aber unverfänglich) nach Orientierung suchende Kunden an, führte „Battle Chess“ vor und halbdigitale Schreibmaschinen. An den Wochenenden kamen viele Holländer in Reisebussen über die Grenze, dann wurde es etwas drängeliger und einmal gelang es mir, einem Vertreter der Sparkasse gleich 50 elektronische Terminplaner zu verkaufen. Schade, dass es dafür keine Kommission gab.

  • Einer alten Dame trug ich die Reiseschreibmaschine zwei Stockwerke in die Lebensmittelabteilung, um sie dort auf die Gemüsewaage zu stellen – die Kundin sollte laut Arzt nicht mehr als drei Kilo heben. Die Schreibmaschine wog 3,4 Kilo, leider. Da wurde kein Geschäft draus.
  • Ein distinguierter Kunde wollte einen Taschenrechner mit Status und fragte nach einem Modell von Daniel Hechter. Hatten wir nicht, aber ich konnte ihn stressfrei zum Laden meiner Mutter schicken. Die hatte.
  • Ein iranischer Geschäftsmann wollte unbedingt fünf Farbmonitore kaufen, die wir gerade nicht vorrätig hatten. Um das Geschäft nicht zu verlieren, ließ ich mir seine Hotel-Adresse geben und sorgte dafür, dass ein Fahrer des Hauses ihm die Geräte noch vor dem Abflug vorbei brachte.
  • Als ein Fotograf Bilder für einen Kaufhof-Prospekt machen sollte, wählte man ausgerechnet mich aus, eine Winterjacke zu modeln. Leider bekam ich als Dankeschön weder die Jacke noch ein Exemplar des Prospekts ausgehändigt.
  • Am sympathischsten waren die Omas, die unsicher vor mir standen und Zettel aus der Handtasche kramten: „Mein Enkel möchte so einen Computer zu Weihnachten und hat mir da was aufgeschrieben“. Die habe ich immer besonders umsichtig bedient.
  • Und dann war da noch die Sache mit dem festangestellten Auszubildenden, der massive Probleme damit hatte, dass ich als Aushilfe 2000 Mark im Monat verdiente und er als Azubi nur 600. Als ich mal ein Farbband für einen Drucker nicht fand und ihn um Hilfe bat, deutete er vor dem Kunden auf eine Vitrine und sagte: „Da drin. Wenn Sie zu doof sind zum gucken…“. Ich passte ihn eine Viertelstunde später an der Kasse ab und sagte ihm vor den Augen unseres gemeinsamen Chefs: „Wenn Sie mich noch einmal vor einem Kunden derart beleidigen, werde ich Ihnen kommentarlos eine runterhauen.“

Ich gestehe, dass mir die Arbeit im Kaufhof derart viel Spaß machte, dass ich ernsthaft mit dem Gedanken spielte, eine Karriere im Einzelhandel anzustreben. Aber da steuerte meine Mutter massiv gegen, die genau das gemacht hatte und für ihren hochbegabten Sohn (ihre Meinung, nicht meine) unbedingt etwas „Besseres“ wollte. Rückblickend hat sie damit vermutlich Recht gehabt.

Und somit ging nach zwei Monaten der Job beim Kaufhof zu Ende und die Ära meiner Neben- und Ferienjobs auch. Seitdem arbeite ich hauptberuflich und nicht mehr für die Extra-Portion Happy Kirsch.

Insgesamt glaube ich, dass Nebenjobs eine tolle Sache sind, nicht nur wegen des zusätzlichen Taschengelds. Es sind relativ gefahrlose Teststrecken, auf denen man erste Erfahrungen in Sachen Warenverkehr und Kundenumgang macht. Man bekommt ein Gespür dafür, was einem liegt: Büro oder Außendienst? Kundenkontakt oder Kellerassel? Kisten schleppen oder Formulare ausfüllen? So albern und abgegriffen die Formulierung auch sein mag, so sehr stimmt sie: es formt den Charakter. Die Erkenntnisse und Fähigkeiten, die ich zwischen 13 und 19 erworben habe, sind mir auch heute noch immer wieder hilfreich. Und wie im Zivildienst habe ich dabei Respekt gelernt für Leute, die ganz andere Sachen machen als ich, tagein, tagaus.

Wie sieht’s bei euch aus? Habt ihr in eurer Jugend nebenher Geld verdient? Womit? Für was? Gibt es Anekdoten, Unvergessliches, Peinliches, Erfreuliches? Ich will es wissen!



avatar
13 Comment threads
16 Thread replies
1 Followers
 
Most reacted comment
Hottest comment thread
15 Comment authors
MarcoStefanoibertMartin DänikenDietmar Recent comment authors
  Subscribe  
neuste älteste
Benachrichtige mich zu:
Sven
Sven

Tatsächlich relativ viel..
Im Kino des Dorfes Karten abreißen und nach der Vorstellung fegen, 2,5DM die Vorstellung….
Dann im Eiscafé abends Bestände für den nächsten Tag auffüllen… Knochenjob, da das Café im EG, das Lager aber im 4OG des Einkaufszentrums war…

Danach bei Schaulandt neben dem Abi in der Tonträger Abteilung.
Super Sachen zum EK, relativ guter Stundenlohn mit 16DM und coole Kollegen.
Einem verdanke ich heute noch Entdeckungen, die ich immer noch gerne höre:)
Ich erinnere mich an eine Anekdote, das meine damalige Abteilungsleiterin gehen musste, da Sie sich weigerte die Onkelz in der Chart-Straße zu platzieren.
Und dann 2004 der Glücksgriff:
FFF in Hamburg und wegen eines defekten Geräts wurde ein Gast mit Auto gesucht, der einen Player von HH nach Berlin bringen konnte,es gebe Spritgeld und das, was ein Kurier nehmen würde…
Ich verzichtete auf evil Aliens und bin seitdem für Rosebud in HH am Start, mein „ richtiger „ Arbeitgeber lässt mir fürs FFF alle Freiheiten und -Räume.
Nebenher eine tatsächlich abwechslungsreiche Bundeswehrzeit in Holland gehabt.
War schon geil und als Schüler waren ja schon 50DM extra ja richtig viel…

flippah
flippah

Bei mir gab es zwei Nebenjobs. Das eine war Prospekte verteilen. Dummerweise ist Wennigsen nicht gerade urban, und die Wennigser Mark, mein „Zustellbezirk“ noch weniger und noch dazu 3 km entfernt.
Nach einer Weile durfte ich dann in die „Hochhausgegend“ von Wennigsen wechseln, da gab es immerhin Mehrfamilienhäuser und sogar ein paar 4-stöckige Gebäude. Das war schon etwas besser. Aber reich wurde ich damit nun wirklich nicht.

Deutlich besser war es als Ordner bei Hannover 96. Nach dem Unterricht einfach noch in der Stadt bleiben, das Spiel zu weiten Teilen sogar anschauen können und dafür noch Geld bekommen: dabei!
Und der Jackpot war natürlich das Pokal-Endspiel 1992, für das man als Ordner Vorkaufsrecht hatte.

McCluskey
McCluskey

In der DDR durfte man ab 14 Jahren Ferienjobs annehmen, bis 3 Wochen am Stück, glaube ich. Man hatte dann nach der Zeit 300 bis 400 Ostmark zusammen, das war fast die Hälfte eines regulären Monatslohns von Erwachsenen. Also für einen Jugendlichen eine Menge Schotter.

Ich hab jedes Jahr im Sommer in einer Kelterei gejobbt, die Obstsäfte und -weine produzierte. Zum teil im sogenannten Lohnverfahren, sprich private Lieferanten wie Kleingärtner gaben dort ihre Äpfel, Beeren etc. ab und bekamen das dann später in flüssiger Form weder zurück.

Einem Obstwein hab ich auch meinen ersten Rausch zu verdanken – ohne einen einzigen Tropfen getrunken zu haben. Die Firma bekam eine ganze Palette „umgekippten“ Roten zurück, der trübe und somit unverkäuflich geworden war. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, die Kronkorken zu lösen und die Flaschen kopfüber in eine über einem großen Bottich befestigte Konstruktion aus zwei Latten und einem Plastikflaschenkasten zu stecken. Das dauerte einige Zeit und aus dem Trog stieg bei hochsommerlichen Temperaturen ein dermaßener Alkoholdunst auf, dass es mir dann irgendwann wirklich ganz elend war. Ürps!

Dietmar

Ich habe Musik auf privaten Feiern, für Autohäuser, auf Stadtfesten und so weiter gemacht und im Serengeti Park Hodenhagen gearbeitet. Musik-Anekdoten gäbe es einige, aber die sind vor allem nur dann lustig, wenn sich die noch lebenden Band-Mitglieder treffen und die hervorkramen.

Im Serengeti-Park hatte ich viele unterschiedliche Aufgaben und habe das dort sehr genossen. Spannend war, als wir in der Zentrale per Funk Aufregung der Tierpfleger mitbekamen: Es wurden alle Kräfte in die Löwen-Abteilung gerufen. Ein älteres Ehepaar mit seinem etwa dreijährigen Enkel hielt es für eine gute Idee, dort auszusteigen in der Absicht, das Enkelchen zwecks eindrucksvoller Ablichtung auf den Rücken des Rudelführers zu setzen. Als die, später auch so erklärte, Absicht von aufmerksamen Rangern erkannt wurde, versperrten diese mit ihren Geländewagen den Weg und eskortierten die Familie aus dem Park. Gegen die herzliche Einladung, den Park nicht mehr zu betreten, wurde nach meiner Erinnerung auf eine Anzeige verzichtet.

Immer nach Stürmen nutzten die klugen Berberaffen auf und in die Umzäunungen gefallene Äste zur Flucht. Da der Park-Tierarzt nicht der grandioseste Schütze war, musste der leider im letzten Jahr gestorbene, extrem nette philippinische Chef-Tierpfleger Hansi mit dem Betäubungsgewehr ran. Das ergab ein lustiges „Wettrüsten“ der Ideen, das sich ungefähr so darstellen lässt:

Berberaffen büxen aus, Arzt verfolgt sie, stellt sie, schießt, trifft nicht. Affen amüsieren sich prächtig. Chef-Tierpfleger übernimmt das Schießen, betäubte Affen werden aufgefangen. Aber die sind nicht doof. Also merken sie sich: Der Hansi, der trifft! Sehen sie ihn im Jeep, gehen die sofort wieder stiften. Sehen sie den Arzt, schließen sie Wetten ab. Hansi also versteckt sich immer im Jeep, bis er nah genug ist. Daraus lernen die Affen wieder: Jeder Jeep ist problematisch. Aber immer zu flüchten ist anstrengend (weshalb man Jagden auf die Tiere auch vermeidet). Also denken die Affen sich etwas Neues aus: Vom Betäubungspfeil getroffen balancieren sie gemütlich im Baum auf den Stamm zu, umklammern ihn fest und ratzen die Betäubung weg. Daraus wiederum lernt der Park: Immer, wenn die Berberaffen mal wieder ausgebüxt sind, gibt es besonders leckereres Futter. Schwupps, sind alle wieder da. (Die Fortpflanzungserfolge des Parks zeigen, wie wohl sich die Tiere da fühlen. Die Affen „flüchten“ eigentlich nicht, sondern sind neugierig.)

Markus

Sehr schön – vor allem das mit der Müllpresse. „Es IST schlimmer…“ 🙂

Mein miesester Ferienjob war: ein riesiges Wandregal voller Architektur-Prospekte durchsortieren. Mit The Clash auf den Ohren und ohne Motivation. „Wir melden uns“ zum Abschied war glücklicherweise eine Lüge.

S-Man
S-Man

Meine Eltern meinten immer, ich solle Ferienjobs machen. Hatte aber eigentlich nie wirklich Lust. Ich habe dann, um meine Mutter zu beruhigen, immer 2-3 Anrufe irgendwo getätigt, vor allem Supermärkte und Kaufhäuser, und überall wurde mir gesagt: Unter 18 keinen Job. Mir war es Recht, ich hatte meine Ausrede.
Und dann wurde ich 18. Schwupp haben mich meine Eltern genötigt, mir was zu suchen. Ich wurde Zeitungsausträger von so einer Gratis-Wochenzeitung.

Das war beschissen. Ich erinnere mich an den härtesten Winter ever. Genau in dem Winter durfte ich antreten: Ich weiß nicht mehr, wie viele Zeitungen es waren. 500? 800? Jedenfalls hatte ich ein ziemlich großes Gebiet abzudecken. Geliefert wurden die um 6.30 früh, samstags. Bis 10 sollten die ausgeliefert sein. Das halte ich bis heute für völlig unmachbar. Ich wohne logistisch relativ günstig, ich konnte meine Tour immer zweiteilen, da ich in der Mitte des Gebiets wohnte. So brauchte ich immer nur eine Hälfte der Zeitungen mit mir rumschleppen. Mehr passte auch nicht in meinen Handwagen. Das Problem war, dass ich neben dem Zeitungseinwurf auch noch Werbeheftchen in die Zeitungen legen musste. Das bei ca. -15°C war unmenschlisch. Ich konnte damit keine Handschuhe anziehen, die hätten das Blättern nicht erlaubt. So waren aber die Finger taub. In dem Winter hatte ich immer eine Pause zum Kakao-Trinken eingelegt. Dadurch zog sich alles noch länger. Es lag Schnee, der Wagen kam kaum durch. Höllenarbeit. Wenn ich dann gegen 15 oder 16h fertig war, war das Wochenende auch gelaufen.
Auch später, im Frühjahr ging es niemals mit der Zeitvorgabe. Ich habe es einmal versucht, die Werbung nicht mitzugeben (hab sie einfach weggehauen). Das sparte mir ein Drittel der Zeit. Aber selbst so war das hart und kaum vor 13h zu machen. Was mich bis heute am meisten erstaunt: Es gab echt Leute, die warten auf so einen inhaltslosen Quatsch. Und wenn ich nicht bis 10h bei Ihnen war, rufen die echt in der Redaktion an. Kann man sich nicht ausdenken. Was mir auch extrem gegen den Strich ging: Ich sollte auch die Häuser beliefern, die ihre Briefkästen innen im Hausflur hatten. Ich sollte also ernsthaft irgendwo klingeln – am Samstag morgen um 6:30h! – damit man mich einlässt und ich den Ramsch verteilen kann. Das habe ich jedes einzelne Mal boykottiert. Anfangs habe ich die Zeitungen noch vor die Tür gelegt, doch nach dem ersten Sturm, der das Zeug schön in der Nachbarschaft verteilte, bekam ich eine Rüge vom Chef. Ich hab am Ende immer 100-200 Zeitungen einfach weggehauen. Als es dann wieder Winter wurde, habe ich gekündigt. Knochenarbeit, Lohn: 2,5ct pro Zeitung, dafür Freitags früh ins Bett, um Samstag früh raus zu können und Samstags früh ins Bett, weil tot; ergo: Keinerlei Chance, am Wochenende teilzunehmen. Nein, da konnten mich meine Eltern mal.

Weil aber die Arbeit nicht genug war, sollte ich dann in den Sommerferien noch was machen (dafür vom Zeitungsjob frei zu bekommen, war eine Sache für sich…). Ich hatte das Glück, auf dem Markt an einem Auto den Zettel zu lesen: (sinngemäß) „Kennen Sie sich mit PC und Fotoapparaten aus? Haben Sie in den Sommerferien Zeit?“. Ersteres schon ein wenig, zweiteres habe ich mal gesehen. Klar, angerufen. Hat sich rausgestellt, dass die jemanden suchten, der ein Kinderferienlager begleitet und dort Fotos macht. Das war der Spaß meines Lebens. Die ganze Zeit rumtoben, Kinder ärgern und nichtmal die Verantwortung der Betreuung haben. Super. Lag mir, ich hatte ein neues Hobby und wurde noch dafür bezahlt. Kinderferienlager habe ich dann 8 Jahre lang während meines Studiums weiter betreut und geleitet. 50€/Woche Aufwandsentschädigung für 24/7 Einsatz war ein Lacher und deckte nicht mal die Ausgaben, aber das war mir egal. Ich habe da mehr gelernt als irgendwo anders in so kurzer, komprimierter Zeit. Vor allem über Menschen – Kinder wie Eltern.

Während des Studiums habe ich mir noch einen „richtigen“ Job suchen sollen, wie meine Eltern meinten. Das mit dem Ferienlager akzeptierten sie irgendwie nicht mehr als Arbeit. Arbeit durfte keineswegs Spaß machen. Sonst würden sie ihre finanziellen Zuwendungen streichen – ich hätte ja zu viel. Seltsame Logik, aber so war das. Also suchte ich mir eine Stelle, wo ich ein wenig programmieren durfte (2. Semester Informatik). Das war dann das erste Mal eine Berührung mit meinem tatsächlich späteren Beruf. Und weil ich das so gut machte (also es schien funktioniert zu haben; dass ich deutlich mehr Zeit abrechnete, als ich brauchte, sagte ich nie…) haben die mich dann fest angestellt als ITler – Mädchen für alles – bei ihnen. Das war ein sehr einfacher Job. „Hilfe, mein Monitor geht nicht“. „Hilft, wie mache ich in Word ein Wort fett“, so Zeug. Eingestellt war ich für 20h. Aufgrund meines Fahrwegs hatte ich 6h Anwesenheit ausgehandelt, den Rest als Rufbereitschaft (die in 5 Jahren nur 2x in Anspruch genommen wurde). Von den 6h war eigentlich die in der Woche angefallene Arbeit in 1h erledigt. Ich lernte, wie man seinen eigenen Job sicherte („Bastard Operator from Hell“ war da meine Standardlektüre). Unter anderem lastete ich die Server mit komplizierten Berechnungen aus, wartete auf den Anruf, dass heute alles so langsam wäre, klickte nach 20min den „Cancel“-Button und meldete, dass jetzt wieder alles gehen müsse. Ein Arschloch vor dem Herrn, aber das brachte mich am Ende finanziell sehr angenehm durchs Studium. Ein bisschen weh tut es im Nachhinein schon, die Leute waren alle ausnahmslos super nett zu mir (aber die hatten die Kohle auch…)

Ergo: So richtig hart arbeiten war ich nach dem Zeitungskram nicht mehr im Nebenjob. Das hob ich mir fürs Berufsleben auf.

PS: Ich habe Battle Chess geliebt!!!

Dietmar

Nach dem Kommentar weiß ich nicht, ob man Dich küssen oder Dir in den Hintern treten sollte. 🙂

S-Man
S-Man

Ich glaube, den Tritt hat mein früheres Ich definitiv verdient 🙂 Aber wüsste gern welcher Teil dich zum Knutschen animiert 🙂

fishfrank
fishfrank

Oje…die Zeitungen. Mit rebellischen 15 Jahren & mofa war ich anno ´75 im redlight-district im Cuxhavener Hafenviertel unterwegs. Doof war das einkassieren der Abo-Gebühren, nicht die Zustellung der Schmierblätter.
Immerhin lernte ich diverse Anderswelten kennen, seltsame Wesen in endlos-verwinkelten alten Häusern & einen frühen Einblick, wie man Geschäfte in der Grauzone abwickelt.

Danach dann Pricken ins Watt schaufeln, auch nicht schön, aber sicherer…;-)

fishfrank
fishfrank

…dazu fällt mir noch ein, wo ich grad hierbin:
der sinnloseste Job meines Lebens:

Strandreinigung. ich war so knackige 17 und zog aus, die Strandpromenade freizuschaufeln. Es war ein stürmischer Herbst und all der schöne Strandsand war da, wo er nicht hingehörte.

Also auf, Männer, schaufeln. So.
Am nächsten Morgen: Sand wieder da.
Also auf, Männer, schaufeln.
Am nächsten Morgen: Sand wieder da.
Also – so zog sich das fast zwei Wochen. Wurde aber ganz gut bezahlt.

Martin Zimny
Martin Zimny

In meinem Revier gab es Playboy-Abonnenten!

War aber auch nicht sonderlich hilfreich, die Erzeugnisse waren fest eingeschweißt und mir fehlte als 13-jähriger die kriminelle Energie (der Mut), die Verpackung aufzureißen, um an den begehrten Inhalt zu gelangen…

fishfrank
fishfrank

…wie fies. Einiges hatte ich auch in einem schmierigen Puff zuzustellen & abzukassieren, aber man warf mich leider raus. Hätte auch gern mehr geguckt…;-)

Halbblut
Halbblut

Während meiner Studienzeit hatte ich nur einen Nebenjob, den aber für immerhin fast 2 Jahre und bei ziemlich guter Bezahlung: als studentische Hilfskraft beim Mitteldeutschen Rundfunk. Eindeutiges Pro war hier, jede Menge Konzerte mitzuerleben, sowohl Klassik als auch Rock und Pop. Ein Manko war, dass die jeweilige Kleidung, die vom MDR gestellt wurde, prinzipiell zu gross für meine Zwergengestalt war. Das Kostüm für die klassischen Konzerte musste ich mir so immer selbst ergänzen, während es für den stylischen Overall der anderen Konzerte keinen Ersatz gab  – ich sah immer sehr reingeborgt aus… und ich weiß noch, daß bei Tina Turner ein Typ mit zuviel Bier aufm Kessel unbedingt anstelle von Aufklebern, Stiften und Pins (tatsächlich mit Tina drauf!) lieber den Overall mit mir drin haben wollte. Was war ich an dem Abend froh, zwei große und bei Bedarf grimmig dreinschauende Mit-Jobber dabei zu haben.
Unvergesslich bleibt auch, daß wir zum Kindertag auf einem Fest den Sandmann dabei hatten und alle Knirpse völlig aus dem Häuschen waren. Wusste ja keiner, daß in dem Kostüm einer der zwei Jungs steckte, der bei 28 Grad im Schatten alle halbe Stunde mit dem anderen tauschen musste, weil man in dem Ding so erbärmlich schwitzte und genau garnix sah… Ich musste den Sandmann die ganze Zeit an der Hand führen und schwankte zwischen Grinsen (ich bin Fan vom Traumbringer) und Mitleid…

Daniel
Daniel

Als ich noch zur Schule ging, hatte ich nur einen Mini-Job: In einem kleinen Hinterhof auf der Ronzdorfer-Straße Kalk in Dosen abfüllen. Der „Betrieb“ gehörte dem Vater eines Klassen-Kameraden, und wir haben das immer zu dritt gemacht. In aller Regel am Wochenende. Da war ein Raum, ca. 20 qm groß, in der Mitte stand ein großer Bottich mit Kalk drin. Den hatten wir mit einem Löffel in bereitgestellte Dosen abzufüllen (Produktions-Sektor 1), danach die Dosen mit einer dafür zur Verfügung gestellten Deckeldraufmach-Maschine zu verschließen (Produktions-Sektor 2), um die fertig gestellten Dosen dann zu sechst in einen Karton zu stellen und den mit Klebeband zu umwickeln und abzustellen (Produktions-Sektor 3).

Wofür das gut gewesen sein soll, weiß ich bis heute nicht mit Sicherheit. Das Zeug wurde angeblich als oberflächenschonendes Reinigungsmittel für Küchen-Oberflächen verwendet. Im Handel habe ich das nie gesehen, und nachdem ich meiner Mutter mal eine Dose davon mitbrachte, hat sie das an der Spüle ausprobiert und für untauglich befunden.

War uns aber egal. Wir wurden im Akkord bezahlt, und gingen jeden Samstag nach ca. 5 Stunden und mit ca. 80 DM ausgestattet wieder nach Hause. Und mit dem Gefühl, dass da gerade jemand gewaltig was an Steuern gespart hat. Wir sind da meistens Mittags in eine umliegende Kneipe gegangen, haben Currywurst mit Pommes gegessen, und uns neben den sonderzahl da sitzenden Bauarbeitern wie die Helden der Arbeit gefühlt. Schließlich hatten wir gerade gearbeitet, und waren von oben bis unten mit Kalk glasiert.

Nach dem Abitur habe ich 13 Monate Zivildienst als Krankenpflege-Helfer gemacht. Auf einer zweigeteilten Station, ME6 im MNR-Gebäude der Düsseldorfer Uniklinik. Zweigeteilt weil: Die s. g. „A-Seite“ war Hämato-Onkologie für Kassen Patienten. Sterbenskranke Menschen, die zum Teil aus dem Kotzen (wegen Chemo-Therapie und Bestrahlung) nicht mehr rauskamen, und der „B-Seite“ – Kardiologie für Privat-Patienten. Will sagen: Auf der einen Seite war eine Menge Kotze wegzuwischen, und auf der anderen wurde aufgeschäumte Milch zum Kaffee verlangt. Was, nebenbei, meine erste und zum Glück einzige Erfahrung zeitigt, warum man eiserne Michkännchen nicht in die Mikrowelle stellen soll. Ich war A-Seiten-Mensch, und habe da auch meinen Job-Wunsch zementiert. Hat ja auch geklappt.

Dafür bekam ich 1032 DM im Monat! Ich wusste gar nicht, wohin mit dem Geld. Meine beiden besten Freunde aus Schulzeiten und ich haben in der Zeit sehr viel Bowling gespielt und dabei eine Menge Bier getrunken. Ich glaube, 70% aller Tonträger, die ich besitze, stammen aus der Zeit. Es war toll, ich war zum ersten mal richtig produktiv und bester Laune, durchgehend.

Der Zivildienst war irgendwann fast vorbei, ich hatte mich bei der ZVS für Medizin angemeldet, wohnte noch bei meinen Eltern. Mein Bruder kam in mein Zimmer. „Hast Du eigentlich mitbekommen, dass im Klemens-Viertel ne Videothek aufgemacht hat?“

Hatte ich nicht.

Eine Videothek bei uns um die Ecke? Nach dem nächsten Frühdienst, es muss so Oktober 1996 gewesen sein, stand ich da drin. Ließ mir von der Inhaberin (einer gewissen Mick Briem!) eine Kundenkarte (Nummer 305) ausstellen, und war im Himmel. Da gab’s alles. OK, keine Märchen für Erwachsene, das war mir aber sehr egal. Ich lieh alles, was nicht niet- und nagelfest war. Filme, die zwischen 1994 und 2004 auf Video (und später DVD) raus kamen, kenne ich alle. Als mein Zivildienst im August 1997 zu Ende war, bat ich da um einen Job. 3 Monate später hatte ich ihn. Mein Vorgänger hatte 1x zu oft in die Kasse gegriffen, und sein Job war vakant . Ich nahm ihn mit Freuden. 14 DM pro Stunde, später 7€, alle Filme mit nach hause nehmen, die nach Ladenschluss nicht verliehen waren, das war klasse. Es war eine wundervolle Zeit.

Im Studium habe ich dann noch an einer hämatologischen Forschung teilgenommen. Akten aus dem Archiv holen, und Blutwerte auf ein Formular übertragen. Langweilig, aber vergleichsweise gut bezahlt. 8@ pro Stunde, wenn ich mich nicht irre.

Das waren meine Neben-Jobs. Nicht unerwähnt bleiben sollte aber mein 6-wöchiges Berufs-Praktikum ca. 1992. Das war nämlich im, tata, „Kaufhof an der Kö“. Und Torsten, ich weiß genau was Du mit dem Müllentsorgungsbreich meinst. Ich hatte da immer Sachen in den Schlucker reinzukippen, die nicht mehr gebraucht wurden. Schon beim Anheben der Klappe roch es entsetzlich. Den Rest der sechs Wochen hatte ich mit einer Heißklebe-Pistole unechte Blätter an echte Birken (oder war das umgekehrt?) anzubringen. Für 0 DM. Aber ich habe da seinerzeit einen schönen Bericht drüber geschrieben, der mir eine glatte 1 im Deutschkurs eingebracht hat. Ist ja auch schon was.

Dietmar

Kalk in Dosen ist echt sehr eigenartig!

Martin Däniken
Martin Däniken

Also ich habe ein Praktikum (Hauptschule) in einer Buchhandlung gemacht Mitte der 80er…
O.K morgens die K&N Pakete öffnen,richtig einpreisen und einschweissen…
Der Geruch von dem verschmorenden Plastikfolien habe ich auch noch immer in der Nase wenn ich was Eingeschweisstes/ Lesbares in der Handhabe,hmmmm!
Wein Geburtstag fiel in diese Zeit und ich durfte mir Taschenbücher aussuchen:
Das Heinrich-Böll-Lesebuch von DTV
und
Jim Thompsons Getaway ausm Ullstein (Bin halt eklektisch)
Aber den übelsten Tag werde ich nie vergessen:
Alle Bücher in den Regalen bündig stellen!!
Echt krass ätzend!
Gab kein Geld dafür,ich liebe halt Bücher !!!
Der andere Job war bei einem grossen SB-Markt in den Ferien gab 5 oder 6 Mark die Stunde.
Habe Spielwaren,Sport „betreut“ .
Desmorgens das grüne(damals noch erlaubte) Zeuch verstreut und durch gefegt und aufgesammelt.
Nun aus arbeitsökonomischen Gründen habe ich damals zarte 16 den Besen mit einer Hand betätigt..
Just kam der oberste Chef der Kette vorbei,sah mich so arbeiten und zeigte mir wie man ordenlich mit 2 Händen den Besen führt-ne halbe Stunde lang!!!
Boh das war peinlicher als nackig durch die Innenstadt flitzen in diesen Träumen,ihr wisst schon 😉
Seitdem habe ich mich nie wieder erwischen lassen beim 1-händigen Besen betätigen.
Hört sich fast nach was andrem an 🙂
Ein Schelm…
Dann durfte ich Möbel und Waschmaschinen (mit) ausfahren….
wirklich interessant wie manche Leute leben… und überleben
von den Trinkgeldern mal ganz abgesehen..
das übliche halt:
Gebildete mit Asche in der Tasche eher „zurückhaltend“ bis garnichts und
„arme Leute“ spendabel bis zur Einladung zum Essen.

Stefan
Stefan

Ich habe zwischen Abi und Zivildienst als Hilfsarbeiter bei einer Elektrofirma gejobbt. Das war sehr abwechslungsreich, denn wir haben da praktisch alles gemacht, was Elektriker so machen. Von der Verkabelung von Wohnungen bis zur Elektrifizierung einer Malzfabrik, die gerade neu gebaut wurde.
Unter anderem wurden wir auch an andere Firmen verliehen. Z.B. an eine Papierfabrik. Diese Fabrik lernte man da ganz anders kennen, als man sich das von außen vorstellte und zum Teil besser als das Management. Zum Beispiel hatte diese Papierfabrik unten drunter Katakomben, in denen man nie ein höheres Tier antraf, weil es da unten so dreckig war. Man konnte da nichts anfassen, nicht mal die Wände, ohne hinterher schmierige Finger zu haben. Aber die Arbeiter hatten sich da unten gemütlich eingerichtet. Es gab da unten mehrere Räume, in die sie Bierbänke und -tische gestellt hatten, und natürlich auch die entsprechenden Getränkevorräte. Man konnte sich bei Bedarf auch was Warmes zu essen machen, denn es gab Mikrowellenherde, Kochplatten und Elektrogrills. Sehr gemütlich und ideal, um kurze Pausen ad infinitum zu verlängern, aber nur, wenn man nichts gegen ein paar Ölpfützen auf dem Boden hatte.
Ein andermal mussten wir in einer Behindertenwerkstatt (das sagte man damals noch so, ich weiß nicht, wie das jetzt und politisch korrekt heißt) Kabelpritschen installieren und sie mit den entsprechenden Kabel darauf verlegen. Die Behinderten kriegten dort übrigens einen Karton von der Größe einer Waschmaschine hingestellt, der voll war mit losen Glühbirnen einer damals ortsansässigen, aber überregional bekannten deutschen Leuchtmittelmarke, die kürzlich von den Chinesen aufgekauft wurde. Die Aufgabe der (geistig) Behinderten dort war, die Glühbirnen einzeln in die kleinen Einzelverkaufskartons zu stecken. Und vorher diese kleinen Kartons, die frisch und flach stapelweise aus der Druckerei kamen, in Quaderform zu falten. Die Leute machten das in Gruppen von 25 bis 30 Leuten, und jede Gruppe hatte einen Betreuer oder eine Betreuerin.
Eines Tages stand ich dort im Flur gegen Mittag mit einer Bohrmaschine bewaffnet auf der Leiter, um oben unter der Decke einen Dübel für so eine Kabelpritsche zu setzen. Da gongte es per Lautsprecher; das Zeichen zum Mittagessen. Sämtliche Türen gingen auf und angeführt von ihren Betreuern strebten die „Insassen“ zur Kantine. Einer blieb bei mir stehen, griff sich mit beiden Händen die Leiter, auf der ich stand (Deckenhöhe so ca. 4 Meter) und sagte, er wolle sie mir festhalten, damit ich nicht runterfalle. „Nicht nötig“, sagte ich, „die Leiter steht gut. Du brauchst sie nicht festzuhalten.“ In dem Moment merkte die Betreuerin, dass einer ihrer Schützlinge bei mir hängengeblieben war und rief, er solle jetzt auch mitkommen, denn es gebe ja Essen. Und folgsam hat er sich auch wieder auf den Weg gemacht. Allerdings, ohne die Leiter loszulassen. Die hat er einfach mit sich gezerrt. Und so fiel ich dann doch noch runter, obwohl oder besser, gerade weil er die Leiter so gut festgehalten hat. (Mir ist nichts passiert, allerdings hat die Bohrmaschine keinen Mucks mehr gemacht.)
Und weil in den Kommentaren schon zu lesen war, dass Essen auf Rädern ein cooler Zivi-Platz war: Ich weiß auch einen. Und zwar war ich der Post-Zivi in einem orthopädischen Krankenhaus am Rande der Stadt. Extrem locker. Morgens zum Postamt (damals noch nicht „Filiale“), das Postfach ausleeren und die Einschreiben am Schalter abholen. Ich hatte dafür so ein kleines Einkaufswägelchen wie es manche Omas mit sich führen. Muss ein lustiges Bild gewesen sein, ein langhaariger Typ mit Batik-T-Shirt und Schlabberhose und mit einem Einkaufswägelchen. Dann in der Klinik (ich hatte da ein eigenes Büro, nur für mich!) die eingegangene Post sortieren und auf die einzelnen Stationen verteilen. Mittags dann mit der Straßenbahn in die Innenstadt, um den örtlichen Krankenkassen die Rechnungen zu bringen. Das konnte man fast endlos dehnen; im Sommer habe ich halbe Arbeitstage biertrinkend und bücherlesend im Park verbracht. Irgendwann nachmittags wieder in die Klinik, eine Runde durchs ganze Haus drehen und dabei die ausgehende Post einsammeln. Einkuvertieren, mit der Frankiermaschine (die die Briefumschläge beim Frankieren auch gleich zugeklebt hat), frankieren und sie zur Post bringen. Und schon war wieder ein Arbeitstag vorbei. Man riss sich da echt kein Bein aus und langweilig wurde auch nie, weil man in meinem Büro rauchen durfte, Musik aus dem Ghetto-Blaster hören konnte und weil ich den besseren Kaffee hatte als der Automat auf dem Flur (und für Notfälle ein paar Flaschen Bier im untersten Fach des Schreibtischs). Deshalb hatte ich ständig Besuch von Schwesternschülerinnen (da waren ein paar sehr schnuckelige Exemplare dabei) und vom Bibliothekszivi. Ich bin mehr als 25 Jahre später immer noch nicht draufgekommen, welcher Job relaxter war, mein Postjob oder seine „Arbeit“ in der Patientenbibliothek.
Allerdings musste man sich, um so einen Zivi-Platz zu bekommen, schon vorher ein bisschen darum bemühen. Es gab in diesem Krankenhaus noch viel mehr Zivis, insgesamt etwa 25. Und die in der Haustechnik oder in der Pflege mussten richtig arbeiten.
Zu meinem Postzivijob gehörte es übrigens auch, einmal im Monat den Sold für alle Zivis von der Bank zu holen. Der Zivildienst musste ja formal funktionieren wie der Wehrdienst, und weil die Wehrpflichtigen den Sold in bar ausbezahlt bekamen, musste das bei den Zivis genauso sein. Ich bekam am Zahltag also von der Kasse der Klinik einen Barscheck über ca. 30.000 DM und musste mir das Geld von der Bank um die Ecke auszahlen lassen und es der Kasse bringen. Bankangestellte, die mich noch nicht kannten, murmelten dann regelmäßig „Kleinen Moment bitte“ und dann ging die Jalousie am Schalter runter. Die haben natürlich dann in der Klinik angerufen und nachgefragt, ob der Scheck, den der langhaarige Hippie-Typ gerade einlösen will, echt ist. Nach kurzer Zeit ging die Jalousie wieder hoch und ich wurde gefragt, wie ich das Geld gerne hätte (kleine Scheine, nichts größeres als 100er, lieber 50er, grins). Das gab dann verwunderte Gesichter von anderen Bankkunden, die das sahen und es schon für eine bedeutende finanzielle Transaktion hielten, wenn sie 2000 Mark für einen neuen Fernseher abhoben.
Das war insgesamt eine schöne Zeit, retrospektiv die entspannteste meines Lebens. Eigentlich schade, dass der Wehr- und damit auch der Zivildienst „ausgesetzt“ (abgeschafft ist die Wehrpflicht ja nicht) sind. Die jungen Leute von heute verpassen da was.
Wer gut aufgepasst hat und sich in Bayern auskennt, kommt vielleicht drauf, in welcher Stadt das alles war. Glühbirnen einer ehemals sehr bekannten Marke, die es seit Kurzem nicht mehr gibt, eine große Papierfabrik, die es schon ein bisschen länger nicht mehr gibt und eine orthopädische Klinik (die es noch gibt, denn nicht jeder Laden, in dem ich arbeite, geht zwangsläufig pleite) am Rande der Stadt, wo könnte das gewesen sein? 🙂

Marco
Marco

Ha, S-Man und ich sind ‚Gratis Wochenzeitung Austraeger‘ twinsies! 🙂 Das war auch mein erster Nebenjob. Allerdings nur als Vertretung fuer einen Freund (Heute denke ich mir, dass er sich da einen gewissen Prozentsatz einbehalten hat, schlauer Kerl 😉 ). Jeden Dienstag Abend wurden die Zeitungen geliefert, dann muste noch Werbung einsortiert werden und dann das ganze noch verteilt werden. Aehnliche Erfahrungen wie S-Man, erstaunlich wie viele Leute auf diese Dinge warten und richtig grantig werden, wenn man erst Donnerstags kommt … Nach ner Weile (und wahrscheinlich entsprechenden Rueckmeldungen) haben wir dann entschieden dass das wohl nichts fuer mich ist! 🙂 War mir aber ganz recht.
Dann gab es noch einen Ferienjob in eine Kunststoffwerkstatt. Waehrend am Anfang die Begeisterung gross war (so viel Geld, scheiss aufs Abi!) stellte ich dann fest, dass das Arbeiten mit Glasfasern (wurden auf Kunststoffrohre laminiert) doch nicht so ganz toll ist. Nach dem ersten Duschen juckte es wie Sau und die Kollegen erklaerten dann dass man erst kalt duschen muss, um die Fasern so gut wie moeglich abzuspuelen und warmes Wasser diese nur aufquellen lassen wuerde und man sie nie wegbekaeme. Kaltes Wasser brachte tatsaechlich Linderung aber gejuckt hat es noch lange, auch nachdem die 4 Wochen in der Fabrik vorbei waren. Ich muss sagen, dass hat auch tatsaechlich (zumindest zeitweise) geholfen, in der Schule ein bisschen motivierter zu sein …