Dänemark 2018. Regie: Rasmus Kloster Bro. Darsteller: Christine Sønderris, Samson Semere, Krešimir Mikic

Offizielle Synopsis: Rie ist PR-Journalistin und auf der gigantischen unterirdischen Baustelle der Kopenhagener Metro unterwegs, wo Arbeiter aus aller Welt zusammenarbeiten, um immer neue Tunnel durch den Stein zu fräsen. Eigentlich wollte sie die Männer zu ihrem ungewöhnlichen Arbeitsplatz interviewen, doch als sie sie auf dem Weg zum großen Bohrkopf begleitet, bricht im Inneren der Tunnel eine gewaltige Katastrophe aus. In einer Druckkapsel eingesperrt, harrt Rie mit zwei anderen auf Rettung. Als die ausbleibt und die Lage eskaliert, entfesselt sich ein unbändiger Überlebensinstinkt.

Kritik: Schaut man unbedarft die ersten 15 Minuten von „Cutterhead“, wähnt man sich in einer dieser „Mega Machines“-Dokus, die auf N24 in der Dauerschleife laufen. Eine Journalistin vor Ort, auf der Suche nach „human interest stories“, Arbeiter aus aller Welt, gigantische Röhren, endlose Gänge, Stahl, Beton, Schlamm. Hier wird das ganz große Rad für die Zukunft der Infrastruktur gedreht. Ich war vor allem baff, dass die Filmemacher offensichtlich an einem echten (oder vergleichbaren) Schauplatz drehen durften. Man kann Männerschweiß und Maschinenöl förmlich riechen.

Rie wird denn auch weniger als Protagonistin im fiktionalen Sinne eingeführt – wir beobachten sie nur bei der mäßig interessanten Arbeit. Ein Digi-Foto da, eine banale Interviewfrage hier. Sie wird schon was draus stricken.

Wenn die Katastrophe hereinbricht, ist das zunächst nur ein leises Piepen einer Anzeige, ein rotes Licht auf einem Kontrollpaneel. Verwunderung, leichte Unruhe – gehen Sie zur Sicherheit mal in die Kompressionskammer…

Und hier macht „Cutterhead“ eben nicht den Fehler von „Paradox“ (so absurd der Vergleich in toto sicher sein mag): Wir bleiben bei Rie, sehen immer nur, was sie sieht, hören nur, was sie hört. Wir sind so eingesperrt, so blind und taub wie sie, ängstlich, hungrig nach Informationen und menschlichem Kontakt. Die Souveränität der Lokalreporterin weicht schnell der Panik einer von der Außenwelt abgeschnittenen Mutter und den überlebenswichtigen Sauerstoff zu teilen, das ist nur eine Option, bis er wirklich knapp wird…

Das ist erfreulich nüchtern, aber zunehmend druckvoll inszeniert und Kloster Bro findet genügend Wege, auch in der winzigen Kompressionskammer immer wieder neue Versuche und Niederlagen zu konstruieren. Es gibt hier keine einfachen Lösungen, keinen Technobabble wie in amerikanischen Science-Thrillern. Die schwere analoge Unterwelt ist nicht an einem hypermodernen Bildschirm umzuprogrammieren, wie es das Drehbuch gerade braucht.

Natürlich ist „Cutterhead“ nichts für Leute, die wegen Vampiren zum FFF oder weil sie Äxte in Köpfen sehen wollen (siehe „One Cut of the Dead“ oder „Cannibal Club“ für sowas). Wem es aber generell um Spannungskino geht und extreme Emotionen, um den Thrill der Ausweglosigkeit, der wird hier auf hohem Niveau bedient.

Fazit: Ein fast schon dokumentarisches Klaustrophobie-Katastrophen-Kammerspiel, das massiv von der realen Location profitiert und neben den ganzen artifiziellen Genrefilmen positiv hervorsticht. Auch dafür 7 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

„Ein bisschen sehr viel dummes Verhalten der Hauptperson. Ansonsten aber spannend und ein unverbrauchtes Setting.“



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