Ein Listicle wie ein Möbius-Streifen – ich zitiere auf meinem Blog Facebook-Einträge, in denen ich mein Blog zitiere. Und das wird bei Facebook verlinkt.

7 Filme zum Kotzen in 7 Tagen, Tag 1: Diese Liste macht es mir nicht einfach. Freiwillig oder aus Versehen schaue ich ja kaum schlechte Filme. Es ist daher meistens dem Fantasy Filmfest zu „verdanken“, wenn ich einer Gurke nicht ausweichen kann. Darum kann ich in diesem Kontext auch prima meine entsprechenden Reviews verwursten. Den Anfang macht ein frauenfeindlicher Gewaltdreck, der auf meiner Webseite heftig diskutiert wurde – was er meines Erachtens nicht wert ist:

„Ich habe nach „Raze“ gesagt, dass ich niemanden kennen lernen möchte, dem dieser Film gefällt. Und einen Tag später sprach mich genau so einer an: „Sprecht ihr von ‚Raze‘? Fandet ihr den nicht gut? Also ich fand den gut. Ich habe mich nur am Schluss gefragt, wieso…“. Ich habe den Typ unterbrochen: „Ich will nicht mir dir reden. Wenn du ‚Raze‘ – auf was für einer Ebene auch immer – gut fandest, gibt es zwischen uns keine mögliche Ebene der Kommunikation. Du hast menschliche und moralische Defizite, die mich abstoßen. Bitte lass‘ mich in Ruhe.““

7 Filme zum Kotzen in 7 Tagen, Tag 2: Laut eines Hollywood-Mantras gibt es kein größeres Verbrechen als den Zuschauer zu langweilen. Das kann den Produzenten von „End of Animal“ nicht bekannt gewesen sein. Ein Film aus Südkorea, der sich wie Nordkorea anfühlt.

„Es ist praktisch nicht zu vermitteln, WIE bleiern und freudlos diese Parabel (denn ich bin sicher, es ist eine – irgendeine) daher kommt, mit welcher elefantösen Schwere sie den Zuschauer in den Sitz drückt, ihm Luft und Lebensgeister nimmt. Hier werden Augen, Ohren und Hirn wirklich überhaupt nicht angeregt. Ich habe spannendere Tapeten gesehen. Öfter. Schlimm genug, wenn ein Film keine Figur hat, mit der man sich identifizieren will. „End of Animal“ schafft das Kunststück, keine Figur zu haben, mit der man auch nur in einem Raum sein will. Besonders der Junge ist eine Art Neo-Kenny (MST3K-Fans wissen Bescheid), der eigentlich am nächsten Baum aufgeknüpft gehört.“

7 Filme zum Kotzen in 7 Tagen, Tag 3: Es gibt mit Sicherheit tonnenweise schlechtere deutsche Horrorfilme als „Virus undead“, der zumindest teilweise brauchbare Schauwerte besitzt – die schaue ich mir aber freiwillig nicht an. Und wenn man „Virus undead“ als Maßstab für einen der eher mittelschlechten deutschen Genrefilme nimmt, dann ist das auch besser so:

„Es gibt keine Ausreden: „Wir hatten nicht genug Geld“, „nicht genug Drehtage“, „keine guten Schauspieler“ – „Virus Undead“ ist ein professionelles Produkt von Leuten, die angetreten sind, MEHR zu leisten als der Wald & Wiesen-Amateurfilm irgendwelcher pfälzischer Splatterprolls, die am Wochenende mit Papas Camcorder ins Gehölz gehen. Und herausgekommen ist WENIGER. Man schämt sich als Zuschauer, weil es die Macher augenscheinlich nicht tun.“

7 Filme zum Kotzen in 7 Tagen, Tag 4: Der verstorbene Ulli Lommel hat einen Haufen cineastischer Verbrechen begangen – aber die habe ich mir alle verkniffen. Weil wegen der geheuchelten Pietät angesichts der kürzlichen Versterbung des Hauptdarsteller alle üblichen Verdächtigen kneifen, prangere ich hiermit das Machwerk „Daniel der Zauberer“ an, das uns zur Frühzeit des Badmovies Festivals ohne ausreichende Vorbereitung in die Eier getreten wurde.

7 Filme zum Kotzen in 7 Tagen, Tag 5: Das öffentlich-rechtliche Fernsehen war in den 70er und 80er Jahren noch deutlich experimenteller und weniger auf den breiten Massengeschmack fokussiert. Das klingt theoretisch löblich, führte in der Praxis aber oft zu verkopften Gurkenproduktionen, die konsequent am Zuschauer vorbei inszeniert waren. Eines der „besten“ Beispiele landete vor ein paar Jahren bei YouTube – der „erste auf Video gedrehte TV-Film“ im Rahmen des Kleinen Fernsehspiels, das Vampir-Trash-Melodram mit dem unfassbaren Titel „Cherie, mir ist schlecht“. Wer diese knappe Stunde durchhält, den kann auch die Hölle nicht schrecken:

7 Filme zum Kotzen in 7 Tagen, Tag 6: Es gibt nur wenige Filme, bei denen ich mich schäme, Horrorfan zu sein. „Morituris“ gehört dazu. Wenn ich mich selber zitieren darf:
„Den Großteil der Laufzeit verbringt der Streifen mit einer elend lang(weilig)en Autofahrt und genüsslich ausgewalzten brutalen Vergewaltigungssequenzen, deren penetrante Frauenfeindlichkeit nichts mit Aussage oder dramaturgischer Notwendigkeit zu tun hat, sondern mit den geistigen Defiziten der Macher dieses Drecks. Die rubbeln sich einen drauf, dass sie einen „total krassen“ Film gedreht haben, weil sie als Gorebauern glauben, die zynische Misshandlung von Frauen wäre in sich schon irgendwie bemerkenswert. Man möchte kotzen. Und alle Darsteller fragen, ob sie abends noch heiß genug duschen konnten, um die fingerdicke Schicht von Ekel runterzuwaschen.“

7 Filme zum Kotzen in 7 Tagen, Tag 7: Eigentlich hätte sich hier „The Curse of Dr. Wolffenstein“ überraschend in die Pole Position geschoben, aber den habe ich ja schon bearbeitet. Deshalb also doch einen alten Champ in Sachen Drecksfilm, „36 Pasos“:
„Ein Film, der augenscheinlich nur existiert, um den äußersten Rand cineastischer Dummdreistigkeit zu definieren. Eine Film gewordene Beleidigung, bei dem man das Schmatzen im Projektionsraum zu hören meint, wenn die Gülle von einer Rolle auf die andere gespult wird. „36 Pasos“ ist kein Film, er ist die endlich entdeckte Ludovico-Therapie. Sollten Politiker nach dem nächsten Schulmassaker beschließen, Jugendliche gewaltsam zu „deprogrammieren“, um ihnen die Liebe zum Schundfilm auszutreiben – „36 pasos“ wird das Werkzeug dazu sein. Ein Streifen, der stärkere Menschen als mich zu brechen in der Lage ist…“



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Dietmar

Wer diese knappe Stunde durchhält, den kann auch die Hölle nicht schrecken:

Zählt 1.36 Minuten? Wohl nicht, fürchte ich. Länger wollte ich das aber nicht sehen. „Das wird nicht leicht sein. Geh jetzt, Maximilian!“ bedeutungsschwangeren Tones vorgetragen und ich gehe, obwohl ich nicht Maximilian bin.

Udo

36 Pasos ist so ein richtiger Scheißfilm, da verblassen die anderen auf der Liste fast dagegen.

sergej
sergej

Wie schneidet im Vergleich zu den genanten Filmen der Film ab, der vor ziemlich genau 8 Jahren hier für einen der längsten Threads sorgte?
Oder zählt der nicht, weil er ein Kunstwerk war und nicht nur ein Film?

Marcus
Marcus

Ich schätze mal, der zählt nicht, weil man den nicht als Film bezeichnen kann, ohne dabei lachen zu müssen.

Mencken
Mencken

Wo wir gerade bei Scheißfilmen von Fantasy Filmfest sind: Ich meine ja, dass ich da vor Jahren mal einen Amateurfilm aus der Schweiz gesehen habe, der sich „Dekadenz“ oder so ähnlich nannte und als Schweizer „Bad Taste“ im Programmheft angekündigt war. Vermutlich das schlechteste Machwerk, das ich je gesehen habe, in etwa wie ein deutscher Amateursplatterstreifen, nur ohne jeglichen Splatter. Habe von den Film aber nur wieder irgendwo was gehört oder gesehen und bin mittlerweile nicht mal sicher, ob ich mir das Ganze nicht nur einbilde. Kennt den jemand hier?

Jürgen
Jürgen

Mal angenommen eine frau hätte dir gesagt das sie Raze toll findet, was hättest du ihr gesagt?