Mexiko 2017. Regie: Guillermo Amoedo. Darsteller: María Evoli, Vanesa Restrepo, Carla Adell, Fernando Becerril, Gabriela de la Garza, Liz Dieppa, Flavio Medina

Offizielle Synopsis: Eigentlich sollte alles ganz schnell gehen. Rein in die Villa des renommierten Politikers, den Safe ausleeren und mit dem Fluchtauto auf und davon. Als die drei Schwestern Maria, Camila und Ana im Keller des Anwesens jedoch ein ans Bett gefesseltes junges Mädchen finden, das blass und abgemagert um Hilfe fleht, stecken sie gehörig in der Klemme. Denn die im Verborgenen versteckte Tochter dieser einflussreichen Familie ist ein ganz besonderes Kind, das den Mädels ihre Hilfe mit einem One-Way-Ticket direkt in die Hölle dankt.

Kritik: Katholischer wird’s nicht mehr – „The Inhabitant“ ist ein Schuld & Sühne-Streifen, dessen Figuren weniger an der okkulten Entität scheitern als an ihrer eigenen Fehlbarkeit. Das ist natürlich immer ein sehr wackliges Konzept, denn da kein Mensch ohne Schuld ist, wird es dem Gehörnten hier sehr leicht gemacht, seine Gegenspieler in Wut & Wahnsinn zu treiben. Aber angesichts der christlichen Frömmeligkeit der Mexikaner muss man diese Vorgehensweise wohl einpreisen.

Darüber hinaus gelingt es „The Inhabitant“ durchaus, dem „kleines Mädchen vom Teufel besessen“-Subgenre etwas Saft abzupressen. Das beginnt schon bei den Protagonistinnen, drei jungen Schwestern mit Knast- und Gewalt-Vergangenheit. Ihr Selbstverständnis und die Beziehungen untereinander sind der Hebel, an dem die dämonischen Kräfte ansetzen können.

Auch die Eltern des Kindes sind deutlich komplexer als die übliche „besorgte Mama und Papa“-Nummer. Sie haben Geheimnisse, ganz eigene Interessen, und am Ende stecken auch sie in einer Zwickmühle aus „gut gewollt“ und „schlecht gemacht“.

Das ist alles sehr ordentlich gespielt und auch schick gefilmt – die Villa des Senators liegt größtenteils in Dunkelheit, ohne dass die Leinwand schwarz wird, die vielen Gänge und Fluchten verirren uns genauso wie die Einbrecherinnen. Rückblenden werden immer wieder geschickt in die Szenerie eingeblendet, um den Erzählfluss nicht zu bremsen.

Aber es ist halt doch nur wieder ein Exorzismusgrusler, dessen Kern-Elemente wir so gut kennen, dass wir bei diversen Expeditionen und Erzählungen der Figuren im zweiten Akt immer mal wieder denken: „ja ja, schon klar – macht hinne!“. Es wird langsamer erzählt, als dem Zuschauer recht sein kann. Erst mit der Ankunft des Kardinals findet der Film wieder zu sich und dann auch zu einem befriedigenden Ende.

Fazit: Exorzismusgrusler im klassischen Stil und ein paar guten, schmerzhaften Wendungen, der aber immer wieder den Faden verliert und im zweiten Akt nicht kompakt genug inszeniert ist. 6 von 10 Punkten.

Edgar das Ekel-Emoji meint:

Philipps zweite Meinung:

Mehrere interessante und durchaus elegante Wendungen. Zerfasert leider etwas in seinen Rückblenden.

 



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