In Facebook wird es mittlerweile zur Nerverei – ständig wird man angehauen, persönliche Listen rauszuhauen: die besten, die doofsten, die ersten, die schönsten. Weil man sich in einem sozialen Netzwerk befindet, fällt es mitunter schwer, sich da rauszuhalten. Und so habe ich mich breitschlagen lassen, 10 Lieblingsfilme, 7 Scheißfilme und 10 grandiose Filme deutscher Provenienz zu präsentieren, ausgewählt nach meinem ganz persönlichen Geschmack.

Nicht alle Wortvögler sind auch Facebookler, darum fasse ich die Listicles hier mal zusammen. Den Anfang machen die 11 Lieblingsfilme (sollten 10 sein, aber ich habe mich über die Tage hinaus einmal verzählt – Bonus!).

10 Lieblingsfilme in 10 Tagen, Nummer 1: „Das fliegende Auge“ (ein deutlich besserer Titel als das Original „Blue Thunder“). USA 1983, Regie John Badham. Hochkärätige, komplett handgemachte Hardware-Action, verpackt in einen Paranoia-Polit-Thriller. Roy Scheider und Malcolm McDowell sind die perfekten Gegenspieler. Habe ich in meiner Teenager-Zeit bestimmt 10 mal angeschaut, von meiner ersten selbst aufgenommenen Videokassette. Bis heute frage ich mich allerdings, was sich die Synchro-Redakteure bei der Zeile „Komm schon, du müde Scheiß-Wanne!“ gedacht haben.

10 Lieblingsfilme, 10 Tage, Nummer 2: „Ein Fisch namens Wanda“ ist die perfekte Komödie. Sexy, witzig, frech und frei von jeglichen Skrupeln. Sogar die deutsche Synchro ist ein Knaller und in meinen Augen einen Tacken besser als das Original.

10 Lieblingsfilme, 10 Tage, Nummer 3: „Feld der Träume“ – einer der schönsten Filme über die Sehnsucht nach Unschuld und die Sünden unserer Väter. In Deutschland wegen des Themas Baseball nie so erfolgreich, wie er hätte sein sollen. If you build it, they will come.

10 grandiose Filme in 10 Tagen, Nummer 4: Es gibt keinen zweiten Film wie „Brazil“. Eine dystopische Romanze, ein kafkaesker Alptraum, visuell aus allen Nähten berstend, so komisch wie tragisch und dem Klischee entsprechend: totales Kino.

10 grandiose Filme in 10 Tagen, Nummer 5: Als bekennender Skeptiker hege ich eine besondere Affinität für Science Thriller mit metaphysischen Unter/Obertönen. Für mich das immer noch beste Beispiel für diese Sorte SF ist „Phase IV“, ein so nüchterner wie schockierender, so rationaler wie religiöser Film über eine Ameisenplage – und das Ende der Menschheit, wie wir sie kennen. Vom Inhalt mal ganz abgesehen sind die Makro-Aufnahmen der Ameisen bis heute unerreicht.

10 grandiose Filme in 10 Tagen, Nummer 6: Eine ganz große Vision, gefilmt mit kleinem Geld, aber unendlicher Leidenschaft. Man kann „Lautlos im Weltraum“ durchaus kitschig finden und so öko wie einen Norwegerpulli (vor allem „dank“ der Songs von Joan Baez), und sicher ist der Film ein Kind seiner Zeit. Aber er ist auch eine der ganz großen Utopien aus dem Jahrzehnt, bevor sich SF-Kinofilme an Star Wars, Alien oder Blade Runner messen lassen mussten. Bonus für das erste wirkliche „making of“.

10 grandiose Filme in 10 Tagen, Nummer 7: Wenn „Ein Fisch namens Wanda“ die perfekte Komödie ist, dann ist „Harry und Sally“ die perfekte RomCom, zumindest für weiße heterosexuelle Stadtmenschen der Mittelklasse. Ich weiß nicht, wie oft ich den Film gesehen habe – und zu jeder Phase, jeder Beziehung und jeder Wendung meines Lebens finde ich in Rob Reiners perfekt getakteter Beziehungskiste mindestens einen passenden (und oft tröstenden) Spruch. Man kann das als „Woody Allen light“ abtun – aber das wird Nora Ephrons sehr weisem Drehbuch nicht gerecht. Meine Obsession mit „Harry & Sally“ geht soweit, dass ich mir vor ein paar Jahren aus Michigan eine Packung Mallomars-Kekse habe schicken lassen. Und es war der Film zu meiner ersten Liebe…

10 grandiose Filme in 10 Tagen, Nummer 8: Ich hatte als Teenager im konservativ-spaßlosen Fantasy-Filmlexikon über die Filme von Alejandro Jodorowsky gelesen und mich entschieden, sie ungesehen zu hassen. Weil: KUNST! 20 Jahre später entschied ich mich, mir doch selbst ein Bild zu machen – und wurde überwältigt von einer Bildgewalt und einer erzählerischen Potenz jenseits aller Klischees. Kann man „El Topo“ noch als experimentellen Western klassifizieren, ist „Montana Sacra“ endgültig nur noch Erfahrung und Erlebnis. Als Bonus empfehle ich außerdem die sensationelle Dokumentation „Jodorowsky’s DUNE“, die vom gescheiterten Versuch des Meisters erzählt, Frank Herberts Mammutwerk auf die Leinwand zu bringen.

10 grandiose Filme in 10 Tagen, Nummer 9: „CQ“ ist ein Sonderfall und noch dazu schon nach gerade mal 17 Jahren eine fast vergessene Obskurität. Der Film ist für sich genommen eine hübsche Hommage an das Kino der 60er, an Mario Bava und die Nouvelle Vague, an Richard Lester und Roger Vadim. Als DVD gewinnt er aber ganz neue Dimension, denn die Scheibe enthält tonnenweise Material zum „Film im Film“, sogar einen Rohschnitt des fiktionalen „Codename: Dragonfly“ und die Doku unseres verkrachten Doku-Filmer-Protagonisten. Die DVD ist damit nicht nur Träger des Films, sondern enthält das komplette Dragonfly-Universum rund um den Film herum. Eine Spielerei, aber eine bezaubernde. Pop Art-Kino für leidenschaftliche Cineasten.

10 grandiose Filme in 10 Tagen, Nummer 10: Der Begriff Horror ist sehr schwer zu definieren, der Horrorfilm ein großes Zelt. Noch schwieriger ist es, Subgenres abzugrenzen. So bevorzuge ich eigentlich den Grusel- zum Horrorfilm, auch wenn beides kaum zu unterscheiden ist. Grusel ist für mich wohlig, ist mit Gänsehaut und Spannung, aber nicht mit Ekel und Brutalität verbunden. Müsste ich meine Vorstellung eines perfekten Gruselfilms an einem Beispiel festmachen, wäre es „The Fog – Nebel des Grauens“ von John Carpenter.

10 grandiose Filme in 10 Tagen, Tag 11: Zum Abschluss mal wieder ganz kommerziell. Unter dem Strich und wenn alle Kassen gestürzt sind – „Star Trek II – Der Zorn des Khan“ ist nicht nur der beste Star Trek-Film, sondern auch eine der besten „space operas“ der Kinogeschichte. Vollgepackt mit human drama vor großen Bildern, atemberaubender Spannung und großartigem Production Design (ein radikaler Bruch zum Vorgänger). Ein Film, dessen Held und Schurke sich in mythischer Kraft ebenbürtig sind und die sich zu fast shakespear’scher (bzw. melville’scher) Tragik aufschwingen. Die kürzesten 113 Kinominuten, die ich je gesehen habe – und ich habe sie oft gesehen.



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heino
heino

Ich finde solche Listicles ab und an ganz lustig und sie sind auch eine nette Ablenkung von all dem Scheiß, den man auf FB in den letzten Jahren so erdulden muss.

Dietmar

Ich habe gelernt: Muss man nicht. Man kann es lassen. Ja, mir fehlen die vielen netten Menschen sehr, aber die nervigen haben eben gewonnen.

Heute stehe ich auf dem Schulhof und da habe ich dann genug von solchen „Debatten“, dass ich FB wirklich nicht vermisse.

Marco
Marco

Phase IV habe ich das erstemal in den 80ern zum teil auf ARD/ZDF gesehen. scared the bejesus out of me, wie man so schoen sagt. habe dann ewig danach gesucht um ihn mal komplett zu sehen. erst das fruehe internet hat dann geholfen. und ich muss sagen, schickt immer noch. nichts was man jede woche schaut, aber so ab und an ist es sehr empfehlenswert. am besten spaet, alleine, in einem dunklen raum …

kein argument gegen irgendeinen der Filme. CQ ist der einzige, den ich nicht kenne. ist komplett an mir vorbeigegangen,

Joersch
Joersch

JAFO :-)…dieser FIlm ist mein absolutes Highlight und im Osten konnte ich den mit viel Glück 1988 im Kino sehen (da war der auch schon 5 Jahre alt), für mich unvergessen und bis heute bestimmt 20x gesehen.

Dietmar

Wenn ich meine Top 10 aufschreiben sollte, wären „Is´ was, Doc?“, „Die glorreichen 7“, „Spiel mir das Lied vom Tod“, „Zurück in die Zukunft“ oder „Rampenlicht“ ganz vorne, so aus dem Kopf. Das wäre schon gut die Hälfte. Dann würde ich weiter überlegen und könnte bei zehn nicht aufhören. Da! Schon wieder einer: „Juda Ben Hur“! Religiöser Schmonz, historisch nicht sauber, aber Monumentalfilm wie er besser nicht sein kann. Packt mich jedes Mal.

MinkyMietze
MinkyMietze

bevor du da „Die glorreichen 7“ drauf setzt, empfehle ich unbedingt sich das japanische Original „Die 7 Samurai“ in der integralen Langfassung anzuschauen. Könnte sein, daß du deine Meinung änderst

Dietmar

Ich kenne „Die 7 Samurei“. Großartiger Film, das Original etc., alles okay und ich widerspreche in keiner Weise. Und trotzdem ist „Die glorreichen 7“ auf meiner (!) Top-Ten-List. Gründe: Grandiose Western-Coolness, grandiose Schauspieler, grandiose Musik, Farben, Location, Atmosphäre einfach wunder-, wunderschön.

Danke für die Empfehlung, aber ein Remake mit eigenem Zugang kann großartig sein und das ist es hier. Ich muss einfach nochmal sagen: Die Musik!

(Hast Du mir den Daumen runter gegeben?! Boah, ey! *faustschüttel*

Auch etwas, was ich an FB nicht mochte und nicht vermisse: dumpfes Runter- und Raufliken. Als ich auf meinem Kanal noch sehen konnte, wo meine Aufnahmen geguckt werden, wie lange und wie das „Like-Verhalten“ ist, tauchte ein User auf, der mit Account auf Neuseeland Videos von mir anklickte, sofort dislikete und zum nächsten ging. Nicht mal eine Sekunde Laufzeit! Was für mich bedeutet: Daumen runter oder hoch nehme ich nicht ernst. (Falls die Ironie mit *faustschüttel* nicht deutlich genug war.) Und schon habe ich wieder zuviel geschrieben. Gut´s Nächtle!)

Dietmar

Und wie konnte ich nur „High Noon“ nicht aufführen?! Hach, so schön!

MinkyMietze
MinkyMietze

zur Info: ich benote prinzipiell keine Kommentare; muss jemand anders sein, der dich wohl nich leiden kanhn

Dietmar

War ja nur ein Spaß! Kommt nicht so rüber. Hättest Du das gemacht, wäre es auch in Ordnung gewesen. Peace! 😉

Matts
Matts

Interessante Liste. Ich hab tatsächlich nur einen kleinen Teil der genannten Filme gesehen. Gerade „Phase IV“ sollte ich mir als Entomologe wohl mal vornehmen ; )

Dietmar

Den habe ich im Fernsehen gesehen und der war gewaltig eindrücklich.